Die Islamisten lassen sich nicht mit Bomben besiegen
Alle Religionen und Glaubensgemeinschaften tragen ein Absolutismus-Gen in sich. Deshalb besteht stets die latente Gefahr der Radikalisierung. Wenn der Glaube den Alltag bestimmt und auch die sozialen und politischen Normen prägt, können Gläubige fanatisiert werden.
Ein aktueller Blick nach Osten zeigt, wie verhängnisvoll sich ein religiöser Fanatismus auswirken kann. Denn er führt zwangsläufig zu einem politischen Machtanspruch. Und zum Ziel, einen Gottesstaat einzurichten, wie die islamistischen Regimes in manchen Ländern demonstrieren.
Verhängnisvolle Dynamik
Mehrere Ereignisse in jüngster Zeit zeigen die verhängnisvolle Dynamik. Der Terrorangriff der Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023 markierte den Anfang einer Reihe von kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten. So nutzten etwa die Islamisten der Hisbollah den Krieg im Gazastreifen, um Israel mit Raketen und Drohnen anzugreifen.
Auch auf der israelischen Seite spielen religiöse Aspekte eine problematische Rolle. Die orthodoxen Juden drängen Netanjahu, die Hamas und Hisbollah mit kriegerischen Mitteln auszurotten. Bei den Bombardierungen verloren Zehntausende ihr Leben.
Der religiöse Fanatismus zeigt sich ausserdem bei der gewalttätigen Vertreibung der Muslime durch orthodoxe Siedler im Westjordanland.
Die hässliche Fratze des Islamismus dokumentiert auch das Mullah-Regime im Iran. Es hat in den letzten 50 Jahren mit repressiven Methoden einen Gottesstaat errichtet.
Die religiösen Führer sind die absoluten Herrscher, die das Volk knebeln und unterdrücken, wie die Niederschlagung der jüngsten Proteste zeigt, bei denen Zehntausende Iranerinnen und Iraner von Revolutionsgarden und Milizen ermordet wurden. Die Mullahs treten islamische Moral und Ethik mit Füssen.
Bei seinen kriegerischen Angriffen auf den Iran hat Donald Trump die religiöse Komponente ausser Acht gelassen. Er hat offensichtlich nicht realisiert, dass die Mullahs einen heiligen Krieg führen und den Westen als dekadenten Feind betrachten. Lieber werden sie Märtyrer, als vor Trump zu kapitulieren. Sie sind bereit, einen hohen Blutzoll zu zahlen.
Der grosse Dealmaker aus dem Weissen Haus hat sich einmal mehr politisch verzockt und mit seinem Angriff auf den Iran eine weltwirtschaftliche Krise ausgelöst, die für ihn teuer werden könnte.
Dabei hätte er seinen Blick auf Irak und Afghanistan richten können. 20 Jahre lang versuchten die Amerikaner, das Taliban-Regime und Al-Qaida zu bezwingen. Vergeblich.
Ein neues afghanisches Gesetz zu häuslicher Gewalt zeigt, wie die Taliban die Frauen heute unterdrücken. Verprügelt beispielsweise ein Mann seine Frau so, «dass ein Bruch, eine Verletzung oder sichtbare Blutergüsse an ihrem Körper entstehen», drohen ihm im schlimmsten Fall 15 Tage Haft. Aber nur, wenn die Frau die Tat beweisen kann.
Besser als die Frauen haben es die Tiere. Wenn jemand Tierkämpfe organisiert, drohen ihm nach dem neuen Gesetz bis zu fünf Monaten Gefängnis.
Islamistische Regimes lassen sich nicht mit Bomben in die Knie zwingen
Auch der gescheiterte amerikanische Militärschlag im Irak machte klar, dass sich demokratische Entwicklungen nicht mit militärischen Mitteln erzwingen lassen. Zwar wurde Saddam Hussein eliminiert, doch die Islamisten haben die Bevölkerung seither erst recht im Würgegriff.
Die Beispiele zeigen, dass sich die Islamisten nicht mit kriegerischen Mitteln besiegen lassen. Der US-Präsident wird auch im Iran eine Blutspur hinterlassen und seine Ziele verfehlen.
Beim Versuch, den Nahen Osten zu befrieden, ist es auch wenig hilfreich, dass viele Evangelikale und MAGA-Anhänger Trump als Gesandten Gottes betrachten. Und dass Netanjahu von jüdischen Hardlinern abhängig ist. Die religiösen Ressentiments auf beiden Seiten verhärten die Fronten.
Öl ins Feuer goss Trump auch an diesem Donnerstag, als er die iranischen Machthaber als «gestörte Drecksäcke» bezeichnete. Es ist eine Illusion, unter diesen politischen und religiösen Umständen auch nur an einen Frieden zu denken.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.
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