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Ukraine

Zerstörung in Mariupol: Die Bevölkerung leidet stark unter dem Konflikt in der Ostukraine. Bild: ANATOLY MALTSEV/EPA/KEYSTONE

Hüben wie drüben: Amnesty bezichtigt Ukraine-Konfliktparteien der Kriegsverbrechen

Publiziert: 07.09.14, 02:22 Aktualisiert: 07.09.14, 17:16

Im Ukraine-Konflikt begehen nach Meinung von Amnesty International Kämpfer aller Konfliktparteien Kriegsverbrechen. Alle Seiten in diesem Konflikt missachteten das Leben von Zivilisten und verletzten eklatant ihre internationalen Verpflichtungen.

Amnesty-Chef Sali Shetty. Bild: Lefteris Pitarakis/AP/KEYSTONE

Die Menschenrechtsorganisation habe auch Beweise dafür, dass Russland den Konflikt anheize, und zwar sowohl durch Unterstützung der Separatisten in der Ostukraine als auch durch direktes Eingreifen. Dies teilte AI-Generalsekretär Salil Shetty am Sonntag mit. 

Satellitenbilder bewiesen, dass Russland unmittelbar in den Konflikt eingreife, hiess es weiter. Sie zeigten unter anderem die Aufstellung neuer, nach Westen gerichteter Geschütze innerhalb der ukrainischen Grenze zwischen dem 13. und dem 29. August.

Diese Satellitenbilder in Verbindung mit Berichten über russische Truppen auf ukrainischem Boden liessen keinen Zweifel daran, dass dies nun ein internationaler bewaffneter Konflikt sei, sagte Shetty. Der Kreml hat mehrfach bestritten, an den Kämpfen in der Ukraine beteiligt zu sein.

Satellitenbilder sollen Stellungen in der Ukraine zeigen. Bild: EPA/NATO / DIGITALGLOBE

Geiseln getötet

Amnesty-Helfer hätten in der Ostukraine Beweise für willkürlichen Beschuss, Entführungen, Folter und Morde gesammelt. Sie hätten mit Augenzeugen gesprochen, die vor Kämpfen bei Donezk, Kramatorsk, Lugansk und anderen Orten geflohen waren.

Die Zivilisten berichteten laut Amnesty, dass die ukrainische Armee ihre Wohnorte heftig unter Beschuss genommen hätten. Diese Angriffe seien offenbar wahllos gewesen und könnten Kriegsverbrechen sein, teilte Amnesty mit. Zeugen berichteten ausserdem, separatistische Kämpfer hätten ihre Nachbarn entführt, gefoltert und umgebracht.

«Ohne eine sorgfältige und unabhängige Untersuchung besteht das Risiko, dass die Ukrainer über Generationen unter den Narben dieses Kriegs leiden.»

Salil Shetty, Amnesty International

Einwohner von Slawjansk erzählten etwa, dass Separatisten einen Pfarrer, zwei seiner Söhne und zwei Kirchgänger in ihre Gewalt gebracht und 50'000 Dollar Lösegeld gefordert hätten. Als die Gemeinde das Geld zusammen hatte, hätten die Entführer alle Geiseln bereits getötet gehabt.

Andere Berichte, die Amnesty als glaubhaft einstuft, beschuldigten freiwillige bewaffnete Gruppen aufseiten der ukrainischen Armee, Menschen zu verschleppen und zu schlagen. «Zivilisten in der Ukraine verdienen Schutz und Gerechtigkeit», sagte Shetty. «Ohne eine sorgfältige und unabhängige Untersuchung besteht das Risiko, dass die Ukrainer über Generationen unter den Narben dieses Kriegs leiden.» (kad/sda/dpa)

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