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Trump setzt im Iran-Krieg auf Eskalation – doch die Risiken sind enorm

President Donald Trump exits Air Force One at Joint Base Andrews, Md., after attending the World Cup final soccer match, Sunday, July 19, 2026. (AP Photo/Jacquelyn Martin)
Donald Trump
Eine unkontrollierte Eskalation des Kriegs birgt enorme Risiken – für beide Seiten.Bild: Keystone.
Analyse

Trump setzt im Iran-Krieg auf Eskalation – doch die Risiken sind enorm

Der jüngste Schlagabtausch zwischen Iran und den USA schaukelt sich gefährlich hoch. Eine unkontrollierte Eskalation birgt jedoch enorme Risiken – für beide Seiten.
21.07.2026, 02:1421.07.2026, 02:14
Martin Küper / t-online
Ein Artikel von
t-online

Kurz sah es so aus, als würden die USA und der Iran ihren Streit um die Strasse von Hormus auf diplomatischem Wege beilegen. Doch nun rückt diese Möglichkeit in immer weitere Ferne. Die neunte Nacht in Folge hat die US-Armee Ziele im Iran bombardiert, das Regime in Teheran wiederum griff am Montagmorgen erneut zwei Öltanker in omanischen Gewässern an. Und nicht nur rhetorisch stellen sich beide Seiten auf eine weitere Eskalation der Feindseligkeiten ein.

Dabei schien ein Ende des seit Februar tobenden Krieges bereits in greifbarer Nähe. Am 18. Juni unterzeichneten die Konfliktparteien eine Absichtserklärung, die eine 60-tägige Waffenruhe und Verhandlungen über den künftigen Status der Strasse von Hormus vorsah. Der Iran hatte die wichtige Meerenge nach den US-israelischen Angriffen praktisch gesperrt, stellte seine Angriffe auf Frachtschiffe aber auch nach der Waffenruhe nicht ein. Seit Anfang Juli fliegt die US-Armee nun wieder nächtliche Luftangriffe gegen das Regime in Teheran.

Iranischer Angriff tötet mehrere US-Soldaten

Doch was zunächst wie eine Fortsetzung der Diplomatie mit anderen Mitteln wirkte, schaukelt sich nun wieder gefährlich hoch. Der jüngste Kipppunkt aus US-Sicht war ein iranischer Raketenangriff auf den Luftwaffenstützpunkt Muwaffaq Salti in Jordanien am Freitag. Dabei wurden mindestens drei US-Soldaten getötet, die genaue Zahl der Verletzten ist unklar.

Seither hat die US-Regierung ihren Ton gegen Teheran massiv verschärft – und untermauert ihre Drohungen mit weiterem Kriegsgerät, das in die Golfregion geschickt wird.

So begründete US-Präsident Donald Trump die jüngsten Angriffe explizit mit Verweis auf die US-Opfer in Jordanien. «Diese grossartigen Menschen, diese grossartigen Patrioten, waren da draussen im Einsatz, damit der Iran keine Atomwaffen bekommen kann», sagte Trump nach seiner Rückkehr vom WM-Endspiel vor Reportern. «Wir haben sie (die Iraner) heute Nacht wieder sehr hart getroffen.»

Der US-Aussenminister kündigte unterdessen weitere Angriffe an. «Solange der Iran darauf besteht, eine internationale Wasserstrasse zu kontrollieren, werden wir darauf reagieren müssen», so Marco Rubio.

USA schicken weitere Kampf- und Tankflugzeuge

Auf eine Ausweitung der US-Angriffe deutet auch die Entsendung weiteren Kriegsgeräts in die Golfregion hin. Laut «Wall Street Journal» und «New York Times» verlegen die USA nun Kampfflugzeuge vom Typ F-16 vom Stützpunkt Spangdahlem in der Eifel in den Nahen Osten. Zudem würden F-35-Kampfflugzeuge vom Stützpunkt Lakenheath in Grossbritannien geschickt, heisst es. Auch Tankflugzeuge befinden sich demnach auf dem Weg in die Region. Unklar ist, zu welchem Mass an Eskalation die US-Regierung bereit ist.

In den vergangenen Nächten richteten sich die US-Angriffe vor allem gegen Ziele, die unmittelbar im Zusammenhang mit iranischen Angriffen gegen Handelsschiffe stehen. Getroffen wurden beispielsweise Stellungen der iranischen Revolutionsgarden oder ein Kontrollturm im Hafen von Bandar Abbas im Süden des Landes.

Auch die Blockade iranischer Häfen hat die US-Marine wieder aufgenommen. Einen Schritt zu weit gingen die USA aus Sicht des Iran aber wohl schon mit Angriffen auf vier Brücken und einen Bahnhof in der südlichen Provinz Hormuzgan in der Nacht auf Donnerstag.

Riskiert Trump den Einsatz von US-Bodentruppen?

US-Präsident Trump hat dem Iran immer wieder mit Angriffen auf zivile Infrastruktur wie Kraftwerke oder Ölanlagen gedroht. Laut «Wall Street Journal» diskutiert die US-Führung nun auch erneut die Entsendung von Bodentruppen.

Ein Ziel könnte die Insel Charg im Persischen Golf sein, über die 90 Prozent der iranischen Ölexporte abgewickelt werden. Eine andere Möglichkeit wäre die Besetzung iranischer Inseln in der Strasse von Hormus, von denen aus der Iran die Meerenge kontrolliert. Bislang haben die USA von einem Bodeneinsatz aber abgesehen – und das nicht ohne Grund.

Auf den Inseln vor der iranischen Küste würden die US-Soldaten praktisch auf dem Präsentierteller stehen – hohe Verluste durch iranische Gegenschläge wären nicht zu verhindern. Es gilt als unwahrscheinlich, dass US-Präsident Trump dieses Risiko vor den Kongresswahlen Anfang November eingehen will.

Und das Eskalationspotenzial des iranischen Regimes beschränkt sich nicht auf das eigene Hoheitsgebiet, wie die jüngsten Gegenschläge des Iran auf US-Verbündete in der Golfregion zeigen.

Iran könnte die Golfregion in eine Katastrophe stürzen

Besonders alarmierend ist ein iranischer Drohnenangriff auf eine Anlage zur Stromerzeugung und Entsalzung von Meerwasser in Kuwait am Samstag. Nach kuwaitischen Angaben löste der Angriff einen Brand aus, der die Stromerzeugung beeinträchtigte.

90 Prozent des kuwaitischen Trinkwassers kommen aus solchen Anlagen, mehr als 400 davon gibt es in der Region. Sollte der Iran sie systematisch angreifen, würde die Golfregion in eine humanitäre Katastrophe stürzen. Auch die Weltwirtschaft könnte das Regime noch stärker in Mitleidenschaft als bisher schon ziehen.

So sollen sich die mit Iran verbündeten Huthis im Jemen bereits für Angriffe auf Handelsschiffe im Roten Meer vorbereiten. Eine Sperrung der Meerenge zwischen Dschibuti und Jemen würde die Weltwirtschaft wohl noch härter treffen als die Sperrung der Strasse von Hormus – etwa 15 Prozent des weltweiten Seehandels laufen durch die Passage mit dem poetischen Namen «Tor der Tränen» (Bab al-Mandab). Im Fall einer unkontrollierten Eskalation zwischen Teheran und Washington könnte der Name wohl Programm werden.

Eskalation birgt grosse Risiken für Trump

Bereits der jüngste Schlagabtausch hat die Ölpreise nach einer kurzen Phase der Entspannung wieder steigen lassen. So kletterte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent am Montag wieder auf mehr als 90 US-Dollar – erstmals seit Anfang Juni.

Auch an Tankstellen in den USA macht sich der Konflikt wieder bemerkbar: Dort stieg der durchschnittliche Preis für eine Gallone (knapp 4 Liter) Benzin am Montag über die psychologisch wichtige Marke von 4 Dollar. Auch diese Entwicklung dürfte die US-Regierung kurz vor der Wahl im Blick haben. Schliesslich gehören die hohen Lebenshaltungskosten zu den drängendsten Problemen der US-Bürger.

Aus Sicht der USA sind die Risiken einer erneuten Eskalation im Iran-Krieg also enorm. Zudem ist offen, welche Ziele die Trump-Regierung mit einer Intensivierung der Angriffe überhaupt erreichen könnte.

Schliesslich hat das Regime in Teheran auch die bisherigen Angriffe überstanden. Und ist militärisch weiterhin in der Lage, die Golfregion in Aufruhr zu halten und die Strasse von Hormus zu sperren. Doch auch die iranische Führung muss aufpassen, dass sie ihr Blatt nicht überreizt.

In Teheran streiten Hardliner und Moderate

Die Kontrolle über die Strasse von Hormus ist ein Vorteil, den das Regime in Teheran vor dem Krieg nicht hatte – und den es künftig finanziell ausnutzen will. Handelsschiffe befreundeter Nationen sollen die Meerenge künftig gegen eine Art Wegzoll passieren und dem Regime so frisches Geld einbringen. Doch je länger die Unsicherheit in der Golfregion anhält, desto intensiver suchen Reeder und Ölhändler nach alternativen Routen – und das mit Erfolg. Nach Angaben des «Spiegel» könnten bald eine Reihe neuer Pipelines im Nahen Osten entstehen, die den Seeweg über die Strasse von Hormus obsolet machen würden.

Dessen ist sich auch das iranische Regime bewusst, doch in Teheran ist infolge des Krieges ein innerer Machtkampf entbrannt. Der offizielle Machthaber Modschtaba Chamenei soll seit einem US-israelischen Angriff zu Beginn des Krieges schwer verletzt sein und wurde seitdem nicht mehr öffentlich gesehen. Dem US-Institute for the Study of War (ISW) zufolge liegt die Macht in Teheran nun beim sechs Mitglieder umfassenden Obersten Nationalen Sicherheitsrat. Dort streiten Hardliner und Moderate über die Frage, ob man den Krieg gegen die USA ausweiten oder sich doch auf schmerzhafte Kompromisse einlassen soll.

Völlig offen ist derzeit, welche der Fraktionen in Teheran sich durchsetzt. Auch in Washington scheint die Entscheidung zur Ausweitung des Krieges noch nicht gefallen zu sein. So zeigte sich US-Aussenminister Marco Rubio am Montag bereit für neue Gespräche mit der iranischen Führung. «Wir sind stets offen für Diplomatie», so der US-Vertreter.

Zugleich machte Rubio deutlich, dass Washington die iranische Gewalt über die Strasse von Hormus nicht akzeptieren wird: «Solange der Iran darauf besteht, eine internationale Wasserstrasse zu kontrollieren, werden wir darauf reagieren müssen.»

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Die beliebtesten Kommentare
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Enzasa
21.07.2026 02:32registriert August 2016
Oh je, Trump hat sich in eine Sackgasse hinein manövriert. Offizieller Rückweg bedeutet, Akzeptieren von Fehlern und Einsicht in falsche Entscheidungen oder nach vorne durchbrechen was bedeutet: Krieg, nicht ein schätzbares Risiko, Gefährdung in der gesamten Region und steigende Ölpreise weltweit.

Was ist mit der Einbeziehung des Kongresses?
Was ist mit Einbeziehung der Verbündeten?
Was ist mit Einbeziehung der UN?

Wieso darf jemand wie Trump, alleine Entscheidungen treffen?
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stronghelga
21.07.2026 04:39registriert März 2021
Die USA haben einen unnötigen Krieg ausgelöst und ein globales Desaster angerichtet, dessen Ende sie nicht kontrollieren. Öl hat sich verteuert, ebenso Benzin, Heizenergie, Transporte, Flugreisen und zahllose Waren. Die Inflation steigt erneut, Zinsen bleiben hoch, Lieferketten stehen unter Druck und das weltweite Wachstum wird abgewürgt.

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