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epa05242948 Photo shows the building where the office of Panamanian law firm Mossack Fonseca is located in Panama City, Panama, 03 April 2016. 11 million documents from Mossack Fonseca database were leaked allegedly exposing high profile tax evasion and money laundering among the world's elite.  EPA/Alejandro Bolivar

Von hier sollen die Daten stammen: Sitz der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca in Panama.
Bild: EPA/EFE

«Wir wurden gehackt. Das ist ein Verbrechen»: Riesiges Leak zu Briefkastenfirmen auf Panama

Unbekannte haben der «Süddeutschen Zeitung» Millionen Dokumente über rund 215'000 Briefkastenfirmen in Panama übergeben. Die Enthüllung bringt Spitzenpolitiker, Sportstars und weitere Persönlichkeiten in Erklärungsnot.



Was wir wissen:

Die Recherchen unter dem Titel Panama Papers basieren auf einem Datenleck bei der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca. Deren Chef Ramón Fonseca Mora bestätigte im Fernsehsender TVN: «Wir wurden gehackt. Das ist ein Verbrechen.»

A Mossack Fonseca law firm logo is pictured in Panama City April 3, 2016. REUTERS/Carlos Jasso

Auf einen Schlag weltberühmt: Anwaltskanzlei Mossack Fonseca.
Bild: CARLOS JASSO/REUTERS

Sein Unternehmen helfe aber nicht bei Geldwäscherei oder Steuerhinterziehung. Die Kanzlei gründe lediglich Firmen und verkaufe sie dann an Banken, Vermögensverwalter oder Anwälte. Eine Geschäftsbeziehung zu den Endkunden bestehe nicht.

Der Finanzplatz Panama

Panama ist einer der wichtigsten Finanzplätze in Lateinamerika. Ein äusserst liberales Bankengesetz hat zahlreiche Kreditinstitute nach Mittelamerika gelockt. Derzeit sollen etwa 90 Banken Einlagen in Höhe von rund 65 Milliarden US-Dollar verwalten. Die Finanzkrise ging an Panama weitgehend vorbei und brachte dem Finanzplatz sogar zusätzliche Investitionen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) lobt in seinem jüngsten Bericht die Stabilität des Bankensektors. Nachdem sich die Schweiz zuletzt von ihrem Bankgeheimnis verabschiedet hatte, galt Panama vielen als neue Steueroase. Immer wieder gibt es Berichte über illegale Transaktionen. In den 1980er Jahren war das Land das Bankenzentrum der kolumbianischen Drogenkartelle. Zuletzt bemühte sich Panama allerdings darum, dieses Image loszuwerden und sich als seriöser Finanzplatz zu positionieren. So erliess die Regierung eine Reihe neuer Richtlinien für Banken, Versicherungen, Immobilienfirmen sowie Wertpapier- und Edelsteinbörsen. Im Februar strich der OECD-Arbeitskreis für Massnahmen zur Geldwäschebekämpfung (Gafi) Panama von der grauen Liste, auf der Staaten geführt werden, die beim internationalen Austausch von Finanz- und Steuerinformationen noch hinterherhinken. (sda/dpa)

Zu den Profiteuren der Offshore-Dienste zählen den Berichten von Medien aus rund 80 Staaten zufolge zwölf frühere und amtierende Staats- und Regierungschefs sowie 128 weitere Politiker. Auch internationale Finanzinstitute – nicht wenige mit Schweizer Bezug – sind beteiligt.

«Briefkastenfirmen spielen auch eine wichtige Rolle bei Geldwäsche-Aktivitäten im grossen Massstab.»

Igor Angelini, Chef der Finanzermittlungseinheit von Europol

Bestätigungen oder konkrete Stellungnahmen gibt es von den wenigsten Fällen. Generell gilt: «Der Besitz einer solchen Offshore-Firma ist für sich nicht illegal», schreibt die «Süddeutsche». «Aber wer sich in den Panama Papers umsieht, stellt sehr schnell fest, dass es bei den meisten Fällen vor allem um eines geht: zu verschleiern, wem die Firma in Wahrheit gehört.»

Exterior view of the Europol headquarters where participants gathered to attend the anti terror conference in The Hague, Netherlands, Monday, Jan. 11, 2016. (AP Photo/Peter Dejong)

Europol-Finanzermittlungs-Chef sieht Briefkastenfirmen als wichtiges Vehikel bei Geldwäscherei-Aktivitäten im grossen Massstab.
Bild: Peter Dejong/AP/KEYSTONE

Die Daten belegten, wie die globale Offshore-Industrie im Verbund mit grossen Banken, Anwaltskanzleien und Vermögensverwaltern in aller Verschwiegenheit die Besitztümer von Prominenten verwalte.

Die Medien betonen, dass es viele legale Einsatzmöglichkeiten von Offshorefirmen, Trusts und Stiftungen gebe. Grundsätzlich sei festzuhalten: «Es gilt in jedem Fall bei den hier genannten Personen die Unschuldsvermutung.»

Igor Angelini, Chef der Finanzermittlungseinheit von Europol, erklärt dem Bericht zufolge, dass Briefkastenfirmen auch eine «wichtige Rolle bei Geldwäscherei-Aktivitäten im grossen Massstab» spielen. Gleiches gelte für Korruption: Offshore-Firmen würden besonders genutzt, «um die Bestechungsgelder weiterzuleiten».

Der Enthüller des NSA-Skandals, Edward Snowden, sprach auf Twitter vom «grössten Leck in der Geschichte des Daten-Journalismus, und es geht um Korruption.» Der deutsche Grünen-Europapolitiker Sven Giegold forderte mehr Transparenz. »Es ist eine Schande, dass wir im Kampf gegen die elendige Steuerflucht auf solche Datenlecks angewiesen sind«, erklärte Giegold.

epa04150283 President of Peñarol Club, Juan Pedro Damiani, arrives for a meeting at Executive Tower in Montevideo, Uruguay, 01 April 2014. Uruguayan Government called the heads of soccer clubs, members of National Soccer Federation and soccer players representatives for talks to face the crisis caused by violence in stadiums.  EPA/Iván Franco

Gegen FIFA-Ethikkommissions-Mitglied Juan Pedro Damiani wird eine Vorermittlung in der Sache geführt.
Bild: EPA/EFE

Die Ethikkommission des Fussball-Weltverbandes FIFA bestätigte der Nachrichtenagentur dpa interne Vorermittlungen gegen ihr eigenes Mitglied Juan Pedro Damiani aus Uruguay.

«Ja, der Bericht ist richtig. Ich kann bestätigen, dass wir eine sogenannte Voruntersuchung in die Wege geleitet haben», sagte der Sprecher der ermittelnden Kammer der Ethikkommission, Roman Geiser. Weitere Details nannte er nicht.

Erhebliche Sprengkraft

Der Leiter des Rechercheverbundes von NDR, WDR und «Süddeutscher Zeitung», Georg Mascolo, sagte am Sonntagabend in der ARD-Sendung «Anne Will», er gehe davon aus, dass von dem Einblick in das Geschäft in Steueroasen «ganz erhebliche» Sprengkraft ausgehe.

Mascolo kündigte weitere Veröffentlichungen an. «Das, was da in den nächsten Tagen zu lesen und zu hören sein wird, in der ‹Süddeutschen Zeitung›, in der ARD und auch anderswo, halte ich für sehr bemerkenswert, weil wir einen solchen Einblick in das Geschäft dieser Steueroasen bisher in diesem Umfang nicht gehabt haben.»

(kad/sda/dpa)

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