Neuer Pentagon-Bericht: Das US-Militär steht vor einem grossen Problem
Eine mit 469 Millionen US-Dollar finanzierte Munitionsfabrik im texanischen Mesquite hat in rund zwei Jahren kein einziges brauchbares Bauteil für 155-Millimeter-Artilleriegranaten hergestellt. Das geht aus einem Bericht des Generalinspekteurs des US-Verteidigungsministeriums hervor, über den zuerst der US-Sender CBS News berichtete. Die Anlage sollte dabei helfen, jene Munitionsbestände wieder aufzufüllen, welche die USA nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 abgegeben hatten.
Dem Bericht zufolge hatte der Betreiber bis März 2026 kein einziges Bauteil für die Artilleriegranaten produziert, das die vertraglich festgelegten Qualitätsvorgaben erfüllte. Die 469 Millionen US-Dollar hätten «für andere Prioritäten der Armee oder des Verteidigungsministeriums verwendet werden können», heisst es im Bericht des Pentagon.
Nur 71 Prozent des angestrebten Ziels erreicht
Die Fabrik in Texas ist das Symptom eines grösseren Problems, vor dem die US-Streitkräfte stehen. In den vergangenen vier Jahren verbrauchte oder verteilte das Pentagon nach eigenen Angaben mehr als 3,6 Millionen 155-mm-Artilleriegranaten. Mehr als drei Millionen davon lieferten die Vereinigten Staaten an die Ukraine, rund 218'000 wurden über Rüstungsexporte an Partnerstaaten verkauft, etwa 112'000 für Ausbildung und Tests genutzt. Der Bericht lässt wohl aus militärtaktischen Gründen aus, wie gross der derzeitige Bestand an Artilleriegranaten ist.
Um den Verbrauch auszugleichen, setzte sich die US-Armee 2024 das Ziel, die Produktion von 14'000 auf 100'000 Granaten pro Monat bis Oktober 2025 zu steigern. Das Werk in Mesquite sollte davon 30'000 Projektil-Metallteile monatlich beisteuern. Tatsächlich lag die Produktion im März 2026 bei rund 36'000 Granaten pro Monat, wie aus dem Pentagon-Bericht hervorgeht. Eine Sprecherin der Armee bestätigte CBS News, diese Zahl sei auch im Juli 2026 noch aktuell.
Weil nur drei andere Standorte die benötigten Metallteile fertigen, rechnet das Ministerium bis September 2026 mit höchstens 71'000 Granaten pro Monat. Das entspräche 71 Prozent des angestrebten Ziels. Als Ursache nennt der Bericht, dass zuständige Stellen der Armee bewusst ein Risiko eingegangen seien: Der Betreiber wollte vorhandene Fertigungsanlagen für ein älteres Geschossmodell umbauen, deren Eignung für die neue Variante nicht erprobt war. Bereits im August 2025 wurde ein Baustopp für zwei der drei Produktionslinien verhängt.
Auch Europa hat Probleme bei der Beschaffung
Der Betreiber der Fabrik in Texas, General Dynamics, erklärte gegenüber CBS News, man habe sich mit der US-Armee auf einen weiteren Weg für das Werk geeinigt, der zusätzliche eigene Investitionen des Unternehmens umfasse. Aus dem Bericht geht hervor, dass die Vertragsparteien im April 2026 eine Einigung schlossen, mit der ein Teil der Produktion von Texas in den US-Bundesstaat Pennsylvania verlagert wird.
Auch in Europa hinken die Kapazitäten für 155-mm-Munition dem Bedarf lange hinterher. Die EU hatte im März 2023 zugesagt, der Ukraine binnen eines Jahres eine Million Artilleriegranaten zu liefern, verfehlte dieses Ziel aber deutlich. Nach Angaben der EU-Kommission war bis Ende März 2024 erst gut die Hälfte erreicht. In Deutschland eröffnete Rheinmetall im August 2025 im niedersächsischen Unterlüss ein neues Werk für 155-mm-Munition, das nach Unternehmensangaben bis 2027 auf 350'000 Geschosse jährlich hochlaufen soll. Die Bundeswehr bezieht Munition aus einem Rahmenvertrag von bis zu 8,5 Milliarden Euro und gibt einen Teil davon an die Ukraine weiter.

