USA bauen weltweit führende Tiefsee-Messstationen ab – Forscher warnen
US-Präsident Donald Trump bestreitet den menschengemachten Klimawandel. Im Präsidentschaftswahlkampf versprach er, fossile Energien stärker zu fördern. Seit seinem Amtsantritt hat seine Regierung zahlreiche Umweltvorschriften abgeschafft und Klimaschutzvorgaben gelockert oder zurückgenommen. Seine Haltung zur Klimakrise hat weitreichende Auswirkungen auf die internationale Umweltpolitik und Klimaforschung. Nun unternimmt seine Regierung weitere gravierende Schritte.
Eine Nachricht, die bei Wissenschaftlern aktuell Unruhe auslöst: Die US-Regierung will zentrale Teile eines 368 Millionen Dollar teuren Tiefsee-Überwachungssystems abbauen. Die Messstationen liefern seit 2016 wichtige Echtzeitdaten aus dem Pazifik und Atlantik. Binnen 15 Monaten sollen Anlagen vor Alaska, Washington, Oregon und North Carolina sowie im Nordatlantik südöstlich von Grönland entfernt werden, berichtet CNN.
Das Netzwerk «Ocean Observatories Initiative», kurz OOI, misst mit rund 900 Instrumenten unter anderem Temperaturen, chemische Veränderungen, Strömungen und Sauerstoffwerte in der Tiefe. Die Daten werden in den USA und weltweit von Forschenden genutzt. Sie sind aber auch für Fischerei und Schifffahrt, etwa an der US-Westküste, sowie für Wettervorhersagen und den Schutz vor Küstenüberflutungen wichtig.
Eigentlich sollte das System drei Jahrzehnte in Betrieb sein. Die Ozeane verändern sich stark: In einigen Regionen der Welt liegen die Wassertemperaturen auf Rekordniveau, Korallenriffe bleichen, der Meeresspiegel steigt, und wärmere Meerestemperaturen begünstigen stärkere Tropenstürme. Dieses Jahr könnte sich zudem ein besonders starkes Klimaphänomen entwickeln, ein «Super-El-Niño»– mit potenziell weitreichenden Auswirkungen weltweit.
Forschende reagierten mit Besorgnis
Besonders gross ist die Sorge um die atlantische Umwälzzirkulation AMOC, ein mächtiges Strömungssystem im Atlantik, das Wetter und Klima weltweit beeinflusst. Forschende nutzen die Daten der OOI, um besser zu verstehen, wie sich dieses System verändert. Eine wachsende Zahl von Studien deutet darauf hin, dass die AMOC im Laufe dieses Jahrhunderts kollabieren könnte.
Stefan Rahmstorf, Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam, sagte dem Nachrichtensender CNN, die fortlaufende Beobachtung der Meere sei gerade jetzt entscheidend. Die Besorgnis in der ozeanografischen Gemeinschaft über bevorstehende gravierende Veränderungen der Meeresströmungen sei gross, sagte Rahmstorf.
Die Messungen an den Standorten seien eine «enorme technische Herausforderung», zitierte die «New York Times» die Umweltwissenschaftlerin Hilary Palevsky vom Boston College. «Viel Fachwissen könnte verloren gehen», sagte sie. Mitarbeiter könnten nicht einfach ihre Aufzeichnungen hinterlassen, damit jemand anderes die Arbeit irgendwann fortführe.
Die Ocean Observatories Initiative wird von der National Science Foundation (NSF), einer unabhängigen US-Bundesbehörde, finanziert. Die NSF teilte in einer Mitteilung mit, dass die Initiative nicht vollständig eingestellt werde. Das Netzwerk solle auf absehbare Zeit weiter in Betrieb bleiben. Zugleich rief sie die Forschungsgemeinschaft dazu auf, die seit mehr als zehn Jahren erhobenen Daten weiter in Anträgen, Veröffentlichungen und Vorträgen zu nutzen. Das Weisse Haus äusserte sich auf Anfrage von US-Medien bislang nicht zu den Vorgängen.
Trump kündigt 700 Millionen Dollar für «schöne, saubere Kohle» an
Zum anderen kündigte Donald Trump am Donnerstag unter dem Motto «schöne, saubere Kohle» Investitionen von 700 Millionen US-Dollar, rund 603 Millionen Euro, für die fossile Industrie an. Er beruft sich dabei auf ein Notfallgesetz aus dem Kalten Krieg. Der sogenannte Defense Production Act von 1950 verleiht dem Präsidenten Befugnisse über sicherheitsrelevante Industrien des Landes.
Während mehrere Industriestaaten ihren Kohleverbrauch senken, will Trumps Regierung die Branche in den USA wieder stärken. Mit dem Geld plant die US-Regierung, etwa zwei neue Kohlekraftwerke zu bauen. Weitere Mittel sollen in den Erhalt und Ausbau von gut einem Dutzend bestehenden Anlagen und 42 Kohleminen fliessen. Zudem will Trump einen für Exporte bestimmten Containerhafen nördlich von San Francisco errichten. Dies sichere «mehr als 14'000 Arbeitsplätze», sagte der Präsident. Die meisten Anlagen befinden sich in Bundesstaaten, in denen Trump bei der Präsidentschaftswahl 2024 Mehrheiten erzielt hatte.
Bei der Verbrennung fossiler Energieträger wie Gas, Kohle und Öl entsteht Kohlendioxid (CO2). Der Ausstoss solcher Treibhausgase gilt als Haupttreiber der menschengemachten Erderwärmung. Kohle gilt als besonders klimaschädlich. Laut einem aktuellen Bericht der Internationalen Energieagentur bleibt Kohle weltweit ein zentraler Energieträger.
Die Auswirkungen des CO2-Ausstosses:
Das Wachstum der Kohlenachfrage schwächte sich jedoch deutlich ab: von 1,4 Prozent im Jahr 2024 auf 0,4 Prozent im Jahr 2025. Grossbritannien schaltete 2024 sein letztes Kohlekraftwerk ab. In Deutschland soll der Kohleausstieg bis 2038 vollzogen sein. Zuletzt hatte Bundeskanzler Friedrich Merz dies jedoch infrage gestellt. «Wir werden möglicherweise laufende Kohlekraftwerke länger am Netz lassen müssen», sagte Merz im März dieses Jahres.
Donald Trump hatte bereits im April des vergangenen Jahres mehrere Dekrete mit dem Ziel unterzeichnet, den Kohleabbau in den USA «auf Hochtouren» zu bringen. Damit wurde die zum Klimaschutz geplante Schliessung mehrerer Kohlekraftwerke ausgesetzt. Den gesteigerten Energiebedarf begründet die Trump-Regierung mit dem Stromhunger von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI).

