Charlie Hebdo
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
A Moroccan girl holds placards that reads

«Je suis Charlie»: Kundgebung in der marokkanischen Hauptstadt Rabat. Bild: Abdeljalil Bounhar/AP/KEYSTONE

Reaktionen in Nahost

Entsetzen über Pariser Massaker – aber auch Kritik am Westen und «Charlie Hebdo»



Mit Wut und Entsetzen reagierten die Medien in Nahost, von Marokko bis Iran, auf das Blutbad bei der Satirezeitung «Charlie Hebdo» in Paris. «Massaker während Redaktionssitzung» lautete die Schlagzeile der panarabischen Tageszeitung «Al-Sharq Al-Awsat», die in London erscheint. «L'Orient-Le Jour», eine französischsprachige Zeitung im Libanon, titelte mit «Frankreichs 11. September der Gedankenfreiheit». Von einem «11. September für Karikaturisten» sprach der bekannte algerische Zeichner Ali Dilem in der Zeitung «Le Matin».

Manche gaben den Standpunkt ihres Regimes wieder. So vermeldete die halbamtliche ägyptische Zeitung «Al Ahram», Staatspräsident Abdel Fattah al-Sisi verurteile den Angriff auf «Charlie Hebdo». Dabei hat seit Sisis Machtantritt eine regelrechte Jagd auf kritische Journalisten in Ägypten begonnen. Sie werden als «Terroristen» denunziert, verprügelt, niedergeschossen oder landen im Gefängnis. Für sie klingen solche Worte «wie blanker Hohn», heisst es in der Online-Ausgabe von «Die Zeit».

Bild

Titelseite der libanesischen Zeitung «L'Orient-Le Jour».

Medienschaffende haben im Nahen Osten kein leichtes Leben. Wirklich frei arbeiten können nur wenige. Von den Behörden werden sie gegängelt, zensiert und malträtiert. Gleichzeitig müssen sie mit der ständigen Bedrohung durch Extremisten leben. Der bekannte syrische Karikaturist Ali Ferzat wurde im August 2011 vermutlich von Schergen des Regimes verschleppt und brutal misshandelt, weil er den Machthaber Baschar al-Assad mit spitzer Feder aufs Korn genommen hatte.

Kritik an Golfstaaten

Vereinzelt wagen sich kritische Köpfe nun aus der Deckung heraus. So verurteilte ein Kommentar in «Al-Sharq Al-Awsat» nicht nur den Terroranschlag in Paris, sondern auch jene, die solche Taten rechtfertigen und unterstützen. Dies könne man «durchaus als Hieb gegen Golfstaaten lesen, die wortreich vor Terrorismus warnen und gleichzeitig genau jenen religiösen Fanatismus praktizieren, auf den sich offenbar auch die Attentäter von Paris berufen», schreibt die Korrespondentin der «Zeit».

Bild

Karikatur in der libanesischen Zeitung «Al-Nahar».

Gemeint ist nicht zuletzt das Königreich Saudi-Arabien, das zwar an der Seite des Westens gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kämpft, gleichzeitig aber dank den Einnahmen aus dem Ölexport seinen Steinzeit-Islam in die ganze Welt exportiert. Die saudische Regierung verurteilte den Anschlag auf «Charlie Hebdo» ebenfalls. Am Freitag jedoch liess sie den Blogger Raif Badawi öffentlich auspeitschen, weil er die religiösen Hardliner kritisiert hatte.

Weitaus häufiger als selbstkritische Stimmen liest man jedoch Kritik am Westen, der nun «seine eigene Medizin» zu schmecken bekomme, so die «Financial Times». Viele in der Region würden die westlichen Militäreinsätze in Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien und Mali für den Aufstieg der Terrorgruppen verantwortlich machen. Frankreichs terroristische «Eigengewächse» seien «durch die Innen- und Aussenpolitik ihrer Regierung ermutigt worden», hiess es in einem Kommentar des staatlichen iranischen Fernsehsenders Press TV.

«Charlie Hebdo»-Macher keine Helden

Und obwohl viele Nahostmedien den Slogan «Je suis Charlie» verwenden, werden auch die Macher des Satireblatts nicht von Kritik verschont, etwa in der libanesischen Zeitung «Al Akhbar». Der Kolumnist Yazan al-Saadi verwahrt sich darin gegen das Etikett «Helden» für die Terroropfer: «Es ist nicht heldenhaft, wenn ein paar elitäre weisse Autoren und Zeichner sich über die Identität und den Glauben von Minderheiten lustig machen. Satire soll sich gegen die Mächtigen richten und nicht auf den Schwachen herumtrampeln.» 

Karikatur von KHalid Albaih

Muslime im Clinch zwischen Extremisten und dem Westen. Karikatur: khalid Albaih

Allerdings haben gerade die Macher von «Charlie Hebdo» nichts und niemanden geschont, besonders die Mächtigen in Frankreich. Einen der stärksten Beiträge zum Thema liefert der sudanesische Zeichner Khalid Albaih auf der Website des Fernsehsenders Al Jazeera: «Ich verurteile die Angriffe auf die Karikaturisten, obwohl ich mit der redaktionellen Linie der Publikation nicht übereinstimme, die ich häufig verletzend und rassistisch fand. Trotzdem würde ich für ihre Redefreiheit einstehen.»

Albaih hatte sich während des Arabischen Frühlings 2011 einen Namen gemacht als «Künstler der Revolution». Für ihn sind die Muslime in doppelter Hinsicht die Verlierer. Sie würden ständig aufgefordert, sich für ein Verbrechen zu entschuldigen, das sie weder begangen noch unterstützt haben. Und wenn sie sich distanzieren, «ziehen sie den Zorn der Extremisten auf sich».

Terror in Paris

Das könnte dich auch interessieren:

Die Bolton-Bombe ist explodiert – und zwar ins Gesicht von Donald Trump

Link zum Artikel

Vergiss die Dolly-Parton-Challenge – viel interessanter ist die Koala-Herausforderung

Link zum Artikel

Eiskalte Dusche für Salvini – was die Wahlniederlage für die Lega bedeutet

Link zum Artikel

Was Frauen über Geld wissen sollten und warum Investieren wichtig ist

Link zum Artikel

George Soros teilt in Davos aus: «Die Welt wäre ohne Xi und Trump ein besserer Ort»

Link zum Artikel

Du willst Wein kaufen, hast aber null Ahnung? So schnappst du dir eine gute Flasche

Link zum Artikel

Ohne diese Plakette dürfen Genfer ab sofort nicht mehr in die Innenstadt fahren

Link zum Artikel

Warum Haaland ein «richtiger Stürmer» ist und welches BVB-Ritual ihn bald erwartet

Link zum Artikel

Andere Länder, andere Sitten und sehr gute Ti-, äh, Brüste

Link zum Artikel

50 Tonnen Gras pro Jahr – so viel Cannabis konsumiert die Schweiz

Link zum Artikel

Der Bundesrat trifft von der Leyen und Trump und steht mit leeren Händen da

Link zum Artikel

Spass beiseite, der PICDUMP ist da!

Link zum Artikel

Mario Basler, das Enfant Terrible der 90er, verrät uns, was ihn am modernen Fussball nervt

Link zum Artikel

«Ich musste immer noch heftiger, noch brutaler, gröber, wüster sein, als es meine Art ist»

Link zum Artikel

Das Reality-Experiment «The Circle» auf Netflix ist DIE Droge

Link zum Artikel

«Wir wollen keine Zensur!» ruft der weisse heterosexuelle Mann

Link zum Artikel

Wenn der Schweizer Einbürgerungstest effizient wäre, würde er SO aussehen

Link zum Artikel

WEF 2020: Trump ist weg ++ Air Force One in Zürich gestartet

Link zum Artikel

Coronavirus: Bereits 56 Todesopfer 

Link zum Artikel

Siehst du öfters diesen Vogel? Das hat einen bestimmten Grund

Link zum Artikel

Teenie-Idol Billie Eilish (18!) macht Bond-Song. And WHY NOT? Könnte geil werden

Link zum Artikel

Weshalb sich Experten nach dem Freispruch der Klimaaktivisten an den Kopf fassen

Link zum Artikel

Der lange Weg des Daniele Sette zu seinen ersten Weltcup-Punkten – mit 27 Jahren

Link zum Artikel

Eine Untergrund-Industrie plündert Kreditkarten – so schützen uns die Karten-Detektive

Link zum Artikel

5 idiotische Menschentypen, die es im Leben einfacher haben als du

Link zum Artikel

Das Wahljahr hat begonnen und Donald Trump steht ziemlich gut da

Link zum Artikel

«Warum können viele Männer nicht mit einem Korb umgehen?»

Link zum Artikel

Grün wie die Hoffnung – hier kommt das erste Quizz den Huber im 2020!

Link zum Artikel

Déjà-vu für die Queen: Als eine geschiedene Amerikanerin den Briten ihren König stahl

Link zum Artikel

So viele Ordnungsbussen werden in Basel verteilt – und das sind die häufigsten Vergehen

Link zum Artikel

Coronavirus: 2 Verdachtsfälle in Zürich

Link zum Artikel

«Habe versucht, so cool wie möglich zu tun» – die Stimmen zu Rinnes rarem Goalie-Goal

Link zum Artikel

Sie war Junkie, Kult und Bitch – jetzt ist Elizabeth Wurtzel gestorben

Link zum Artikel

Ulrich Tilgner: «Die Amerikaner schiessen im Nahen Osten gerade Eigentor um Eigentor»

Link zum Artikel

Ein Shitstorm entlädt sich über Roger Federer – und Greta Thunberg ist mitschuldig

Link zum Artikel

Besser extra zu spät als nie: PICDUMP!

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Die Bolton-Bombe ist explodiert – und zwar ins Gesicht von Donald Trump

198
Link zum Artikel

Vergiss die Dolly-Parton-Challenge – viel interessanter ist die Koala-Herausforderung

11
Link zum Artikel

Eiskalte Dusche für Salvini – was die Wahlniederlage für die Lega bedeutet

17
Link zum Artikel

Was Frauen über Geld wissen sollten und warum Investieren wichtig ist

33
Link zum Artikel

George Soros teilt in Davos aus: «Die Welt wäre ohne Xi und Trump ein besserer Ort»

124
Link zum Artikel

Du willst Wein kaufen, hast aber null Ahnung? So schnappst du dir eine gute Flasche

96
Link zum Artikel

Ohne diese Plakette dürfen Genfer ab sofort nicht mehr in die Innenstadt fahren

67
Link zum Artikel

Warum Haaland ein «richtiger Stürmer» ist und welches BVB-Ritual ihn bald erwartet

118
Link zum Artikel

Andere Länder, andere Sitten und sehr gute Ti-, äh, Brüste

181
Link zum Artikel

50 Tonnen Gras pro Jahr – so viel Cannabis konsumiert die Schweiz

181
Link zum Artikel

Der Bundesrat trifft von der Leyen und Trump und steht mit leeren Händen da

53
Link zum Artikel

Spass beiseite, der PICDUMP ist da!

171
Link zum Artikel

Mario Basler, das Enfant Terrible der 90er, verrät uns, was ihn am modernen Fussball nervt

26
Link zum Artikel

«Ich musste immer noch heftiger, noch brutaler, gröber, wüster sein, als es meine Art ist»

17
Link zum Artikel

Das Reality-Experiment «The Circle» auf Netflix ist DIE Droge

33
Link zum Artikel

«Wir wollen keine Zensur!» ruft der weisse heterosexuelle Mann

565
Link zum Artikel

Wenn der Schweizer Einbürgerungstest effizient wäre, würde er SO aussehen

115
Link zum Artikel

WEF 2020: Trump ist weg ++ Air Force One in Zürich gestartet

443
Link zum Artikel

Coronavirus: Bereits 56 Todesopfer 

0
Link zum Artikel

Siehst du öfters diesen Vogel? Das hat einen bestimmten Grund

68
Link zum Artikel

Teenie-Idol Billie Eilish (18!) macht Bond-Song. And WHY NOT? Könnte geil werden

73
Link zum Artikel

Weshalb sich Experten nach dem Freispruch der Klimaaktivisten an den Kopf fassen

454
Link zum Artikel

Der lange Weg des Daniele Sette zu seinen ersten Weltcup-Punkten – mit 27 Jahren

3
Link zum Artikel

Eine Untergrund-Industrie plündert Kreditkarten – so schützen uns die Karten-Detektive

25
Link zum Artikel

5 idiotische Menschentypen, die es im Leben einfacher haben als du

60
Link zum Artikel

Das Wahljahr hat begonnen und Donald Trump steht ziemlich gut da

90
Link zum Artikel

«Warum können viele Männer nicht mit einem Korb umgehen?»

326
Link zum Artikel

Grün wie die Hoffnung – hier kommt das erste Quizz den Huber im 2020!

71
Link zum Artikel

Déjà-vu für die Queen: Als eine geschiedene Amerikanerin den Briten ihren König stahl

28
Link zum Artikel

So viele Ordnungsbussen werden in Basel verteilt – und das sind die häufigsten Vergehen

170
Link zum Artikel

Coronavirus: 2 Verdachtsfälle in Zürich

20
Link zum Artikel

«Habe versucht, so cool wie möglich zu tun» – die Stimmen zu Rinnes rarem Goalie-Goal

7
Link zum Artikel

Sie war Junkie, Kult und Bitch – jetzt ist Elizabeth Wurtzel gestorben

8
Link zum Artikel

Ulrich Tilgner: «Die Amerikaner schiessen im Nahen Osten gerade Eigentor um Eigentor»

90
Link zum Artikel

Ein Shitstorm entlädt sich über Roger Federer – und Greta Thunberg ist mitschuldig

358
Link zum Artikel

Besser extra zu spät als nie: PICDUMP!

131
Link zum Artikel

Das könnte dich auch interessieren:

Die Bolton-Bombe ist explodiert – und zwar ins Gesicht von Donald Trump

198
Link zum Artikel

Vergiss die Dolly-Parton-Challenge – viel interessanter ist die Koala-Herausforderung

11
Link zum Artikel

Eiskalte Dusche für Salvini – was die Wahlniederlage für die Lega bedeutet

17
Link zum Artikel

Was Frauen über Geld wissen sollten und warum Investieren wichtig ist

33
Link zum Artikel

George Soros teilt in Davos aus: «Die Welt wäre ohne Xi und Trump ein besserer Ort»

124
Link zum Artikel

Du willst Wein kaufen, hast aber null Ahnung? So schnappst du dir eine gute Flasche

96
Link zum Artikel

Ohne diese Plakette dürfen Genfer ab sofort nicht mehr in die Innenstadt fahren

67
Link zum Artikel

Warum Haaland ein «richtiger Stürmer» ist und welches BVB-Ritual ihn bald erwartet

118
Link zum Artikel

Andere Länder, andere Sitten und sehr gute Ti-, äh, Brüste

181
Link zum Artikel

50 Tonnen Gras pro Jahr – so viel Cannabis konsumiert die Schweiz

181
Link zum Artikel

Der Bundesrat trifft von der Leyen und Trump und steht mit leeren Händen da

53
Link zum Artikel

Spass beiseite, der PICDUMP ist da!

171
Link zum Artikel

Mario Basler, das Enfant Terrible der 90er, verrät uns, was ihn am modernen Fussball nervt

26
Link zum Artikel

«Ich musste immer noch heftiger, noch brutaler, gröber, wüster sein, als es meine Art ist»

17
Link zum Artikel

Das Reality-Experiment «The Circle» auf Netflix ist DIE Droge

33
Link zum Artikel

«Wir wollen keine Zensur!» ruft der weisse heterosexuelle Mann

565
Link zum Artikel

Wenn der Schweizer Einbürgerungstest effizient wäre, würde er SO aussehen

115
Link zum Artikel

WEF 2020: Trump ist weg ++ Air Force One in Zürich gestartet

443
Link zum Artikel

Coronavirus: Bereits 56 Todesopfer 

0
Link zum Artikel

Siehst du öfters diesen Vogel? Das hat einen bestimmten Grund

68
Link zum Artikel

Teenie-Idol Billie Eilish (18!) macht Bond-Song. And WHY NOT? Könnte geil werden

73
Link zum Artikel

Weshalb sich Experten nach dem Freispruch der Klimaaktivisten an den Kopf fassen

454
Link zum Artikel

Der lange Weg des Daniele Sette zu seinen ersten Weltcup-Punkten – mit 27 Jahren

3
Link zum Artikel

Eine Untergrund-Industrie plündert Kreditkarten – so schützen uns die Karten-Detektive

25
Link zum Artikel

5 idiotische Menschentypen, die es im Leben einfacher haben als du

60
Link zum Artikel

Das Wahljahr hat begonnen und Donald Trump steht ziemlich gut da

90
Link zum Artikel

«Warum können viele Männer nicht mit einem Korb umgehen?»

326
Link zum Artikel

Grün wie die Hoffnung – hier kommt das erste Quizz den Huber im 2020!

71
Link zum Artikel

Déjà-vu für die Queen: Als eine geschiedene Amerikanerin den Briten ihren König stahl

28
Link zum Artikel

So viele Ordnungsbussen werden in Basel verteilt – und das sind die häufigsten Vergehen

170
Link zum Artikel

Coronavirus: 2 Verdachtsfälle in Zürich

20
Link zum Artikel

«Habe versucht, so cool wie möglich zu tun» – die Stimmen zu Rinnes rarem Goalie-Goal

7
Link zum Artikel

Sie war Junkie, Kult und Bitch – jetzt ist Elizabeth Wurtzel gestorben

8
Link zum Artikel

Ulrich Tilgner: «Die Amerikaner schiessen im Nahen Osten gerade Eigentor um Eigentor»

90
Link zum Artikel

Ein Shitstorm entlädt sich über Roger Federer – und Greta Thunberg ist mitschuldig

358
Link zum Artikel

Besser extra zu spät als nie: PICDUMP!

131
Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

11
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Jol Bear 10.01.2015 17:23
    Highlight Highlight Am Argument, dass sich Zeichner oder Satiriker nicht über Minderheiten sondern über die Mächtigen lustig machen sollten, ist offensichtlich einiges faul. Die fundamentalistischen Islamisten und ihre Prediger sind tatsächlich eine Minderheit, auch innerhalb der Islamischen Gemeinschaft. Aber durch ihre Methoden, der rücksichtslosen Anwendung und Proklamation von Gewalt, sich dabei auf den Koran berufend, offenbaren sie eine grosse Macht, mit Folgen, wie sie eben in Paris zu sehen waren. Durch ihre, für "Westler" absurde Geisteshaltung drängen sich die Fundamentalisten deshalb als "Pflichtthema" für Karikaturisten und Satiriker geradezu auf. Letzteres gilt auch für andere Religionen und wird auch so praktiziert, ohne dass es gleich zu Blutbädern kommt. Wenn Terroranschläge die Folge irgendwelcher Religionskritik sind, dann scheint die kritisierte Religionsauffassung auf wackligem Fundament zu stehen, offenbar fehlen überzeugende Argumente in Form von Worten.
  • Cox 10.01.2015 16:28
    Highlight Highlight Wenn wir aufhören würden, über Motive und Religion zu diskutieren, und einfach feststellen würden, dass wir von Terroristen bedroht werden, könnten wir die Gefahr endlich bekämpfen.
    • ZHighlander 10.01.2015 17:54
      Highlight Highlight nur sind hier genau die radikale Auslegung der Religion und das daraus resultierende Motiv das Hauptproblem.
  • Triumvir 10.01.2015 14:41
    Highlight Highlight Der treffenste und beste Beitrag hat meines Erachtens der Chefredakteur von TITANIC verfasst
    "Es lebe der Witz!"
    von Tim Wolff, Chefredakteur TITANIC
    Es ist anläßlich der fürchterlichen Morde in Paris wohl nötig, mal wieder Grundsätzliches über Komik und Satire zu sagen. Denn nicht nur islamistischen Terroristen, so unsere Erfahrung bei der Titanic, fehlt es da an der Grundausstattung. Komik ist zu allererst ein Mittel, dem Ernst des Lebens, der die meisten von uns bedrückt, selbst wenn nicht gerade Raketenwerfer in Redaktionsräumen abgefeuert werden, etwas entgegenzusetzen, im besten Falle seiner Herr zu werden. Und je ernster die Lage, desto wichtiger der Humor. Komik schafft Distanz zu bedrückenden Ereignissen, sie erlaubt, uneigentlich über eigentlich Unerträgliches zu sprechen – und so den Schrecken zu bekämpfen. Sehr viele Komikunkundige, ob Islamisten, Rassisten oder deutsche Durchschnittsjournalisten, begehen meist den Fehler, einen Witz auf einen unkomischen, ernsten (und zumeist noch auf einem Mißverständnis beruhenden) Aussagekern herunterbrechen zu wollen. Die einen, weil sie den Witz auslöschen wollen; die anderen, weil sie glauben, Satire und Komik zu ernsten Themen sei nur angebracht, wenn sie „wertvoll“, „geistreich“ oder was auch immer ist.
    Es ist natürlich schöner, wenn Komik auch noch eine kluge Botschaft transportiert, aber sie ist auch ohne sehr viel wert. Das müßten die meisten Menschen eigentlich wissen, denn sie praktizieren es privat. Als etwa gestern ca. 100 Journalisten Interviews und Statements von mir haben wollten, fielen immer wieder Wendungen wie „Wir wollten Sie nicht überfallen“ oder „Schießen Sie los“ – und was taten diese Leute, als Ihnen auffiel, was sie da gerade versehentlich, aus Routine gesagt hatten? Sie lachten. Nicht etwa, weil sie sich damit über die ermordeten Satiriker lustig machten, sondern weil ihre üblichen Phrasen auf einmal in einem anderen Kontext standen, eine Bedeutung bekamen, die sie nicht haben sollten. Dahinter steckt keine wertvolle Aussage, es nimmt schlicht für einen Moment dem Ernst die Macht.
    Und das dürfte der Grund sein, weswegen Fanatiker, speziell religiöse, Komik verachten. Sie vertreten eine todernste, einzige ewige Wahrheit, und der Witz – egal wie klug oder lustig er im Einzelfalle sein mag – bedroht diese Wahrheit. Religion (und so manch andere Weltanschauung) ist Wahnsinn im Kleide der Rationalität, Satire und Komik Rationalität im Kleide des Wahnsinns. Das eine muß das andere mißverstehen. Deshalb werden Vertreter des heiligen Ernstes der Komik stets mit Zorn begegnen. Und es ist ihr gutes Recht. Solange sie dies mit denselben Waffen wie Satiriker tun: mit Wort und Bild. Und nicht mit Maschinenpistolen.
    Seit gestern gilt mehr denn je: Es lebe der Witz. Der kluge. Der platte. Jeder, der genügend Menschen findet, die über ihn lachen. Und für alle, die ihn nicht mögen, sollte mehr denn je gelten: Ertragt ihn oder ignoriert ihn. Ihr werdet der Komik nicht Herr
  • AdiB 10.01.2015 13:52
    Highlight Highlight guter beitrag und eine sehr gut ausgewählte karikatur. auch das zitat "Es ist nicht heldenhaft, wenn ein paar elitäre weisse Autoren und Zeichner sich über die Identität und den Glauben von Minderheiten lustig machen. Satire soll sich gegen die Mächtigen richten und nicht auf den Schwachen herumtrampeln" ist sehr gut. hoffe das gibt vielen zum nachdenken, was der eigendliche sind von satire u d solchen karikaturen sein sollte.
    • Lotti Karotti 10.01.2015 15:03
      Highlight Highlight und was sollte Ihrer Meinung nach der "eigentliche Sinn" dieser Karikaturen sein Kollege? Diese Hyperempfindlichkeit von vielen Gläubigen macht mich nur noch krank. Speziell bei Muslimen. Wie viele Karikaturen mit dicken Buddhas oder über die kinderschändenden katholischen Priester wurden veröffentlich, ohne dass Botschften brannten, Menschen geköpft, und erschossen wurden. Wenn jede vermeintliche Minderheit bei Satire durchdrehen würde, wäre die Menschheit innert kürzester Zeit dahin. Und was machen Islamisten in Syrien anderes als auf den Schwachen herumtrampeln? Verdammte Scheinheiligkeit!
    • Adonis 10.01.2015 16:17
      Highlight Highlight Was heisst hier mächtig? Mächtig ist der krude Inhalt im Koran, welche intelligente Leute wie Scheich Mohammed, Khalid u.v.a. offenbar durch eine eigene Hirnwäsche zu abscheulichen Taten brachte. Kein Christ reagierte übrigens auf die Satiren aus dem Iran. Staunst du da nicht, AdiB??
    • AdiB 10.01.2015 16:36
      Highlight Highlight der sinn wird in diesem beitrag erwähnt. und die karikatur zeit die hilflosigkeit von 99,99 muslimen auf der welt. die karikatur in diesem beitrag hat eine aussage.
      aber die islamfeinde heutzutage sind voller hass, ihr hass ist so gross das sie blind sind.
    Weitere Antworten anzeigen

Er überlebte den Anschlag auf Charlie Hebdo – nun erzählt der Chefredaktor vom Terror

Vor fünf Jahren stürmten Terroristen die Redaktion des Pariser Satiremagazins. Jetzt äussert sich der Überlebende und heutige Chefredaktor Laurent Sourisseau zum Anschlag.

Wenn Blicke wirklich töten könnten, wäre Laurent Sourisseau, alias Riss, wohl nicht mehr am Leben. «Wir schauten uns in die Augen», beschreibt er die Szene, als die Gebrüder Kouachi am 7. Januar 2015 mit ihren Kalaschnikows in die Redaktionssitzung platzten. «Eine Sekunde lang, vielleicht zwei.» Der schwarz gekleidete Attentäter schien überrascht, in dem kleinen Raum so viele Leute vor­zufinden. «Sein Staunen wurde aber gleich von seiner Aufgabe weggewischt: Er sollte töten.»

Riss tauchte …

Artikel lesen
Link zum Artikel