In diesen Schweizer Gewässern ertrinken die meisten Menschen
Die Schweizer Gewässer fordern die nächsten Todesopfer: Zwei junge Männer, die letzte Woche in der Aare und Reuss verschwunden sind, wurden am Dienstag tot aufgefunden. Die Leichen wurden bei Döttingen und Gebenstorf geborgen, wie die Kantonspolizei am Donnerstag mitteilte.
Die Unfälle sind keine Ausnahmen: Seit 2012 sind in der Schweiz mindestens 640 Menschen (ohne Suizide) ertrunken, das zeigen Zahlen der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG). 2025 ging die Opferzahl mit 43 Personen leicht zurück. Zum ersten Mal seit 2021 ist sie wieder unter dem Zehnjahresschnitt von rund 50 Personen pro Jahr.
Trotz der rückläufigen Zahlen kann die SLRG keine Entwarnung geben, denn externe Faktoren beeinflussen die Zahlen: So fiel im Juli 2025 etwa deutlich mehr Regen als üblich. Dies habe möglicherweise dazu beigetragen, dass sich weniger Menschen in der Nähe der Schweizer Gewässer aufhielten – und demnach die Unfallzahlen tiefer blieben.
Die tödlichen Unfälle 2025
Wo genau in der Schweiz sich die Unfälle 2025 ereigneten, zeigt die folgende Karte: Jeder Punkt markiert einen Todesfall mit einer kurzen Beschreibung der Umstände.
Ein Hinweis zur Genauigkeit: Die Koordinaten stammen von der SLRG und sind teils nur grob positioniert. Zudem ist nicht in jedem Fall klar, ob sich die Angabe auf den Unfall- oder den Fundort bezieht.
Diese Gewässer dominieren seit Jahren
Der Grossteil der tödlichen Unfälle ereignete sich 2025 im offenen Gewässer. Über die Hälfte (23) der 43 Verstorbenen ertranken in Seen. Weitere 15 Personen ertranken im Fliessgewässer. Ein Blick auf die vergangenen 14 Jahre zeigt ein ähnliches Bild.
Die Aufschlüsselung nach einzelnen Gewässern zeigt jedoch, an der Spitze steht kein See, sondern ein Fluss: die Aare. Über die letzten 14 Jahre forderte sie 75 Todesopfer. Vom gefährlichsten Gewässer der Schweiz zu sprechen, wäre jedoch voreilig.
Die Statistik lässt sich nämlich nicht auf einen einzelnen Grund zurückführen, deshalb ist auch der Vergleich zwischen den Gewässern schwierig. Wasserfläche, Einwohnerzahl in der Umgebung, Frequentierung, touristische Attraktivität und das Wetter spielen eine Rolle, erklärt die SLRG.
Junge Männer ertrinken am häufigsten
In den letzten Jahren ertranken auch vermehrt ältere Personen: 17 verstorbene Personen (40 Prozent) waren 2025 über 65 Jahre alt. 3 davon Frauen, 14 Männer. Mit 105 Unfällen machen aber über die Jahre die 20- bis 29-jährigen Männer den mit Abstand grössten Teil der Opfer aus.
Gemäss einem Report der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) sei dies eher auf das Risikoverhalten zurückzuführen als auf den Fakt, dass junge Männer auch mehr in den Schweizer Gewässern baden gehen. Zudem nehmen die Unfälle bei den 15- bis 19-Jährigen gegenüber den Jüngeren sprunghaft zu. Im Alter also, in dem Aufsichtspersonen eine kleinere Rolle spielen, erklärt die BFU im Bericht weiter.
Auch bei den Todesumständen zeigt sich ein klares Muster: Über die Hälfte der Unfälle (54 Prozent) passierte beim Baden oder Schwimmen. Bootfahren, Surfen und andere sportliche Tätigkeiten folgen dahinter.
Der Strassenverkehr taucht mit fünf Prozent in der Statistik auf – etwa wenn Fahrzeuge von der Strasse ins Wasser abkommen. Bei solchen Fällen prüft die SLRG, ob Ertrinken als Ursache in Frage kommt und gleicht dies mit der BFU ab. Die Zahlen sind daher gemäss SLRG mit Vorsicht zu geniessen.
Der Grossteil der Opfer geht gemäss dem Report der BFU plötzlich unter – ungefähr 15 im Schnitt pro Jahr. Acht Personen sterben im Durchschnitt bei Stürzen ins Wasser. Zum Beispiel Kinder, die beim Spielen ins Wasser fallen, oder Personen, die bei den erwähnten Verkehrsunfällen im Fahrzeug ertrinken.
Die zwei Toten in der Aare und der Reuss diese Woche reihen sich damit in ein bekanntes Muster ein: junge Männer, oft ohne fremde Einwirkung. Dass die Zahlen 2025 leicht gesunken sind, ändert daran wenig – ein verregneter Sommer ist keine Präventionsmassnahme. Wer an Schweizer Seen und Flüssen sicher bleiben will, muss sich der Gefahren bewusst sein.
