International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa05243194 (FILE) A file picture dated 01 February 2013 shows high-rise buildings at the wetlands in the bay of Panama City, Panama. Millions of leaked documents published on 03 April 2016 suggest that 140 politicians and officials from around the globe, including 72 former and current world leaders, have connections with secret 'offshore' companies to escape tax scrutiny in their countries. The leak involves 11.5 million documents from one of the world's largest offshore law firms, Mossack Fonseca, based in Panama. The investigation dubbed 'The Panama Papers' was undertaken and headed by German newspaper Sueddeutsche Zeitung and Washington-based International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ), with the collaboration of reporters from more than 100 media outlets in 78 countries around the world.  EPA/ALEJANDRO BOLIVAR

Blick auf Panama.
Bild: EPA/EFE

Panama Papers: Affäre um Briefkastenfirmen schlägt weiter hohe Wellen

Das Datenleck um rund 214'000 Briefkastenfirmen in Panama sorgt weiterhin für grosses Aufsehen. Weitere Länder leiteten Ermittlungen wegen des Datenlecks ein. Während erste Betroffene ihre Posten abgaben, rechtfertigten andere die Nutzung von Offshore-Firmen.



Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko ist einer der prominenten Fälle, die in den «Panama Papers» aufgeführt werden. Anwälte nehmen nun Poroschenko in Schutz. Die Gründung einer Briefkastenfirma sei für den Präsidenten rechtlich die einzige Möglichkeit gewesen, seinen Süsswarenkonzern Roshen einem Treuhänder zu übergeben, hiess es in einer Erklärung der Anwälte.

Bei der Transaktion seien weder Steuern vermieden, noch Konten angelegt worden. Die Erklärung wurde am Montag von der Webseite Ukrainskaja Prawda veröffentlicht. Auch mit der neuen Firmenstruktur würden weiter Steuern in der Ukraine gezahlt. Weil der Aktienwert nominal bei Null liege, seien die Firmenanteile auch nicht in der jährlichen Deklaration über Vermögenswerte anzugeben. Im Wahlkampf hatte der 50-Jährige noch versprochen, das Unternehmen zu verkaufen.

«Da ist nichts seltsam dran»

Auch Argentiniens Präsident Mauricio Macri wies jede Schuld wegen einer Verbindung zu einer Briefkastenfirma von sich. In einem kurzen TV-Interview sagte Macri am Montag, sein Vater – Franco Macri, einer der reichsten Argentinier – habe das Konstrukt völlig legal aufgesetzt.

Die Firma habe den Zweck gehabt, in Brasilien zu investieren. Er selbst sei für die Firma tätig gewesen. «Da ist nichts seltsam dran», sagte der Präsident.

Ermittlungen in Frankreich und Spanien

Unterdessen kündigten die Justizbehörden weiterer Länder an, sich die Enthüllungen von Medien aus rund 80 Ländern genauer anschauen zu wollen. Es seien Vorermittlungen wegen «Geldwäscherei und Steuerbetrugs» eingeleitet worden, teilte die Staatsanwaltschaft in Paris mit. Es sei davon auszugehen, dass sich auch französische Steuerzahler strafbar gemacht hätten.

Die spanische Staatsanwaltschaft befasst sich nach Angaben aus Justizkreisen ebenfalls mit den Enthüllungen. Demnach wurden Ermittlungen wegen Geldwäscherei eingeleitet. Auch Costa Rica leitete nach offiziellen Angaben Ermittlungen gegen in den «Panama Papers» erwähnte Personen, Unternehmen und Kanzleien ein.

Zahlreiche weitere Staaten hatten schon zuvor Ermittlungen und Untersuchungen angekündigt. In der Schweiz will die Finanzmarktaufsicht (FINMA) etwa die Rolle einheimischer Finanzinstitute unter die Lupe nehmen.

OECD kritisiert Panama

Aktiv werden wollen auch die Behörden in Panama selbst. Es werde geprüft, inwieweit Straftaten vorlägen und von wem sie begangen worden seien, teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit. Auch dadurch möglicherweise entstandene finanzielle Schäden würden ermittelt.

Nach den Medienenthüllungen zu rund 214'000 Briefkastenfirmen vor allem in Panama und auf den Britischen Jungferninseln hatte bereits Präsident Juan Carlos Varela die Bereitschaft zur Zusammenarbeit seines Landes mit Regierungen und Ermittlern aus aller Welt erklärt.

Die Industriestaaten-Organisation OECD übte ihrerseits jedoch Kritik am mittelamerikanischen Land. Panama habe sich nicht an Zusagen gehalten, internationale Standards für Steuer-Transparenz einzuhalten, erklärte der Generalsekretär der in Paris ansässigen Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Angel Gurria.

Die Konsequenzen seien nun weithin öffentlich sichtbar. Laut Gurria hatte die OECD die Finanzminister der grössten Industrie- und Schwellenländer (G20) in den vergangenen Wochen bereits gewarnt, dass Panama nicht wie verabredet Informationen über Finanzgeschäfte mit anderen Regierungen teile.

Transparency-Chef geht

Zum Opfer der Enthüllungen geworden ist der Chef des chilenischen Ablegers von Transparency International. Gonzalo Delaveau trat am Montag im Zusammenhang mit Kontakten zu mehreren Briefkastenfirmen zurück, wie die Organisation mitteilte.

In den sogenannten «Panama Papers» wird sein Name in Verbindung mit mindestens fünf Briefkastenfirmen gebracht. Illegale Machenschaften werden ihm in den Dokumenten nicht zur Last gelegt. (cma/sda)

Panama Papers

«In unseren Investigativraum kam nicht mal die Putzfrau rein» – Datenjournalistin Vanessa Wormer über die Panama Papers

Link zum Artikel

So also sieht eine Briefkastenfirma in Panama aus

Link zum Artikel

Offshore-Insider Elmer zu Gast bei Schawinski: 7 Erkenntnisse aus der gestrigen Panama-Talkshow

Link zum Artikel

Warum gerade Panama? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Mega-Datenleck

Link zum Artikel

Panama Papers für Dummies: Offshore-Banking ist wie ein 5-Jähriger, der sein Sparschwein vor seiner Mami versteckt

Link zum Artikel

Die Professorin, die Putin schon vor zwei Jahren entlarvte

Link zum Artikel

Panama Papers: Das grösste Datenleck aller Zeiten enthüllt die Geheimnisse schmutzigen Geldes

Link zum Artikel

Deshalb sind die Panama Papers so wichtig: Video zeigt Opfer des Offshore-Business

Link zum Artikel

«Wir wurden gehackt. Das ist ein Verbrechen»: Riesiges Leak zu Briefkastenfirmen auf Panama

Link zum Artikel

Panama Papers: Und was hat das mit der Schweiz zu tun?

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • pamayer 05.04.2016 12:54
    Highlight Highlight toll, toll, toll!
    die vermögenden treiben's sehr toll um abgaben umgehen zu können oder um gelder zu waschen. und belogen dabei steuerämter und volk sehr dreist.

    nun kommt's etappenweise an's licht.
    stühle werden wackeln. einer nach dem anderen.

    alle enthüllungsjournalisten und whistleblower sind für mich moderne helden, da sie meist in den machtstrukturen weit unten stehen und dabei ganz persönlich sehr viel riskieren.
    toll, toll, toll!

Tod eines 21-Jährigen erschüttert Italien - Conte bei Trauerfeier

Hunderte Menschen haben in Italien an der Trauerfeier für den 21 Jahre alten Willy Monteiro Duarte teilgenommen, der von vier Männern zu Tode geprügelt worden war. Auch Regierungschef Giuseppe Conte war am Samstag unter den Trauergästen in der Gemeinde Paliano bei Rom. Die Gäste trugen überwiegend weisse Oberteile als Symbol für ihre Trauer. «Wir alle haben diese abscheuliche Gewalttat verfolgt. Wir dürfen das nicht kleinreden und nicht unterschätzen. Wir dürfen es nicht zu einem …

Artikel lesen
Link zum Artikel