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«Die Waffen schweigen, der Krieg ist vorbei» – in Kolumbien beginnt heute eine neue Ära

Bild: EPA/EFE
Kolumbien hat am Montag einen historischen Tag erlebt: Um 00.00 Uhr Ortszeit trat der endgültige Waffenstillstand zwischen der Regierung und der FARC-Guerilla in Kraft. Damit endet ein 52 Jahre währender Gewaltkonflikt.
29.08.2016, 15:5429.08.2016, 17:45

«Mit dem 29. August beginnt eine neue Geschichte für Kolumbien», erklärte Präsident Juan Manuel Santos eine Minute nach Mitternacht. Santos schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter: «Die Waffen schweigen. Der Krieg mit den FARC ist vorbei!»

In der Botschaft der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Fuerzas Revolucionarias de Colombia/FARC) hiess es zurückhaltender: «Ab jetzt beginnt der beiderseitige und endgültige Waffenstillstand.»

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos am vergangenen Donnerstag in Bogota.
Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos am vergangenen Donnerstag in Bogota.
Bild: EPA/EFE
«Ich ordne an, dass all unsere Kommandanten, all unsere Einheiten und jeder unserer Kämpfer um Mitternacht das Feuer einstellen und die Feindseligkeiten gegen den kolumbianischen Staat beenden.»
FARC-Chef Timochenko

Punkt Mitternacht liess die Feuerwehr in vielen kolumbianischen Städten die Sirenen «für den Waffenstillstand» ertönen. Sie folgte damit einer Aufforderung des Innenministeriums des südamerikanischen Landes.

«Wir bedauern mehr als je zuvor, dass der Krieg so viel Tod und Schmerz verursacht hat.»
FARC-Leader Timoléon – «Timochenko» – Jiménez: «Feindseligkeiten gegen den kolumbianischen Staat beenden.»
FARC-Leader Timoléon – «Timochenko» – Jiménez: «Feindseligkeiten gegen den kolumbianischen Staat beenden.»
Bild: EPA/EFE

Einige Stunden zuvor hatte FARC-Chef Timoleón Jiménez – Kampfname: Timochenko – in der kubanischen Hauptstadt Havanna erklärt: «Ich ordne an, dass all unsere Kommandanten, all unsere Einheiten und jeder unserer Kämpfer um Mitternacht das Feuer einstellen und die Feindseligkeiten gegen den kolumbianischen Staat beenden.» Santos hatte am Donnerstag einen Waffenstillstand zum selben Zeitpunkt angeordnet.

FARC-Rebellen auf Patrouille (1999). 
Bild: © Jose Gomez / Reuters/REUTERS

Einseitiger Waffenstillstand seit Juli 2015

Die FARC hatten bereits im Juli 2015 einen einseitigen Waffenstillstand ausgerufen, und die Regierung hatte ihre Luftangriffe ausgesetzt. Das nun vereinbarte Ende der Kämpfe war aber die erste beidseitige Einigung auf ein Schweigen der Waffen.

«Wir möchten unseren klaren und eindeutigen Willen zur Versöhnung ausdrücken», sagte Timochenko an die Adresse von Armee, Polizei und Geheimdiensten des Landes. «Rivalitäten und Missgunst müssen der Vergangenheit angehören. Wir bedauern mehr als je zuvor, dass der Krieg so viel Tod und Schmerz verursacht hat.»

Ausharren im Schützengraben: FARC-Kämpfer im Dschungel bei Caqueta (1998).
Ausharren im Schützengraben: FARC-Kämpfer im Dschungel bei Caqueta (1998).
Bild: © Str Old / Reuters/REUTERS

Nach vierjährigen Verhandlungen hatten Unterhändler der FARC und der Regierung am Mittwoch in Havanna ein Friedensabkommen zur Beendigung des Konfliktes vereinbart. Die kolumbianische Bevölkerung stimmt am 2. Oktober in einem Referendum über das Abkommen ab. Zuvor wollen die Konfliktparteien den Text feierlich unterzeichnen, voraussichtlich zwischen dem 20. und dem 26. September.

Tausende Kämpfer noch in Verstecken

Dem Abkommen zufolge sollen die über 7000 FARC-Kämpfer ihre Verstecke verlassen und sich ab Montag in Entwaffnungslager unter Aufsicht der UNO begeben. Die FARC-Guerilla soll zur politischen Partei werden, die im kolumbianischen Kongress zunächst zehn Sitze zugebilligt bekommt.

Das echte Dschungelcamp: Alltag bei den kolumbianischen FARC-Rebellen

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Das echte Dschungelcamp: Alltag bei den kolumbianischen FARC-Rebellen
quelle: ap/ap / rodrigo abd
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Kämpfer, die sich der Vereinbarung entziehen sollten, würden verfolgt, sagte Santos der Zeitung «El Espectador». Zur Volksabstimmung sagte er, diese werde dem Vertrag die «nötige politische Legitimität» verleihen. Er rief die Bürger zudem auf, mit «Ja zum Frieden» zu stimmen. Die genaue Frage des Referendums soll in den kommenden Tagen veröffentlicht werden.

Die FARC wurden 1964 im Kampf gegen Grossgrundbesitzer und zur Verteidigung armer Bauern gegründet, die Opfer staatlicher Gewalt wurden. In dem mehr als 50 Jahre währenden bewaffneten Konflikt zwischen linken Rebellen, Paramilitärs, Drogenmafia und Armee wurden in Kolumbien mehr als 260'000 Menschen getötet und etwa 6,9 Millionen weitere vertrieben. 45'000 Menschen gelten als verschwunden oder vermisst. (wst/sda/afp)

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