Schweiz
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epa05556709 A picture made available on 26 September 2016 shows Students work with smartphones during class in the Friedrich Gymnasium in Freiburg, Germany, 23 September 2016. On 25 September 2016 the project won a 'German Teacher's Award 2016' for innovative lessons in Berlin. Students work out solutions with a smartphone. Scientists are checking whether the project works. It has the character of a federal pilot project.  EPA/PATRICK SEEGER

WhatsApp im Klassenzimmer: Bald nicht mehr möglich?  Bild: EPA/DPA

Ist WhatsApp wirklich «illegal» für unter 16-Jährige? 5 Fragen und Antworten 



Was hat sich geändert?

Bisher war WhatsApp gemäss AGB für unter 13-Jährige nicht erlaubt. Jetzt hat der Messenger-Dienst das Mindestalter in bestimmten Ländern auf 16 Jahre heraufgesetzt. Hintergrund der geänderten Richtlinie ist die Einführung des europäischen Datenschutz-Grundverordnung DSGVO, die die Datenverarbeitung von Kindern unter 16 Jahren untersagt. Da bei der Nutzung von WhatsApp Daten erhoben werden, fällt der Gebrauch der App unter die DSGVO. 

Ist der Gebrauch von WhatsApp für unter 16-Jährige nun «illegal»? 

WhatsApp hat die Richtlinien nicht nur für die EU-Staaten geändert, sondern für alle Staaten innerhalb der sogenannten «europäischen Region», zu der WhatsApp neben der Schweiz etwa auch Norwegen und Vatikanstadt zählt. In Ländern ausserhalb der «europäischen Region» gilt nach wie vor 13 Jahre als Altersgrenze.

Das Inkrafttreten der DSGVO hat laut Experten aber nur wenig mit der Frage der Zulässigkeit von WhatsApp für Minderjährige zu tun. Wie Medienjurist Martin Steiger auf seinem Blog schreibt, war der Gebrauch von WhatsApp hierzulande für unter 16-Jährige bereits vor der Einführung der DSGVO nur mittels Einwilligung der Eltern möglich – da Minderjährige als nicht handlungsfähig gelten und grundsätzlich keine rechtlichen Verpflichtungen eingehen können. Die Frage der Einwilligung beschränkt sich laut Steiger aber nicht auf WhatsApp: Auch für andere Kommunikationsdienste wie Email oder SMS benötigen Minderjährige die (stillschweigenden) Zustimmung der Eltern.

WhatsApp-Nutzer müssen künftig mindestens 16 Jahre alt sein

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Video: srf

Die «Sonntagszeitung» schreibt, dass es «illegal» sei, wenn unter 16-Jährige WhatsApp nutzen. Das sei Humbug, kritisiert Rechtsanwalt Martin Steiger. In der Schweiz existiere kein Tatbestand, der die Nutzung von WhatsApp von unter 16-Jährigen unter Strafe stellt. Wer bei der Altersangabe schummelt, verletzt lediglich die Nutzungsbedingungen von WhatsApp. «WhatsApp könnte also höchstens Minderjährige ausschliessen, weil sie gegen die Vertragsbedingungen verstossen haben», ein solcher Fall sei ihm aber nicht bekannt, so Steiger.

Hat sich wirklich etwas geändert?

Dass die Diskussion ausgerechnet jetzt wieder aufflammt, hängt wohl auch damit zusammen, dass die DSGVO die Aufmerksamkeit für den Datenschutz wieder in den Fokus rückt – ein Umstand, den Bruno Baeriswyl begrüsst. Der Zürcher Datenschutzbeauftragte kritisiert WhatsApp in Schulzimmern schon seit längerem. In dem kürzlich publizierten Datenschutzlexikon Volksschule hält er fest, dass die Nutzung von WhatsApp aus Datenschutzgründen «nicht rechtmässig» sei, da die App laufend Kontaktdaten des Adressbuchs der Nutzer Daten an WhatsApp und deren Mutterfirma Facebook übermittelt. Für eine rechtmässige Nutzung müssten aber alle im Adressbuch aufgeführten Personen ihre Einwilligung geben – solche vollständigen Einwilligungen gebe es aber «praktisch nicht».

Wie Baeriswyl auf Anfrage von watson schreibt, habe der Leitfaden eine sehr starke Wirkung für die Auslegung der Rechtslage im Kanton Zürich. «Lehrpersonen, die sich nicht daran halten, müssten schon sehr gute Gründe hierfür haben.» 

Pragmatischer sieht es der Datenschützer der Kantone Jura und Neuenburg. WhatsApp sei zwar an Schulen nicht zu empfehlen, allerdings auch nicht explizit zu verbieten. Vielmehr sei ein pragmatischer Umgang gefragt. 

Warum stehen die Lehrer jetzt Kopf?

WhatsApp ist laut der «Sonntagszeitung» mit rund sechs Millionen User das grösste digitale Netzwerk in der Schweiz. Auch an Schulen gilt der Messaging-Dienst vielen als unerlässlich. Unterrichtsmaterialen, Stundenplanänderungen, Krankheitsfälle: WhatsApp dient in vielen Klassen als Kommunikationsplattform Nr. 1 zwischen Lehrern und Schülern. Mit der neuen Altersgrenze sei das nun nicht mehr möglich. Da die obligatorische Schulzeit nur bis 15 dauert, könnten Schüler und Lehrer in Zukunft nicht mehr wie bis anhin auf WhatsApp miteinander kommunizieren.

Für Beat Zemp, Präsident des Lehrerverbands, ist WhatsApp an Schulen ohnehin ein Unding. «WhatsApp hat an Schulen nichts verloren», sagte der oberste Lehrer der Schweiz im Interview mit dem «Tages-Anzeiger».  Auch der Dachverband Lehrer und Lehrerinnen rät davon ab, WhatsApp an Schulen zu nutzen, wie blick.ch schreibt.

Datenschützer Baeriswyl kann die Sorgen der Lehrer verstehen: «Es geht nicht, dass die Schule die Schülerinnen und Schüler verpflichtet, WhatsApp zu nutzen und dabei in Kauf nimmt, dass die Privatsphäre vieler Personen verletzt wird, wie dies hier der Fall ist.»

Anders sieht das der Lehrer und Social-Media-Experte Philippe Wampfler, der schon vor vier Jahren auf seinem Blog erklärte, wieso er WhatsApp in seiner Schulklasse verwende. Wampfler stellt gegenüber blick.ch einen kulturellen Wandel fest im Umgang mit dem Datenschutz. Man habe das gemacht, was gut funktioniert und sich bewährt habe. Zunehmend gebe man aber rechtlichen Überlegungen Vorrang.

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  • Bernie Sanders.10%

Welche Alternativen gibt es?

In der «Sonntagszeitung» plädieren verschiedene Lehrer für eine Rückkehr in die digitale und kommunikative Steinzeit: Emails und SMS sollen WhatsApp als Kommunikationskanal an Schulen ersetzen. Auch die Telefonkette, vor einigen Jahren an Schulen noch gang und gäbe, wird da und dort als Lösung herumgeboten.

Eine zeitgemässere Alternative zu WhatsApp könnte der Schweizer Messaging-Dienst Threema sein. Die App gilt als datenschutzfreundlich, speichert im Gegensatz zum ungleich grösseren Konkurrenten weder Email-Adresse noch Telefonnummer. Dafür kostet die App etwas: Drei Franken muss man berappen für den Download.

Der Zürcher Datenschutzbeauftragte empfiehlt in seinem Leitfaden ebenfalls die Verwendung von Threema und streicht die Vorteile des europäischen Standorts und die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung hervor. Ganz vorbehaltlos ist der Datenschützer aber auch bei Threema nicht: Auch der Schweizer Messaging-Deinst könne nur «beschränkt für schulische Zwecke» verwendet werden. Wenn eine Schule aber unbedingt eine WhatsApp-ähnliche Kommunikationsform unterhalten möchte, «dann müsste auch das kleine Entgelt für eine solche Software kein Hindernis sein», so Baeriswyl gegenüber watson.

Steiger, der selber auch Threema nutzt, weist in seinem Blog darauf hin, dass auch Threema das Mindestalter 16 voraussetze. Überdies nutze auch Threema personenbezogene Daten wie beispielsweise die IP-Adresse. Der Schweizer Messagingdienst sei aber – im Vergleich zu WhatsApp – «eine datenschutzfreundliche Alternative».

Fragst du dich, warum du überall neuen AGB zustimmen musst?

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Video: watson/Corsin Manser, Emily Engkent, Lya Saxer

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    Alle Leser-Kommentare
  • infomann 04.06.2018 23:13
    Highlight Highlight Man muss sich echt fragen wie gebildet und verantwortungsvoll viel Lehrer sind.
    Threema bietet seinen Messenger in einer speziellen Version Schulen an.
    Was machen die Lehrer und Lehrerinnen?
    Sie werfen ihre Schüler Whatsapp zum Fras vor.
  • fischolg 04.06.2018 22:33
    Highlight Highlight Ich wünschte es gäbe tatsächlich Bernie Sanders als Instant Messaging.
  • Randen 04.06.2018 20:18
    Highlight Highlight email und sms 🤪😱🤦‍♂️Ignoriert das doch einfach. Weiter Whatsapp usw. nutzen wie bisher.
  • Staatsgebeutelter 04.06.2018 20:05
    Highlight Highlight "Die «Sonntagszeitung» schreibt, dass es «illegal» sei, wenn unter 16-Jährige WhatsApp nutzen"...soviel zum sogenannten "Sonntagszeitung-Qualitätsjournalismus", meiner Meinung vom Niveau her noch deutlich unter dem Blick-Niveau!!!!
  • Raffaele Merminod 04.06.2018 19:30
    Highlight Highlight Viel Rauch um nichts.
    Einfach mit Whatsapp weiter machen.
  • fant 04.06.2018 19:12
    Highlight Highlight Die Gründe von Philippe Wampfler sprechen alle für ein Messaging-System welches Gruppen vernünftig unterstützt. Aber nicht für WhatsApp als solches. Meines Erachtens gute Gründe.

    Aber deswegen völlig kritiklos den Datenschutz in den Wind schiessen finde ich für eine Lehrperson schlicht verantwortungslos (bei jungen SchülerInnen) oder mindestens fahrlässig (bei den Älteren)...
  • Remo Crettenand 04.06.2018 19:09
    Highlight Highlight Whatsapp ist viel cooler als die Telefonkerte. Die wurde in der Schule meiner Kinder abgeschafft, weil sie immer hängen geblieben ist. Meistens war das, weil ich so einen am Sender hatte, dass ich die Kette nicht weitergeleitet habe. Die riefen halzmt auch immer an, wenn es was zu feiern gab.
  • shasta 04.06.2018 18:54
    Highlight Highlight Bei Threema gibt es ein Angebot für Schulen, einfach mal Threema und education googeln. Dann bezahlt die Schule etwas und alle Schühler können es gratis nutzen. Unterstützt Schweizer Technologie und schützt garantiert alle Daten.
  • Swissbite 04.06.2018 18:47
    Highlight Highlight Wo ist "Thremaa" in der Liste des Quizes?
  • Frances Ryder 04.06.2018 18:34
    Highlight Highlight Das Aufzeichnen von Filmen in schweizer Kinos ist übrigens auch nicht illegal, die Kinos behaupten das einfach.
  • rolf.iller 04.06.2018 17:29
    Highlight Highlight Nach Bruno Baeriswyl ist WhatsApp illegal, weil dieses die Kontaktdaten an Facebook weiterleitet. Das gilt aber nicht nur für die unter 16 Jährigen, sondern für alle Nutzer. Soll der Datenschützer doch bitte allen Schweizern die Nutzung von WhatsApp verbieten, dann löst sich das Problem von selbst.

    Telefonketten sind wohl nicht mehr wirklich zeitgemäss. Ein pragmatischeres Herangehen an solche Fragen, wäre sehr wünschenswert.
  • mollybon 04.06.2018 17:29
    Highlight Highlight Threema setzt kein Mindestalter voraus, was man auch ganz einfach verifizieren, indem man sich den entsprechenden Eintrag bei Google Play ansieht. Soviel zur Kompetenz all dieser Experten, die sich jetzt aus dem Unterholz melden und WhatsApp verteidigen, weil sich sich nicht dazu bequemen können, auf einen sicheren Dienst zu wechseln.
  • Gummibär 04.06.2018 17:14
    Highlight Highlight Was waren wir doch alle, die wir vor 2009 in die Schule gingen, von aller Kommunikation abgeschnittene, in der Informationswüste darbende Hinterwäldler, die immer warten mussten bis der Dorschreier die letzten Nachrichten ausrief. Bei dringenden Fällen wurde Sturm geläutet und die Höhenfeuer angezündet.
    • bokl 04.06.2018 17:23
      Highlight Highlight Schön war die Zeit. Ich vermisse die Höhenfeuer ;)
  • bokl 04.06.2018 16:48
    Highlight Highlight Telefonkette = Rückkehr in die Steinzeit?

    In der Schule meiner Kinder sind Telefonalarm und eine Mappe für Meldungen aus der Schule nach wie vor im Gebrauch. Funktioniert einwandfrei.
    • x4253 04.06.2018 17:11
      Highlight Highlight Das funktioniert vorallem ohne Abhängigkeit von einem Anbieter. Nach einem Unwetter inkl. Schlammlawine gingen bei uns mal de Telefone nicht -> Informationen per pedes weitergeben.
    • Sarkasmusdetektor 04.06.2018 18:22
      Highlight Highlight Einwandfrei? Ach komm, das hat doch noch nie so richtig funktioniert. Irgendeiner war immer nicht erreichbar und die Kette ging nicht weiter.
    • ralck 04.06.2018 18:47
      Highlight Highlight Leider ist auch das Rundtelefon kritisch, weil die Schule die Adressdaten oder Telefonnummern weitergibt. Ja, es hört sich lächerlich an, aber ich hatte in der Pfadi eine ähnliche Erfahrung, als Eltern intervenierten.

      Aber ich erinnere mich auch an meine Zeit. Es war immer ein Erlebnis, diese Telefone zu machen. (Ausser wer A oder Z als Anfangsbuchstabe im Nachname hatte, der musste den Lehrer anrufen 😂)

      Da war doch auch noch diese Info-Nummer, wo man anrufen musste, um zu erfahren, ob der Sporttag oder ähnliches stattfinden würde. Wie ging die nochmals? 😂
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Die Schweiz hat bald ein Hebammen-Problem – und das verwundert

In Deutschland betreut eine Hebamme im Schnitt 90 Geburten pro Jahr. Zu viel, sagen die Verantwortlichen. Auch in der Schweiz zeichnet sich ein Hebammenmangel ab. Und das, obwohl die Hochschulen mit Interessentinnen überrannt werden.

In Deutschland herrscht Hebammenmangel. Auf eine Hebamme kommen 90 Geburten pro Jahr, berichtete kürzlich t-online. Immer mehr Hebammen arbeiten wegen der hohen körperlichen und psychischen Belastung Teilzeit.

In der Schweiz ist die Situation etwas komplizierter. Weil national keine Zahlen erhoben werden, sei es schwierig, eine eindeutige Einschätzung zur hiesigen Situation der Hebammen abzugeben, erklärt Andrea Weber, Geschäftsführerin des Schweizerischen Hebammenverbands.

«Klar ist: Die …

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