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Supporters of the religious group Jamaat-e-Islami attend a rally to protest India's policy on Kashmir, in Islamabad, Pakistan, Tuesday, Aug. 6, 2019. Pakistan President Arif Alvi convened his country's parliament to discuss India's surprise actions on Kashmir. (AP Photo/Anjum Naveed)

Ein Demonstrant in Islamabad warnt vor einem Krieg im Kaschmir. Bild: AP

«Konsequenzen wären unvorstellbar» – Angst vor Krieg zwischen Indien und Pakistan wächst



Im Konflikt um Kaschmir hat Pakistan die internationale Gemeinschaft zum Eingreifen aufgefordert. Diese müsse handeln, um eine Katastrophe zu verhindern, sagte Ministerpräsident Imran Khan bei einer Sondersitzung des Parlaments in Islamabad.

Die indische Regierung hatte am Montag ein Dekret vorgelegt, das den Sonderstatus der von beiden Ländern beanspruchten indischen Kaschmirregion aufhebt. Damit droht sich der Konflikt zwischen den beiden Atommächten zu verschärfen.

«Unvorstellbare Konsequenzen»

Khan sagte am Dienstag, das indische Vorgehen könne Gewalt in der Region auslösen, die zu Zusammenstössen zwischen den beiden Nuklearmächten führen könnte. «Die Konsequenzen wären unvorstellbar.» Islamabad werde das Thema in allen globalen Foren ansprechen, darunter im Uno-Sicherheitsrat. Man wolle zudem prüfen, vor den Internationalen Gerichtshof zu gehen.

Der Konflikt im Himalaya-Gebiet dauert bereits mehr als 70 Jahre. Seitdem Britisch-Indien im Jahr 1947 unabhängig und in Indien und Pakistan geteilt wurde, streiten die beiden Länder um die gesamte Herrschaft über Kaschmir, zwei Kriege wurden deswegen bereits geführt.

Beide Atommächte beherrschen je einen Teil von Kaschmir, ein weiterer Teil gehört zu China. Peking rief Indien am Dienstag auf, sich an relevante bilaterale Abkommen zu halten, wie das chinesische Aussenministerium mitteilte.

Umorganisation angekündigt

Der per Dekret gestrichene Artikel 370 der indischen Verfassung garantierte dem indischen Teil Kaschmirs bisher unter anderem eine eigene Verfassung, eine eigene Flagge und weitgehende Kompetenzen mit Ausnahme der Aussen- und Verteidigungspolitik sowie der Telekommunikation.

Nicht-Kaschmirern war es bislang verboten, permanent in der Region zu leben, Land zu kaufen oder für die Verwaltung zu arbeiten. Indiens Innenminister Amit Shah kündigte an, der Staat Jammu und Kaschmir werde nun umorganisiert. Das Gebiet solle gespalten werden.

Shah bezeichnete die umstrittene Entscheidung am Dienstag im Parlament in Neu-Delhi als «historisch». Die Neuregelung solle «mit goldenen Worten in die indische Geschichte geschrieben werden», sagte er. Indien will die mehrheitlich von Muslimen bewohnte Region damit stärker in das mehrheitlich hinduistische Land integrieren.

epa07757402 Indian Home Minister Amit Shah (C) arrives at Parliament House prior to his address to both Houses of Parliament following a cabinet meeting at Prime Minster Narendra Modi’s residence in New Delhi, India 05 August 2019. Prime Minister  Modi held a crucial Cabinet meeting as political leaders in Jammu and Kashmir have been put under house arrest and section 114 has imposed in a bid to control the situation by the government.  EPA/STR

Amit Shah: Der indische Innenminister kündigte an, Jammu und Kaschmir umzubauen. Bild: EPA

Indischen Medienberichten zufolge traf sich der Staatssekretär im indischen Aussenministerium Vijay Gokhale mit Diplomaten der ständigen Mitgliedsländer des Uno-Sicherheitsrats, um das Vorgehen zu erklären.

Weder Internet noch Telefon

Gleichzeitig setzt die indische Regierung weiter auf harte Massnahmen, um Proteste gegen die Entscheidung zu verhindern. Viele der rund sieben Millionen Einwohner des Kaschmir-Tals haben seit Sonntagabend keinen Zugang zu Internet und Fernsehen. Sie können auch nicht telefonieren.

Viele Menschen von ausserhalb versuchten verzweifelt, ihre Angehörigen zu erreichen. «Wir wissen nicht, wie es unseren Familienangehörigen geht und was dort vor sich geht», sagte ein Student der Deutschen Presse-Agentur. «Das macht mir am meisten Angst.»

Indien hat Hunderttausende Soldaten in die Region geschickt, die die Bewegungsfreiheit der Bewohner einschränken. Es gilt ein Versammlungsverbot. Sicherheitskräfte nahmen drei Politiker aus Kaschmir fest.

Das pakistanische Militär erklärte am Dienstag, es unterstütze die Ablehnung der indischen Aktionen durch die Regierung in Islamabad. Armee-Chef Qamar Bajwa sagte, die Armee stehe den Kaschmiris in ihrem «gerechten Kampf» bis zum Ende fest zur Seite.

«Verpflichtungen erfüllen»

«Wir sind bereit und werden alles tun, um unsere diesbezüglichen Verpflichtungen zu erfüllen.» Allerdings führte er seine Kommentare nicht weiter aus.

Pakistanische Analysten hatten Zweifel daran geäussert, dass Islamabad angesichts einer massiven Wirtschaftskrise im Land und diplomatischer Isolation wegen wiederkehrender Vorwürfe, islamistische Extremisten zu unterstützen, genügend Spielraum für eine machtvolle Antwort hat.

Beide Häuser des indischen Parlaments billigten am Montag und Dienstag den Gesetzesentwurf und eine Resolution zum präsidentiellen Dekret. Allerdings zweifeln einige Rechtsexperten, ob das Vorgehen bei der Streichung des Sonderstatus korrekt ist. Die Angelegenheit könnte vor dem Supreme Court landen, heisst es.

Auch die EU verfolgt die Entwicklung in Jammu und Kaschmir. «Unsere wichtigste Botschaft ist, dass es sehr wichtig ist, eine Eskalation der Spannungen in Kaschmir und in der Region zu vermeiden», sagte ein Sprecher der Europäischen Kommission am Dienstag in Brüssel. Uno-Generalsekretär Antonio Guterres hatte am Montag alle Parteien - Indien, Pakistan und Kaschmir -zu Zurückhaltung aufgefordert. (sda/dpa)

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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Heinz Maag 07.08.2019 18:12
    Highlight Highlight Überall wo England dahinter steckt oder Länder die Koloniesiert waren von England gibt es probleme. Für mich ist England und die USA die Hauptprobleme für die Kriege fast überall....
  • Fredz 07.08.2019 08:22
    Highlight Highlight Das im Artikel als Teil Chinas bezeichnete Gebiet Aksai Chin gehört nicht zu China, sondern zu Tibet. China ist sowohl in Aksai Chin, alsauch in Tibet Besatzungsmacht. Beide sind NICHT Teil Chinas.
  • Driver7 07.08.2019 07:44
    Highlight Highlight Die Dummheit der Menschen und Arroganz von politischen Führer ist grenzenlos. Hat die Menschheit wirklich nichts aus den beiden Weltkriegen gelernt? So nach dem Motto politische Diskussion statt Zwang..
  • rodolofo 07.08.2019 06:51
    Highlight Highlight Ach ja, nicht gut, dass ihr mich daran erinnert:
    Die "braunen Männer" (die sind auch äusserlich braun!) können auch verrückt spielen, wenn sie im Imponiergehabe/Kampf-Modus sind.
    Oh Mann! Hätten wir Dich nicht, dann hätten wir einen anderen...
  • Sergio Colleoni 07.08.2019 05:21
    Highlight Highlight Problem in Kaschmir? Töss, Spreitenbach.... immer dasselbe
  • max julen 07.08.2019 01:48
    Highlight Highlight "President Trump offered to mediate on Kashmir."

    ja super, keinen unfähigeren diplomaten gefunden?
    der würde wieder nur eigene ziehle verfolgen!
    wer weiss, jemand braucht sicher noch waffen...
  • Markus97 07.08.2019 00:57
    Highlight Highlight Ich habe das Gefühl wir gehen gerade auf ganz, ganz schlechte Zeiten zu....
  • olmabrotwurschtmitbürli aka Pink Flauder 07.08.2019 00:21
    Highlight Highlight Ich bin mir nicht sicher, ob nebst der Kashmir-Region die buddhistischen Ladakhi und die Hindus in Jammu das auch so toll finden.

    Das ist eine atemberaubend schöne Region und die relative Souveränität hat der Region sicher nicht geschadet (auf die von der neuen Regelung mitbetroffenen Territorien Jammu und Ladakh bezogen).

    Und die hohe Militärpräsenz war schon bislang nervig...
  • Posersalami 07.08.2019 00:16
    Highlight Highlight Auf keinen Fall kann ein Anschluss an das eine, oder an das andere Land friedlich von statten gehen. Die Teilung hat man jetzt ausprobiert und ist offensichtlich mit dieser Lösung krachend gescheitert. Kaschmir sollte ein eigenständiger, neutraler Staat werden. Dann sollen die Leute dort selbstbestimmt ihre Probleme lösen, möglichst ohne Einfluss von aussen. Wenn sie bis jetzt autonom waren, haben sie vermutlich fast alle Institutionen dazu schon etabliert.
    • Maracuja 07.08.2019 08:40
      Highlight Highlight @Posersalami: Kaschmir sollte ein eigenständiger, neutraler Staat werden

      Mal abgesehen davon, dass die wirtschaftlichen Voraussetzungen für einen eigenständigen Staat nicht berauschend sind, will das die mehrheitlich muslimische Bevölkerung von Kaschmir überhaupt? Die bevorzugen wohl eher den Anschluss an Pakistan. Während die buddhistische und hinduistische Minderheit weder in einem unabhängigen mehrheitlich muslimischen Kaschmir leben noch einen Anschluss an Pakistan will.
  • Ruffy 06.08.2019 23:44
    Highlight Highlight Indien schafft tatsachen und trotz grossem geschrei von seiten pakistan wissen am ende alle, dass pakistan deswegen keinen krieg mit indien beginnt, dass wäre sein ende und das niemals wert.
  • ConcernedCitizen 06.08.2019 23:37
    Highlight Highlight Die EU verfolgt die Entwicklung und kommentiert Floskeln: interessiert genau niemanden! Leider...
  • Glenn Quagmire 06.08.2019 23:28
    Highlight Highlight Pakistan ist ja prinzipiell ein Schurkenstaat.
  • Lukas Aurelius 06.08.2019 23:19
    Highlight Highlight
  • Don Harrison 06.08.2019 22:59
    Highlight Highlight Make Peace, No War.....❤
  • K1aerer 06.08.2019 22:50
    Highlight Highlight Auf einer Seite ist es verständlich, dass ein Gliedstaat keine separate Verfassung (wenn dann untergeordnet) zum Mutterland hat, ansonsten ist es einfach unfair gegenüber anderen Staaten, die nicht mal eine eigene, untergeordnete Verfassung haben dürfen. Aber wiederum ist Kashmir ein Fall für sich. Eigentlich wäre es am besten, wenn Kashmir in Unabhängigkeit zu lassen oder zumindest per Referendum abstimmen zu lassen.
    • ninolino 06.08.2019 23:17
      Highlight Highlight Der Ausgang eines Referendums dürfte aufgrund der aktuellen Bevölkerungsstruktur im Kashmir weder Indien und China noch der USA und ihren Vasallen gefallen.
      Darum auch die Aufhebung des Sonderstatus, Delhi will die Mehrheiten vor einem eventuellen Referendum in richtung der eigenen Interessen verschieben.
    • K1aerer 07.08.2019 08:07
      Highlight Highlight Ich denke auch, dass die BJP geführte Regierung das Ziel hat, die Demographie zu ihren zugunsten zu ändern. Auf der anderen Seite ist die Frage, für den Binnenschutz des Bundesstaates kam der Bundesstaat selber nicht auf, sondern nahm gerne das Geld der Zentralregierung in Anspruch. Ich hoffe, dass es für die Region baldmöglichst eine friedliche Lösung gibt, die Nicht-Kashmiris scheinen sich schon jetzt die Hände zu reiben.

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