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In Bernstein gegossen: Älteste Spermien der Welt entdeckt

Publiziert: 17.09.20, 10:33 Aktualisiert: 17.09.20, 12:57

Bild: Shutterstock

Über 100 Millionen Jahre konserviert in Bernstein: Forscher haben in einem winzigen Krebsweibchen Riesenspermien entdeckt – das Tier wurde offenbar kurz nach der Paarung vom Harz eingeschlossen.

Ein internationales Team von Paläontologen entdeckte 100 Millionen Jahre alte Spermien im Inneren eines weiblichen Muschelkrebses aus Myanmar. Das berichten unter anderem Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München im Fachmagazin «Proceedings B».

Die Krebse, die mit ihrem zweiklappigen, verkalkten Panzer ein wenig an Muscheln erinnern, existieren seit 500 Millionen Jahren.

Unbekannte Art entdeckt

Die bisher ältesten Spermien waren nur halb so alt: Die 50 Millionen Jahre alten Samenzellen waren im versteinerten Kokon eines Gürtelwurms in der Antarktis entdeckt worden.

Mit dem Spermienfund entdeckten die Forscher eine bislang unbekannte Art, die sie «Myanmarcypris hui» nannten.

Kurz vor Einschluss gepaart

Mittels Röntgenmikroskopie fertigten sie computergestützte 3-D-Rekonstruktionen der in Bernstein eingebetteten Krebse. Dabei waren nicht nur die winzigen Gliedmassen der nur gut einen halben Millimeter grossen Tiere zu sehen, sondern auch ihre Fortpflanzungsorgane und eben die 100 Millionen Jahre alten Spermien.

Sie lagen in beutelartigen Behältern, in denen sie aufbewahrt werden, bis die Eier befruchtungsreif sind. «Dieses Weibchen muss sich kurz vor dem Einschluss im Baumharz noch gepaart haben», sagte Co-Autor He Wang von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Nanjing. Die Rekonstruktionen enthüllten auch die charakteristischen muskulösen Spermienpumpen und zwei Penisse, mit denen männliche Muschelkrebse die Weibchen begatten.

Spermien länger als Krebs

«Es war eine überaus seltene Möglichkeit, etwas über die Evolution dieser Organe zu erfahren», sagte die beteiligte LMU-Geobiologin Renate Matzke-Karasz. Die Spermien seien wahrscheinlich länger gewesen als der Krebs selbst. Da sie aufgewickelt in den Speicherorganen lagen, lasse sich die Länge nicht genau feststellen.

Der Nachweis aus Myanmar, dass sich Tiere bereits seit mehr als 100 Millionen Jahren mit Riesenspermien fortpflanzen, beweise den Erfolg dieser Strategie, sagt Matzke-Karasz. Bei den meisten Tieren wie auch beim Menschen gebe es winzige Spermien in sehr grossen Mengen. Nur wenige Tiere, darunter manche Fruchtfliegen und eben Muschelkrebse, stellten eine relativ kleine Anzahl überdimensionaler Spermien her.

(aeg/sda/dpa)

Sperma-Check mit dem Handy

Bewegung, Form und Anzahl von Spermien im Ejakulat erkennen Ärzte eigentlich unter dem Mikroskop. Daran wird auch die Zeugungsfähigkeit von Männern evaluiert. Allerdings stellt die Analyse für viele Männer eine Hürde dar – einerseits finanziell, andererseits pschologisch. (Quelle: Vignesh Natarajan) AP PA JOURNAL OF SCIENCE / STR
Ein Forscherteam von der Harvard Medical School hat daher ein System entwickelt, mit dem die Qualität von Sperma auf günstige und unkomplizierte Weise mithilfe eines Smartphones beurteilt werden könnte. Das Gadget besteht aus einem kastenförmigen optischen Zubehörteil, auf dem das Smartphone befestigt wird. Ein Einmal-Chip mit der Spermaprobe wird in den Optikkasten geschoben. (Quelle: Vignesh Natarajan)
Dieses Bild zeigt, wie die unbehandelte Spermaprobe mit Unterdruck auf einen Einmal-Chip gesogen wird. (Quelle: Vignesh Natarajan)
In weniger als fünf Sekunden analysiert die Kamera des Smartphones die Konzentration und Beweglichkeit der Spermien in der Probe. (Quelle: Vignesh Natarajan)
Eine App führt den Nutzer durch die Anwendung. (Quelle: Vignesh Natarajan)

Jeder sechste Schweizer hat weniger Spermien als normal

Video: SRF / SDA SRF

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