Extremes El-Niño-Ereignis erwartet: Im Sommer drohen Hitzewellen und Hitzerekorde
Es zeichnet sich immer mehr ab, dass sich bald ein «kräftiges El-Niño-Ereignis» bilden wird. Dies berichtet unter anderem MeteoNews in seinem neusten Blogeintrag. Zwar herrschen momentan noch La-Niña-Bedinungen, doch jene hätten sich in den letzten Wochen abgeschwächt.
«Mittlerweile sind sich die Modelle sicher, dass spätestens im Sommer El-Niño-Bedingungen vorherrschen werden», schreibt der Wetterdienst weiter. Aktuell befinde man sich demnach in einer Übergangsphase.
Und das Klimaphänomen dürfte gemäss Modellen stark ausfallen.
So gehe der Durchschnitt der Prognosen (Grafik oben) von einer positiven Abweichung von rund 2,5 Grad bis im September aus. Gemäss Meteonews ist dies ungewöhnlich:
Während des El-Niño-Phänomens erwärmt sich der äquatoriale Pazifik, gleichzeitig schwächt sich die Passatwindzirkulation ab. Dies führt vor allem auf der Südhalbkugel (Südostasien sowie Australien) zu Trockenheit und ausgeprägten Dürren, wohingegen an der Westküste Südamerikas extreme Niederschläge zu erwarten sind. Das hat auch globale Auswirkungen: Die weltweite Durchschnittstemperatur steigt, womit Hitzewellen und Hitzerekorde «wahrscheinlicher» werden, schreibt MeteoNews.
Die Klimaforscherin Friederike Otto führt gegenüber der deutschen «Tagesschau» aus: «Ein starker El Niño trifft heute auf eine Welt, die durch Treibhausgase bereits deutlich wärmer ist als noch bei früheren Ereignissen.» Dies werde die Auswirkungen des Klimawandels weiter verschärfen – mit noch heisseren Hitzewellen, schwereren Dürren und extremeren Waldbränden. Sie sagt:
Was ist mit der Schweiz und Europa?
Allerdings, führt Meteonews im Blog aus, habe der Wechsel von La Niña zu El Niño grundsätzlich «keinen direkten Einfluss auf das Schweizer Wetter». Bei uns spiele vielmehr die Grosswetterlage eine entscheidende Rolle.
Auch die Wissenschaftlerin Daniela Matei, Forscherin am Max-Planck-Institut zu Klimavariabilität und Ozean-Atmosphäre-Wechselwirkungen in Berlin, erklärt in der «Tagesschau», dass Europa und damit die Schweiz nicht im Zentrum des Geschehens liegen: «Dennoch können die Folgen spürbar sein – zum Beispiel eine stärkere Hitzebelastung im Sommer.»
Hinzu kommt, dass ein solches Wetterphänomen auch wirtschaftliche Auswirkungen haben kann: «Etwa dann, wenn Dürren und Ernteausfälle in anderen Weltregionen Märkte, Lieferketten und Preise verändern.»
Aber was ist überhaupt El Niño?
El Niño ist eigentlich ein Klimaphänomen – das aber grossen Einfluss auf das lokale Wettergeschehen haben kann. Lange Zeit galt El Niño als rätselhaft, auch heute sind seine Ursachen nicht restlos geklärt.
Normalerweise wehen die sogenannten Passatwinde (starke, stetige Winde in grosser Höhe) von der Küste Südamerikas in Richtung Australien. Der Grund: Über dem westlichen Pazifik im Bereich Südostasiens liegt ein stabiles Tiefdruckgebiet, über dem zentralen Pazifik Richtung Südamerika ein Hochdruckgebiet. Da die Luftmassen vom Hoch- ins Tiefdruckgebiet fliessen, entstehen dadurch starke Winde. Das führt tendenziell zu Trockenheit an der Westküste Südamerikas und zu Regen um Indonesien. Vereinfacht gesagt, bringen die Winde die Feuchtigkeit nach Asien.
Tritt nun das Phänomen El Niño auf, dann kommt es zunächst zu einer ungewöhnlichen Erwärmung des Wassers im östlichen Pazifik. Weil sich die Luft darüber als Folge stärker erwärmen kann, erhöht sich dort der Luftdruck, das Hoch besteht nun im Gebiet Südostasiens. Währenddessen bildet sich über dem zentralen Pazifik ein Tiefdruckgebiet. Also genau das Gegenteil der «normalen» Situation.
Dies führt dazu, dass die erwähnten Passatwinde gar ihre Richtung ändern: Nun fliessen die mit Feuchtigkeit geladenen Luftmassen von Südostasien an die Küste Südamerikas. Die Folgen: ungewöhnliche Trockenheit in Südostasien und starke Regenfälle im Westen Südamerikas, aber auch an der US-Westküste.
Diese Winde wiederum haben auch einen Einfluss auf die Wassermassen. Das warme Wasser wird nun an die Küste Südamerikas zurückgedrängt. Normalerweise kommt dort aber stetig kaltes und mit Nährstoffen beladenes Wasser an die Oberfläche – weil die oberen, warmen Wassermassen gegen Asien transportiert werden. Während El Niño bleibt dieser Effekt aber aus. Als Folge kommt es zum Absterben des Planktons vor der südamerikanischen Küste. Das wiederum kann zum Sterben von vielen anderen Tieren und Pflanzen führen, die davon abhängig sind.
El Niño etwa alle 4 Jahre
Das Klimaphänomen El Niño tritt in unregelmässigen Abständen, im Durchschnitt aber etwa alle vier Jahre auf. Allerdings: Die «normale» Wetterlage verstärkt sich in bestimmten Jahren manchmal. Es ist dann in Südamerika ungewöhnlich trocken und in Südostasien ungewöhnlich nass. Diese Situation entsteht aufgrund einer Meeresströmung im äquatorialen Pazifik, die noch kälter ist als üblicherweise. Das Phänomen nennt sich dann La Niña – es ist in seiner extremen Form also quasi das Gegenstück zu El Niño.
