Schweiz
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ARCHIV - ZUR MELDUNG, DASS DER ENERGIEKONZERN ALPIQ BEI ANNAHME DER ATOMAUSSTIEGSINITIATIVE MIT EINEM WIRTSCHAFTLICHEN SCHADEN VON RUND 2,5 MILLIARDEN FRANKEN RECHNET, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG - An agricultural vehicle tends the land, while vapor exudes from the cooling tower of the Goesgen nuclear power plant, photographed in Obergoesgen, in the Canton of Solothurn, Switzerland, on October 14, 2016. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Ein landwirtschaftliches Fahrzeug bewirtschaftet ein Feld, im Vordergrund, waehrend Dampf aus dem Kuehlturm des Kernkraftwerks Goesgen, aufgenommen am 14. Oktober 2016, in Obergoesgen. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Das Kernkraftwerk Goesgen. Die vier grössten Stromproduzenten setzen weiterhin auf nukleare und fossile Energiequellen. Bild: KEYSTONE

Schmutzschleudern Alpiq & Co.: Die vier grössten Energiekonzerne produzieren mehr CO2

Der CO2-Ausstoss der vier grössten Schweizer Energiekonzerne ist 2017 um mehr als ein Fünftel gestiegen. Eine Studie der Schweizerischen Energie-Stiftung kommt ausserdem zum Schluss, dass immer noch zwei Drittel deren Stromes aus fossilen und nuklearen Quellen stammt.



Die Zahlen zu den Anteilen erneuerbarer Energien sind ernüchternd: Windstrom machte bei den Energiekonzernen Alpiq, Axpo, BKW und Repower im vergangenen Jahr zusammen gerade einmal einen Anteil von 3,7 Prozent an der gesamten Stromproduktion aus, wie die Schweizerische Energiestiftung (SES) am Freitag mitteilte. Der Solarstrom-Anteil sei mit einem Total von 0,1 Prozent «fast gänzlich zu vernachlässigen».

Auch weitere erneuerbare Kraftwerke für Biomasse (0,2 Prozent), Photovoltaik (0,01) oder Kleinwasserkraft (0,5 Prozent) seien in den Portfolios der vier grössten Schweizer Stromproduzenten kaum zu finden. Insgesamt machten die erneuerbaren Energien im Durchschnitt knapp ein Drittel der Stromproduktion aus, wobei die Wasserkraft allein 26,5 Prozent dazu beitrug.

ZUR FOERDERUNG DER WASSERKRAFT DURCH DEN STAENDERAT STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES THEMENBILD ZUR VERFUEGUNG - Aerial view of the project Linthal 2015 construction site at the Limmerensee, pictured July 5, 2011 near Tierfehd in the Canton of Glarus, Switzerland. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Limmeren-Stausee. Wasserkraft macht etwas mehr als einen Viertel der Stromproduktion aus. Bild: KEYSTONE

Im Gegensatz dazu produzierten die vier Unternehmen im vergangenen Jahr 41,3 Prozent ihres Stromes mit Atomkraft, 27,8 Prozent stammte aus Gas- oder Kohlekraftwerken. Der Produktionsmix der vier grossen Stromproduzenten sei damit deutlich schmutziger als der Landesmix (Eigenproduktion plus Import, ohne Export), hiess es weiter. Dieser liege bei 60 Prozent Wasserkraft und 32 Prozent Atomkraft.

Entgegen den Klimazielen

Diese Entwicklung laufe den Zielen der Energiewende entgegen, kritisierte der SES-Projektverantwortliche Moritz Bandhauer gemäss der Mitteilung. Der Atomausstieg sei aufgrund des Neubauverbots zwar nur eine Frage der Zeit und die Annahme des Pariser Klimaabkommens stärke die Bemühungen für einen schnellen Ersatz der fossilen Energien.

Doch damit der Strom aus den abzulösenden alten Atomkraftwerken nicht einfach durch den relativ billigen Strom aus fossilen Kraftwerken ersetzt werde, brauche es «dringend verstärkte Investitionen» in neue erneuerbare Kraftwerke. Das gelte auch für die Schweiz.

Für Bandhauer sind dabei nicht nur die Energieversorger, sondern auch die Politiker in der Pflicht. Die Energiewende könne nur mit einem neuen Strommarktdesign realisiert werden, bei dem neue erneuerbare Energien begünstigt würden. 

Der CO2-Fussabdruck von Herr und Frau Schweizer ist massiv

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Video: srf

Grösserer CO2-Ausstoss

Während die Wasserkraftwerke der vier Energieunternehmen alle in der Schweiz stehen, wird der Atomstrom rund zur Hälfte in der Schweiz und in Frankreich produziert, die Gaskraftwerke stehen in Italien, und die Windkraft kommt ebenfalls aus Italien sowie aus Deutschland.

Diese Abhängigkeit von nuklearen und fossilen Energiequellen führte im vergangenen Jahr dazu, dass mehrere ungeplante Ereignisse – wie der Ausfall von französischen Atomkraftwerken, höhere Strompreise im Ausland oder hohe Sommertemperaturen in Italien – hauptsächlich mit Gas- und Kohlestrom kompensiert wurden.

Und das wiederum liess die CO2-Emissionen pro Kilowattstunde der vier Energieriesen stark ansteigen. Den grössten Beitrag zur Klimaerwärmung durch ausgestossene Treibhausgase leistete sich im letzten Jahr Alpiq mit einer grösseren Stromproduktion aus Erdgas und ihrem Kohlekraftwerk in Tschechien, das rund 14 Prozent des gesamten Stromes generiert.

Dahinter folgt Repower mit seinen Gaskraftwerken im Ausland. Im Vergleich zu 2016 habe das Unternehmen wegen der erhöhten Stromproduktion aus Erdgas die Emissionswerte fast verdoppelt. Weil auch die BKW ihre Stromproduktion aus Steinkohle und Erdgas gesteigert habe, verlor sie den Spitzenplatz an die Axpo, so die Studie. Doch auch diese erhöhte ihren Anteil an fossiler Stromerzeugung im letzten Jahr.

Beim produzierten radioaktiven Abfall führt die Axpo mit 28 Kubikmillimeter (mm3) pro Kilowattstunde die Rangliste an. Grund dafür ist ihr hoher Atomstromanteil von fast 50 Prozent. Gleich dahinter folgt die BKW mit relativ hohen 23 mm3 pro Kilowattstunde. Die Alpiq verursachte mit 16 mm3 weniger als im letzten Jahr, und Repower produzierte mit 5 mm3 mit Abstand am wenigsten nuklearen Abfall.

Von den vier grossen Produzenten konnte nur die Axpo ihren Anteil an umweltbelastendem Strom reduzieren. Dies sei aber vor allem auf die verminderte Stromproduktion aus den stillstehenden Atomkraftwerken Beznau I und Leibstadt zurückzuführen, heisst es.

Wenn uns die Erde so behandeln würde wie wir sie

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Video: watson/Knackeboul, Madeleine Sigrist, Lya Saxer

(dwi/sda)

Die Geschichte des Schweizer Atomausstiegs in 15 Bildern

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    Alle Leser-Kommentare
  • Mitz en place 27.07.2018 11:48
    Highlight Highlight 50 mm^3/kWh das tönt ja nach nicht viel.

    Aber: Die CH Atomkraftwerke "produzieren" pro Jahr etwa 20 TWh (BFE, 2016) Strom. Das wären dann total eine Million m^3/a.

    Der ganze jährliche Abfall (ohne zus. Verpackung!) in hätte in gut 10'000 Lastwagen Platz.

    Das wäre eine 200 km lange LW-Kolonne, wenn pro Stunde (365/7/24) ein solcher LW an dir vorbei fährt stehst du genau ein Jahr an der Strasse.

    Die wirklich interessante Frage ist aber, wo die alle hinfahren, wo es doch nirgends ein "Endlager" gibt.

    Und das geht so seit 50 Jahren!
  • Faial 27.07.2018 11:03
    Highlight Highlight Sind das nicht jene Firmen, welche gebetsmühlenartig den von ihnen produzierten Strom als mehrheitlich"sauber" darstellen?
  • Mitz en place 27.07.2018 11:02
    Highlight Highlight Fragen:

    Ist bei den 50 mm^3 radioaktiven Abfall pro kWh Atomstrom "nur" die Menge der Brennstäbe vom Werk selber gerechnet oder ist der ganze "Lebenszyklus" vom Bergwerk, Transport, Aufbereitung etc. bis hin zum "Endlager" (?) eingerechnet?

    Sind da alle hoch, mittel und niedrig strahlenden Abfälle dabei?
  • Dschonnie 27.07.2018 10:29
    Highlight Highlight Wo ein WIlle ist, ist ein Weg.

    Ich denke, die Gesellschaft sollte mehr Zeichen setzen für die Anwendung erneuerbarer Energie. Es wäre möglich! Z.B. habe ich mitbekommen, die SBB schafft es etwa 90% der benötigten Energie selber über erneuerbaren Energien zu produzieren.
    • Paddiesli 27.07.2018 11:38
      Highlight Highlight Ich sehe da nicht viel Wille, sorry. Je wohlhabender ein Land, desto schlechter die Klimabilanz. Wäre die ganze Erde wie die Schweiz, hätten wir sie schon 3x aufgefressen.
    • Tsunami90 27.07.2018 15:28
      Highlight Highlight Ja gut die SBB Besitz auch überall im Land Wasserkraftwerke. Weil die elektrifizierung der Bahn derart früh geschah und man genügend Kapazitäten plante, steht die SBb heute noch komfortabel da. Aber heute ein Wasserkraft neubau oder auch nur ein Ausbau ist mit jahrelangen bewilligungs Verfahren und Prozessen verbunden. Der widerstand (der meist nicht anwohneden) Bevölkerung verhindert, das Projekte überhaupt in Betracht gezogen werden. Dabei wäre der lokale umweltschaden durch eine talsperre eines Globalen schadens durch co2 ausstoss m. M. n. Immer zu vorzuziehen.

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