Charlie Hebdo
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A Moroccan girl holds placards that reads

«Je suis Charlie»: Kundgebung in der marokkanischen Hauptstadt Rabat. Bild: Abdeljalil Bounhar/AP/KEYSTONE

Reaktionen in Nahost

Entsetzen über Pariser Massaker – aber auch Kritik am Westen und «Charlie Hebdo»



Mit Wut und Entsetzen reagierten die Medien in Nahost, von Marokko bis Iran, auf das Blutbad bei der Satirezeitung «Charlie Hebdo» in Paris. «Massaker während Redaktionssitzung» lautete die Schlagzeile der panarabischen Tageszeitung «Al-Sharq Al-Awsat», die in London erscheint. «L'Orient-Le Jour», eine französischsprachige Zeitung im Libanon, titelte mit «Frankreichs 11. September der Gedankenfreiheit». Von einem «11. September für Karikaturisten» sprach der bekannte algerische Zeichner Ali Dilem in der Zeitung «Le Matin».

Manche gaben den Standpunkt ihres Regimes wieder. So vermeldete die halbamtliche ägyptische Zeitung «Al Ahram», Staatspräsident Abdel Fattah al-Sisi verurteile den Angriff auf «Charlie Hebdo». Dabei hat seit Sisis Machtantritt eine regelrechte Jagd auf kritische Journalisten in Ägypten begonnen. Sie werden als «Terroristen» denunziert, verprügelt, niedergeschossen oder landen im Gefängnis. Für sie klingen solche Worte «wie blanker Hohn», heisst es in der Online-Ausgabe von «Die Zeit».

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Titelseite der libanesischen Zeitung «L'Orient-Le Jour».

Medienschaffende haben im Nahen Osten kein leichtes Leben. Wirklich frei arbeiten können nur wenige. Von den Behörden werden sie gegängelt, zensiert und malträtiert. Gleichzeitig müssen sie mit der ständigen Bedrohung durch Extremisten leben. Der bekannte syrische Karikaturist Ali Ferzat wurde im August 2011 vermutlich von Schergen des Regimes verschleppt und brutal misshandelt, weil er den Machthaber Baschar al-Assad mit spitzer Feder aufs Korn genommen hatte.

Kritik an Golfstaaten

Vereinzelt wagen sich kritische Köpfe nun aus der Deckung heraus. So verurteilte ein Kommentar in «Al-Sharq Al-Awsat» nicht nur den Terroranschlag in Paris, sondern auch jene, die solche Taten rechtfertigen und unterstützen. Dies könne man «durchaus als Hieb gegen Golfstaaten lesen, die wortreich vor Terrorismus warnen und gleichzeitig genau jenen religiösen Fanatismus praktizieren, auf den sich offenbar auch die Attentäter von Paris berufen», schreibt die Korrespondentin der «Zeit».

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Karikatur in der libanesischen Zeitung «Al-Nahar».

Gemeint ist nicht zuletzt das Königreich Saudi-Arabien, das zwar an der Seite des Westens gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kämpft, gleichzeitig aber dank den Einnahmen aus dem Ölexport seinen Steinzeit-Islam in die ganze Welt exportiert. Die saudische Regierung verurteilte den Anschlag auf «Charlie Hebdo» ebenfalls. Am Freitag jedoch liess sie den Blogger Raif Badawi öffentlich auspeitschen, weil er die religiösen Hardliner kritisiert hatte.

Weitaus häufiger als selbstkritische Stimmen liest man jedoch Kritik am Westen, der nun «seine eigene Medizin» zu schmecken bekomme, so die «Financial Times». Viele in der Region würden die westlichen Militäreinsätze in Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien und Mali für den Aufstieg der Terrorgruppen verantwortlich machen. Frankreichs terroristische «Eigengewächse» seien «durch die Innen- und Aussenpolitik ihrer Regierung ermutigt worden», hiess es in einem Kommentar des staatlichen iranischen Fernsehsenders Press TV.

«Charlie Hebdo»-Macher keine Helden

Und obwohl viele Nahostmedien den Slogan «Je suis Charlie» verwenden, werden auch die Macher des Satireblatts nicht von Kritik verschont, etwa in der libanesischen Zeitung «Al Akhbar». Der Kolumnist Yazan al-Saadi verwahrt sich darin gegen das Etikett «Helden» für die Terroropfer: «Es ist nicht heldenhaft, wenn ein paar elitäre weisse Autoren und Zeichner sich über die Identität und den Glauben von Minderheiten lustig machen. Satire soll sich gegen die Mächtigen richten und nicht auf den Schwachen herumtrampeln.» 

Karikatur von KHalid Albaih

Muslime im Clinch zwischen Extremisten und dem Westen. Karikatur: khalid Albaih

Allerdings haben gerade die Macher von «Charlie Hebdo» nichts und niemanden geschont, besonders die Mächtigen in Frankreich. Einen der stärksten Beiträge zum Thema liefert der sudanesische Zeichner Khalid Albaih auf der Website des Fernsehsenders Al Jazeera: «Ich verurteile die Angriffe auf die Karikaturisten, obwohl ich mit der redaktionellen Linie der Publikation nicht übereinstimme, die ich häufig verletzend und rassistisch fand. Trotzdem würde ich für ihre Redefreiheit einstehen.»

Albaih hatte sich während des Arabischen Frühlings 2011 einen Namen gemacht als «Künstler der Revolution». Für ihn sind die Muslime in doppelter Hinsicht die Verlierer. Sie würden ständig aufgefordert, sich für ein Verbrechen zu entschuldigen, das sie weder begangen noch unterstützt haben. Und wenn sie sich distanzieren, «ziehen sie den Zorn der Extremisten auf sich».

Terror in Paris

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