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Gender-Gap bei neuen Schweizer AKWs: Männer dafür, Frauen dagegen

Weizenfeld mit dem Dampf und dem Kuehlturm des Kernkraftwerks Leibstadt im Hintergrund, fotografiert am Mittwoch, 17. Juni 2026 in Leibstadt, Kanton Aargau. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Erhitzt die Gemüter: Kühlturm des Atomkraftwerks Leibstadt.Bild: keystone

Männer dafür, Frauen dagegen: Neue AKW werden zur Geschlechterfrage

Die Mitte-Frauen gehen auf Kollisionskurs mit ihrer Partei. Welche Rolle das Geschlecht in der Atomdebatte spielt.
27.06.2026, 17:0727.06.2026, 17:07
Benjamin Rosch / ch media

Der Schweizer Atomausstieg war Frauensache. Als Energieministerin Doris Leuthard (CVP) im Frühling 2011 verkündete, dass die Schweiz ihre Atomkraftwerke schrittweise abschalten werde, herrschte in der Landesregierung eine Frauenmehrheit. Die Bundespräsidentin hiess Micheline Calmy-Rey, die Justizministerin Simonetta Sommaruga und die Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf.

Letztere habe damals eine entscheidende Rolle gespielt, sagte Leuthard später: «Es half, dass sie als Bündnerin keine Beziehung zur Atomwirtschaft hatte. Ich bin überzeugt: Eine Mehrheit von FDP- und SVP-Männern im Bundesrat hätte damals beim Atomausstieg nicht mitgemacht.» Wohl ebenfalls kein Zufall: In Deutschland beschloss Bundeskanzlerin Angela Merkel die gleiche Massnahme als Reaktion auf die Katastrophe von Fukushima.

Umfragen bestätigen das Bild

Inzwischen ist es vorbei mit der Frauenmacht in der Landesregierung und auch energiepolitisch steht die Schweiz an einem anderen Ort als 2017, als das Volk den Atomausstieg an der Urne bekräftigte. In der Sommersession beschlossen National- und Ständerat, das Neubauverbot für Atomkraftwerke aufzuheben. Es war ein Sieg für Energieminister Albert Rösti, der mit diesem indirekten Gegenvorschlag das Hauptanliegen der Blackout-Initiative aufnahm.

Kaum geändert haben dürfte sich indes die Skepsis der Frauen gegenüber der Kerntechnologie. In sämtlichen Umfragen zeigt sich: Männer befürworten AKW (auch neue) mehrheitlich, Frauen lehnen sie deutlich ab. 2023 trat dies etwa in einer Befragung zutage, welche just das Schweizer Nuklearforum als Lobbyorganisation in Auftrag gegeben hatte.

Nur 25 Prozent der befragten Frauen gaben damals an, der Kernenergie grundsätzlich positiv gegenüberzustehen – halb so viele wie bei den befragten Männer. Während 54 Prozent der Männer sagten, das Abfallproblem sei lösbar, stimmte dieser Aussage nur rund ein Drittel der Frauen zu. Neben dem radioaktiven Abfall gehören Bedenken zu Sicherheit und Wirtschaftlichkeit der Atomkraftwerke zu den meistgenannten Gründen für die Ablehnung.

In jüngsten Umfragen zeigte sich die Schweizer Bevölkerung etwas aufgeschlossener gegenüber nuklearer Energie, nach Geschlechtern aufgeschlüsselt wurden diese allerdings nicht.

Geschlechtergraben in der Mitte-Partei

Zeigen wird sich der Gender-Gap allerdings am Dienstag, wenn das Referendumskomitee gegen das Atom-Comeback vor die Medien tritt. Angekündigt ist unter anderem Mitte-Nationalrätin Priska Wismer-Felder. Das an sich ist keine Überraschung, die Luzernerin weibelte bis zuletzt für einen Rückweisungsantrag – vergeblich. Auftreten wird sie auf dem Podium aber als Vertreterin der Mitte-Frauen. Diese haben gemäss gut unterrichteten Quellen bereits beschlossen, das Referendum zu unterstützen.

Mitte-Präsident Philipp Matthias Bregy hingegen positionierte seine Partei zuletzt anders. In einem Interview gegenüber der NZZ wies er darauf hin, dass sich seine Partei bewegt: «Bei der Schlussabstimmung war fast die Hälfte unserer Nationalratsfraktion dafür, die Ständeräte stimmten sogar fast geschlossen zu.»

Beznau abgestellt
Bereits am 23. Juni meldete der Energiekonzern Axpo, dass die Leistung der beiden Reaktoren im Atomkraftwerk Beznau auf 50 Prozent gedrosselt werde. Grund dafür ist die anhaltende Hitzewelle, welche die Aare auf über 25 Grad erwärmt. Das Kühlwasser des Atomkraftwerks wird aus der Aare entnommen und nach dem Kühlvorgang wieder in den Fluss zurückgeleitet. Am Freitag bestätigte ein Axpo-Sprecher auf Anfrage, dass das AKW ganz heruntergefahren werde. (bro)
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Das Kernkraftwerk Beznau in Döttingen AG. (Archivbild)Bild: keystone / Michael Buholzer

Noch deutlicher ist die Zustimmung unterdessen bei der FDP. Co-Präsidentin Susanne Vincenz-Stauffacher trat früher zwar noch als AKW-Gegnerin auf, befürwortet mittlerweile aber neue AKW. Und mit der Waadtländer Nationalrätin Jacqueline De Quattro ist bei der zweiten Abstimmung auch die letzte Freisinnige gekippt.

Noch nicht im Referendumskomitee ist die Frauen-Lobby-Organisation Alliance F. Auch diese hat allerdings bereits Stellung bezogen. Anfang Juni verschickte der überparteiliche Dachverband einen Brief an die Nationalrätinnen und Nationalräte mit der Bitte, sowohl die Initiative als auch den indirekten Gegenvorschlag abzulehnen.

Begründet wird dies unter anderem mit einer «historischen Verpflichtung»: Bereits 1990 hätten 58 Prozent der Frauen dem Ausstieg aus der Atomenergie zugestimmt. «In der Frage der Energiewende nehmen die Frauen signifikant eine andere Position ein als die durchschnittliche Bevölkerung», heisst es im Brief.

Das dürfte sich dereinst im Abstimmungskampf abbilden – auch ohne Frauenmehrheit im Bundesrat. (schweizheute.ch)

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ingmarbergman
27.06.2026 17:38registriert August 2017
Die AKW Frage ist keine Frage des Geschlechts. Wenn Medien das ins Zentrum stellen, dann weil sie ablenken wollen vom eigentlichen Kern:

Bei der AKW-Frage geht es um eine einzige Frage: Will die Bevölkerung 20-30 Milliarden Steuergeld in eine Technologie stecken, welche private Investoren nie selber finanzieren würden?
Und die dazu noch ein ungelöstes Entsorgungsproblem (Kosten für die Nachfolgegenerationen in unschätzbaren Milliardenhöhen) sowie ein Risiko >0 dass ein grosser Teil durch einen Unfall unbewohnbar wird.

Meine Meinung ist klar: lieber 20-30 Milliarden in Solaranlagen stecken.
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gutherz
27.06.2026 17:23registriert Januar 2021
Statt nach Geschlecht könnte auch nach Beruf, Alter, Haarfarbe, Wohnort, Sternzeichen… eingeteilt werden. Ich finde diese Mann Frau Spaltung willkürlich und nicht zuelführend.
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Mellya
27.06.2026 17:24registriert August 2024
Ob nun Zufall oder nicht....
Ich bin eine Frau und bin entschieden gegen neue AKWs!

ABER: Ich denke, mein Geschlecht hat sehr, sehr wenig mit meiner Haltung zu tun.
Warum denn auch!?

AKWs sind nur wieder eine Abhängikeit von einigen wenigen Staaten auf der Welt. Oder glaubt iregndwer, der Befürworter, Uran für die Brennstäbe wachse auf Bäumen? (Manchmal kommt es mir fast so vor) 🤦‍♀️

Natürlich ist das Abfallproblem lösbar.
Nur will halt keiner ein Endlager bei sich bauen.
Mit genug Wille und vor allem Geld, wird es dann aber gelöst werden müssen.
Und DAS werden wir alle bezahlen. 😔
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