Versicherte zahlen mehr aus dem eigenen Sack: Das musst du zur Franchisen-Erhöhung wissen
4968 Franken. So viel Geld zahlten die Krankenkassen 2025 im Durchschnitt für eine Person an Gesundheitsleistungen. Das sind rund 250 Franken mehr als noch im Vorjahr. Dass diese Zahl kontinuierlich steigt, macht sich jedes Jahr bei den Prämien bemerkbar: Sie wachsen ebenfalls fleissig weiter.
Der Bundesrat will nun aufgrund der steigenden Gesundheitskosten die Mindestfranchise der Krankenversicherung von 300 auf 400 Franken erhöhen. Einen entsprechenden Vorschlag hat er am Freitag in die Vernehmlassung geschickt.
Die Versicherten müssen so direkt mehr aus dem eigenen Sack bezahlen. Eine Einordnung.
Wieso erhöht der Bundesrat die Mindestfranchise?
Die Franchise bestimmt den Jahresbetrag, den alle Versicherten zahlen müssen, bis die Krankenkasse die Leistungen übernimmt. Das Kalkül der höheren Franchise: Wenn Versicherte mehr aus dem eigenen Sack zahlen, nehmen sie weniger Leistungen in Anspruch. Das würde wiederum das Kostenwachstum dämpfen und die Prämien moderater ansteigen lassen.
Der Bundesrat agiert dabei nicht auf eigene Initiative. Er setzt einen Auftrag des Parlaments um: Zwei erfolgreich überwiesene SVP-Vorstösse verlangen eine regelmässige Anpassung der Franchisen an die Kostenentwicklung.
Heisst das, die Franchisen steigen künftig noch weiter?
Ja – sofern die Kosten ebenfalls weiter steigen. Der Bundesrat schlägt einen Mechanismus vor, der ein moderates Ansteigen der Mindestfranchise vorsieht. Ab 2029 würde demzufolge die Mindestfranchise von 400 Franken eingeführt, ab 2034 würde sie auf 500 Franken ansteigen.
Die Massnahme ist nicht neu. Der Bundesrat hat in der Vergangenheit die Mindestfranchise schon mehrmals angepasst. Mit Beginn der obligatorischen Krankenversicherung 1996 lag sie bei 150 Franken pro Jahr. 1998 erhöhte sie die Regierung auf 230 Franken und 2004 auf 300 Franken pro Jahr. Seit mehr als 20 Jahren gab es keine Anpassung mehr. Das Parlament stimmte noch 2019 gegen eine Erhöhung.
Steigt die Franchise auch bei Versicherten, die eine höhere Franchise wählen?
Nein. Nur die Mindestfranchise steigt.
Wie viele Menschen sind betroffen?
Bereits heute wählen die meisten Versicherten (55 Prozent) eine höhere Franchise bis 2500 Franken. Und Kinder sind auch von der Franchise befreit. Für sie ändert sich vorderhand nichts. Immerhin noch rund 3,3 Millionen Erwachsene (45 Prozent) wählen die Mindestfranchise, meistens sind es Personen mit gesundheitlichen Problemen. Sie müssen 100 Franken mehr zahlen.
Indirekt ändert sich die Situation auch für Personen mit höherer Franchise, wie der Bundesrat schreibt: Wenn sich die Differenz zwischen der niedrigsten und der höchsten Franchise verringert, sinke die maximale Prämienreduktion bei der Wahlfranchise «leicht».
Lässt sich über die Franchise Geld sparen?
Ja. Wer eine höhere Franchise wählt, der übernimmt ein grösseres Risiko im Krankheitsfall und kann bis zu 1540 Franken im Jahr sparen. Eine Franchise von bis zu 2500 Franken lohnt sich vor allem bei seltenen Arztbesuchen. Dafür muss das nötige Geld aber in der Haushaltskasse vorhanden sein, plus der Selbstbehalt von zehn Prozent der Behandlungskosten, der pro Jahr nochmals 700 Franken ausmacht.
Wie viel können die Krankenkassen über die höhere Mindestfranchise einsparen?
Das kann der Bundesrat nicht genau beantworten, weil unklar ist, ob die Menschen ihr Verhalten tatsächlich ändern. Das Bundesamt für Gesundheit schätzt, dass die Prämien im Durchschnitt um 0,8 Prozent sinken könnten. Der Staat hätte allerdings zusätzliche Ausgaben bei der Sozialhilfe von schätzungsweise 39 Millionen Franken pro Jahr.
(aargauerzeitung.ch)
