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Facebook will zur Onlinezeitung werden und hat offenbar bereits ein paar grosse Newsportale an der Angel. 

8 Gründe, warum News lesen auf Facebook mehr Spass macht als auf Newsportalen – und 8 Gründe, warum das stinkt

Was ist geschehen? Ausgewählte Medien können ihre Artikel bald direkt auf Facebook veröffentlichen. Für die Nutzer von Newsportalen, also dich, hat dies zahlreiche Vorteile – aber auch Nachteile.

Publiziert: 13.05.15, 15:00 Aktualisiert: 13.05.15, 15:24

Facebook wird zur Newsplattform: Führende Newsportale wie die «New York Times» denken laut darüber nach, ihre Artikel und Videos direkt auf Facebook zu publizieren. Der Vorteil für die Newsportale liegt auf der Hand: mehr Leser. Auf Facebook erreichen die Medien neue (junge) Nutzer, die ihre eigene News-App oder Webseite nicht besuchen.

Was hat Facebook davon?

Die User bleiben länger auf dem sozialen Netzwerk und werden nicht mehr auf andere Webseiten wie watson.ch oder YouTube gelenkt, was ganz im Sinn von Mark Zuckerberg ist. 

«Mehr Zeit auf Facebook, mehr Daten, mehr Geld – so die simple Rechnung von Facebook.»

quelle: social media watchblog

Doch auch für dich als watson-Leser hat Facebook als Medienplattform zahlreiche Vorteile, aber auch Fallstricke.

8 Gründe, warum News lesen auf Facebook mehr Spass macht als auf Newsportalen

  • Du brauchst (theoretisch) nur noch eine App, um News von diversen Medien zu lesen. Facebook zeigt dir die Artikel, ohne dass du die App verlassen oder zu anderen Webseiten wechseln musst.
  • News lesen wird einfacher. Statt zwischen zig News-Apps hin und her zu wechseln, die alle unterschiedlich aussehen und bedient werden, kannst du Artikel und Videos bequem in der gewohnten Facebook-App betrachten.
  • Keine nervende Bannerwerbung, die den halben Bildschirm einnimmt und sich kaum wegklicken lässt. Facebook fügt seine Werbung so ein, dass sie zwar sichtbar ist, aber eben nicht den Inhalt verdeckt.
  • Du brauchst vermutlich lediglich das Facebook-Passwort, um kostenpflichtige Medien und Artikel zu lesen. Statt bei mehreren Zeitungen ein digitales Abo zu lösen, wird im besten Fall alles über Facebook abgerechnet.
  • Facebook lernt rasch, was dich wirklich interessiert und zeigt dir massgeschneiderte Artikel – zum Beispiel über unbekannte Künstler oder Randsportarten, die in vielen Medien nicht thematisiert werden. Du stolperst so über Artikel und Videos, die du nie finden würdest, wenn du immer die gleichen paar Newsportale besuchst.
  • Umgekehrt filtert Facebook Themen heraus, die dich auf Newsportalen seit Jahren nerven. Du willst nie mehr etwas über Sport oder Promis lesen? Kein Problem. Facebook verbirgt, was dich nicht interessiert. 
  • Du siehst, welche Artikel deine Freunde interessieren und entdeckst so vielleicht spannende Artikel.
  • Viele Webseiten und Apps sind langsam und unzulänglich für kleine Smartphone-Displays optimiert. Mark Zuckerberg könnte sich mit Facebook die bestmöglichen Ladezeiten im Internet erkaufen, so dass Videos auf Facebook kaum ins Stocken kommen, selbst wenn Millionen Nutzer gleichzeitig darauf zugreifen.

8 Gründe, warum du News nicht (nur) auf Facebook lesen solltest

  • Facebook kann den Newsfeed heimlich manipulieren – und tut dies auch. Auch bei News-Artikeln, die künftig direkt auf Facebook veröffentlicht werden, bestimmt das soziale Netzwerk mit, welche Storys die Nutzer zu sehen bekommen – und welche nicht. Das ist insbesondere bei politischen Themen heikel. Auf Newsportalen geschieht die Artikelauswahl mehr oder weniger transparent nach gesellschaftlich relevanten Kriterien. 
  • Facebook will, dass die User möglichst lange auf der Website oder in der Facebook-App verweilen. Daher zeigt uns das soziale Netzwerk nicht eine zufällige oder neutrale Auswahl aller Themen, sondern jene, die uns vermutlich am besten gefallen.
  • Wer News nur noch auf Facebook konsumiert, schafft sich seine eigene Filterblase. Das heisst, wir bekommen nur das zu sehen, was uns schon interessiert und uns bereits gefällt. Abweichende Meinungen, die uns ärgern könnten, versteckt das soziale Netzwerk vor uns. Ein Beispiel: Wenn ein Jugendlicher rechtsextreme Webseiten liked, zeigt ihm Facebook künftig Artikel, die seine Meinung bestätigen. Artikel mit abweichenden Meinungen werden ausgeblendet. Dies könnte latente Vorurteile verstärken, da man nicht mehr mit unterschiedlichen Argumenten konfrontiert wird.
  • Facebook will möglichst viel Werbung verkaufen. Aus psychologischen Experimenten ist längst bekannt, dass Werbung in einem positiven Umfeld, sprich wenn Menschen guter Laune sind, besser wirkt. Bei News-Artikeln könnten positive Meldungen daher von Facebook stark bevorzugt werden: Herzige Kätzchen machen einfach bessere Laune als Gräueltaten in Syrien. Wer ist schon in Kauflaune, wenn er soeben über Krieg und Hungersnöte gelesen hat?
  • Der Facebook-Nutzer wird noch mehr als heute zum gläsernen Mediennutzer. Je mehr Zeitungsleser ihre News direkt auf Facebook konsumieren, desto mehr Daten können gesammelt und desto mehr Werbung kann verkauft werden.
  • Als US-Unternehmen setzt Facebook amerikanische Normen und Werte auf seiner Plattform weltweit durch. Fotos mit nackter Haut, die europäische Medien ohne Schulterzucken zeigen würden, sind in den USA tabu und werden auf Facebook entsprechend zensiert.
  • Mit Facebook droht der Einheitsbrei: Innovative Onlinemedien entwickeln ihre Apps und Webseiten kontinuierlich weiter. So entstehen neue, multimedial erzählte Textformen wie Quiz, Duelle oder die auf watson oft gesehenen Artikel in Listenform. Wenn Artikel nicht mehr primär über News-Apps oder Webseiten gelesen werden, sondern über die Facebook-App, sinkt der Anreiz für Medien, ihre Webseiten und Apps weiterzuentwickeln. 
  • Medienunternehmen optimieren ihre Webseiten und Apps gezielt für ihre individuelle Zielgruppe. Das Layout der NZZ unterscheidet sich grundlegend von watson oder BuzzFeed. Bei Facebook gibt es nur eine App und vermutlich ein Layout, für ganz unterschiedliche Artikel sehr heterogener Medien. Die Gefahr ist eminent, dass auf einer einheitlichen Facebook-Plattform Artikel unterschiedlicher Medien uniform und somit langweilig daherkommen. Unterschiedliche Newsportale und News-Apps sorgen nicht zuletzt durch ihre individuelle Gestaltung und die bewusste Gewichtung der Themen für Abwechslung. 

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