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Redfish richtet sich an linke und ökologisch interessierte Facebook-User. screenshot: facebook

Das musst du über die von Russland finanzierten Propaganda-Kanäle Redfish und Co. wissen

Eine aktuelle Reportage aus Berlin zeigt, wie die vom russischen Staat finanzierte «heimliche Medienzentrale in Europa» arbeitet.



Russia Today, Sputnik Deutschland? Kennt man.

Aber was ist mit Redfish und Maffick?

Der Reporter Jan-Henrik Wiebe hat über relativ junge, von Russland finanzierte Online-Kanäle recherchiert, die sich nicht nur den Auftritten von Pegida und Co. widmen, sondern versuchten, «verstärkt auch Linke und Ökos zu infiltrieren».

Die folgenden Erkenntnisse stammen von seiner neusten, bei t-online.de veröffentlichten Reportage. Titel: «Mitten in Berlin: Russlands heimliche Medienzentrale in Europa».

Worum geht's?

Russland verschleiert laut T-Online seine Verbindungen zu neuen Propaganda-Kanälen, die es von Berlin aus aufbaue. Die via Facebook, YouTube und Twitter verbreiteten Inhalte richteten sich vor allem an Linke und ökologisch Interessierte.

Namentlich genannt werden zwei deutsche Firmen, die an der gleichen Adresse in Berlin angesiedelt sind wie die zu Russia Today (RT) gehörende Videoagentur Ruptly:

Was tun die?

Erst kürzlich habe Redfish mit einem Video für Furore in den sozialen Netzwerken gesorgt, schreibt T-Online. Der mit einem Smartphone aufgenommene Film zeigt einen Polizeieinsatz in Berlin-Kreuzberg. Dabei wird ein Mann gewaltsam festgenommen.

Problem laut T-Online: Der Redfish-Beitrag vermittle ein einseitiges Bild. Nicht erwähnt werde, dass der Mann die Polizisten zuvor attackiert und heftigen Widerstand bei der Festnahme geleistet habe. Der Vorfall werde nun offiziell untersucht.

Es dürften nur wenige Social-Media-User, die zum Teil sehr emotional auf den Redfish-Clip reagierten, ihn kommentierten und weiterverbreiteten, wissen, wer dahintersteckt ...

Wer steckt hinter Redfish?

«Redfish ist Teil des staatlichen russischen Medienbetriebs Rossija Sewodnja. Nach Aussage der Chefin Lizzie Phelan gegenüber t-online.de ist es eine hundertprozentige Tochter der Videoagentur Ruptly, die wiederum zu RT, ehemals Russia Today, gehört. Sender und Agentur gehören dem staatlichen russischen Rundfunk. Weder im Impressum noch in der Selbstbeschreibung wird diese Verbindung öffentlich gemacht.»

quelle: t-online.de

Laut T-Online wüssten Interviewte und freie Mitarbeiter von Redfish nicht immer von den Verbindungen nach Russland.

Facebook selbst lasse Werbung für Videos der Kanäle nicht zu und begründe dies u. a. mit der Bezahlung mit russischen Rubeln und politischer Werbung ohne Angabe der Geldgeber.

Via Twitter hat die Redfish-Chefin auf die T-Online-Reportage reagiert und behauptet ihrerseits, sie habe sich nicht äussern können zur «schwerwiegenden Anschuldigung».

Sicher ist: Redfish macht im Impressum keine Angaben zu Beziehungen nach Russland und der RT-Tochter Ruptly.

Im Februar hatte Lizzie Phelan auf kritische Medienberichte in mehreren englischsprachigen Medien, darunter die «Times», reagiert und in einem Beitrag im Firmenblog bestätigt, dass ihr Unternehmen Geld aus Russland erhalte. 

«Ja, die Finanzierung von Redfish kommt von Ruptly, einer Nachrichtenagentur im Besitz von RT. Aber das war's dann auch schon.»

quelle: redfish.media

Die redaktionelle Unabhängigkeit sei deswegen nicht infrage gestellt, versicherte die Redfish-Chefin.

Wie reagiert Facebook?

Facebook hat zumindest einzelne Redfish-Inhalte im Visier. Bereits gelöscht wurde laut T-Online ein Werbetrailer mit dem Titel «Die vergessene Kolonie: Puerto Rico», der mit 100 bis 499 Euro vor allem in Südamerika beworben worden sei.

Facebook habe das Video als politische Werbung eingestuft und die Reklame dafür entfernt, da unklar gewesen sei, woher das Geld dafür stamme. Das Video selbst sei weiter online.

Wo liegt das Problem?

Der renommierte deutsche Journalist Daniel Bröckerhoff kritisiert die mangelnde Transparenz:

T-Online zitiert den Vorsitzenden des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Professor Frank Überall:

«Hier wird mit billiger Polemik gegen Journalistinnen und Journalisten das Vorurteil geschürt, die Medien seien der verlängerte Arm der Staatsgewalt. Welch ein Unsinn! Wir brauchen keinen weiteren Propagandakanal in Deutschland.»

quelle: t-online.de

Warum tut Russland das?

Kommentatoren schreiben, es gehe um die Beeinflussung der öffentlichen Meinung:

Markus Beckedahl, Gründer und Chefredakteur von netzpolitik.org, findet dafür deutliche Worte:

«Einerseits einen auf aufklärerischen Journalismus machen und dabei komplett intransparent sein. Nicht mal ein Minimum an Transparenz, wer dahinter steckt, mit welchen Motiven und wer das finanziert! Wenn in Russland Journalisten so arbeiten, kommen sie in grosse Schwierigkeiten. Reporter ohne Grenzen stuft Russland bei der Pressefreiheit im Moment auf Platz 148 ein – von 180 untersuchten Staaten insgesamt.»

Es gebe allerdings «Zielgruppen», denen diese Hintergründe vollkommen egal seien, und die würden angesprochen.

Offensichtlich mit einigem Erfolg:

(dsc)

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38Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • John Henry Eden 22.10.2018 22:44
    Highlight Highlight Destabilisierung der Demokratie? Stabilität testet man doch mit Belastung(en) .

    In Deutschland haben alle grossen Medienhäuser jahrelang die Regierung Merkel hofiert. Kritik gab es nicht, alles war schön und super. Hat weder ihr noch der GroKo viel gebracht, wie man jetzt sieht.


  • my_comment 21.10.2018 11:08
    Highlight Highlight Diejenigen, die Russland als harmlos sehen und die Nato-Propaganda als viel grösser, sollen doch hier mal Beispiele posten. Nicht Berichte darüber sondern effektive News aus den von ihnen verurteilten Mainstream-Medien.
    Andernfalls können wir dieses Thema Nato-Propaganda wohl abschliessen.
    • Sebastian Wendelspiess 23.10.2018 07:40
      Highlight Highlight Ukraine, Syrien, Jemen oder Libyenkrieg. Einmischung in verschiedene Wahlen.
  • Phiilofofi 21.10.2018 10:00
    Highlight Highlight Bezüglich der Diskussion um die Propaganda der USA:

    Die USA haben ihre eigene Art amerikanisches Meinungsgut zu verbreiten: Hollywood.
    • Echo der Zeit 21.10.2018 12:43
      Highlight Highlight Aus Hollywood gibt es sehr eindrückliche Antikriegsfilme - Hollywood ist Kapitalismus und keine Propaganda Maschinerie.
    • Sebastian Wendelspiess 23.10.2018 07:41
      Highlight Highlight @echo ziemlich naiv. Wie viele Antikriegsfilme kennst du? Und wie viele, wo US-Kriege glorifiziert werden?
    • Toerpe Zwerg 23.10.2018 08:14
      Highlight Highlight Hollywood untersteht keinerlei Regierungskontrolle und ist tendenziell klar regierungskritisch. Es gibt viele erfolgreiche und die Rolle der USA sehr kritisch hinterfragende Filme aus Hollywood.

      Ich denke, man braucht diese nicht zu nennen, weil sie teilweise zum allgemeinen Kulturgut gehören.
  • Posersalami 21.10.2018 01:53
    Highlight Highlight Die Tagesschau verwendet "versehentlich" Videos von Naziaufmärschen, wenn es um ganz normale Bürger geht die demonstrieren. Die Polizei schreibt dehydrierte und übermüdete Beamte einfach als Opfer von Gewalt bei einer Demo in eine Presseerklärung.

    Mann muss eh alles zumindest auf Plausibilität prüfen, ganz unabhängig von der Quelle. Dinge in einem anderen Licht zeigen können auch die Qualitätsmedien ganz ausgezeichnet. Es ist gefährlich, da immer nur auf die anderen zu zeigen.
  • Dong 20.10.2018 21:11
    Highlight Highlight Sogar ich als Putinversteher finde, wo Russland drin ist, sollte auch Russland draufstehen.
    Wünsche mir im Gegenzug aber mal ne Watson-Reportage über die NATO-Propaganda (wird allerdings wohl Wunschdenken bleiben).
  • Garp 20.10.2018 18:45
    Highlight Highlight Gewisse Leute und propagandistische Kreise sind gut organisiert, sieht man an den Herzen und Blitzen in der Kommentarspalte grad wieder aktuell. ^^
    • Toerpe Zwerg 20.10.2018 20:01
      Highlight Highlight Welche?
    • giguu 20.10.2018 23:30
      Highlight Highlight Alt right
  • smoking gun 20.10.2018 16:37
    Highlight Highlight Also im Vergleich zur Propaganda-Maschine der USA backen die Russen sehr kleine Brötchen:

    https://www.rubikon.news/artikel/die-propaganda-fabrik

    • roger.schmid 20.10.2018 17:01
      Highlight Highlight Wenigstens werden in den USA Journalisten nicht regelmässig eingesperrt und umgebracht wie in Russland, das in Sachen Medienfreiheit im internationalen Vergleich ganz unten steht.
    • Garp 20.10.2018 17:11
      Highlight Highlight Rubikon news sind mir höchst suspekt. Da gibt es Autoren, die seltsame Dinge über Aids schreiben, dass das keine Viruserkrankung sei, da ist Karin Leukfeld vertreten, die Assad ja so toll findet und andere Verschwörungstheoretiker, wie Ganser und dieser Prof. Mausfeld, der auch nicht wirklich schlüssig argumentiert. Ganz viele von den Schreibern wurden schon von KenFM interviewt, der seine Interviews sehr manipulierend für den Zuschauer führt.

      Das ist keine seriöse Quelle für mich.
    • Dr. Unwichtig 20.10.2018 17:22
      Highlight Highlight Von Propaganda schwafeln und Rubikon News verlinken? Soll das vielleicht ironisch gemeint sein?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Echo der Zeit 20.10.2018 15:59
    Highlight Highlight Was mit Kirill Serebrennikow passiert, ist ein schöner Beleg dafür, wie viel Angst doch das Regime in Russland hat vor den freien Menschen - https://www.srf.ch/play/radio/echo-der-zeit/audio/russlands-starregisseur-auf-der-anklagebank?id=9c71695f-c28b-43e2-a6f8-e19e61f7f507
  • Echo der Zeit 20.10.2018 15:56
    Highlight Highlight "Einerseits einen auf aufklärerischen Journalismus machen und dabei komplett intransparent sein. Nicht mal ein Minimum an Transparenz, wer dahinter steckt, mit welchen Motiven und wer das finanziert! Wenn in Russland Journalisten so arbeiten, kommen sie in grosse Schwierigkeiten"

    Genau das ist das Problem, in Russland ist man als unabhängiger Journalist nicht mehr sicher, als Künstler auch nicht - https://www.srf.ch/play/radio/rendez-vous/audio/gerichtsprozess-gegen-russischen-starregisseur?id=95435b67-5988-466a-8649-4fda0f0581c1
  • neoliberaler Raubtierkapitalist 20.10.2018 15:47
    Highlight Highlight Krass wie strategisch Russland Propaganda verbreitet. Danke Watson für die Info.
    • Jättelattejaterö 20.10.2018 16:46
      Highlight Highlight Was soll daran krass sein? Jeder Staat verbreitet Propaganda. Wir im Westen sind nicht ausgeschlossen. Und sie ist auch nicht immer wahrheitsgetreu. (Irakkrieg u.s.w.)
    • Echo der Zeit 20.10.2018 18:21
      Highlight Highlight @Jättelattejaterö: Die USA haben seit dem Vietnam Krieg eine breite Journalistische Front, die kritisch hinschaut - Dank Freien Journalisten wurde der Bush Kriegstreiberei von Anfang an Kritik entgegengebracht - das kann man nicht vergleichen, was in Russland abläuft mit Journalismus.
    • neoliberaler Raubtierkapitalist 20.10.2018 23:33
      Highlight Highlight @Jättelattejaterö Natürlich hat jedes Medium, jeder Journalist seine Meinung. Zu Russland gibt es aber einen grossen Unterschied. Der Russische Staat versucht aktiv die Meinung zu beeinflussen im In- und Ausland und verbreitet wissentlich Lügen (z.B. MH17). Selbst unser SRF recherchiert kritisch. Unsere Medien verbreiten nicht 1 zu 1 die Ideen der Staatsoberhäupter oder wird über Trump nur positiv berichtet?
    Weitere Antworten anzeigen
  • pazüsen 20.10.2018 15:44
    Highlight Highlight In der Überschrift steht "russischer Stadt" anstatt "Staat"... :)
    • @schurt3r 20.10.2018 15:51
      Highlight Highlight Ist korrigiert, danke!
    • Ueli_DeSchwert 20.10.2018 17:21
      Highlight Highlight @pazüsen Russia is my City ;P

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