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«Fox & Friends»-Moderatoren Doocy, Earhardt, Kilmeade: Wer beeinflusst wen? screenshot: fox

Ich habe Trumps Lieblingsshow auf Fox News eine Woche lang geguckt – 6 Erkenntnisse

Donald Trump schaut so gut wie jeden Morgen «Fox & Friends». Unser Korrespondent hat es ihm eine Woche lang nachgemacht – und fragt sich: Wer beeinflusst hier wen?

fabian reinbold / t-online



Ich habe mir Donald Trump zum Vorbild genommen und sein Morgenritual imitiert: Eine Woche lang habe ich seine Lieblingssendung geschaut.

Ihr kennt Fox News ja als konservativen, parteiischen Sender. Das ganz spezielle Verhältnis von Trump und Fox ist hier in den USA wieder ein grosses Thema. Denn zuletzt hat sich die Funktion des Senders gewandelt, weil er immer stärker mit Trumps Handeln und Trumps Launen verschmilzt. Fast schon ein US-Staatsfunk, schrieb der «New Yorker» kürzlich.

Wenn es um Trump und Fox News geht, dann ist meist von den Meinungsmachern der Abendsendungen die Rede, Tucker Carlson oder Sean Hannity. Doch die Lieblingssendung des Präsidenten läuft morgens von 6 bis 9. Sie ist der mächtigste Agenda-Setter und sie heisst «Fox & Friends».

Und wenn man das eine Woche guckt, fragt man sich unweigerlich: Wer beeinflusst hier eigentlich wen – Trump die Fox-Leute oder doch eher die Fox-Leute Trump?

Man taucht ab in eine mediale Parallelwelt, in der es keinerlei Distanz gibt. Was Trump macht, ist immer richtig. Die Demokraten bedrohen Amerika mit Sozialismus oder Diktatur. Die Nachrichtenlage wird so umgekrempelt, dass sie passt. Das Urteil gegen seinen Ex-Wahlkampfchef Paul Manafort, das dominierende Thema in Washington, wird in einer halben Minute abgehandelt. Länger spricht man über die Schönheitder First Lady.

Am Mittwoch stellt Moderator Brian Kilmeade um 7 Uhr ganz grundsätzlich fest: «Sie ist eine der schönsten Frauen der Welt.» «Und so klug», ergänzt Moderatorin Ainsley Earhardt. Eine Stunde später ist dazu noch als Expertin die konservative Kommentatorin Tammy Bruce eingeladen. Sie beginnt fast wortgleich: «Offensichtlich ist sie eine der schönsten Frauen der Welt.» Die Medien würden nur «ihre Eifersucht und ihren Neid» über sie ausschütten. So einfach ist's. Dem Zuschauer im Weissen Haus gefällt's. Und um den geht es.

Die Moderatoren schmeicheln Trump. Und sie senden Impulse, von denen sich der Mann im Weissen Haus zum Handeln verleiten lässt. Das sind die sechs Faktoren, die «Fox & Friends» zum mächtigsten Frühstücksfernsehen der Welt machen.

Trumps wahres Briefing

Trumps Tage beginnen offiziell meist mit einem Geheimdienstbriefing gegen 11 Uhr. Doch sein wahres Briefing für den Tag ist zuvor «Fox & Friends». Denn dort versorgen sie ihn mit Munition, nicht nur für Tweets, manchmal weist er gar seinen Regierungsapparat zu etwas an, was er dort aufgeschnappt hat.

Trump schaut fast jeden Morgen zu. Meist nimmt er die Sendung auf und schaut sie parallel mit einer Stunde Verspätung an. Das heisst: Wer «Fox & Friends» schaut, ahnt schon, worüber @realDonaldTrump bald twittern wird.

Das zieht sich auch durch diese Woche: Trump verbreitet per Twitter den Auftritt eines Klimawandelleugners weiter, der früher bei Greenpeace war und jetzt Energielobbyist ist und gegen «Fake Science» wettert. Trump twittert über den früheren Late-Night-Talker Jay Leno, der sich beklagt hat, dass die Nachfolger heute zu sehr auf den Präsidenten eindreschen würden. Leno sagte das am Dienstag bei NBC, doch Trump bekommt es erst am Mittwoch mit, als «Fox & Friends» darüber berichtet.

Wow!

Fakes für Trump

Dabei passiert es, dass die Verzerrungen von Fox News von Trump weiter verzerrt werden. Die Woche über sind in der Sendung die antisemitischen Kommentare der demokratischen Abgeordneten Ilhan Omar Thema, die bei anderen Sendern längst von anderen Nachrichten verdrängt worden sind. Dienstag früh nimmt eine junge Frau namens Elizabeth Pipko auf dem Sofa Platz, sie wird als Sprachrohr einer Bewegung von Millennials angekündigt, die Juden zum Austritt aus der Demokratischen Partei auffordert. Im Nebensatz wird sie als frühere Trump-Mitarbeiterin bezeichnet.

Sie hat eine Website namens «Jexodus» aufgesetzt, kurz für «Jewish Exodus». Es gibt keinerlei Hinweis darauf, dass sich hinter «Jexodus» mehr verbirgt als Pipko selbst. Ich recherchiere ihr kurz in den sozialen Netzwerken hinterher und sehe, dass die Frau im vergangenen Dezember geheiratet hat, und zwar in Trumps Club Mar-a-Lago. Ein Bild von der Feier zeigt sie in roter «Make America Great Again»-Kappe. Eine Luftnummer.

Doch da Trump es auf «Fox & Friends» gesehen hat, twittert er es noch zugespitzter hinaus: Juden würden die demokratische Partei verlassen – und so geht das dann um die Welt.

Die Drei von der Trumpstelle

Es sind drei Moderatoren, die Morgen um Morgen dem Präsidenten diese Angebote machen. Ihre Rollenverteilung sieht so aus: Der stets erregte, meist wütende Brian Kilmeade, die korrekte Ainsley Earhardt und der nette Onkel Steve Doocy.

Drei Stunden plaudern sie auf dem cremefarbenen Sofa, es geht um ihre Lieblingskuchen, die besten Taco-Rezepte. Morgens läuft «Happy» von Pharell Williams, gefolgt von Meldungen über straffällige illegale Einwanderer. Es folgen, zur Erbauung, amerikanische Helden – etwa der Mann, der in einem vom Tornado zerstörten Landstrich in Alabama US-Flaggen zwischen Trümmern hisst.

Im Plauderton befeuern sie Stunde um Stunde die Kulturkämpfe, die im Land toben und die Trump auszunutzen weiss. Der wiederum mag die drei so gern, dass er vor einem knappen Jahr live in die Sendung reintelefonierte, bis ihn Doocy nach einer halben Stunde quasi abwürgen musste mit dem Satz: «Sie haben bestimmt viel zu tun.»

So sieht man aus, wenn man Trump 31 minutenlang zuhören muss

Video: watson

Vorsprechen für Trump

Wer Trumps Aufmerksamkeit oder einen Politikvorschlag machen will, lässt sich zuschalten – die Moderatoren unterstützen bereitwillig.

Am Montag ist Tom Homan, der frühere kommissarische Chef der Einwanderungspolizei ICE, dran. Die Lage an der Grenze spitzt sich zu, wie es das bei «Fox & Friends» immer tut, und Homan hat die Lösung parat: ICE müsse in einer landesweiten Operation abschieben – und so abschrecken. Moderator Klimeade tütet es ein: Dazu braucht es ja nicht den Kongress? Kann Heimatschutzministerin Nielsen das einfach anordnen? Homan bejaht. Es klingt wie eine Anleitung für den Zuschauer im Weissen Haus.

Am Freitag, gerade hat der Senat Trumps Notstand zurückgewiesen, ist der frühere kurzzeitige Leiter des US-Grenzschutzes da. «Alles nur politisches Theater», sagt Mark Morgan. «Wenn Sie glauben, da kommen gute Leute, leben Sie in einer Fantasiewelt.» Morgan wollte unter Trump im Grenzschutz dienen, wurde aber aus dem Amt entfernt. Jetzt legt er einen betont leidenschaftlichen Auftritt hin und sagt: «Wenn ich zwei Sekunden mit dem Präsidenten sprechen könnte, würde ich ihm danken, weil er das tut, was andere nicht getan haben.» Es würde mich nicht wundern, wenn der Mann demnächst eine Einladung ins Weisse Haus bekommt.

Die Skandale

Jeden Morgen um 8.30 Uhr ist Zeit für einen politischen Gast. Am Mittwoch ist es Jason Chaffetz, ein früherer Abgeordneter der Republikaner, der von 2015 bis 2017 den Vorsitz im Kontrollausschuss des Repräsentantenhauses inne hatte und sich in dieser Zeit vor allem den realen und den vermeintlichen Skandalen Hillary Clintons widmete. Lange vorbei … oder?

Nein, Chaffetz macht munter weiter. Er gibt seine Lesart der Aussage einer Ex-FBI-Anwältin vor dem Kongress wieder, die im Fox-News-Kosmos so berühmt ist wie nur wenige andere: Lisa Page. Sie hatte sich als Mitglied des Teams, das Clintons E-Mail-Affäre untersuchte, SMS mit ihrem Kollegen und Liebhaber geschrieben und dabei über Trump gelästert. Chaffetz raunt, die Aussage habe bewiesen, dass das Obama-Justizministerium eine Untersuchung Clintons habe verhindern wollen.

Doocy raunt zurück: «Das legt nahe, dass es einen Deep State gibt» – also eine Verschwörung der Institutionen gegen Trump. Er fragt in seiner unnachahmlich unbekümmerten Art weiter, wie weit die Verschwörung in der Obama-Regierung nach oben reichte.

Chaffetz: «Bis an die Spitze der Spitze.»

Trump, natürlich, setzt eine Stunde danach einen Tweet ab.

Es ist nicht so, dass es auf «Fox & Friends» nicht um Skandale und Affären der US-Politik gehen würde. Doch sie betreffen ausnahmslos die Gegenseite.

Ganz enge Zusammenarbeit

Trump telefoniert aus dem Oval Office regelmässig mit seinen Lieblingsmoderatoren und hört sich ihre Meinungen an. Er soll, das schrieb gerade der «New Yorker», eine Liste erstellt haben, auf der er die Moderatoren mit 1 bis 10 Punkten bewertet (so wie er es früher so oft mit der Attraktivität von Frauen gemacht hat). Hannity hat eine 10. Doocy, der nette Onkel aus der Morgenshow, eine 12. (Übrigens, wenn ihr eine Stunde Zeit habt, kann ich Ihnen die Lektüre der «New Yorker»-Geschichte sehr empfehlen.)

Am Donnerstag sitzt Pete Hegseth auf dem Sofa, der sonst die Sendung am Wochenende moderiert. Er hat zwei Exklusiv-Interviews mit Vizepräsident Pence und Ministerin Nielsen im Gepäck, in denen sie ohne Nachhaken Trumps Position zum nationalen Notstand referieren. Trump wollte Hegseth mal zum Minister ernennen, weil er ihm auf dem Bildschirm so gut gefällt. Heute sitzt er mit Krawatte in Tarnfarben auf dem Sofa.

«Fox & Friends» kriegt viele Exklusivinterviews. Freitag ist es Aussenminister Pompeo. Klimawandel? «Keines unser fünf grössten Probleme», sagt er. Interviewer Kilmeade pflichtet bei: Da sieht man mal, wie stark sich unser Land verändern würde, wenn die Demokraten gewinnen. Es soll bedrohlich klingen.

Wer sich das Treiben ein paar Tage anschaut, merkt: Aus dem konservativen Sender ist ein Propagandainstrument für Trump geworden.

Bei «Fox & Friends» kommt die Stimmungsmache noch leichtfüssiger und damit unauffälliger daher als bei den Eiferern am Abend. Zugleich beeinflusst man zwischen all dem Geplaudere den mächtigsten Mann der Welt jeden Morgen aufs Neue.

Trump richtet seine Politik ganz nach dem harten Kern seiner Wählerbasis aus. Fox News hat diese Wählerbasis mit seiner Berichterstattung der vergangenen 20 Jahre herangezüchtet. Für die Quoten ist es gut, wenn diese zugleich Grund zur Aufregung hat, es aber auch für die eigene Seite gut läuft. Also macht «Fox & Friends» Trump-Lob und Demokraten-Bashing. Es ist so banal wie perfide.

Am Montag im Weissen Haus gab sich Pressesprecherin Sarah Sanders wieder einmal die Ehre bei uns im Pressesaal. Der Haushaltsentwurf des Präsidenten wurde vorgestellt. Es war Sanders' erste Pressekonferenz seit sechseinhalb Wochen – die längste Pause überhaupt.

So unbefriedigend diese Mal für Mal verlaufen, es ist eine der wenigen Gelegenheiten, kritische Nachfragen zu stellen.

Sanders sieht allerdings keinen Grund, öfter vor die Presse zu treten. Sie gibt dafür jetzt häufiger einem Fernsehsender kurze Interviews. Es ist, ihr ahnt es, Fox News.

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52 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Töfflifahrer
17.03.2019 18:58registriert August 2015
Das Problem ist, das alles ist brandgefährlich.
33416
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Imagine
17.03.2019 18:49registriert January 2017
Eine gefährliche Sache ....
Hoffnung gibt einzig, dass der Wähleranteil von der Nr. 45 stetig abnimmt (natürlich nicht, wenn man Fox and Friends glaubt).
20017
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TanookiStormtrooper
17.03.2019 21:56registriert August 2015
Zusammen gefasst:
Rupert Murdoch bestimmt eigentlich die Agenda im weissen Haus.
Interessant wäre ja was passiert, wenn Fox mal einen Tag nicht senden könnte. Auf wen hört Trump eigentlich dann?
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