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FILE - In this May 18, 1995 file photo President Bill Clinton gestures while talking to Zimbabwe Prime Minister Robert Mugabe in the Colonnades of the White House, Washington after their Oval Office meeting. Mugabe seemed almost untouchable for much of his nearly four-decade rule. Shrewd and ruthless, he managed to stay in power despite advancing age, growing opposition, international sanctions and the dissolving economy of a once-prosperous African nation. Now, the apparent abrupt end of the Mugabe era is launching Zimbabwe into the unknown. It's a humbling close to the career of a man who crushed dissent or sidelined opponents after leading Zimbabwe since 1980. (AP Photo/Greg Gibson, File)

Mugabe regiert Zimbabwe seit 37 Jahren. Hier ist er in einem Foto mit Bill Clinton von 1995 zu sehen. Bild: AP/AP

Mugabe nach 37 Jahren abgesetzt – auf den Strassen Harares wird gefeiert



Die simbabwische Regierungspartei Zanu-PF hat Staatschef Robert Mugabe eine eintägige Frist zum Rücktritt vom Präsidentenamt gesetzt: Sollte der 93-Jährige nicht bis Montag als Präsident zurücktreten, werde das Parlament ein Verfahren zur Amtsenthebung einleiten, erklärte Parteisprecher Simon Khaye Moyo am Sonntag in Harare.

Zuvor hatte die Zanu-PF Mugabe bereits als Parteichef abgesetzt und den von Mugabe geschassten Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa zum neuen Vorsitzenden ernannt. Die Parteispitze ernannte Mnangagwa auch zum Spitzenkandidaten für die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr. Ursprünglich hatte Mugabe erneut antreten wollen.

Auch Ehefrau Grace Mugabe wird ausgeschlossen

Das Führungsgremium der Zanu-PF schloss am Sonntag zudem Mugabes Ehefrau Grace aus der Partei aus. Im gegenwärtigen Machtkampf spielt sie eine Schlüsselrolle: Mugabe hatte Mnangagwa kürzlich als Vizepräsident entlassen.

A protester demanding that President Robert Mugabe stands down carries a placard referring to Mugabe's wife Grace Mugabe, at Zimbabwe Grounds in Harare, Zimbabwe Saturday, Nov. 18, 2017. In a euphoric gathering that just days ago would have drawn a police crackdown, crowds marched through Zimbabwe's capital on Saturday to demand the departure of President Robert Mugabe, one of Africa's last remaining liberation leaders, after nearly four decades in power. (AP Photo/Ben Curtis)

Ein Demonstrant zeigt seine Meinung zu Grace Mugabe. Bild: AP/AP

Damit habe er seine Frau Grace als Nachfolgerin im Präsidentenamt in Stellung bringen wollen, vermuteten Kritiker. Die Armee hatte Mugabe bereits vergangene Woche unter Hausarrest gestellt - offenbar auch, um den Aufstieg von Grace Mugabe ins Präsidentenamt zu verhindern.

In Simbabwe herrscht Euphorie

Euphorie herrscht derweil in den Strassen von Harare. Demonstranten fordern den Rücktritt des Präsidenten. Der Militärputsch hat Simbabwern neue Hoffnung gegeben.

Wohl selten hat ein Militärputsch so viel Jubel und Freude ausgelöst: Zehntausende Simbabwer haben einen Protestmarsch gegen Präsident Robert Mugabe am Samstag in ein Volksfest verwandelt.

Plakate mit der Aufschrift «Es reicht: Mugabe muss weg» waren überall in den Strassen der Hauptstadt Harare zu sehen - wo die Menschen noch vor einer Woche aus Angst vor Festnahmen nie so offen gegen den seit 1980 amtierenden Mugabe zu protestieren gewagt hätten. Auch in Bulawayo und anderen Städten des Landes wurde protestiert.

A happy protester pulls a face as he and others stand under a large national flag, at a demonstration of tens of thousands at Zimbabwe Grounds in Harare, Zimbabwe Saturday, Nov. 18, 2017. Opponents of Mugabe are demonstrating for the ouster of the 93-year-old leader who is virtually powerless and deserted by most of his allies. (AP Photo/Ben Curtis)

Euphorie in den Strassen Harares. Bild: AP/AP

«Wir sind hier, weil wir feiern. Wir wollen einfach, dass Mugabe jetzt abtritt», sagte ein arbeitsloser Demonstrant. «Wir danken den Generälen», fügte der 35-Jährige hinzu, der in seinem Leben nie einen anderen Präsidenten als Mugabe kennengelernt hat.

«Wir wollen ein neues Simbabwe», sagte eine 50 Jahre alte weisse Demonstrantin. Wie zahllose andere hatte sie sich für den Protestmarsch in Simbabwes farbenfrohe Landesfahne gehüllt. «Wir wollen, dass nun alle Simbabwer zusammenkommen und das Land wieder auf Kurs bringen», sagte sie. An der nach dem Präsidenten benannten Strasse in Harare rissen Demonstranten mehrere Strassenschilder herunter.

Vom Freiheitskämpfer zum Despoten: Robert Mugabe

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Video: srf

Militär übernimmt Macht

Das Militär hatte in der Nacht zum Mittwoch ohne Blutvergiessen die Macht übernommen. Der 93-jährige Mugabe wurde unter Hausarrest gestellt. Die Militärführung drängt ihn nun zur Amtsaufgabe. Mugabe sind seit dem Putsch in Windeseile fast alle Säulen seines Machtsystems weggebrochen.

In einer spektakulären Kehrtwende forderte am Sonntag auch die Regierungspartei Zanu-PF Mugabes Rücktritt. Sollte er nicht freiwillig gehen, würden ihn die Abgeordneten der Partei am Dienstag mit einem Misstrauensvotum stürzen, hiess es. Die Putschisten wollen dann einer Übergangsregierung unter Führung des vor kurzem geschasstem früheren Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa Platz machen.

«Zeit für Ruhestand»«Bye, bye Mugabe» hiess es auf einem Plakat, auf anderen stand «Mugabe: Zeit für den Ruhestand» oder «Schluss mit der Korruption». Weiss, schwarz, alt, jung, Akademiker, Arbeitslose und Obstverkäufer - die Strassen der Hauptstadt Harare hatten zuvor selten eine Demonstration gesehen, die so sehr einem repräsentativen Spiegel aller Gesellschaftsschichten und politischen Neigungen entsprach.

Protesters demanding President Robert Mugabe stands down march towards State House in Harare, Zimbabwe Saturday, Nov. 18, 2017. In a euphoric gathering that just days ago would have drawn a police crackdown, crowds marched through Zimbabwe's capital on Saturday to demand the departure of President Robert Mugabe, one of Africa's last remaining liberation leaders, after nearly four decades in power. (AP Photo/Ben Curtis)

«Mugabe muss fallen.» Bild: AP/AP

Zu der Demonstration hatten sowohl Teile der Regierungspartei als auch die Opposition und zivilgesellschaftliche Gruppen aufgerufen. Das Militär hatte die Demonstration ausdrücklich genehmigt.

Die noch bis vor kurzem von dem meisten Simbabwern gefürchteten Soldaten sassen am Rande der Demonstration auf ihren gepanzerten Fahrzeugen. Einige winkten den Demonstranten, andere standen für Selfies parat.

Gute Geschäfte mit Anti-Mugabe-Shirts

Viele feierten Simbabwes Militär (ZDF) als die neuen Befreier des Landes. Ein Demonstrant hielt ein Transparent mit der Aufschrift «Danke ZDF», andere zeigten ein Foto von Generalstabschef Constantino Chiwenga mit der Aufschrift «Hoffnung der Simbabwer».

Verkäufer von Anti-Mugabe-T-Shirts machten am Rande der Demonstration beste Geschäfte, das inzwischen vom Militär kontrollierte staatliche Fernsehen zeigte in den Nachrichten Bilder der Proteste. Beides wäre in Simbabwe noch vor kurzem völlig undenkbar gewesen.

A couple wearing face paint of the national flag join tens of thousands demanding that President Robert Mugabe stand down at Zimbabwe Grounds in Harare, Zimbabwe Saturday, Nov. 18, 2017. In a euphoric gathering that just days ago would have drawn a police crackdown, crowds marched through Zimbabwe's capital on Saturday to demand the departure of President Robert Mugabe, one of Africa's last remaining liberation leaders, after nearly four decades in power. (AP Photo/Ben Curtis)

Demonstranten feiern die Absetzung. Bild: AP/AP

Zahlreiche Demonstranten hielten auch Plakate zur Unterstützung von Mnangagwa hoch, bekannt unter seinem Spitznamen das «Krokodil». Er wurde von Zanu-PF zum Nachfolger Mugabes ausgerufen. Der 75-Jährige gehört wie Mugabe seit Jahrzehnten zur politischen Elite des Landes.

«Gucci Grace»

Manche Beobachter befürchten daher, dass sich die Hoffnung vieler Demonstranten auf einen kompletten Neustart in Simbabwe wohl kaum erfüllen wird. Mugabes gescheiterte Wirtschaftspolitik hat aus der früheren Kornkammer des südlichen Afrika ein Armenhaus gemacht. Schätzungen zufolge sind rund 80 Prozent der Menschen arbeitslos.

FILE - In this March 27, 2008 file photo Zimbabwean President Robert Mugabe, left, and his wife Grace, right, react during a visit to Harare hospital in Harare, Zimbabwe, Mugabe seemed almost untouchable for much of his nearly four-decade rule. Shrewd and ruthless, he managed to stay in power despite advancing age, growing opposition, international sanctions and the dissolving economy of a once-prosperous African nation. Now, the apparent abrupt end of the Mugabe era is launching Zimbabwe into the unknown. It's a humbling close to the career of a man who crushed dissent or sidelined opponents after leading Zimbabwe since 1980. (AP Photo, File)

Robert und Grace Mugabe in einem Foto von 2008.  Bild: AP/AP

Zur Zahl der Demonstranten gab es zunächst keine offiziellen Schätzungen, Fotos und Videos zeigten jedoch in verschiedenen Stadtteilen Harares Hunderte, teils Tausende Menschen. Reporter der Nachrichtenagentur dpa schätzen die Zahl der Demonstranten auf mehrere Zehntausend Menschen.

Der Militärputsch wurde nach Meinung von Experten ausgelöst durch die Entlassung Mnangagwas durch Mugabe in der vergangenen Woche und die Bemühungen des Staatschefs, seine unbeliebte Frau Grace als Nachfolgerin zu etablieren. Die 52-jährige Grace Mugabe ist bekannt für ihr impulsives Verhalten, teure Kleider und extravagante Shopping-Reisen; landläufig wird sie daher meist «Gucci Grace» genannt. (leo/sda/afp)

Historische Bilder von Robert Mugabe

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    Alle Leser-Kommentare
  • Ursus ZH 19.11.2017 15:46
    Highlight Highlight Wenn ich Mugabe wäre, würde ich schnellstens abhauen. Sonst droht noch das Ceausescu Schicksal.
    Aber wie FrancoL richtig meint, der Reichtum dieses Landes an Rohstoffen wird die Lage wohl nicht wesentlich ändern. Die nächsten Ausbeuter stehen schon auf der Matte.
  • rodolofo 19.11.2017 14:04
    Highlight Highlight Die Selbstheilungskräfte wirken und gewinnen die Oberhand!
    Der "Kranke Patient" Zimbabwe kommt hoffentlich bald wieder auf die Beine, und dann wird gearbeitet, getanzt und gefeiert!
    Viel Glück und viel Spass!
    • FrancoL 19.11.2017 15:30
      Highlight Highlight Selbstheilungskräfte sollte man so wirken lassen wie es das Wort sagt: selbst wirken lassen. Ich bin mär aber mehr als nur sicher dass dies nicht der Fall sein wird, zu gross sind die Interessen an den Bodenschätzen, zu gross die Gier der Investoren, zu gross die Gier nach Geld der Regierung und ihrer Adlaten.
      Reichtum kann auch zum Verhängnis werden. Reichtum an Rohstoffen erst recht.
    • Pisti 19.11.2017 16:08
      Highlight Highlight Rodolfo du liegst komplett daneben. Mnangagwa hat jetzt übernommen, der Mann fürs Grobe in Simbabwe.
      Der Zustand "des Patienten" Simbabwe wird sich also ziemlich sicher verschlechtern.
    • rodolofo 19.11.2017 16:30
      Highlight Highlight Musst Du mir schon jetzt die Fest-Laune verderben?
      Man wird doch wohl noch träumen dürfen!
      Aber Du hast natürlich völlig Recht.
      Beim Fall der Berliner Mauer haben wir auch nicht damit gerechnet, dass die gleichen "Ausbrecher" von einst, die den Eisernen Vorhang mit grosser Euphorie und Begeisterung durchbrachen und dabei "Wir sind das Volk!" skandierten, drei Jahrzehnte später eine neue grosse Mauer gegen Süden bauen wollen...
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