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Oliver Bjorkstrand lässt sich von seinen Teamkollegen Guastv Nyquist (links) und Pierre-Luc Dubois feiern. Bild: keystone

Nach Toronto nun wieder Tampa? Wie die Columbus Blue Jackets Riesen töten

Publiziert: 14.08.20, 16:58 Aktualisiert: 15.08.20, 13:40

Kein NHL-Team scheint sich in der Rolle des Playoff-Aussenseiters wohler zu fühlen als die Columbus Blue Jackets. Letztes Jahr überraschten sie mit dem Sweep gegen die Tampa Bay Lightning, die damals mit Abstand das beste Team der NHL waren. Dieses Jahr schalteten sie in der Qualifying-Runde die Toronto Maple Leafs aus und stellen nun erneut Tampa vor Probleme.

Die Highlights des 150-Minutenspiels. Video: YouTube/NHL

Im ersten Spiel brauchte Tampa fünf Verlängerungen und insgesamt 150 Minuten, um die Blue Jackets in die Knie zu zwingen. Im zweiten Spiel der Serie gestern Abend war Columbus aber nicht müde oder am Boden zerstört wegen der bitteren Niederlage. Stattdessen zeigten sie erneut eine extrem gute Leistung und bezwangen Tampa mit 3:1.

Die Highlights des zweiten Spiels. Video: YouTube/NHL

Doch wie schafft es ein Team, das insbesondere dieses Jahr auf dem Papier eigentlich nicht besonders stark besetzt ist, Superstars der Liga zu neutralisieren? Der Erfolg der Blue Jackets fusst auf drei Pfeilern.

Joonas Korpisalo

Das grösste und wichtigste Puzzlestück des diesjährigen Erfolgs ist Torhüter Joonas Korpisalo. Der Finne spielt absolut überragend, obwohl die Torhüterposition bei Columbus nach dem Abgang von Sergei Bobrovsky eigentlich eine Schwäche hätte sein sollen.

Joonas Korpisalo ist die Lebensversicherung der Blue Jackets. Bild: imago images/ZUMA Wire

Doch Korpisalo kam gegen Toronto (immerhin die viertgefährlichste Offensive der Liga) auf eine Fangquote von 95,6 Prozent. Und nun gegen Tampa (die beste Offensive der Liga) sind es in zwei Spielen 96,2 Prozent. Im ersten Spiel gegen Tampa hielt der 26-Jährige 85 Schüsse. Das ist absurd!

Alle 85 Saves von Korpisalo bei der 2:3-Niederlage gegen Tampa in Spiel 1. Video: YouTube/SPORTSNET

Und wer mit reinen Fangquoten wenig anfangen kann, für den haben wir noch diese Statistik: Laut Expected Goals hätten die Blue Jackets aufgrund der Qualität und Quantität der gegnerischen Schüsse in den sechs Spielen mit Korpisalo 17,23 Gegentore erhalten müssen. Tatsächlich waren es aber nur neun Tore. «Korpi» hat also bereits 8,23 Tore über Erwartung verhindert. Das sind 1,37 Tore pro Spiel, die die Blue Jackets dank dem Finnen nicht erhalten. Als Referenz: Connor Hellebuyck war in dieser Statistik der beste Torhüter der Regular Season und verhinderte 0,34 Tore über Erwartung pro Spiel.

Kann Korpisalo diese Form über längere Zeit halten? Vermutlich nicht. Aber wenn es ihm in den nächsten Spielen noch gelingt, wird Tampa grosse Mühe haben. Eigentlich hätten die Blue Jackets ja auch noch Elvis Merzlikins in der Hinterhand, der ebenfalls Spiele stehlen kann. Doch der Ex-Luganesi ist derzeit verletzt.

John Tortorella

Ähnlich wichtig wie Korpisalo ist bei Columbus auch Trainer John Tortorella. Der heissblütige US-Amerikaner hat es geschafft, aus den Blue Jackets eine zähe und konstante Truppe zu formen.

John Tortorella hat bei Columbus ein Erfolgsrezept gefunden. Bild: keystone

Der Coach ist sich bewusst, dass er nicht genug Stars in der Mannschaft hat, um sich mit Toronto oder Tampa auf einen offenen Schlagabtausch einzulassen. Also setzt er wie schon in den letztjährigen Playoffs voll darauf, die Mitte des Eisfelds zu verstopfen, den Gegner im Spielaufbau früh zu stören und auf die Aussenbahnen zu drängen. Das gelingt relativ gut. Toronto kam phasenweise kaum zu gefährlichen Schüssen. Tampa gelingt das nun etwas besser.

Die Spieler setzen das System von «Torts» bedingungslos um. Es spielt keine Rolle ob die erste oder die vierte Linie auf dem Eis steht. Das Spiel bleibt genau gleich und es funktioniert unabhängig von den Spielern im Einsatz konstant.

Tortorella sagt seinen Spielern auch gern einmal die Meinung – und umgekehrt. Video: streamable

Obwohl er ein harter Hund ist, scheint Tortorella auch ein gutes Händchen mit den jüngeren Spielern zu haben. Der 22-jährige Pierre-Luc Dubois ist mit bislang vier Toren und vier Assists in diesen Playoffs so richtig aufgeblüht. Daneben überzeugen auch Liam Foudy (20) und Alexandre Texier (20).

Verteidigung

Will man Mannschaften aufhalten, die auf dem Papier überlegen scheinen, braucht man nicht nur einen guten Goalie und gutes Coaching, sondern auch eine solide Verteidigung. Und die hat Columbus.

Angetrieben wird sie von den beiden Arbeitstieren Zach Werenski und Seth Jones. Beide standen im verrückten ersten Spiel gegen Tampa insgesamt mehr als eine Stunde auf dem Eis. Jones übernimmt in jedem Spiel extrem viel Verantwortung, ist herausragend in Unterzahl und für Columbus extrem wichtig im Transition-Spiel – also im Verlassen der eigenen und Betreten der offensiven Zone. Werenski dagegen räumt mehr vor dem eigenen Tor auf und geht auch selbst gerne in den Abschluss.

Der Rest der Blue-Jackets-Verteidigung hat ebenfalls Qualität – auch Dean Kukan. Zwar spielt der Schweizer nicht besonders viel (in der Nacht auf heute waren es gerade Mal acht Minuten). Doch was der Zürcher zeigt, ist extrem solid.

Kukan ist ein Defensivverteidiger, fällt also nicht mit wahnsinnigen Offensivaktion auf, sondern beruhigt das Spiel in der eigenen Zone überragend, wie der «Tages-Anzeiger» kürzlich analysiert hat. Kukan hat immer den richtigen Abstand zu den gegnerischen Stürmern, unterbindet Pässe und dank seinem Skating kann er auch immer wieder scheinbar mühelos Drucksituationen aus dem Weg gehen.

Dean Kukan überzeugt in den Playoffs. Bild: imago images/ZUMA Press

Fazit

Der grösste Faktor ist und bleibt sicherlich die Leistung von Joonas Korpisalo. Wenn der Goalie weiterhin derart fantastisch spielt, wird es auch für das Star-Ensemble um Brayden Point, Nikita Kucherov und Victor Hedman schwer, Columbus zu bezwingen. Gut möglich, dass die Blue Jackets schon die nächste Überraschung schaffen.

So viel ist jedes NHL-Team wert

Platz 31: Arizona Coyotes, 300 Millionen Dollar. AP/AP / Ross D. Franklin
Platz 30: Florida Panthers, 310 Millionen Dollar. AP/AP / Brynn Anderson
Platz 29: Columbus Blue Jackets, 326 Millionen Dollar. AP/FR52593 AP / Jay LaPrete
Platz 28: Buffalo Sabres, 400 Millionen Dollar. AP/FR171450 AP / Jeffrey T. Barnes
Platz 27: Winnipeg Jets, 420 Millionen Dollar. AP/The Canadian Press / JOHN WOODS
Platz 26: Ottawa Senators, 445 Millionen Dollar. AP/The Canadian Press / Sean Kilpatrick
Platz 25: Carolina Hurricanes, 450 Millionen Dollar. AP/AP / Gerry Broome
Platz 24: Nashville Predators, 460 Millionen Dollar. AP/FR170793 AP / Mark Zaleski
Platz 23: Tampa Bay Lightning, 470 Millionen Dollar. AP/AP / Chris O'Meara
Platz 22: Colorado Avalanche, 475 Millionen Dollar. AP/AP / Jae C. Hong
Platz 21: Anaheim Ducks, 480 Millionen Dollar. AP/FR67404 AP / Nick Wass
Platz 20: Calgary Flames, 500 Millionen Dollar. AP/The Canadian Press / Jeff McIntosh
Platz 19: Minnesota Wild, 510 Millionen Dollar. AP/AP / Mark Humphrey
Platz 18: New York Islanders, 520 Millionen Dollar. AP/FR170905 AP / Andres Kudacki
Platz 17: St.Louis Blues, 530 Millionen Dollar. AP/FR171248 AP / Billy Hurst
Platz 16: San Jose Sharks, 540 Millionen Dollar. AP/AP / Jeff Chiu
Platz 15: New Jersey Devils, 550 Millionen Dollar. AP/AP / Julio Cortez
Platz 14: Edmonton Oilers, 575 Millionen Dollar. AP/The Canadian Press / JASON FRANSON
Platz 13: Vegas Golden Knights, 580 Millionen Dollar. AP/AP / John Locher
Platz 12: Dallas Stars, 600 Millionen Dollar. AP/AP / Tony Gutierrez
Platz 11: Pittsburgh Penguins, 665 Millionen Dollar. AP/AP / Gene J. Puskar
Platz 10: Vancouver Canucks, 740 Millionen Dollar. AP/The Canadian Press / Jonathan Hayward
Platz 9: Washington Capitals, 775 Millionen Dollar. AP/FR67404 AP / Nick Wass
Platz 8: Detroit Red Wings, 800 Millionen Dollar. AP/AP / Paul Sancya
Platz 7: Philadelphia Flyers, 825 Millionen Dollar. AP/FR148949 AP / Tom Mihalek
Platz 6: Los Angeles Kings, 850 Millionen Dollar. AP/AP / Marcio Jose Sanchez
Platz 5: Boston Bruins, 1,0 Milliarden Dollar. AP/AP / Michael Dwyer
Platz 4: Chicago Blackhawks, 1,085 Milliarden Dollar. AP/AP / Chris O'Meara
Platz 3: Montreal Canadiens, 1,34 Milliarden Dollar. AP/The Canadian Press / Graham Hughes
Platz 2: Toronto Maple Leafs, 1,5 Milliarden Dollar. AP/The Canadian Press / Frank Gunn
Platz 1: New York Rangers, 1,65 Milliarden Dollar. AP/FR51951 AP / Bill Kostroun

Nico Hischiers Teammates packen über ihn aus

Video: watson / Adrian Bürgler, Emily Engkent

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