Die «Odyssey» versinkt noch vor dem Kinostart in Drama – eine Übersicht
«The Odyssey» ist der Sommer-Blockbuster des Jahres. Regisseur Christopher Nolan verfilmt das griechische Epos von Homer. Der mit einem Budget von 250 Millionen Dollar produzierte Blockbuster ist der erste Film in Nolans Karriere, der vollständig mit 70-mm-IMAX-Kameras gedreht wurde.
Matt Damon spielt Odysseus, einen griechischen König, der sich auf eine lange Heimreise voller aussergewöhnlicher Hindernisse begibt, um zu seiner furchtlosen und treuen Frau Penelope (Anne Hathaway) zurückzukehren. Die Starbesetzung wird vervollständigt durch Tom Holland als Telemachos, Robert Pattinson als Antinoos, Lupita Nyong'o als Helena, Zendaya als Athene, Charlize Theron als Kalypso, Jon Bernthal als Menelaos und Benny Safdie als Agamemnon.
Noch vor der Premiere kam es immer wieder zu Kontroversen rund um den Trailer und den Cast. Ein Überblick.
Lupita Nyong'o als Helena
Die Oscargewinnerin Lupita Nyong'o spielt in «The Odyssey» Helena. Helena ist in der griechischen Mythologie die Tochter von Zeus und Leda und galt als die schönste Frau ihrer Zeit. Ihre Entführung durch den Prinzen Paris löste den Trojanischen Krieg aus.
Die Kritik, dass Nolan Nyong'o gecastet hat, stammt hauptsächlich aus der rechten Ecke und der Manosphere. Diese regten sich darüber auf, dass die schöne Helena von einer Schwarzen gespielt wird. Auch Elon Musk gab auf X seine Meinung dazu. Unter dem Post des konservativen Kommentators Matt Walsh, der schrieb, dass «niemand auf dieser Welt denkt, dass Lupita Nyong'o die schönste Frau auf der Welt ist, und Christopher Nolan weiss, dass er als Rassist beschimpft wird, wenn er die Rolle einer weissen Frau gibt», antwortete Musk mit: «Du hast recht».
Weiter schrieb Musk, dass Nolan die Herkunft der Charaktere geändert habe, «weil er die Awards möchte».
Alles, was Nyong'o dazu zu sagen hat, ist: «Unsere Besetzung spiegelt die Welt wider. Ich verbringe meine Zeit nicht damit, mir eine Verteidigung auszudenken. Die Kritik wird es geben, egal ob ich mich damit auseinandersetze oder nicht. Es ist eine mythologische Geschichte.»
Travis Scott als Poet
Schon im frühen Promotionsmaterial für den Film war Travis Scott zu sehen. Eine Casting-Entscheidung, die online für viel Diskussion sorgte, da viele Nolan-Fans finden, dass der Rapper nicht in ein historisches Epos passe. Scott spielt einen Poeten, der Storys über Helden überliefert.
Gegenüber dem Time Magazine verteidigte Nolan seine Entscheidung: «Ich habe ihn gecastet, weil ich damit auf die Vorstellung anspielen wollte, dass diese Geschichte als mündlich überlieferte Poesie weitergegeben wurde, was mit Rap vergleichbar ist.»
Scott hatte zuvor bereits mit Nolan an dessen Film «Tenet» zusammengearbeitet, für den er den Song «The Plan» geschrieben hatte.
Elliot Page als Achilles?
Lange war nicht klar, welche Rolle Elliot Page in dem Epos übernimmt. Es kursierten Gerüchte, dass Page für die Rolle des Achilles gecastet worden sei, was im Internet für Kritik sorgte. Wieder äusserte sich Musk dazu und nannte es «das Dümmste und Verrückteste, was ich je gehört habe».
«Wir sind von Brad Pitt zu einem Mädchen gekommen, das sich wie ein Mann kleidet, 152 Zentimeter gross ist und 53 Kilo wiegt», sagte Newsmax-Moderator Rob Finnerty in einer transphoben Tirade in seiner Sendung und bezog sich dabei auf Pitts Rolle als Achilles im Film «Troja». «Das ist die Person, die den grössten Krieger der Geschichte spielen wird, denn für die Linken ist das normal.»
Page spielt aber überhaupt nicht Achilles. Er stellt Sinon, einen griechischen Soldaten, der die Idee mit dem Trojanischen Pferd hatte, dar.
Die Sprache
Als der erste Trailer veröffentlicht wurde, wurden Fans schnell darauf aufmerksam, dass Tom Hollands Figur «Dad» sagt. Das war für viele zu modern für eine Geschichte, die vor über 3000 Jahren geschrieben wurde, und es hagelte Kritik.
Was viele nicht wissen: Nolans Adaption basiert auf der Übersetzung von Emily Wilson. Wilson ist die erste Frau, die «The Odyssey» ins Englische übersetzt hat, und sie setzt darin bewusst auf «moderne» Sprache und benutzt keine altmodischen Wörter wie andere Übersetzungen. Gegenüber The New York Times Magazine erklärt Wilson, dass «Homer für die Griechen nicht altmodisch klang» und sie sich deshalb entschied, keine altmodische Sprache zu verwenden.
Auch Tom Holland äusserte sich kürzlich in einem Interview dazu. Er meinte: «Damals hätte ich sowieso nicht ‹Vater› gesagt, es wäre ohnehin auf Griechisch gewesen.»
Hier kannst du den Trailer schauen:
Kritik am Kostümdesign
Als im Dezember der erste Trailer herauskam, hat dieser wieder die altbekannte Debatte über historische Genauigkeit angestossen. Leute kritisierten, dass die Rüstung von Benny Afdies Figur Agamemnon wie die von Batman aussehe.
«Ich hatte keine Ahnung, dass die alten Griechen Batman-Helme trugen und in Wikingerschiffen segelten. Mal im Ernst, wie schwer ist es denn, sich am Original zu orientieren?», ist laut IGN der Kanon unter dem Trailer.
Ein anderer Nutzer meinte, es gehe eigentlich gar nicht darum, der Geschichte treu zu bleiben, sondern um etwas anderes: «Ich glaube, das Problem, das die Leute damit haben, ist nicht wirklich die historische Genauigkeit, sondern eher, dass die Kostüme verdammt langweilig aussehen.» Auch auf Reddit sind viele dieser Meinung.
Nolan verteidigte die Kostüme in einem Interview mit Time Magazine und erklärte, wieso Agamemnons Rüstung schwarz sei:
Die Zeitschrift Greek Reporter berichtete noch über weitere Ungereimtheiten:
- Odysseus' Rüstung stammt aus der falschen Ära
- Die Helme waren damals vorne offen
- Die Schiffe im Film sind nur zu einem bestimmten Grad akkurat: Es fehlen wichtige Details
Keine Griechen in der griechischen Saga
Musks Aufschrei nach «Authenzität» setzt an der falschen Stelle an. Denn kürzlich wurde zum Cast eine weitere, berechtigtere Kritik laut: In dieser Verfilmung der griechischen Saga wurden keine Griechinnen und Griechen eingestellt.
Mit einem offenen Brief wenden sich die Griechen an das Team von Christopher Nolan:
Sie fordern Nolan – und mit ihm die gesamte Filmindustrie – auf, dass die heute lebenden Griechen nicht vergessen gehen, wenn ihre Geschichten auf internationaler Bühne nacherzählt werden.
Hollywood-Stars mit griechischen Wurzeln gibt es einige. Um nur einige zu nennen: Theo James, Jennifer Aniston, Hank Azaria, Tina Fey, Ralph Macchio und Dave Bautista.
Nolan hat sich zum Brief der Griechinnen und Griechen bisher nicht geäussert.
Horrende Ticketpreise bei Reselling-Plattformen
Ein ganzes Jahr vor dem Kinostart startete der Vorverkauf für Tickets für IMAX-70mm-Vorführungen in den USA. Innerhalb nur einer Stunde waren die Tickets laut The Hollywood Reporter ausverkauft und über Reselling-Plattformen zu horrenden Preisen angeboten. Kinotickets, die zwischen 25 und 28 US-Dollar (20 bis 22 Franken) kosteten, wurden auf Ebay für über das Zehnfache angeboten. Zu diesem Zeitpunkt waren die Dreharbeiten für «The Odyssey» immer noch in vollem Gange.
«The Odyssey» läuft ab dem 16. Juli in den Schweizer Kinos.
