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Bild: EPA/ESA / ATG MEDIALAB / DPA

Ist da das doofe Ding? «Philae», das Landungs-Modul der «Rosetta»-Muttersonde ist seit Monaten auf dem Kometen Tschuri verschollen. Jetzt gibt es Hoffnung

Publiziert: 12.06.15, 09:50 Aktualisiert: 12.06.15, 10:24

Wissenschaftler haben auf Bildern der Kometenoberfläche einen vielversprechenden «Philae»-Kandidaten ausgemacht, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) am Donnerstag in Köln und Göttingen mitteilten. 

Ob der auf den Bilder erkennbare helle Fleck aber tatsächlich «Philae» ist, wissen die Forscher noch nicht. Die «Philae»-Sonde hatte sich am 12. November planmässig von «Rosetta» gelöst und war auf die Oberfläche ihres Zielkometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko herabgesunken, der kurz Tschuri genannt wird.

Zwei Hüpfer

Allerdings kam «Philae» erst nach zwei Hüpfern und der leichten Berührung eines Felsbrockens abseits des ursprünglich vorgesehenen Landeplatzes zum Stehen. Da die Sonde dort zu wenig Sonnenenergie erhält, waren ihre Batterien bereits nach knapp 60 Stunden wissenschaftlicher Arbeit erschöpft. Seither ist sie verstummt.

Wo exakt die Landeeinheit nun steht, konnte noch nicht herausgefunden werden. «Wir konnten seinen aktuellen Standort bisher auf einen Bereich von 16 mal 160 Meter eingrenzen», erläuterte der «Philae»-Projektleiter Stephan Ulamec vom DLR.

Komet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko («Tschury»)

Blick aus rund 16 Kilometern Entfernung auf den Kometen «Tschuri». Sichtbar ist auch eines der beiden 14 Meter langen Solarpanels der Raumsonde «Rosetta». Das Bild wurde aus zwei Aufnahmen montiert, um die Helligkeitsunterschiede auszugleichen. AP/ESA/Rosetta/Philae/CIVA
Der Komet aus einer Entfernung von 105 Kilometern, aufgenommen am 12. August 2014. Seine Form erinnert an eine Gummiente. EPA/ESA / ESA/ROSETTA/NAVCAM/HANDOUT
Der vorgesehene Landeplatz («J»), der mittlerweile nach einer Nilinsel «Agilkia» benannt wurde, befindet sich auf dem «Kopf» des Kometen. Das Landemodul «Philae» soll am 12. November landen. EPA/ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team / ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DAS
Nahaufnahme von der stark gegliederten Oberfläche des Kometen. EPA/ESA / ESA / ROSETTA / MPS HANDOUT
Künstlerische Darstellung von «Rosetta», die am 2. März 2004 mit einer Ariane-5G+-Trägerrakete ins All geschossen worden war. Die Raumsonde war zehn Jahre lang unterwegs. EPA/ESA / ESA / HANDOUT
Das kosmische Rendezvous zwischen der Raumsonde «Rosetta» und dem Kometen «Tschury» findet in einer Distanz von 511 Millionen Kilometern von der Erde statt. EPA/ESA / ESA / HANDOUT
Der Lander «Philae» wird aus über 20 Kilometer Höhe über dem Kometen abgeworfen. «Tschuri» misst rund 4 auf 3,5 Kilometer. EPA/ESA / ESA / HANDOUT
Professorin Kathrin Altwegg, Weltraumforscherin vom Institut für Exakte Wissenschaften der Universität Bern, im Labor des Instituts. Sie entwickelte das Instrument «Rosina», das unter anderem die Zusammensetzung der Gase im Schweif des Kometen misst. «Rosina», das rund 60 Millionen Franken kostete, ist mit 35 Kilogramm eines der schwersten Geräte an Bord der Raumsonde. KEYSTONE / PETER SCHNEIDER
Gäste sind am 6. August 2014 an einem ESA-Anlass in Darmstadt live dabei, als die Raumsonde den Orbit um den Kometen erreicht. EPA/DPA / BORIS ROESSLER
Aus dem ESA-Kontrollzentrum in Darmstadt verfolgen Experten die Flugbahn der Raumsonde. EPA/DPA / BORIS ROESSLER
Künstlerische Darstellung von «Rosetta». EPA/ESA / ESA / HANDOUT
Eine Kopie der Raumsonde im ESA-Kontrollzentrum in Darmstadt. EPA/DPA / DANIEL REINHARDT
Austretende Gase zeigen, dass der Komet aktiv ist.
Ein Schnappschuss der Osiris-Kamera auf «Rosetta» zeigt den Lander «Philae» beim Sinkflug auf den Kometen. X80001 / HANDOUT
Dieses Bild, das «Philae» 50 Sekunden nach der Trennung von der Raumsonde «Rosetta» schoss, zeigt «Rosetta» von aussen. EPA/ESA/Rosetta/Philae/CIVA / ESA/Rosetta/Philae/CIVA / HANDOUT
Ein Modell des Landemoduls. AFP / DANIEL ROLAND
Jubel im Kontrollzentrum Darmstadt. AFP / DANIEL ROLAND
Das erste Bild von der Oberfläche. Unten links ist einer der drei Landefüsse des Landemoduls zu sehen. Das Bild wurde aus zwei Bildern der Kamera CIVA an Bord des Landers zusammengesetzt. ESA / null
Dieses Bild nahm «Philae» knapp vor dem Touchdown aus rund drei Kilometer Höhe auf.
Der vorgesehene Landebereich war flach. Jetzt steht «Philae» irgendwo im Schatten eines Kliffs, was die Energieversorgung durch Solarenergie problematisch oder gar unmöglich macht. Vorläufig hat der Lander noch Energie von seiner Batterie. ESA
Der vorgesehene Landeplatz (rotes Quadrat) wurde zwar getroffen, aber der Lander prallte ab und steht jetzt nach seinen Sprüngen irgendwo im blauen Bereich rechts.
So etwa dürfte «Philae» auf dem Kometen stehen. EPA/ESA / ROSETTA / PHILAE / CIVA / ESA / ROSETTA / PHILAE / CIVA / HANDOUT
Der vorgesehene Landeplatz auf der Oberfläche von «Tschuri». EPA/ESA / ROSETTA / MPS for OSIRIS TEAM / MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA / HO
Eine Nahaufnahme des vorgesehenen Landeplatzes. EPA/ESA / ROSETTA / MPS for OSIRIS TEAM / MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA / HO
Ein detailreiches Bild von der Oberfläche des Kometen. Der Lander machte die Aufnahme 40 Sekunden vor der ersten Landung mit seinem ROLIS-Instrument. AP/ESA ROSETTA PHILAE
Aufnahme des Landers von der Raumsonde «Rosetta» aus. AP/ESA ROSETTA PHILAE
Das Landemodul beim Sinkflug auf den Kometen. EPA/ESA / ROSETTA / MPS for OSIRIS TEAM / MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA / HO
Hüpfen auf hartem Grund: Die Montage mehrerer Aufnahmen der Sonde «Rosetta» zeigt den Ablauf der Landung. Um 15.23 ist «Philae» gut zu erkennen – kurze Zeit später fand die erste Bodenberührung statt. Spuren davon sind in der Aufnahme von 15.43 Uhr zu erkennen. Zur selben Zeit schwebte «Philae» schon ein ganzes Stück weiter rechts – zu erkennen als weisser Punkt über schwarzem Untergrund. AP/European Space Agency
Staubdünen, Geröllhalden und Klippen hat die Sonde «Rosetta» auf «Tschuri» fotografiert. EPA/EUROPEAN SPACE AGENCY / ESA/ROSETTA/MPS FOR OSIRIS TEAM/HANDOUT
Dieses Bild besteht aus vier verschiedenen Aufnahmen, die von der Raumsonde «Rosetta» aus einer Distanz von 28,4 km gemacht wurden. EPA/EUROPEAN SPACE AGENCY / ESA/ROSETTA/NAVCAM
Bis zu 200 Meter tiefe und 300 Meter breite zylinderförmige Löcher wurden entdeckt, deren Wände eine Art Gänsehaut haben – sie sind mit etwa drei Meter grossen Klumpen gepflastert. EPA/EUROPEAN SPACE AGENCY / ESA/ROSETTA/MPS FOR OSIRIS TEAM/HANDOUT
Das am 22. Januar 2015 veröffentlichte Bild zeigt einen Teil des grossen Bruchs, der in der «Nackenregion» des Kometen verläuft. EPA/EUROPEAN SPACE AGENCY / ESA/ROSETTA/MPS FOR OSIRIS TEAM/HANDOUT
Auf «Tschuri» gibt es steile, bis zu 700 Meter hohe Klippen. EPA/EUROPEAN SPACE AGENCY / ESA/ROSETTA/MPS FOR OSIRIS TEAM/HANDOUT
Weitwinkelaufnahme der Kometen-«Ente» vom September 2014. EPA/EUROPEAN SPACE AGENCY / ESA/ROSETTA/MPS FOR OSIRIS TEAM/HANDOUT

Die Suche nach dem dreibeinigen Landegerät auf den Aufnahmen der «Rosetta»-Kamera «Osiris» erweist sich demnach als schwierig, weil «Philae» selbst bei voller Beleuchtung durch die Sonne nur wenige Pixel gross wäre.

Heller Fleck

Gleich auf mehreren Bildern könnte «Philae» zu sehen sein - oder auch nicht. Auf den vielversprechenden Kandidaten für den Standort der Sonde stiessen die Wissenschaftler des «Osiris»-Teams nun durch Vergleiche von Bildern einer bestimmten Region, die vor und nach der Landung von «Philae» aufgenommen wurden.

Dabei entdeckten sie auf zwei Aufnahmen aus der Zeit nach der Landung einen hellen Fleck, der auf den früheren Bildern derselben Region fehlt.

«Obwohl die 'Vorher'- und 'Nachher'-Bilder mit verschiedenen räumlichen Auflösungen aufgenommen wurden, stimmen topographische Details gut überein - bis auf einen hellen Fleck», erklärte das «Osiris»-Teammitglied Phillipe Lamy. «Diesen schlagen wir als guten Kandidaten für 'Philae' vor».

Allerdings könnte der helle Fleck laut MPS auch auf eine physikalische Veränderung auf dem Kometen zurückzuführen sein. Womöglich sei an dieser Stelle auf dem Kometen, der zur Zeit auf die Sonne zu rast, frisches Material freigelegt worden.

Letztendlich seien höher aufgelöste Aufnahmen nötig, um «Philae» zweifelsfrei aufzuspüren - und somit weitere nahe Vorbeiflüge von «Rosetta» an dem Kometen. Wegen der zunehmenden Aktivität von Tschuri, der beim Anflug auf die Sonne Gas- sowie Staubfontänen ins All spuckt, dürfte dies in naher Zukunft allerdings nicht möglich sein.

Freilich könnte die Suche nach «Philaes» exaktem Standort beschleunigt werden, wenn der Lander wieder aus seinem Winterschlaf aufwacht. Bisher meldete sich die verstummte Kometensonde allerdings nicht bei der «Rosetta»-Muttersonde, die sich in einer Umlaufbahn um Tschuri befindet. (sda/afp)

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