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Schlag gegen den Drogenhandel im Darknet – zwei Marktplätze offline, drei Männer im Knast

Die mutmasslichen Betreiber des «Wall Street Market» wurden Ende April verhaftet. Laut Europol handelt es sich um den weltweit zweitgrössten kriminellen Online-Marktplatz. Zuvor hatte es «Valhalla» erwischt.

Publiziert: 03.05.19, 14:19 Aktualisiert: 03.05.19, 17:28

Behörden aus Europa und den USA ist gemeinsam ein Schlag gegen den Handel mit illegalen Waren wie Drogen und gefälschten Dokumenten im Darknet gelungen.

Die Ermittler hoben den nach ihren Angaben weltweit zweitgrössten illegalen Marktplatz im Darknet aus und nahmen in Deutschland drei Verdächtige fest, wie ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Freitag sagte.

Auf der nur mit dem Tor-Browser zugänglichen Plattform «Wall Street Market» seien gestohlene Daten, gefälschte Dokumente und vor allem Drogen angeboten worden – unter anderem Kokain, Heroin, Cannabis und Amphetamine. Nun sässen die drei mutmasslichen Betreiber in Haft.

Über 1,15 Millionen User

Zuletzt seien auf dem Online-Marktplatz über 63'000 Verkaufsangebote eingestellt gewesen, sowie über 1,15 Millionen Kundenkonten und 5400 Verkäufer angemeldet.

Bei den verdächtigen Männern soll es sich um einen 31-Jährigen aus dem Bundesland Hessen, einen 22-Jährigen aus Nordrhein-Westfalen und einen 29-Jährigen aus Baden-Württemberg handeln.

Die Drei hätten mit dem Betrieb der Plattform Geld verdient, zitiert br.de die zuständige Staatsanwältin. «Es gab sogenannte Provisionen und damit haben sie nicht unerhebliche Einnahmen zu verzeichnen gehabt.»

Zwei bis sechs Prozent sollen die Administratoren jeweils von den Transaktionen einbehalten haben – mehrere hunderttausend Euro seien so zusammengekommen.

Die Staatsanwaltschaft werfe den Männern vor allem die Beihilfe zum Drogenhandel vor – «ein juristischer Umweg, denn bisher ist das reine Betreiben einer solchen Plattform noch nicht strafbar.» Eine entsprechende Gesetzesvorlage werde seit letztem Herbst in der Politik diskutiert.

Den Festnahmen seien aufwändige verdeckte Ermittlungen vorausgegangen, an denen sich US-amerikanische und niederländische Strafverfolgungsbehörden sowie die europäische Polizeibehörde Europol beteiligten.

Plattform-Betreiber wollten mit Geld der User abhauen

Die deutsche Staatsanwaltschaft schreibt in ihrer Medienmitteilung vom Freitag, die mutmasslichen Verantwortlichen des illegalen Online-Marktplatzes hätten die Plattform am 23. April 2019 in den Wartungsmodus geschaltet und damit begonnen, die hinterlegten Geldbeträge der Kunden an sich selbst zu transferieren. In der Szene werde diese Vorgehensweise als «Exit-Scam» bezeichnet.

Daraufhin seien umfangreiche «operative Massnahmen der Cyberspezialisten des Bundeskriminalamts» erfolgt.

Laut Mitteilung wurden im Rahmen von Durchsuchungen der Wohnungen der Tatverdächtigen Bargeldbeträge in Höhe von über 550'000 Euro sowie Beträge in den Kryptowährungen Bitcoin und Monero in sechsstelliger Höhe beschlagnahmt.

Den Ermittlern fielen zudem mehrere teure Autos und zahlreiche weitere Beweismittel in die Hände, «insbesondere Computer und Datenträger».

Valhalla stillgelegt

Zeitgleich wurden in Los Angeles laut Europol zwei Drogenhändler verhaftet, die ihre Geschäfte über den Wall Street Market abgewickelt hatten, wie es weiter heisst.

Schon früher im Jahr haben finnische Strafverfolger laut Europol den Darknet-Marktplatz Silkkitie, besser bekannt als Valhalla, vom Netz genommen.

Silkkitie, bzw. Valhalla, sei einer der ältesten und international bekanntesten Plattformen des Darknet-Drogenhandels gewesen. Nachdem die Seite von den Behörden geschlossen wurde, hätten einige finnische Dealer ihre Aktivitäten auf andere illegale Handelsplätze im Tor-Netzwerk verlagert, wie etwa den (nun stillgelegten) Wall Street Market.

(dsc/sda/dpa)

Roboter kauft Ecstasy im Darknet

Was haben wir denn da?
Ein harmloser Umschlag ...
Im Innern steckt eine leere CD-Hülle und darin ein silbernes Päcklein.
Und noch ein Säcklein, luftdicht, mit mehreren gelben Tabletten.
Tabletten mit einer speziellen Prägung.
Es handelt sich um zehn Ecstasy, gelb, mit Twitter-Logo. Jedes Exemplar soll 120 Milligramm MDMA enthalten. Preis: 48 US-Dollar. Geliefert aus: Deutschland.
Die Tabletten sind von einem Computerprogramm im Darknet gekauft worden. In einem der führenden Online-Schwarzmärkte namens Agora. Das Künstlerkollektiv !Mediengruppe Bitnik hat einen Bot programmiert, der das Angebot durchstöbert und nach dem Zufallsprinzip ein Produkt kauft.
Auch diese Baseballmütze mit integrierter Videokamera hat der Bot mit Bitcoins bezahlt und an das Kunsthaus St.Gallen liefern lassen.
Dort ist das Exemplar bis Mitte Januar 2015 ausgestellt. Der Screenshot zeigt den bei Agora aufgeführten Artikel mit ausführlicher Beschreibung. Preis: umgerechnet rund 100 Franken. Laut Verkäufer ein Bestseller.
Zigaretten aus der Ukraine? Auch das gibt es im Darknet.
Der Darknet Shopper kauft einmal pro Woche ein.
Und noch ein Umschlag. Dieses Mal ist es royale Post.
Aha, ein Schlüsselbund.
Laut Beschrieb bei Agora handelt es sich um Feuerwehr-Generalschlüssel. Standort des Absenders: «Welt».
Die Original-Handtasche von Louis Vuitton kostet über 2400 Dollar, dieses gefälschte Exemplar ist bei Agora für 95 Dollar erhältlich.
Die gefälschte Trevi PM wird aus den USA in die ganze Welt verschickt.
Oder wie wär's mit einer Platinum-Kreditkarte?
Für 35 Dollar gekauft. Und der Darknet Shopper wird noch bis zum Ende der Ausstellung in der Kunsthalle St.Gallen weitere Darknet-Bestellungen tätigen.

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Video: SRF / Roberto Krone

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