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Wieso die Gen Z bewusst langweiligen Berufen nachgeht

Die Buchhaltung zum Beispiel, die lange Zeit zu Recht als Inbegriff der öden Berufe galt, zieht immer mehr junge Menschen an.
Die Buchhaltung zum Beispiel, die lange Zeit zu Recht als Inbegriff der öden Berufe galt, zieht immer mehr junge Menschen an.
bild: watson

Wieso die Gen Z bewusst langweiligen Berufen nachgeht

Vorbei sind die Zeiten der Sehnsucht nach einem Traumjob, der einen bis spät in die Nacht wach hielt. Ein Teil der Generation Z gibt sich heute bei der Arbeitssuche bescheidener. Der Job soll sicher, ruhig, manchmal sogar wahrhaftig öde sein. Das Ziel? Das Leben zu finanzieren, ohne es gleich opfern zu müssen.
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14.03.2026, 18:2914.03.2026, 18:29
Margaux Habert

Noch vor wenigen Jahren glich der vorherrschende Diskurs einer fast religiösen Aufforderung: Finde deine Leidenschaft und mach sie zu deinem Beruf. Die Millennials, welch wunderbare Wesen, wuchsen mit diesem etwas romantischen Versprechen auf, dass Arbeit spannend, kreativ und inspirierend sein sollte … kurzum, den Montagmorgen in ein beinahe spirituelles Erlebnis verwandeln sollte.

Die nächste Generation hingegen betrachtet diese Erzählung mit einer Mischung aus Skepsis und vorausahnender Müdigkeit. Und sie hat eine andere Lösung gefunden.

Auf Tiktok, Linkedin und Reddit kursiert seit einigen Monaten ein gewisses Konzept: jenes der «langweiligen Jobs» (engl. boring jobs). Dabei handelt es sich um administrative, buchhalterische, analytische oder bürokratische Positionen, bei denen man Excel-Tabellen ausfüllt, Papier in den Drucker einlegt und bei denen jeder Tag dem vorherigen (und auch dem folgenden) Tag ähnelt.

Das sind Jobs, von denen niemand so richtig geträumt hat, und genau deshalb üben sie eine so grosse Anziehungskraft auf diese Generation aus – im Gegensatz zu den vorherigen Generationen, die diese Begeisterung kaum verstehen und dies in den sozialen Medien kundtun.

Übersetzung

Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.

Die Renaissance der öden Berufe

Für Teile der Gen Z geht es nicht mehr darum, den aufregendsten Job der Welt zu finden. Im Gegenteil, sie suchen eine einfache, sichere Stelle mit angemessenen Arbeitszeiten, einem guten Gehalt und vor allem einem erträglichen Stressniveau.


In manchen Branchen ist dieser Trend sogar sichtbar. Die Buchhaltung beispielsweise, die lange Zeit – und zu Recht! – als Inbegriff der öden Berufe galt, zieht immer mehr junge Fachkräfte an. Unternehmen suchen nach Ersatz für die Generationen, die in Pension gehen, und manche junge Menschen sehen darin eine durchaus attraktive Chance: klar definierte, relativ vorhersehbare und oft gut bezahlte Arbeit.

Mit anderen Worten: eine seriöse, aber nicht aufdringliche Tätigkeit. Und vor allem eine Tätigkeit, bei der man nach Feierabend dem Chef nicht weiter verpflichtet ist.

Arbeiten, um zu leben (und nicht umgekehrt)

Hinter dieser Faszination für «langweilige Jobs» verbirgt sich vor allem ein philosophischer Wandel. Ein Grossteil der Gen Z sieht die Arbeit nicht mehr als zentralen Bestandteil der eigenen Identität. Vorbei sind die Zeiten der Frage: «Was machst du (beruflich)?» Die Arbeit soll einen nicht mehr definieren, antreiben oder – schlimmer noch – erfüllen. Sie soll einfach nur die Lebenskosten decken.

Das wahre Leben findet woanders statt. Auf Reisen, bei persönlichen Projekten, mit Freunden, Familie, beim Sport, TV-Serien, im Ausgang … oder auch auf der existenziellen Suche nach dem fotogensten (und ekligsten) Matcha Latte fürs Chillen auf der Terrasse. Slayyy ✨

MR_ID24977_18843_AlenaHaurylenka.jpg, MR_ID24977_18842_NataliaBaranouska.jpg A woman sitting at an outdoor cafe table in Warsaw, wearing headphones and using a smartphone She is enjoying a matcha latt ...
Man wird sich doch wohl noch was gönnen dürfen! (Symbolbild)Bild: www.imago-images.de

Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand: Warum sollte man sich in einem extrem wettbewerbsintensiven Job verausgaben, wenn man danach zu erschöpft ist, um den Rest des Lebens zu geniessen?

Eine Generation frei von «Hustle Culture»

Man muss anmerken, dass die Gen Z unter besonderen Umständen in den Arbeitsmarkt eintritt. Wirtschaftskrisen folgen Schlag auf Schlag, die Inflation raubt uns den letzten Nerv, wir erleben Massenentlassungen in bestimmten Branchen … und diese Generation hat ein ganzes Jahrzehnt lang mit ansehen müssen, wie die Millennials der berühmten «Hustle Culture» hinterherjagten, jenem Kult der Hyperproduktivität.

Dieses Modell – immer mehr arbeiten, weniger schlafen, Projekte parallel verfolgen – gilt seit Langem als Königsweg zum Erfolg. Doch für viele zeigt sich das Resultat hauptsächlich auf Linkedin. Glänzende Profile, gewiss … und jede Menge Burnout.

Anstatt also nach einem «Traumjob» zu suchen, der sie komplett in Anspruch nimmt und bis auf die Knochen auslaugt, wählen sie einen ruhigeren Job, der Raum für alles andere lässt.

Langeweile als Luxus

Natürlich träumt nicht jeder davon, seine Tage mit dem Prüfen von Rechnungen oder dem Ausfüllen von Berichten zu verbringen. Doch im aktuellen Klima ist der «langweilige Job» ironischerweise zu einer Art modernem Luxus geworden – einer Form professioneller Entspannung.

Ein Job, der dich nachts nicht verfolgt. Ein Job, der dich nicht um 3 Uhr morgens weckt. Eine Stelle, die nicht vorgibt, deine «Berufung» zu sein, mit furchtbaren Teambuilding-Aktivitäten am Wochenende, bei denen du am liebsten alle deine Kollegen umbringen würdest. Kurz gesagt: ein Job, der dir Freiraum lässt und dein Privatleben nicht beeinträchtigt.

Wenn dieser Trend bei früheren Generationen ein Schmunzeln oder Verwunderung hervorrufen kann, offenbart er vielleicht eine recht einfache Wahrheit. Lange Zeit hiess es, Arbeit müsse spannend sein. Die Gen Z scheint jedoch etwas Radikales begriffen zu haben: Sie kann auch einfach nur erträglich sein. Und manchmal ist das mehr als genug.

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Freiheit und Toleranz
14.03.2026 18:43registriert Oktober 2018
Da die meisten anspruchlosen Routinejobs zukünftig durch KI Agenten abgelöst werden, wäre man bei der Jobwahl und eigenen Weiterentwicklung etwas über den Tellerrand zu blicken.
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MrXanyde
14.03.2026 18:39registriert Dezember 2016
Ganz ehrlich, gratuliere jeder Person, die zu dieser Erkenntnis gelangt ist. Bin nun zum zweiten Mal innert 2 Jahren wegen Burnout und extremen Stressfolgeerkrankungen krankgeschrieben.
Fertig jetzt damit, genesen und danach mach ich mich für keine Firma mehr kaputt!
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Lilamanta
14.03.2026 18:50registriert Dezember 2018
Gar nicht schlecht, liebe Zler. Ihr seid Realisten. Die wenigsten Menschen haben einen erfüllenden Job, also weshalb sollte man sich dafür die Beine ausreissen? Also solange es noch Jobs gibt, bei denen man sich nicht krankabrackern muss.
Ich habe als Xlerin noch meine Leidenschaft zum Beruf machen können und hatte wahnsinnig Glück. Hätte ich dieses Glück nicht gehabt, so würde ich wohl auch eine möglichst ruhige Kugel schieben bei der Arbeit
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