Teilzeit-Männer sind auf dem Vormarsch – das steckt dahinter
In der Schweiz spielt sich ein Jobwunder ab. Im zweiten Quartal zählte sie 2,0 Prozent oder 112'000 mehr Beschäftigte als ein Jahr zuvor. Das teilte das Bundesamt für Statistik (BFS) mit. Diese Zahl wuchs damit etwa doppelt so schnell wie die Bevölkerung. Zudem meldeten die Unternehmen 2,7 Prozent mehr offene Stellen als im Vorjahr und schätzten die künftige Situation positiv ein. Das sind gute Nachrichten für Arbeitnehmende. Doch nicht überall zeigt sich der Boom gleich stark.
Verteilung nach Regionen
Im Jahresvergleich nahm die Zahl der Beschäftigten – umgerechnet in Vollzeitäquivalente (VZÄ) – in der Zentralschweiz am stärksten zu mit einem Plus von 3,2 Prozent auf neu 441'000 Beschäftigte. Unter dieser Region fasst der Bund die Kantone Luzern, Nid- und Obwalden, Schwyz, Uri und Zug zusammen. Danach folgten die Genferseeregion (Kantone Genf, Waadt und Wallis) mit einem Plus von 2,7 Prozent und die Ostschweiz (beide Appenzell, Glarus, Graubünden, St.Gallen, Schaffhausen und Thurgau) von 1,8 Prozent. Auch der Kanton Zürich legte um 1,8 Prozent zu.
Ebenfalls überdurchschnittlich wuchs die Zahl der Beschäftigten in der Stadt Zürich, für die als einzige Gemeinde eigene Zahlen zur Verfügung stehen. Dort nahm die Zahl der Vollzeit-Stellen um 2,2 Prozent auf 424'000 zu. Das Aus der Credit Suisse und der damit verbundene Job-Abbau sind damit überwunden, die Zahl entspricht einem neuen Höchststand.
Etwas weniger stark war das Wachstum in der Region Espace Mittelland mit den Kantonen Bern, Freiburg, Jura, Neuenburg und Solothurn. Hier resultierte ein Plus von 1,4 Prozent, genauso wie in der Nordwestschweiz mit beiden Basel und dem Kanton Aargau. Als einzige Region verzeichnete der Kanton Tessin einen leichten Rückgang um 0,2 Prozent.
Wie sieht es im Langzeitvergleich aus?
In den vergangenen 10 Jahren wurden prozentual in keiner Region mehr Vollzeitstellen geschaffen als in der Genferseeregion. Dort nahm die Zahl um 22,6 Prozent zu auf 905'000. Ebenfalls ein starkes Wachstum verzeichneten die Zentralschweiz sowie Stadt und Kanton Zürich. Vergleichsweise wenige neue Beschäftigte generierten die Arbeitgeber in der Region Espace Mittelland.
In absoluten Zahlen führt ebenfalls die Genferseeregion, wo seit 2016 knapp 167'000 Vollzeitjobs geschaffen wurden. Danach folgt der Kanton Zürich mit einem Plus von 134'000 – davon mit 69'000 über die Hälfte in der Stadt Zürich – und die Region Espace Mittelland mit 82'000 neuen Vollzeitstellen.
Welche Branchen schufen Jobs?
Im vergangenen Jahr wurden viele Temporärstellen geschaffen. In der Wirtschaftsabteilung «Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften» resultierte ein Plus von über 20'000 Vollzeitjobs. Temporärmitarbeitende sind hier eingerechnet, wenn sie beim Personalverleiher selbst angestellt sind. Zudem zählen auch Angestellte, die sich mit Personalsuche und -vermittlung beschäftigen und Headhunter dazu.
Ebenfalls viele Stellen geschaffen wurden etwa bei Reinigungsfirmen, Sicherheitsdiensten oder für Sekretariatsdienste – Tätigkeiten, die der Bund unter «Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen» zusammenfasst. Die Gastronomie und das Gesundheitswesen zählten ebenfalls zu den Jobmotoren.
Interessant ist die Entwicklung im Finanzbereich: Trotz Aus der Credit Suisse und Abbau bei der UBS resultierte wieder ein leichtes Plus im Bereich der «Erbringung von Finanzdienstleistungen».
Schlecht sieht die Stellensituation hingegen aus im Bereich der IT. Hier dürften auch Rationalisierungen durch den vermehrten Einsatz von künstlicher Intelligenz eine Rolle spielen. Innert Jahresfrist gingen über 3'000 Vollzeitstellen verloren. Rückläufig war die Zahl der Stellen auch bei Versicherungen, in der Telekommunikation und in der Hotellerie.
Wie steht es um Voll- und Teilzeit?
Seit gut zwei Jahren arbeiten erstmals über eine Million Frauen in der Schweiz Vollzeit, was vom Bund als Pensum von mindestens 90 Prozent definiert wird. Dieser Wert ist in den vergangenen 30 Jahren um 29,4 Prozent gestiegen, während die Zahl der Vollzeit arbeitenden Männer um 18,4 Prozent auf 2,3 Millionen Menschen zunahm.
Die Zahl der Teilzeit arbeitenden Männer ist seit 1996 um 118,4 Prozent auf 759'000 gestiegen, jene der Teilzeit arbeitenden Frauen um 93,9 Prozent auf 1,6 Millionen. Zuletzt zeigte sich allerdings ein rasanter Anstieg bei den Männern. Im vergangenen Jahr stieg der Teilzeit-Anteil bei ihnen um 4,6 Prozent, während bei den Frauen ein Plus von 2,5 Prozent resultierte.
Dennoch: Der Regelfall ist mit weitem Abstand immer noch der Vollzeit arbeitende Mann und die Teilzeit arbeitende Frau.
Grosse Firmen werden wichtiger
Die Schweiz gilt als Land der kleinen und mittleren Unternehmen. Allerdings werden die grossen Firmen auf dem Arbeitsmarkt immer wichtiger. Im Jahr 2024 vereinten Firmen mit mindestens 250 Mitarbeitenden 21,4 Prozent aller Vollzeitstellen auf sich. Das sind über zwei Prozentpunkte mehr als zehn Jahre zuvor.
Dieses Phänomen zeigt sich insbesondere in den Städten. In der Stadt Zürich nahm die Zahl der grossen Firmen in dieser Periode beispielsweise um 40 auf 214 zu. Gemeinsam vereinten sie 139'000 Vollzeitstellen auf sich. Das sind 35,5 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor.
Die Zahl der Firmen mit weniger als zehn Beschäftigten stieg im gleichen Zeitraum um 3'700 auf knapp 42'000, sie vereinten zuletzt aber nur rund 76'000 Vollzeitstellen auf sich – ein vergleichsweise schwaches Wachstum von 6,7 Prozent seit 2014. (schweizheute.ch)

