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Heilige Scheisse; da hängen Pinguine am Tannenbaum. Neben Elefanten! kafi freitag

FragFrauFreitag

Keine Kirchensteuer bezahlen und trotzdem unter dem Christbaum sitzen! Goht's no?

Liebe Kafi. Deine Antworten bringen mich oft zum Schmunzeln und zum Nachdenken. Nun beschäftigt mich eine Frage, bei der es mich wundernimmt, wie du darüber denkst. Ein befreundetes Paar ist aus der Kirche ausgetreten und stellt aber dennoch einen Weihnachtsbaum auf und feiert Weihnachten. Als absolut toleranter Mensch sollte mich das eigentlich nicht stören. Da ich aber eine Abneigung gegen halbe Sachen und Steuerdrücker habe, finde ich es dennoch komisch und nicht ganz gradlinig. Entweder ich bekenne mich als Christin oder bin Atheistin, so ist es doch irgendwie eine halbpatzige Sache. Wie siehst du das? En herzliche Gruess Tamara, 38



Liebe Tamara

Entschuldigen Sie, dass ich Ihre Frage etwas verspätet beantworte. Ich elende Atheistin war mit dem Schmücken unseres elenden Atheistenbäumli beschäftigt. Wir haben wunderbar kitschige Kügeli aus China drangehängt und ein paar äusserst halbpatzige Songs dabei gehört.

Ja, das mit der Toleranz ist so eine Sache, gell. Eigentlich ist man ja absolut tolerant! So wie man ja eigentlich auch kein Rassist ist, oder eigentlich auch nichts gegen Ausländer hat. Solange man mit keinem konfrontiert wird. Toleranz ist so öppis Schönes! Und wie schön muss es sein, wenn man von sich selber denkt, dass man absolut tolerant ist. Das stelle ich mir total gut vor, so erhebend und befriedigend. Fast schon bitzli an der Grenze zur eigenen Heiligkeit. Zumal dann, wenn man dann auch noch Christ ist und Kirchensteuer bezahlt! Ich kenne solche ehrwürdigen Gefühle ja nur aus Erzählungen, schliesslich bin ich eine Atheistin, die keine Kirchensteuer bezahlt, sich allerdings von einem reformierten Pfarrer für eine Predigt hat einladen lassen und sich ein Jahr lang von einem reformierten Kirchenmagazin eine Kolumne bezahlen liess. Und tolerant bin ich auch nur mässig. Ich habe zum Beispiel wenig Toleranz für Rassisten. Und für solche, welche die SVP wählen auch nicht. Und ganz oft wenig für Hundehalter, die ihre Tierli vor meine Haustüre scheissen lassen. Und für solche, die sich für wahnsinnig tolerant halten, dann aber beim erstbesten Grund mimimimimi machen, auch nicht wirklich. Und zu denen würde ich Sie mal zählen, liebe Tamara.

Was mich an der Sache interessiert: Warum machen Sie sich eigentlich all diese Gedanken? Haben Sie keine eigenen Probleme, Sie Glückliche? Oder geht es nur um das gute Gefühl, an Weihnachten etwas im Recht zu sein und richtiger zu sein als alle anderen? Mich überfordert Ihre Frage wirklich sehr, muss ich Ihnen sagen. Ich finde sie sogar recht ziemlich unglaublich. Nicht nur im Kontext der aktuellen Geschehnisse, aber auch. (Ihre Frage hat mich am 23. Dezember erreicht, also zwei Tage nach dem schlimmen Attentat in Berlin.)

Es gibt da einige unbequeme Dinge, die ich Ihnen sagen will, weil Sie mir unter den Nägeln brennen. Es kann gut sein, dass Sie darob wenig zum Schmunzeln haben, aber immerhin viel nachzudenken. Und Sie haben ja angetönt, dass Sie das mögen.

Der Terror, den wir seit nunmehr 16 Jahren erleben, ist ein Krieg der Religionen. Davor war es nicht besser. Der Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken in Irland führt bis ins 16. Jahrhundert zurück. Immer geht es darum, dass eine Glaubensgruppierung (oder eine extreme Untergruppierung) sich einbildet, Gott und alle Ansprüche auf ihn für sich gepachtet zu haben. Jeder denkt, die absolute Deutungshoheit zu haben und will andere mit damit belehren. Die Zahl der Toten, die bis heute in Glaubenskriegen sterben mussten, geht auf keine Kuhhaut, da sind die 60'000 verbrannten Hexen allein in Europa eine verschwindend kleine Zahl. Aber es geht mir hier nicht um Statistik, mir geht es vielmehr darum, dass Sie jetzt auch noch kommen und auch noch besser wissen, wie es mit dem Christentum richtig geht.

Haben Sie wirklich das Gefühl, dass unsere Welt dadurch eine bessere wird? Oder leisten Sie Ihren möglichen Anteil am laufenden Krieg der Religionen, indem Sie hier eine Familie anschwärzen, die Weihnachten feiert, ohne Kirchensteuer zu bezahlen? Darf man denn nur Weihnachten feiern, wenn man in einer Kirche ist? Haben Sie das Prinzip Gott auch nur im Ansatz verstanden, liebe Tamara?

Es ist schön und gut, dass Sie die Kirchensteuer brav bezahlen, darauf dürfen Sie wirklich stolz sein. Klopfen Sie sich am besten grad mal fest auf die eigene Schulter, bevor Sie weiterlesen. Denn danach wird nicht mehr viel kommen, was Sie mit Stolz erfüllen könnte. Sie haben keinen blassen Dunst von Gott und göttlicher Liebe. Und sie haben leider auch nicht begriffen, dass man diese Liebe und den engen Bezug zu Gott auch dann haben kann, wenn man in keiner Kirche ist. Denn wenn es einen Gott gibt, dann lebt er in uns allen und in keiner Kirche, die mit Steuergeldern beheizt werden muss. Gott ist keine Partei und kein Schulfach, das man mit Schulnoten bewerten kann. Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Und es gibt im Göttlichen rein gar nichts, was Ihre Rechthaberei begünstigen oder entschuldigen würde. Gott ist grenzenlose Liebe. Und vielleicht sogar Toleranz.

Und in dieser Definition fühle ich mich – trotz allem – dem Göttlichen sehr nahe und das besagte Ehepaar fühlt sich eventuell ähnlich verbunden. Aber was mich mehr interessiert: Wie stehen Sie eigentlich zu Gott?

Schöne Feiertage. Ihre Kafi

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Kafi Freitag (40!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 11-jährigen Sohn in Zürich.

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Kafi, sag: Bauch oder Kopf?

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Liebe Lisa Auf gar keinen Fall ODER, sondern wann immer möglich UND! Warum nicht einen Entscheid mit dem Kopf fassen und dann gedanklich mal in die entschiedene Zukunft reisen und schauen, wie sich der Bauch dabei fühlt? Mit herzlichem Gruss, Ihre Kafi P.S. Auf jeden Fall sollten Sie sich aber noch heute dazu entscheiden, mit dieser unsäglichen Grussabkürzung aufzuhören. Ob sie das mit dem Kopf oder dem Bauch tun, ist mir dabei herzlich egal.

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