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Residents walk past rubble in the village of Visso, central Italy, Wednesday, Oct. 26, 2016 following an earthquake. A pair of powerful aftershocks shook central Italy on Wednesday, knocking out power, closing a major highway and sending panicked residents into the rain-drenched streets just two months after a powerful earthquake killed nearly 300 people. (Matteo Crocchioni/ANSA via AP)

Einwohner der Stadt Visso schreiten über Trümmer, die das Erdbeben vom Mittwochabend zurückgelassen hat. Bild: AP/ANSA

Erdbeben in Italien: 3000 übernachten im Freien ++ Mehrere Kirchen eingestürzt



Zwei Monate nach der Erdbeben-Katastrophe in Mittelitalien mit fast 300 Toten haben erneut mehrere schwere Erdstösse die Region erschüttert. Nach den Worten des italienischen Zivilschutzchefs Fabrizio Curcio wurden zwar viele Gebäude zerstört oder beschädigt, doch war die Lage «nicht so katastrophal», wie es angesichts der Stärke der Erdstösse zu erwarten gewesen wäre.

Die beiden Beben ereigneten sich südöstlich von Perugia um 19:10 und 21:18 Uhr.

Nach offiziellen Angaben starb ein Mann, weil er wohl in Folge der Beben vom Mittwochabend einen Herzinfarkt erlitten hatte. Berichte über weitere Todesopfer gab es zunächst nicht. Es gab Schäden an Gebäuden in der Gegend nahe der Grenze der Regionen Marken und Umbrien.

3000 Menschen übernachten im Freien

Rund 3000 Menschen haben nach den Erdbeben in Mittelitalien ihre Häuser verlassen und im Freien oder in Notunterkünften übernachtet. «Wir suchen nach Unterkünften. Wir können in dieser Jahreszeit keine Zelte aufschlagen», sagte der Chef des Zivilschutzes der Region.

Die Bevölkerung verbrachte eine Nacht der Angst. Heftige Niederschläge erschwerten die Lage. Drei Spitäler in der Region Marken mussten aus Sicherheitsgründen evakuiert werden. Die Patienten sind in anderen Spitälern der Gegend untergebracht worden.

Die Rettungsteams versuchten am Donnerstagmorgen, sich einen Überblick über das Ausmass der Schäden verschaffen. Die Dunkelheit, Regen sowie Dutzende Nachbeben hatten zuvor eine genaue Schadensabschätzung verhindert.

epaselect epa05605055 A view of a damaged building as rescue teams operate at the first light of the day in the aftermath of two strong earthquakes hitting the region, in Visso, Marche region, central Italy, 27 October 2016. Two strong earthquakes hit central Italy on 26 October evening, a 5.4 and a 5.9-magnitude, according to Italy's National Institute of Geophysics and Volcanology (INGV).  EPA/MATTEO CROCCHIONI

Die Rettungskräfte verschaffen sich einen Überblick über das Ausmass der Schäden – hier in Visso. Bild: EPA/ANSA

Um die 1000 Kräfte Rettungskräfte waren im Einsatz. «Der Rettungseinsatz hat gut funktioniert, vor allem wenn man bedenkt, dass das Erdbebengebiet besonders gross ist. Wir werden niemanden allein lassen», sagte Innenminister Angelino Alfano.

Zahlreiche Kirchen beschädigt

In den Marken wurden schwere Schäden am Kulturerbe der Region gemeldet worden. Zahlreiche Kirchen der Gegend wurden schwer beschädigt.

Der Kirchturm des Wallfahrtsorts von Santa Maria in Via in der Kleinstadt Camerino stürzte auf ein gegenüber liegendes Gebäude. Der Kirchturm war bereits 1997 von einem Erdbeben beschädigt und restauriert worden. Dem Erdbeben am 24. August hatte er noch Stand gehalten.

«Ganz Camerino ist mit seinem historischen Kern ein Monument. Die Sachschäden sind enorm. Auch die Kirche des Heiligen Philipp hat schwere Schäden erlitten», berichtete der Bürgermeister von Camerino, Gianluca Pasqui.

Camerone Copyright: Alessandro Paglialunga/Wikicommons

Camerino in den Marken (Archivbild). Bild: Alessandro Paglialunga/Wikicommons

Auch in Visso südöstlich von Perugia stürzte eine Kirche ein. «Es ist wie nach einem Bombenangriff», berichteten Augenzeugen. Der Erzbischof von Spoleto-Norcia, Renato Boccardo, berichtete, dass die Kirche San Salvatore in Campi di Norcia, rund 20 Kilometer südlich von Visso, eingestürzt sei.

Sachschäden wurden am Mittwoch auch in der umbrischen Ortschaft Cascia, Heimat der Heiligen Rita, gemeldet. Die Heilige Rita von Cascia ist eine der beliebtesten Heiligen vor allem in den romanischsprachigen Ländern Europas und Amerikas.

Epizentrum lag nahe Visso

Der heftigste Erdstoss wurde nahe Visso gemessen. Die Stärke variierte nach Angaben unterschiedlicher Erdbebenwarten zwischen 5,9 und 6,1 auf der Richter-Skala. Viele Menschen hatten wegen eines Vorbebens schon ihre Häuser verlassen und hielten sich im Freien auf.

Die Erdstösse ereigneten sich in jener Region, die erst Ende August von einem heftigen Beben getroffen worden war. Damals kamen 298 Menschen ums Leben, die meisten davon in der Ortschaft Amatrice.

Schwere Schäden an Gebäuden

Insgesamt sei die Situation nach den Beben vom Mittwochabend «weniger dramatisch als gedacht», sagte Zivilschutz-Chef Fabrizio Curcio der Nachrichtenagentur Ansa zufolge um Mitternacht auf einer Pressekonferenz.

Fernsehbilder zeigten schwere Schäden an Gebäuden. Spezial-Teams suchten nach möglichen Vermissten – es sehe derzeit aber so aus, als gebe es keine. Die nächsten Stunden würden zeigen, ob die Einschätzung der Lage so bleibe, sagte Curcio.

Erneute Beben wecken die Angst

Der Bürgermeister von Amatrice, Sergio Pirozzi, sagte, auch in seinem Ort sei es erneut zu Schäden gekommen. «Es gab Einstürze, aber nur von Gebäuden, die schon beschädigt waren», sagte er laut Ansa. «Natürlich weckt das wieder die Angst.»

Augenzeugen in der Unglücksregion sprachen zunächst von einer «apokalytischen Situation». Die Erde habe «furchtbar lang» gebebt, sagte Marco Rinaldi, Bürgermeister der Gemeinde Ussita dem TV-Sender Sky TG24.

«Die kritischste Situation ist in Castelsantangelo sul Nera, wo die Stromversorgung fehlt», sagte Cesare Spuri vom Zivilschutz in der Region Marken. Der Bürgermeister des Ortes, Mauro Falcucci, sagte einem Fernsehsender: «Mit Sicherheit gab es Einstürze.»

Ein auf Twitter erschienenes Video zeigt ein teilweise zerstörtes Haus, das von Ziegelsteinen und Schutt umgeben ist.

In den Marken sollten drei Krankenhäuser geräumt werden. Am Donnerstag sollten mehrere Schulen in Mittelitalien geschlossen bleiben.

Schäden auch in Rom

Auch in Rom gab es Schäden. In mehreren Gebäuden seien Risse festgestellt worden, meldete Ansa. Nach dem ersten Erdstoss seien binnen einer halben Stunde rund hundert Notrufe beim Zivilschutz eingegangen.

Menschen liefen auf die Strasse, einige twitterten Videos von wackelnden Lampen und Fenstern, die sich durch das Zittern geöffnet hatten. Auch das Aussenministerium wurde sicherheitshalber geräumt.

«Die Entfernung zwischen beiden Beben ist rund 30 Kilometer. Es ist also durchaus möglich, dass da eine gewisse Wechselwirkung ist», sagte der Seismologe Frederik Tilmann der Deutsche Presse-Agentur.

Der Forscher am Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam hält es für denkbar, dass beide Ereignisse damit Teil eines grösseren Abbaus von Spannungen sind – mögliche weitere Beben sind damit nicht ausgeschlossen. (gin/erf/cma/sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Thadic 27.10.2016 10:51
    Highlight Highlight Kann den bei Watson niemand italienisch? Warum werden wage Annahmen eines deutschen Seismologen zitiert, wenn es doch in Italien genügend Experten gibt die viel genauer wissen, was für ein Zusammenhang zwischen dem Amatrice Erdbeben und dieser neuen Erdbebenserie besteht.
  • theluke 26.10.2016 23:06
    Highlight Highlight Das erste beben war auch in florenz zu spüren. Ca 10 sekunden wa kelten unsere plastikstühle leicht aber spürbar
  • mostkopf 26.10.2016 20:01
    Highlight Highlight 5.4 wie im Beitrag oder 5.6 wie im Tweet?
    • Nameless Hero 27.10.2016 00:33
      Highlight Highlight Ist sehr unklar. Das zweite war bsp. Von der USA mit 6.4 gemessen worden. Andere sagen 6.2, wieder andere "nur" 5.9...
    • mostkopf 27.10.2016 10:36
      Highlight Highlight Ok vielen Dank :) Frage mich, weshalb ich für eine einfach Frage so viele Blitze bekomme...
    • Thadic 27.10.2016 10:46
      Highlight Highlight Ich verstehe nicht ganz warum auf die Messungen aus USA geschaut wird, statt einfach zu schauen was der italienische Erdbebendienst misst. Es ist doch klar, dass je weiter die Messstationen liegen, desto ungenauer die Messung ist. Italien ist mit Seismographen übersäht. https://ingvterremoti.wordpress.com
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