Gesellschaft & Politik
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Der Blick auf Europa durch die Google-Klischeebrille. Grafik: Watson/shutterstock

Autokomplette Klischees

Franzosen sind schlechte Gamer, Finnen depressive Trinker und Schweizer sind Katzenfresser

Begriffe, die immer wieder zusammen gesucht werden, schlägt Google im Suchfeld automatisch vor. Das gibt uns einen Einblick in die Welt der nicht ganz alltäglichen Vorurteile.



Roman Rey, Melanie Gath

Schotten sind geizig, Finnen schweigsam, Griechen faul: Das sind die gängigen Klischees über unsere europäischen Nachbarn. Die Autocomplete-Funktion von Google, die sich aus gehäuften Suchanfragen nährt, offenbart aber noch ein paar weitere – teils bizarre –  Vorurteile, wie ein Test zeigt.

Franzosen etwa sind schlechte Gamer, die Deutschen offenbar «wie Kokosnüsse» und wir Schweizer, ja, wir sind in den Augen der Googler Katzenfresser. Unser Experiment ist selbstverständlich höchst unwissenschaftlich, da niemand genau weiss, wie der Vorschlags-Algorithmus funktioniert.

Die Europäer durch die Google-Brille

Es ist anzunehmen, dass sich die Resultate aus allen deutschsprachigen Suchen ergeben, da Versuche mit IPs verschiedener Länder das Gleiche ergeben. Wieso aber eine Suche auf Google Honkong mehr Resultate liefert als Anfragen auf google.ch und google.de, bleibt ein Rätsel. Nach einigen Ländern wird offenbar so wenig gesucht, dass es keine Vorschläge gibt – sie lassen wir weg.

Einige Begriffe tauchen praktisch überall auf. So sind gemäss Google-Autocomplete alle dumm, rassistisch und faul. Ein weiteres Thema taucht, vor allem wenn es um den Süden des Kontinents geht, immer wieder auf: Welches sind die besten Liebhaber?

Und dann gibt es, wie bereits erwähnt, recht kuriose Resultate. Versuchen wir, ihnen auf den Grund zu gehen.

Deutsche sind wie Kokosnüsse

Obwohl dies als erstes vorgeschlagen wird, handelt es sich dabei kaum um ein gängiges Klischee – ein gutes Beispiel dafür, dass man Google bei solchen Sachen nicht zu ernst nehmen kann.

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Die Wendung kommt von einer SWR-Dokumentation mit dem Namen: Die Kulturforscherin Katrin Gratz vergleicht Mentalitäten mit Früchten. Amerikaner sind Pfirsiche: Aussen weich und innen hart. Bei den Kokosnüssen, den Deutschen, ist es genau umgekehrt.

Franzosen sind schlechte Gamer

Dieses Stereotyp scheint in der deutschsprachigen Welt der Online-Gamer tatsächlich weit verbreitet. In Foren spekulieren Zocker über die Gründe, warum die Franzosen einfach nichts draufhaben.

Sind Franzosen einfach weniger ehrgeizig als andere Europäer? Ist ihnen das Real Life einfach wichtiger? Vielleicht sind sie gar nicht schlechter als andere, sondern einfach unbeliebt, spekuliert ein Gamer – und zwar, weil sie sich oft weigern, englisch zu sprechen.

Dänen sind Hundemörder

Diesen Titel verdient sich Dänemark wegen seines scharfen Hundegesetztes. Hunde können aufgrund ihres Aussehens sofort eingeschläfert werden – wenn ein Polizist das Gefühl hat, er gehöre zu einer verbotenen Rasse. Ebenso jeder Hund, der einen anderen gebissen hat. 

Die dänische Tierschutzorganisation Fair Dog machte im Frühjahr 2013 publik, dass seit der Einführung des Gesetzes im Jahr 2010 bereits rund 1800 Hunde getötet wurden.

Finnen sind depressive Trinker

Dieses durchaus existierende Vorurteil ist eine Zeile aus dem Lied «Unterschiede» des deutschen Liedermachers Rainald Grebe.

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Video: Youtube/Cr1x

Die Iren sind unzugänglich für Psychoanalyse

Gemäss dem Hollywoodfilm «The Departed» soll diese Aussage von Sigmund Freud höchstselbst stammen, dem Begründer der Psychoanalyse. Die Iren seien das einzige Volk, dem durch Psychoanalyse nicht zu helfen sei. Sie seien voller Widersprüche und immun gegen rationale Denkprozesse. 

Gemäss dem Sigmund-Freud-Museum hat Freud dies aber nie behauptet. Die Aussage ist eine Erfindung des Filmcharakters.

Österreicher sind wie Punschkrapfen

Schon wieder ein Essensvergleich, aber diesmal ein nicht so leicht verständlicher. Für die, die es nicht wissen: Punschkrapfen ist eine typische österreichische Süsspeise.

Geprägt hat die Aussage der bekannte österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard. Er sagte:

«Die Mentalität der Österreicher ist wie ein Punschkrapfen: Aussen rot, innen braun und immer ein bisschen betrunken.»

Damit dürfte übrigens auch deutlich werden, warum Bernhard in seiner Heimat immer wieder als Nestbeschmutzer beschimpft wurde.

Punschkrapfen (Fotograf: Toni Grass, CC-Lizenz)

Sehen Lecker aus, diese Österreicher. Bild: Toni Graf (CC-lizenz)

Schweizer sind Katzenfresser

Der Verzehr von Katzenfleisch ist eine alte Schweizer Tradition, die noch heute immer wieder Schlagzeilen macht. Im Dezember ging die Meldung um die Welt, dass Hunderttausende von Schweizern zu Weihnachten Katzenfleisch essen – an einer Weisswein- und Knoblauchsauce.

In der Schweiz werden wohl tatsächlich Katzen und Hunde gegessen – wohl aber deutlich weniger als hunderttausend. Die fragwürdige Zahl stammt von der Tierschutzorganisation «SOS Chats», die den Verzehr von Katzenfleisch mit einer Petition verbieten will. 

Die Welt sieht die Schweiz als Katzenfresser

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