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In Kapstadt beim Match in Africa verwendete Federer sein Logo wieder. Bild: EPA

Roger Federer erobert sein RF zurück – bald gibt es wohl Schuhe mit seinem Namen

Nach knapp zwei Jahren ist das Tauziehen um das RF-Logo von Roger Federer beendet. Die Rechte wurden Mitte Februar von Nike auf seine Tenro AG übertragen. Und schon im Sommer dürften On-Schuhe seinen Namen tragen. «THE ROGER» und «ROGER» sind bereits eingetragen

Publiziert: 10.03.20, 19:42
Simon Häring / ch media

Ob auf oder neben dem Platz: Roger Federer überlässt nichts dem Zufall. Jeder Schritt ist minutiös geplant, jede Massnahme abgestimmt. Am 20. Februar informierte der Baselbieter, dass er sich einem arthroskopischen Eingriff am rechten Knie unterzogen hat und mehrere Monate ausfällt. Das ist die sportliche Seite.

Fast unbemerkt stellte er auch neben dem Platz die Weichen für die Zukunft. Nach fast zweijährigem Ringen um das RF-Logo wurden die Rechte am gleichen Tag, am 20. Februar, von seinem ehemaligen Sponsor Nike auf Federers Tenro AG übertragen, vertreten durch die Basler Anwaltskanzlei Wenger & Plattner. Das beweist ein Blick ins Schweizer Markenregister. Das emblematische «RF»-Logo hatte Federer bereits beim Match in Africa in Kapstadt Anfang Februar verwendet. Für ihn und seine Anhänger ist es eine Herzensangelegenheit.

«Uniqlo hat keine Pläne, die Initialen zu verwenden.»

Mediensprecher Aldo Liguori

300 Millionen Dollar für zehn Jahre

Federer stand während seiner gesamten Karriere und bis im März 2018 beim amerikanischen Sportartikelhersteller Nike unter Vertrag. Der letzte 10-Jahresvertrag brachte ihm 130 Millionen Dollar ein. Doch Federer und Nike konnten sich nicht über eine Verlängerung des Vertrags einigen. Der japanische Kleiderhersteller Uniqlo nutzte die Gunst der Stunde und nahm Federer für kolportierte zehn Jahre und mit einem Gesamtvolumen von 300 Millionen Dollar unter Vertrag.

Das RF-Logo aber blieb weiter bei Nike, Federer hoffte auf eine gütliche Einigung, sagte im Sommer 2018: «Das Logo ist etwas sehr Persönliches für mich. Früher oder später wird es zu mir zurückkommen.» Der Wunsch ging nicht in Erfüllung. Nike hatte erst im April des gleichen Jahres die Markenrechte bis 2020 verlängert.

Federer spielt weiterhin in Nike-Schuhen, aber ohne Vertrag. Bild: EPA/AAP

Uniqlo zeigt kein Interesse am RF-Logo

Fraglich ist, ob Uniqlo, jetzt, wo die Rechte des RF-Logos in Händen der Tenro AG sind, Interesse an einer kommerziellen Nutzung hat. Vor einem halben Jahr sagte der Mediensprecher Aldo Liguori zur «Handelszeitung»: «Uniqlo hat keine Pläne, die Initialen zu verwenden.»

Anfang April hatte Nike seine Produkte mit dem RF-Branding aus dem Sortiment entfernt, die Restposten sind zu stark reduzierten Preisen zu erwerben. Das RF-Logo habe eher emotionalen denn ökonomischen Wert, sagte Sportmarketing-Experte Hans-Willy Brockes. Aufwand und Ertrag stünden in keinem Verhältnis. Bei Fanartikeln für Einzelsportler seien die gebrandeten Outfits nicht besonders wichtig. Aus Sponsoren-Sicht brauche es keine Eigenmarken, ein Outfit mit Logo des Ausrüsters reiche aus.

Federer entwickelt Tennisschuh

Seit dem letzten Herbst ist Roger Federer ein Teilhaber des Schweizer Laufschuherstellers On Running. Branchenkenner gehen davon aus, dass der 38-Jährige zwischen 50 und 100 Millionen investiert hat. Laufschuhe sollen zwar auch künftig das Herzstück von On bleiben, doch auch die Entwicklung eines Tennisschuhs ist denkbar. Federer sagte im Herbst zur «New York Times»: «Einen Tennisschuh kreiert man nicht über Nacht, das braucht viel Arbeit. Ich kann ihnen aber versichern: Die Gespräche laufen.»

Federer wechselte 2018 zu Uniqlo. Bild: EPA

Auf Anfrage bestätigt On-Mitgründer David Allemann, dass bereits im zweiten Halbjahr das erste Produkt auf den Markt kommt, an dessen Entwicklung Federer mitgewirkt hat. «Wenn alles nach Plan läuft.» Federer sei im ständigen Austausch mit den drei Gründern, Olivier Bernhard, David Allemann und Caspar Coppetti.

Schon vor seiner Verletzungspause brachte Roger Federer sich aktiv in die Entwicklung ein. «On» hat ein portables Lab «eine Art Klappkoffer, der Muster, Proben und Teile des Produkts enthält», wie Allemann präzisiert, entwickelt, um die Innovationen mit Federer dort zu besprechen, wo er sich gerade befindet. Denn so lange er Tennis spielt, gelte sein Fokus dem Sport. Solche Ad-hoc-Treffen finden überall auf der Welt statt, zum Beispiel letzten November bei den ATP Finals in London. Darüber, ob «On» das RF-Logo künftig verwendet, hat man sich noch keine konkreten Gedanken gemacht.

Innert Kürze zum grossen Player geworden

In der Schweiz ist man bereits Marktführer, auch in Japan hat man sich etabliert. Doch On will weiter wachsen, vornehmlich in den USA und China. Mit seinen knapp 1,4 Milliarden Einwohnern ist das Reich der Mitte der wichtigste Markt im asiatischen Raum. Wie überall auf der Welt ist Federer zwar auch dort bereits äusserst populär, doch sein Manager Tony Godsick sieht weiteres Wachstumspotenzial. Auch darum hat sich Federer bis 2023 für das Hanghzhou Tennis Invitational in Ostchina verpflichtet.

Wachsen will im autokratischen Staat auch die Zürcher Sportschuh-Firma On Running, bei der Federer im Oktober mit einem geschätzten Volumen zwischen 50 und 100 Millionen Franken eingestiegen ist. Der Vertrieb erfolgt über Büros in den USA, China, Japan, Australien und Brasilien sowie über 6000 Fachgeschäfte. Das 2010 gegründete Unternehmen hat sich in einem hoch kompetitiven Markt gegen Weltkonzerne etabliert.

Bei On wird am Schuh der Zukunft getüftelt.

Schon bevor Federer einstieg, galt On als Unicorn. Als Unternehmen also, dessen Wert vor einem möglichen Börsengang auf über eine Milliarde US-Dollar taxiert wird. Im letzten Jahr war On zum vierten Mal in Folge die am schnellsten wachsende Laufschuhmarke der Welt. Zuletzt lag das Plus bei sagenhaften 150 Prozent.

Olympische Spiele in den eigenen Schuhen?

Unbegrenzt ist Wachstum bekanntlich nicht, doch das Potenzial scheint noch nicht ausgeschöpft. Vor allem in China, wo On einen Grossteil seiner Produkte herstellen lässt. On glaubt daran. Und Federer glaubt daran. «Mit Roger, mit seiner Strahlkraft, können wir in diesen Ländern noch schneller neue Fans für unseren Schweizer Laufschuh gewinnen», sagte On-Mitgründer David Allemann.

Wie Roger Federer überlässt auch On nichts dem Zufall. Mit Jiahui Yin sitzt seit Oktober 2018 eine Chinesin im Verwaltungsrat der On AG. Am 18. November 2019 hat die in Zürich domizilierte On Clouds GmbH zwei Marken im Markenregister eintragen lassen: «THE ROGER» und «ROGER».

Spielt Roger Federer bei den Olympischen Spielen in Tokyo (24. Juli bis 9. August) also mit dem ersten Tennis-Schuh von On, an dessen Entwicklung er selber mitgewirkt hat? Wer weiss, wie durchdacht Roger Federer auch als Unternehmer vorgeht, kann sich fast nichts anderes vorstellen. Seine Initialen hat er bereits zurückerobert. Nun wartet die Welt.

Das sind die wichtigsten Rekorde von Roger Federer

Älteste Weltnummer 1: Mit 36 Jahren und 320 Tagen war Roger Federer im Juni 2018 der älteste Mann, der je auf dem Tennis-Thron gesessen hat. EPA/ANP / KOEN SUYK
Wochen als Weltnummer 1: Roger Federer steht heute bei 310 Wochen als Weltnummer 1. Novak Djokovic steht bei 294Wochen, Rafael Nadal bei 209. X01095 / Toby Melville
Wochen als Weltnummer 1 in Serie: Federer lag vom 2. Februar bis am 17. August 2008 insgesamt 237 Wochen in Folge an der Spitze, Novak Djokovic vom 7. Juli 2014 bis am 6. November 2016 «nur» 122 Wochen. X02605 / TYRONE SIU
Weltnummer 1 am Ende des Jahres: Federer beendete eine Saison fünfmal auf der 1 (2004 bis 2007 und 2009), genau wie Rafael Nadal. Die Liste führen Pete Sampras und Novak Djokovic mit 6 Jahren an. EPA/EPA / WILL OLIVER
Das ganze Jahr über die Weltnummer 1: Federer teilt sich den Rekord von drei Jahren (2005, 2006, 2007) mit Jimmy Connors (1975, 1976, 1978). Djokovic gelang dies bisher nur 2015, Nadal noch nie. Getty Images Europe / Julian Finney
Karriere-Slam: Roger Federer komplettierte seinen Karriere-Slam 2009 mit dem French Open. Nadal schaffte dies 2010 beim US Open, Djokovic 2016 bei Roland Garros. Der Serbe hielt damals sogar alle vier Major-Titel gleichzeitig, was Federer nie schaffte. AP/AP / John Minchillo
Anzahl Grand-Slam-Titel: Roger Federer steht wie Rafael Nadal bei 20, Djokovic bei 17. EPA / GERRY PENNY
Anzahl Grand-Slam-Finals in Serie: Roger Federer erreichte von Wimbledon 2005 bis zu den US Open 2007 zehn Major-Endspiele in Serie. X01095 / Suzanne Plunkett
Anzahl Grand-Slam-Finals: 31-mal erreichte Roger Federer schon ein Major-Endspiel. Nadal stand 28-mal im Final, Djokovic 27-mal. EPA/AAP / LUKAS COCH
Anzahl erreichte Grand-Slam-Halbfinals: Federer 46, Djokovic 38, Nadal 34. EPA/EPA / DANIEL MURPHY
Anzahl erreichte Grand-Slam-Halbfinals in Serie: Federer: 23 (Wimbledon 2004 bis Australian Open 2010), Djokovic: 14 (Wimbledon 2010 bis US Open 2013). AP / ELISE AMENDOLA
Anzahl Grand-Slam-Viertelfinals: Federer: 57, Djokovic 47, Nadal 42. EPA/AP POOL / SANG TAN / POOL
Anzahl Grand-Slam-Viertelfinals in Serie: Federer: 36 (Wimbledon 2004 bis French Open 2013), Djokovic: 28 (Wimbledon 2009 bis French Open 2016). AP/AP / Andrew Brownbill
Grand-Slam-Titel: Federer stand als einziger Spieler in drei unterschiedlichen Saisons in allen Major-Finals (2006, 2007, 2009), Djokovic gelang dies erst einmal (2015), Nadal noch nie. AP/AP / Rafig Maqbool
Grand-Slam-Finals: Federer erreichte als einziger Spieler in zwei kompletten Jahren in Serie jeden Grand-Slam-Final (2006 und 2007). AP / Anja Niedringhaus
Grand-Slam-Titel ohne Satzverlust: Roger Federer holte sich bisher zwei Mal einen Major-Titel ohne Satzverlust (Australian Open 2007, Wimbledon 2017). Nadal schaffte dies viermal am French Open (2008, 2010, 2017, 2020), Björn Borg ebenfalls dreimal (Wimbledon 1976, French Open 1978 und 1980). Djokovic hat dies bisher noch nicht geschafft. Getty Images Europe / Julian Finney
Grand-Slam-Partien in Serie ohne Satzverlust: Federer teilt sich den Rekord von elf Partien (Australian Open bis Achtelfinal French Open 2007) mit John McEnroe. X01095 / Suzanne Plunkett
Gewonnene Grand-Slam-Sätze in Serie: Federers Rekord sind 36 erfolgreiche Sätze in Serie (US Open 2006 bis French Open 2007). Djokovic steht bei 19 (Australian Open bis French Open 2015). Getty Images Europe / Julian Finney
Anzahl gewonnene Matches an Grand Slams: Federer 362 Siege, Djokovic 296 Siege, Nadal 282. AP/AP / Kirsty Wigglesworth
Anzahl Grand-Slam-Teilnahmen in Serie: Federer hat vom Australian Open 1999 bis zum Australian Open 2016 zumindest immer die 1. Runde bestritten. Das sind 65 Majors in Serie. Djokovic schaffte 51, Leader mit 74 ist Feliciano Lopez (seit French Open 2002). Getty Images Europe / Julian Finney
Dreimal drei Grand-Slam-Turniere im gleichen Jahr gewonnen: Federer ist der einzige Spieler, der drei Grand-Slam-Turniere in drei verschiedenen Jahren gewann (2004, 2006, 2007). Djokovic steht bei zweimal drei (2011 und 2015), Nadal hat das nur einmal geschafft (2010). Getty Images Europe / Clive Brunskill
Drei Grand-Slam-Turniere mindestens fünfmal gewonnen: Federer hat als einziger Spieler drei Majors mindestens fünfmal gewonnen (AO 6 – FO 1 – Wim 8 – UO 5), Djokovic holte den Titel in drei verschiedenen Majors mindestens dreimal (8 – 1 – 5 – 3). X01095 / Tony O'Brien
Anzahl Jahre mit mindestens zwei Grand-Slam-Titeln: Federer sicherte sich in sechs Saisons mindestens zwei Trophäen bei Majors (2004 bis 2007, 2009 und 2017), den Rekord teilt er sich mit Roy Emerson. Djokovic konnte fünfmal (2011, 2015, 2016, 2018 und 2019) mindestens zwei Major-Titel in die Höhe stemmen. X01095 / Tony O'Brien
Grand Slam: Weder Federer noch Djokovic und Nadal konnten den Grand Slam (alle vier Turniere in einem Jahr gewinnen) bisher realisieren. X80002 / STRINGER
Titel bei den World Tour Finals: Roger Federer konnte den Titel bei der «WM» bei bisher 14 Teilnahmen sechsmal gewinnen (10 Finals), Djokovic triumphierte fünfmal in sieben Finals. X01095 / Suzanne Plunkett
Meiste Siege in einer Saison: Federer feierte 2006 92 Siege, Djokovic in seiner besten Saison (2015) 82. Dem Schweizer reichte dies bei fünf Saisonniederlagen zu zwölf Titeln, Djokovic mit sechs Niederlagen zu elf Trophäen. AP/AP / John Minchillo
Anzahl 1000er-Titel: Djokovic (36) und Nadal (35) haben in dieser Sparte mehr Titel auf dem Konto als Federer mit 28. EPA/EPA / WILL OLIVER

«Chum jetz, Roger, tritt ändlich zrugg!»

Video: watson / Roberto Krone

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