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Sechs Bundesräte beschwören den Zusammenhalt – einer provoziert

Sechs Bundesräte beschwören den Zusammenhalt – einer provoziert mit seiner Rede

Jans spöttelt. Keller-Sutter erlebt einen Angela-Merkel-Moment. Und Albert Rösti fällt mit ungewöhnlichen Geschichtskenntnissen auf.
01.08.2026, 21:5901.08.2026, 21:59
Benjamin Rosch / ch media

Der 1. August ist jedes Jahr aufs Neue ein Mysterium. Landauf, landab beschliessen Dutzende Würdenträgerinnen und Würdenträger in totaler Unabhängigkeit, dass der Zusammenhalt das geeignetste Thema für die Festansprache sei. Auf den Dorfplätzen der Schweiz besingen sie dann noch vor der Nationalhymne das Milizsystem, die Direktdemokratie und vor allem das Brückenbauen – um sich dann den Rest des Jahres gegenseitig aufs Dach zu geben.

Dieser Urkraft können sich auch der Bundesrat und seine redeschreibenden Fachreferenten nicht entziehen. «Der 1. August ist der Tag, an dem wir gemeinsam…» beginnt Verteidigungsminister Martin Pfister. Man könnte nahtlos fortfahren mit Innenministerin Elisabeth Baume-Schneider: «Ich möchte meine Rede dem Zusammenhalt widmen.»

KEYPIX - Die Gaeste mit der Bundesraetin Elisabeth Baume-Schneider, rechts, und der Weibel Philipp Scheuber, links, geniessen das Apero auf dem Motorschiff Cirrus auf dem Vierwaldstaettersee anlaessli ...
Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider auf dem Motorschiff «Cirrus» auf dem Vierwaldstättersee anlässlich der Bundesfeier der Stadt Luzern.Bild: keystone

Und Bundespräsident Guy Parmelin schafft sogar bei einem Besuch einer Fahnenfabrik in Luzern den Bogen: «So wie die Fahne am Nähtisch Schritt für Schritt entsteht, wächst auch der Zusammenhalt der Schweiz.» Er beweist: Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich.

Federal Councillor Martin Pfister Visit the scout camp at the 1 August National Day celebrations held at the BeSTiale cantonal scout camp on Saturday, 1 August , in Campo Blenio. © KEYSTONE / TI-PRESS ...
Bundesrat Martin Pfister am kantonalen Pfadilager BeSTiale in Campo Blenio TI.Bild: keystone

Parmelin war es aber auch, der nicht nur die prägnanteste (vulgo: kürzeste) Rede hielt, sondern auch den liberalsten Satz des Abends sagte: «In einer von Unruhen geprägten Welt darf unsere Fahne jedoch nicht zu einem Symbol der Abschottung werden.» Das ist nicht nur schärfer, sondern auch unerwarteter als bei Justizminister Beat Jans, der sagte: «Unsere Geschichte ist keine Geschichte der Abschottung, sondern eine Geschichte der Vielfalt, der Offenheit und des Zusammenhalts.»

Bundespraesident Guy Parmelin posiert mit einer Trachtengruppe nach seiner Ansprache, anlaesslich der Bundesfeier auf dem Ruetli, welche im Zeichen von Kleiderwelten steht, am Samstag, 1. August 2026. ...
Bundespräsident Guy Parmelin posiert mit einer Trachtengruppe nach seiner Ansprache auf dem Rütli.Bild: keystone

Humor bei Jans, Zuversicht bei Keller-Sutter

Jans gelang es zudem, eine Prise Humor in seine Ausführungen einzustreuen. Im Baselbieter Therwil nahm er etwa die Animositäten zwischen den beiden Halbkantonen auf die Schippe: «Früher lagen zwischen Genf und St. Gallen Welten – heute nur noch zwischen Basel-Stadt und Baselland.»

Le Conseiller federal Beat Jans, chef du Departement federal de justice et police, prononce son discours a l'occasion des celebrations de la fete nationale suisse avec les habitants de Geneve, ce ...
Bundesrat Beat Jans bei seiner 1.-August-Rede im Parc La Grange in Genf.Bild: keystone

Auch Finanzministerin Karin Keller-Sutter gab sich locker. Anhand der Entstehungsgeschichte des Schweizerpsalms zeichnete sie das Bild eines Landes, das zwar ein bisschen länger an Lösungen herumwerkelt – diese dann aber Beständigkeit haben. Das schaffe Vertrauen angesichts der vielen Herausforderungen, von Wirtschafts- bis Klimakrisen. Sie sei zuversichtlich, dass die Schweiz diese meistern könne. Es war ein kleiner «Wir schaffen das»-Moment von Keller-Sutter.

Bundesraetin Karin Keller-Sutter bei ihrer Rede anlaesslich der Bundesfeier, am Samstag, 1. August 2026, in Kradolf-Schoenenberg. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)
Bundesrätin Karin Keller-Sutter bei ihrer Rede anlässlich der Bundesfeier in Kradolf-Schönenberg TG.Bild: keystone

Bei Albert Rösti wechselt die Tonlage

Deutlich anders klang das bei Parmelins Parteikollegen Albert Rösti, der zu einer Generalinventur der Geopolitik ansetzte. An fünf Auftritten von Fehraltorf bis Val Müstair hielt er die längste und auch düsterste Ansprache. Ukraine, Gaza und die Strasse von Hormus, Krisen und Kriege sind Röstis Leitmotiv: «Gewissheiten werden brüchig, Vertrautes verliert seine Selbstverständlichkeit.»

Nationalraetin Magdalena Martullo-Blocher, Theres Roesti, Bundesrat Albert Roesti, Weibelin Annemarie Loeffel, und Gemeindepraesident Gemeindepraesidentin Gabriella Binkert Becchetti, von links, treff ...
Bundesrat Albert Rösti an der Bundesfeier in Val Müstair GR.Bild: keystone

In dieser neuen Weltordnung müsse sich die Schweiz auf ihre Werte besinnen, darunter die bewaffnete Neutralität. Zumindest eigenwillig mutet seine Interpretation eines Volksentscheids von 1920 an: dem Beitritt der Schweiz zum Völkerbund. Der Vorläufer der Uno hatte die kollektive Sicherheit zum Ziel und festigte Genfs Rolle als diplomatisches Zentrum.

«Das erwies sich bald als schwerer Fehler», sagte Rösti. Der Beitritt habe fast zu einem Krieg mit Italien geführt, weil dieses wegen seiner «Eroberung Äthiopiens» sanktioniert wurde. Die Schweiz habe diese Sanktionen mittragen müssen.

Was Rösti nicht sagt: Italienischer Befehlshaber war damals ein gewisser Benito Mussolini. Die wirtschaftlichen Sanktionen waren dazu gedacht, eine Ausweitung militärischer Handlungen zu verhindern. Dass sie nicht überall durchgesetzt wurden, anerkennen Historiker heute als wesentlichen Faktor, weshalb es zu einem Zweiten Weltkrieg kam. «Das ist eine harte, schlimme Aussage von Albert Rösti», urteilt der emeritierte Geschichtsprofessor Philipp Sarasin.

Es ist kaum Zufall, dass Rösti ausgerechnet die Neutralität zum Kern seiner Rede macht: Im September stimmt das Land über die Neutralitätsinitiative der SVP ab, welche eine Übernahme internationaler Sanktionen – etwa gegenüber Russland – verunmöglichen will. Bricht Rösti da etwa eine Hellebarde für das Anliegen von Christoph Blocher, obwohl der Bundesrat dieses ablehnt?

Vielleicht.

Gerade noch rechtzeitig besann sich Rösti dann aber auf den wichtigsten Wert der Schweiz: «Die Eintracht; heute würden wir sagen, der Zusammenhalt der Bevölkerung.» So funktioniert eben die Konkordanz: Man darf über fast alles streiten – solange man am 1. August die Gemeinsamkeit beschwört.

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33 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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goschi
01.08.2026 22:06registriert Januar 2014
Was erwartet man von Albert Rösti?

Reaktionären Autokratie-Freund, der selbst undemokratisch agiert und handelt, wo es nur geht.


Rösti muss weg!
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Gandalf der Weise
01.08.2026 22:06registriert Januar 2023
War mir schon bei der Überschrift klar, dass es Rösti gewesen sein muss...
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Wurstgesicht
01.08.2026 22:23registriert Dezember 2018
Rösti muss weg!
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