Japan schwitzt – und die Laserkliniken boomen
Die Hitzewelle verschont auch Japan nicht. Deshalb gehen immer mehr Männer neuerdings in Shorts zur Arbeit. Lange Zeit war es jedoch üblich, selbst im Hochsommer mit Jackett und Krawatte im Büro zu erscheinen. Seit Kurzem dürfen Angestellte in Tokio nun auch kurze Hosen und T-Shirts tragen.
Die Lockerung ist eine Erweiterung der Cool-Biz-Kampagne, die Tokios Gouverneurin Yuriko Koike 2005 als damalige japanische Umweltministerin ins Leben rief. Damals wurde der Zwang zu Jackett und Krawatte während der heissen Sommermonate abgeschafft. Ziel der Kampagne war es, den Energieverbrauch zu senken und den Klimawandel zu bekämpfen, indem Büros nur noch auf maximal 28 Grad gekühlt werden.
Shorts sorgen für Kritik
Die neu zugelassenen Shorts gefallen aber nicht allen. Während einige die luftige Kleidung als angenehm empfinden, sehen andere ein Ungleichgewicht bei den Geschlechtern. Frauen müssen nämlich immer noch Strumpfhosen tragen, wenn sie ihre Beine zeigen. Einige stören sich auch an der entblössten Beinbehaarung der Männer und fühlen sich unbehaglich. Eine Umfrage der Gorilla Clinic vom Juni ergab, dass 53,5 Prozent der Befragten gegen das Tragen von Shorts zur Arbeit sind, während 46,5 Prozent sich für die neue Empfehlung aussprechen, schreibt die BBC.
Gegen die Shorts spricht demnach vor allem die Beinbehaarung. Besonders Frauen fühlen sich durch die nackten Männerbeine gestört. Der Umstand der sozialen Etikette veranlasst nun viele Japaner, sich die Beinhaare weglasern zu lassen.
Japans Problem mit Haaren
In Japan sind Haare an der falschen Stelle unerwünscht. Wer seine Haare so lässt, wie sie sind, riskiert, als nachlässig und undiszipliniert dazustehen. Dies, weil reine, glatte Haut als Schönheitsideal gilt. Dazu kommt, dass viele Menschen in Japan genetisch weniger starke Körperbehaarung haben als Menschen aus manchen anderen Regionen der Welt. Dadurch fallen stärkere Körperhaare eher auf.
Dass die Japanerinnen und Japaner ein Problem mit Körperbehaarung haben, zeigt auch der Umstand, dass schon Kinder zum Enthaaren geschickt werden. Beim Haarentfernungsstudio Dione im Tokioter Bezirk Shinjuku gibt es für die kleinen Kunden sogar extra ein Kinderzimmer mit Spielzeug, schreibt der Tages-Anzeiger. Auf der Website wird damit geworben, dass auch 3-Jährigen zu haarloser Schönheit verholfen wird. In einem Monat werden dort bis zu 30 Kinder behandelt. Dies passt zum Trend: Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Marketing Center ist der Trend zur Kinderenthaarung in Japan deutlich gestiegen.
Zu empfehlen ist dies aber nicht. Gemäss Experten liegt das Mindestalter zur Haarentfernung bei 15. In diesem Alter sind die hormonellen Schwankungen der Pubertät etwas abgeklungen. Die Haut von Kindern ist zudem dünn und sensibel.
(kek)
