Start geglückt: Artemis II ist auf dem Weg zum Mond
So verlief der Start
Die Rakete sollte in der Nacht auf Donnerstag, am 2. April 2026 um 0.24 Uhr (Schweizer Zeit) gezündet werden. Es dauerte dann aber einige Minuten länger bis zum Ablaufen des Countdowns, dieser wurde kurzzeitig pausiert. Dann jedoch erfolgte der erfolgreiche Start. Mit zunächst über 1200 km/h war die SLS-Rakete mitsamt Kapsel auf dem Weg zum Mond.
Wer ist an Bord?
An Bord der Rakete sind die Astronauten Reid Wiseman, Victor Glover und Jeremy Hansen sowie die Astronautin Christina Koch. Das Quartett bildet in mehrfacher Hinsicht eine aussergewöhnliche Zusammensetzung.
Christina Koch
Die am 29. Januar 1979 im US-Bundesstaat Michigan geborene Nasa-Astronautin ist die erste Frau an Bord einer Mondmission. Sie studierte Physik und Elektrotechnik und arbeitete dann unter anderem als Wissenschaftlerin in der Antarktis. Koch nahm bereits an einer Langzeit-Mission zur Internationalen Raumstation ISS teil und hält mit 328 Tagen den Rekord für den längsten Weltraumaufenthalt einer Frau. Mit ihrem Mann lebt die 47-Jährige in Texas.
Reid Wiseman
Der am 11. November 1975 im US-Bundesstaat Maryland geborene Nasa-Astronaut Wiseman ist der Kommandant der «Artemis 2»-Mission. Wiseman war Teil der US-Marine und Testpilot und hat bereits eine Astronauten-Mission zur ISS absolviert. Der 50-Jährige ist Vater von zwei Töchtern, seine Ehefrau starb 2020.
Victor Glover
Der am 30. April 1976 im US-Bundesstaat Kalifornien geborene Nasa-Astronaut Victor Glover ist der erste nicht-weisse Mensch an Bord einer Mondmission. Glover studierte Ingenieurswissenschaften und hat bereits einen Einsatz an Bord der ISS hinter sich. Der 49-Jährige ist verheiratet und hat vier Töchter.
Jeremy Hansen
Der am 27. Januar 1976 in der Provinz Ontario geborene Astronaut Jeremy Hansen ist der erste Kanadier und der erste Nicht-Amerikaner an Bord einer Mond-Mission. Er hat lange als Pilot gearbeitet und war noch nie zuvor im All. Der 50-Jährige ist verheiratet und hat drei Kinder.
So sieht die Mission aus
Das Astronauten-Quartett soll den Mond innert zehn Tagen einmal umfliegen, bevor es zur Erde zurückkehrt. Der Flugverlauf gleicht insgesamt einer Acht um Erde und Mond. Die Crew soll insgesamt mehr als 2,3 Millionen Kilometer zurücklegen. Am weitesten Punkt sollen sie sich etwa 370'000 Kilometer von der Erde entfernt, etwa 7500 Kilometer hinter der erdabgewandten Seite des Mondes befinden. Von dort aus können sie dann Erde und Mond gleichzeitig sehen – und könnten sich weiter von der Erde entfernen als jemals Menschen zuvor.
Die «Orion»-Kapsel fliegt grösstenteils vollautomatisch. Zu Testzwecken sollen die Astronauten aber immer wieder auch manuell steuern. Zudem müssen sie stets alle Systeme und auch ihre eigene Gesundheit mit Hilfe zahlreicher Tests, Sensoren und Messungen überprüfen, auch für wissenschaftliche Forschungen. Auch Fotos und Analysen von Erde und Mond gehören zu ihren Aufgaben.
So geht es mit dem Artemis-Projekt weiter
Das milliardenschwere «Artemis»-Programm – benannt nach der Göttin des Mondes und Zwillingsschwester des Gottes Apollo aus der griechischen Mythologie – wurde von der Nasa 2017 verkündet. Ursprünglich sah es eine bemannte Mondlandung («Artemis 3») bis 2024 vor. Seitdem kam es aber mehrfach zu Verschiebungen.
Der neue Nasa-Chef Jared Isaacman hat die «Artemis»-Pläne kürzlich noch einmal komplett umgeschmissen. Die Mission «Artemis 3», mit der ursprünglich frühestens 2028 eine Crew auf dem Mond landen sollte, soll nun bereits im kommenden Jahr starten, aber nicht auf dem Mond landen.
Stattdessen solle die «Orion»-Kapsel sich bei dieser Mission im Weltraum mit einem oder zwei Mondlandern zusammendocken. Zudem solle es dann 2028 möglicherweise sogar gleich zwei Mondlandungsversuche geben – «Artemis 4» und «Artemis 5». Ausserdem werde eine dauerhafte menschliche Präsenz auf dem Mond anvisiert
Das sagt Trump
Der US-Präsident äusserte sich ebenfalls zum Raketenstart. Wie gewöhnlich sparte er nicht mit Superlativen: «Wir gewinnen im Weltraum, auf der Erde und überall dazwischen – wirtschaftlich, militärisch und jetzt auch über die Sterne hinaus», so Trump kurz vor dem Start auf seiner Online-Plattform Truth Social. Auch später, zu Beginn seiner Rede zum Iran-Krieg, ging Trump kurz auf die Mond-Mission ein. Er sprach vom «grossartigsten und einem noch nie gesehenen» Weltraumprojekt, welches die USA durchführen würden.
Schweizer Beteiligung an Mission
Bei der Selbstbeweihräucherung Amerikas vergass der US-Präsident, dass es sich bei der jüngsten Nasa-Mission um ein internationales Projekt handelt. Viele private Raumfahrtunternehmen und internationale Partner sind bei dem Programm involviert, darunter auch die europäische Raumfahrtbehörde Esa.
Auch die Schweiz hat für die Mission Technologie beigesteuert. Schweizer Unternehmen steuerten Komponenten zum Servicemodul der Esa bei: Die Steuermechanismen zur Ausrichtung der Solarpaneele stammen von Beyond Gravity in Zürich. Apco Technologies in Aigle VD lieferte zudem mechanische Bodengeräte, die das Servicemodul während Bau und Transport stützten, sowie die Drehplattform für die Montage des Moduls.
Neuer Wettlauf in der Raumfahrt
Für die USA symbolisiert die Rückkehr zum Mond strategisch die technologische und geopolitische Führung im Wettlauf um den Weltraum. Eine dauerhafte Präsenz dort gilt als Weg, nationale Interessen in der Raumfahrt zu sichern und internationale Kooperationen prägen zu können. US-Präsident Trump, in dessen erster Amtszeit das Programm ins Leben gerufen worden war, verbucht es auch als persönlichen Erfolg.
Schon seit Jahren gibt es einen neuen Wettlauf von Raumfahrtnationen zum Mond. Grösster Konkurrent der USA ist China mit dem Ziel, bis 2030 Menschen auf den Mond zu bringen. Auch Russland will mit Menschen auf den Mond, hat aber mit Verzögerungen wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten zu kämpfen.
(sda/dpa/val/con)
