Schwester von Lindsey Graham irritiert: Aussenpolitik ist «nicht mein Ding»
Der im Juli überraschend verstorbene republikanische US-Senator Lindsey Graham war ein fachkundiger Aussenpolitiker, dessen Expertise auch über die Parteigrenzen hinaus anerkannt war. Von seiner Schwester Darline, die von Donald Trump zu Grahams Nachfolgerin ernannt wurde, kann man das nicht behaupten – das gibt sie selbst offen zu.
Darline Graham, die nach ihrer Interimszeit als Senatorin auf Trumps Ernennung hin nun für eine volle Amtszeit als Abgeordnete South Carolinas kandidiert, sorgte bei einer Debatte mit ihrem Gegenkandidaten im Vorfeld der Stichwahl für Irritation. So fragte die Moderatorin Graham bei dem Event, ob Taiwan und das Südchinesische Meer nationale Sicherheitsfragen für die Vereinigten Staaten seien. Und wenn ja, weshalb das so sei.
Als erste Reaktion bat Graham die Moderatorin, die Frage zu wiederholen. Diese tat, wie gebeten. Daraufhin entgegnete Graham, sie wolle nun «einfach ehrlich sein». Und fuhr fort:
Sie sei keine «versierte Politikerin» auf diesem Gebiet, so die 62-Jährige weiter.
Graham hatte in ihrer bisherigen kurzen Interims-Amtszeit bereits versucht, sich thematisch von ihrem verstorbenen Bruder abzugrenzen. Sie erklärte unter anderem, dass sie sich als berufstätige Mutter mehr für familiäre Anliegen einsetzen könne. Dass sie aber im Kernfachgebiet ihres Bruders derart gravierende Wissenslücken offenbart, sorgt für erhebliche Kritik.
Nikki Haley, ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidatin und zumindest zeitweise Trump-Kritikerin, bemängelte das fehlende Geopolitik-Wissen Grahams, indem sie dieses mit jenem Lindsey Grahams verglich. «Lindsey Graham war in Sachen nationaler Sicherheit der Vereinigten Staaten bestens informiert.»
Haley unterstützt ausdrücklich Darline Grahams Gegenkandidaten Ralph Norman. Der wusste, als die Frage bei der Podiumsdiskussion an ihn weitergereicht wurde, ohne zu zögern eine Antwort. Taiwan sei definitiv ein US-Verbündeter, die USA unterhielten wichtige Handelsbeziehungen mit dem Land im Chip-Bereich. Es sei wichtig, dass Donald Trump die Inselrepublik in die Lage versetzt habe, sich gegen China militärisch zu verteidigen.
Trump selbst hält bisher an seiner Unterstützung für Darline Graham fest. Er will am Freitag eine Wahlkampfveranstaltung für sie abhalten. Die Stichwahl in South Carolina findet bereits kommenden Dienstag statt.
(con)
