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Alte Baumbestände leiden unter dem Druck des Klimawandels, dabei sind sie unter anderem für die Speicherung von CO2 im Boden wertvoll: Garajonay National Park auf La Gomera (Spanien). Bild: keystone

Der Wald der Zukunft beherbergt vor allem kleine Bäume

Waldbrände, Insektenschäden und Dürren setzen den Bäumen im Zuge des Klimawandels stärker und häufiger zu. Ältere Pflanzen sind vom Baumsterben besonders bedroht.

Publiziert: 29.05.20, 17:10 Aktualisiert: 29.05.20, 20:35

Kleinere Bäume, offenere Bestände und niedrigere Biomasse: So sollen die Wälder Mitteleuropas laut einer neuen Studie künftig aussehen. Das wirkt sich auf das Klima aus. Weniger Biomasse heisst nämlich auch, dass weniger Kohlenstoff im Wald gespeichert wird.

Einerseits setzen Hitze, Trockenheit und Brände den Wäldern in Mitteleuropa immer häufiger zu. Andererseits zeugen Satellitendaten und Langzeitbeobachtungen von einem Ergrünen des Planeten. Nicht zuletzt aufgrund des steigenden Kohlenstoffdioxid-Gehaltes in der Atmosphäre wachsen Wälder heute schneller als noch vor einigen Jahren, wie die Technische Universität München (TUM) am Freitag mitteilte.

Doch die positiven Effekte werden die negativen in Zukunft nicht mehr aufwiegen können. Das zeigt eine Studie unter Beteiligung der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, die am Freitag im Fachmagazin «Science» erschienen ist.

Die Biomasse der mitteleuropäischen Bäume wird in Zukunft vermutlich weiter abnehmen – mit Folgen für Flora, Fauna und die Menschen. Bild: AP

Negative Effekte überwiegen auch in Schweizer Wäldern

Das internationale Wissenschaftlerteam konzentrierte sich in der Literaturstudie auf verschiedene Faktoren, die die Altersstruktur von Wäldern beeinflussen. Dazu gehören Temperatur, der Kohlenstoffdioxidgehalt in der Atmosphäre, Luftfeuchtigkeit, Dürre, Waldbrände, Windwurf, Schädlinge und Landnutzung.

«Unsere Analysen zeigen, dass wir gerade einen Wechsel von überwiegend positiven Effekten des globalen Wandels hin zu einer Periode der wachsenden Limitierungen für Bäume erleben», sagte Rupert Seidl, Professor für Ökosystemdynamik und Waldmanagement an der TUM, in der Mitteilung.

Die WSL-Ökophysiologin Charlotte Grossiord, Co-Autorin der Studie, bestätigte die Einschätzung ihres Kollegen. «Auch im Falle der Schweiz ist das sehr zutreffend», sagte sie zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Beispielhaft würden dies die Hitzesommer 2018 und 2019 zeigen. Die extrem heissen und trockenen Perioden hätten Bäume in der ganzen Schweiz absterben lassen.

Die Wälder sind nicht nur Naherholungsgebiete, sondern produzieren auch Sauerstoff, säubern Trinkwasser und speichern Kohlendioxid. Bild: AP/AP

Baumsterben geht weiter

Weil Störungen wie Waldbrände, Insektenschäden, Windwurfereignisse und Dürren im Zuge des Klimawandels stärker und häufiger vorkommen werden, gehe auch das Baumsterben weiter, sagte Seidl in der Mitteilung. Grosse und alte Bäume würden dabei besonders betroffen sein, weil sie etwa dem Wind stärker ausgesetzt seien und es für sie schwieriger sei, ihre Blätter kontinuierlich mit Wasser aus dem Boden zu versorgen.

«Die Veränderungen machen deutlich, dass wir radikale Lösungen brauchen, um unsere Wälder zu schützen»

Charlotte Grossiord, WSL-Ökophysiologin

Unter diesen Entwicklungen sinkt laut den Forschenden die Klimaschutzwirkung des Waldes. Aber auch andere Waldleistungen wie die Filterung von Trinkwasser oder der Schutz vor Naturgefahren wird nicht mehr gewährleistet sein.

«Die Veränderungen machen deutlich, dass wir radikale Lösungen brauchen, um unsere Wälder zu schützen», schloss Grossiord. «Dazu gehört auch und vor allem, unsere Emissionen fossiler Brennstoffe zu reduzieren.» (sda)

Natur schluckt Dorf

Bei der Gründung der Volksrepublik im Jahre 1949 lebte nur einer von zehn Chinesen in Städten. Im Jahr 2014 erreichte der Urbanisierungsgrad nach Angaben der chinesischen Regierung 54 Prozent. Auf der Insel Gouqi im Kreis Shengsi, einem Archipel mit über 400 Inseln, starb ein ehemaliges Fischerdorf durch die Landflucht ganz aus. Jetzt schlägt die Natur zurück.
Der chinesische Fotograf Tang Yuhong suchte das verlassenen Nest auf.
Seine Bilder zeigen eindrücklich, wie sich die Natur ihr Territorium langsam aber vollständig zurückerbobert.
Ganze Häuser sind von Pflanzen eingenommen.
Langsam aber stetig verschluckt die Natur das ganze Dorf.
Ein einmaliges Bild: Das verlassene Fischerdorf auf Gouqi Island.
Ein Blick auf Shengsi, China.
Hier hat der Mensch noch seine Finger im Spiel.
Und auch an den Stränden herrscht im Sommer Betrieb.

Feuer zerstört Zehntausende Hektar Land

Video: SRF / Roberto Krone

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