Trumps Pläne für die Briefwahl – Whistleblower spricht von «potenziellem Massenausschluss»
Donald Trump und seinen MAGA-Republikanern droht im Hinblick auf die Midterms, den Zwischenwahlen in den USA, eine herbe Niederlage. Das suggerieren zumindest die Umfragen, und zwar in einer ungewöhnlichen Deutlichkeit (siehe Box). Diese wäre für die Durchsetzungsfähigkeit des US-Präsidenten womöglich verheerend: Würden die Republikaner die Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus verlieren, droht Trump vorzeitig zur lahmen Ente zu werden.
Seit Monaten kursieren aufgrund dieser Ausgangslage vor allem im demokratischen Lager Befürchtungen, dass der nicht gerade als Freund der fairen Demokratie bekannte US-Präsident bei den Wahlen versuchen könnte, Einfluss zu seinen Gunsten zu nehmen.
Bekannt ist seit längerem, dass dem Lager des US-Präsidenten die Briefwahl in den USA ein Dorn im Auge ist. Aus diesem Grund versucht es, diese umzukrempeln. Die offizielle Begründung der US-Regierung ist, dass mittels eines neuen Systems, bei der die US-Post eine zentrale Rolle spielt, Wahlbetrug verhindert werden soll. Kritiker sehen vielmehr den Versuch, den Zugang zur Briefwahl, die vor allem bei demokratischen Wählenden beliebt ist, zu erschweren.
Whistleblower wirft neues Licht auf Postpläne
Nun wirft ein Bericht eines Whistleblowers bei der Post ein zwiespältiges Licht auf diese Systemumstellung. Konkret geht es darum, dass die Briefwahl zentralisiert werden soll. Bisher war die Durchführung dieser Sache der US-Bundesstaaten. Die Trump-Regierung will nun, dass die Bundesstaaten der US-Post, einer nationalen Institution, Listen ihrer Briefwähler zukommen lassen müssen und die Gestaltung der Unterlagen von der Post abgesegnet werden muss.
Zudem soll die Post Wahlzettel dann wiederum nur an Wählerinnen und Wähler versenden, die in einem Staat in einem spezifischen Wählerverzeichnis registriert sind. Gibt es Abweichungen zwischen den Daten im System und jenen auf den Wahlumschlägen, würden diese gar nicht erst zugestellt.
Um die Systemumstellung, und insbesondere darum, dass diese innert kürzester Zeit umgesetzt werden soll, tobt bereits seit Wochen ein Rechtsstreit. Zuletzt hatte eine US-Bundesrichterin die Regierungspläne gestoppt, weil es sich dabei um «eine wahrscheinlich verfassungswidrige Regelung, deren Einhaltung im Hinblick auf die Zwischenwahlen 2026 praktisch unmöglich ist», handle. Die Trump-Regierung hat die Entscheidung umgehend angefochten und vor die nächste Instanz gezogen.
Tatsächlich ist die Zeit knapp: Bereits in wenigen Tagen sollen in den ersten Bundesstaaten Wahlunterlagen verschickt werden. Und wie der Post-Whistleblower nun aufzeigt, ist äusserst fraglich, ob diese bereit für die Umsetzung des neuen Regimes, das in der Behörde nach Trumps entsprechendem Erlass im März dieses Jahres bereits angelaufen war, ist.
Der Bericht, der von Anwälten des Whistleblowers verfasst und durch den demokratischen Senator Richard Blumenthal veröffentlicht wurde, offenbart, dass es postintern erhebliche IT-Bedenken gibt und bezüglich der Umstellung «Chaos» herrsche, wie CNN berichtet.
Laut dem anonymen Whistleblower wurden zudem einige Massnahmen, die Donald Trump angeordnet hatte, der Öffentlichkeit vorenthalten. Diese würden einen «ohnehin schon komplizierten und riskanten Plan noch anfälliger für einen potenziellen Massenausschluss von Wählern machen», heisst es in dem Bericht. Und weiter:
Kritisiert wird konkret die extrem kurze Testphase nach der IT-Implementierung des neuen Systems: Die IT-Teams hätten (weil einige Staaten in Kürze bereits mit dem Unterlagenversand beginnen) teils weniger als eine Woche Zeit gehabt, um zu testen, ob das System funktioniert. Grundsätzlich sollte das neue Portal für Wählerabgleichung und Versand ab Mittwoch (Schweizer Zeit) betriebsbereit sein.
Auch sich ständig ändernde Pläne bei der Umstellung, nicht schriftlich festgehaltene Vorgaben und eine generelle Rücksichtslosigkeit bei der Umstellung werden vom Whistleblower moniert. Zahlreiche Personen würden intern von einem «Chaos» sprechen.
Der Whistleblower befürchtet, dass das unerprobte System gravierende Folgen haben könnte: Sollte es bereits bei kleinen Diskrepanzen zwischen Wahlliste und Adresse den Versand stoppen, könnten zehntausende Stimmzettel verzögert oder gar nicht versandt werden. Dies wäre insbesondere problematisch, weil die Stimmzettel teils in Filialen stapelweise gescannt würden: Blockiere beispielsweise das System den obersten Brief wegen einer Diskrepanz, würde ein ganzer Stapel vorerst nicht verschickt.
Post spielt Bedenken herunter
Die Post versuchte, den Bericht in einer Stellungnahme zu relativieren. Ein Sprecher gab an, dass die Umstellung des Zustellungsystems seit Monaten vorbereitet werde und dass diese «stets im Einklang mit richterlichen Anordnungen» durchgeführt würden. Man habe unabhängig von Parteizugehörigkeit oder politischer Perspektive der Menschen nur ein Ziel; die sichere Behandlung und zuverlässige Zustellung von Wahlunterlagen. Der Sprecher erklärte allerdings, dass man die im Whistleblower-Bericht geäusserten Bedenken «sorgfältig prüfen» werde.
Wie die Registrierung und die anschliessende Stimmabgabe ablaufen, unterscheidet sich je nach Bundesstaat erheblich. Auch die Anforderungen an die Identifikation sind unterschiedlich: Einige Bundesstaaten verlangen bei der Stimmabgabe einen bestimmten amtlichen Ausweis, während in anderen Staaten andere Formen der Identifizierung ausreichen oder gar kein Ausweis vorgelegt werden muss.
Bürgerrechtsorganisationen und die Demokraten kritisieren insbesondere strenge Ausweispflichten, weil bestimmte Bevölkerungsgruppen – etwa Menschen mit niedrigem Einkommen, ältere Menschen oder Studierende – seltener über die jeweils akzeptierten Dokumente verfügen und dadurch teilweise vom Wählen ausgeschlossen werden. Donald Trump und viele Republikaner argumentieren dagegen, dass strengere Identitäts- und Registrierungsvorschriften Wahlbetrug erschweren. Es gibt allerdings keine Belege, dass das jetzige System in der Vergangenheit zu ergebnisbeinflussenden Unregelmässigkeiten geführt hatte.
Von demokratischer Seite gibt es nach der Publikation des Whistleblower-Berichts weiter Kritik an Trumps Briefwahl-Reform und an der Umsetzungsbereitschaft bei der Post. Cisco Aguilar, Staatssekretär von Nevada, erklärte gegenüber CNN:
Die Briefwahl wird traditionell stärker von demokratischen Wählern genutzt. Trump moniert seit Jahren, dass durch Sicherheitlslücken bei der Briefwahl auch Nicht-Stimmberechtigte, wie illegale Einwanderer, abstimmen könnten. Es gibt zwar vereinzelte Fälle wie in New Jersey 2024, in denen durch Software-Fehler Nicht-Stimmberechtigte als Wähler registriert wurden, allerdings gibt es keine Belege, dass es jemals zu einer gross angelegten und beabsichtigten Verfälschung gekommen ist.
Bis heute behauptet der US-Präsident, dass die Präsidentschaftswahl 2020, als er Joe Biden deutlich unterlag, manipuliert gewesen sei. Es gibt dafür aber ebenfalls keinen Beleg, mehrere Untersuchungen kamen zum Schluss, dass die Wahlen damals fair abgelaufen sind.
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