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Terrorismus

Massaker an Palmsonntag – «Is» reklamiert Anschläge für sich

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Blutbad in koptischer Kirche: Sicherheitskräfte untersuchen den Ort des Anschlags. Bild: KHALED ELFIQI/EPA/KEYSTONE

«IS» schlägt erneut zu – Massaker am Palmsonntag fordert über 40 Todesopfer

Kurz vor Ostern und einem Besuch des Papstes sind bei zwei Bombenanschlägen auf koptische Kirchen im Norden Ägyptens mindestens 45 Menschen getötet worden. Rund 120 wurden verletzt. Die Terrormiliz «Islamischer Staat» («IS») reklamierte die Anschläge für sich.
10.04.2017, 00:4710.04.2017, 06:17
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Wie das ägyptische Gesundheitsministerium mitteilte, starben bei der Bombenexplosion in Tanta mindestens 29 Menschen, wenige Stunden später wurden in der St.Markus-Kathedrale in Alexandria mindestens 16 weitere getötet.

Dort hatte auch das Oberhaupt der Kopten, Papst Tawadros II., Palmsonntag gefeiert. Er blieb unverletzt.

Noch Schlimmeres konnte möglicherweise verhindert werden, weil Sicherheitskräfte nach Angaben des Innenministeriums den Selbstmordattentäter von Alexandria am Betreten der St.-Markus-Kathedrale hinderten. Der Mann habe sich dann in die Luft gesprengt. Papst Tawadros II. hatte die Kirche zu dem Zeitpunkt schon verlassen, wie ein Kirchensprecher sagte.

Anders die Situation in Tanta, 120 Kilometer nördlich von Kairo: «Die Explosion ereignete sich in den vorderen Reihen, in der Nähe des Altars während der Messe», sagte Vize-Innenminister Tarek Atija der Nachrichtenagentur AFP über den Anschlag in der Mar-Girgis-Kirche.

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Die Explosion in Tanta ereignete sich in den vorderen Reihen der Kirche.Bild: KHALED ELFIQI/EPA/KEYSTONE

Ägyptische Privatsender zeigten Bilder von blutverschmierten Kirchenwänden und zerstörten Holzbänken in Tanta. Die Zahl der Toten stieg rasch von anfangs 13 auf 29, zudem wurden laut Gesundheitsministerium rund 80 Menschen verletzt. Der ägyptische Regierungschef Scherif Ismail bekräftigte als Reaktion auf den ersten Anschlag Ägyptens Willen, den «Terrorismus auszulöschen».

Der Sprecher des Aussenministeriums, Ahmed Abu Seid, erklärte, der Anschlag in Tanta sei «ein misslungener Angriff auf unsere Einheit». Das einflussreiche sunnitische al-Ashar-Institut in Kairo sprach ebenfalls von einem Versuch, die Sicherheitslage in Ägypten und «die Einheit der Ägypter zu destabilisieren».

Bereits wenige Stunden nach der Bluttat in Tanta wurde die koptische Gemeinde erneut von einem Anschlag erschüttert. Dieses Mal traf es die St.Markus-Kathedrale in Alexandria und damit den Sitz ihres Oberhauptes, Papst Tawadros II. Dabei starben 16 Menschen. Weitere 41 Menschen wurden verletzt.

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Der Anschlag in Alexandria ereignete sich auf der Strasse vor dem Eingang der Kirche: Ein Sicherheitsmann verwehrte dem Attentäter den Zutritt. Bild: STR/EPA/KEYSTONE

Zwei «IS»-Selbstmordattentäter

Die Terrormiliz «Islamischer Staat» («IS») reklamierte die Taten für sich. Zwei Selbstmordattentäter hätten die Anschläge verübt. Der «IS» drohte mit neuer Gewalt gegen Christen. Die «Kreuzzügler» und «Ungläubigen» würden mit dem Blut ihrer Söhne bezahlen, hiess es in einer Mitteilung im Namen des «Islamischen Staates», die am Sonntag über «IS»-nahe Kanäle veröffentlicht wurde.

Wie Christen in aller Welt hatten die Kopten in Tanta und Alexandria Palmsonntag gefeiert und sich damit auf das Osterfest in einer Woche vorbereitet. Die Kopten sind die grösste christliche Glaubensgemeinschaft im Nahen Osten und machen etwa zehn Prozent der 90 Millionen Einwohner Ägyptens aus. Die Minderheit sieht sich immer wieder gewaltsamen Angriffen ausgesetzt.

Im Dezember vergangenen Jahres hatte sich ein Selbstmordattentäter während einer Sonntagsmesse in der koptischen Kirche St.Peter und Paul in Kairo in die Luft gesprengt. 29 Menschen wurden damals getötet. Am Neujahrstag 2011 waren bei einem Anschlag auf Kopten in Alexandria mehr als 20 Menschen getötet worden.

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Der Anschlag trifft die christliche Gemeinde Ägyptens an einem der heiligsten Tage: Gestern war Palmsonntag und die Kirchen dementsprechend gut besetzt. Bild: MOHAMED HOSSAM/EPA/KEYSTONE

Ausnahmezustand angekündigt

Ägyptens Präsident Abdel Farrah al-Sissi kündigte nach den Anschlägen den Ausnahmezustand an. Dieser trete für drei Monate in Kraft, sobald die notwendigen verfassungsrechtlichen Schritte vollzogen seien, sagte er in einer Fernsehansprache.

Darüber hinaus werde ein Reihe von Massnahmen ergriffen. Zuvor hatte Sissi bereits den landesweiten Einsatz des Militärs angeordnet. Die Armee solle die Polizei beim Schutz von wichtigen Einrichtungen unterstützen.

Der Papst in Ägypten

Papst Franziskus wird Ägypten am 28. und 29. April besuchen. Dabei will er auch seine Solidarität mit den Kopten zum Ausdruck bringen. Nach dem ersten Anschlag vom Sonntag sprach Franziskus der koptischen Gemeinde sein Mitgefühl aus.

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Ende Monat reist Papst Franziskus nach Ägypten: Während des gestrigen Angelus-Gebetes gedachte er den Opfer des Anschlags..Bild: EPA/ANSA

«Möge Gott die Herzen derjenigen bekehren, die Terror, Gewalt und Tod säen und auch die Herzen derjenigen, die Waffen herstellen und damit handeln», sagte der Papst während des Angelus-Gebets.

EDA verurteilt Anschläge

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) äusserte am Sonntag «grosse Betroffenheit». Das EDA verurteile mit aller Schärfe die blutigen Anschläge in Ägypten, die während den Feiern zum Palmsonntag grosses Leid unter den Gläubigen verursacht hätten, heisst es in einer Stellungnahme. Das EDA drückte den Angehörigen der Opfer und den verletzten Personen sein tiefes Mitgefühl aus. (sda/afp/dpa/reu)

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