Wegen Hitzesommer: Bauern melden schlechteste Kartoffelernte seit Messbeginn
Die anhaltende Trockenheit des zu Ende gehenden Sommers hat auf den Schweizer Kartoffeläckern Spuren hinterlassen. Noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen vor über hundert Jahren wurden in der Schweiz so wenige Kartoffeln geerntet wie dieses Jahr. Die Ernte beläuft sich auf 333'000 Tonnen, was einem Einbruch von beinahe 20 Prozent gegenüber dem fünfjährigen Durchschnitt entspricht. Auch der durchschnittliche Hektarertrag ist auf 29,4 Tonnen gesunken und hat damit den tiefsten Wert seit über sechzig Jahren erreicht.
Ein weiterer Grund für dieses historisch tiefe Resultat ist der Rückgang der landwirtschaftlichen Nutzfläche für diese Kulturpflanze, die seit dem Jahr 1944 von 90'000 Hektaren auf heute noch gut 11'000 Hektaren geschrumpft ist. Aufgrund der schwachen Ernte rechnet der Branchenverband Swisspatat für das laufende Jahr mit einer Fehlmenge von rund 130'000 Tonnen Kartoffeln. Um die inländische Nachfrage vollumfänglich decken zu können, muss dieses fehlende Volumen aus dem Ausland importiert werden.
Importe und kürzere Pommes Frites
Der Selbstversorgungsgrad sinkt durch diese Entwicklung von durchschnittlich 85 Prozent auf voraussichtlich noch 70 bis 75 Prozent. Die Versorgungssicherheit ist laut der Branchenorganisation aber gewährleistet. Eine Kartoffelkrise, bei der es für den Privatkonsum oder die Industrie zu wenig gäbe, droht nicht. Trotz der geringen Menge wird die Qualität der verbliebenen Knollen von der Branche als sehr gut eingestuft.
Dennoch dürften die Konsumentinnen und Konsumenten die Folgen des heissen Sommers beim Einkaufen bald bemerken. Einerseits wird der Anteil an Schweizer Kartoffeln in den Regalen abnehmen. Andererseits haben die Verarbeiter die Qualitätsnormen angepasst, um die Ernte optimal nutzen zu können, da die Knollen witterungsbedingt sehr klein sind. Pommes Frites oder Chips werden deshalb in diesem Jahr merklich kleiner ausfallen. Auch Preisaufschläge im Detailhandel sind aufgrund der Knappheit möglich.
Wasser entscheidet über den Ertrag
Die diesjährige Kartoffelernte zeigt, wie stark die Nutzpflanze vom Wetter abhängt. Rund die Hälfte der Schweizer Felder wurde in den trockenen Monaten künstlich bewässert. Auf diesen Flächen fiel der Ertrag im Schnitt um 55 Prozent höher aus als auf unbewässerten Feldern. Die Branche fordert deshalb einen Ausbau der Bewässerungsinfrastruktur sowie die Einbindung bei der Erarbeitung nationaler Wasserstrategien.
Um sich gegen die klimatischen Veränderungen zu wappnen, setzen die Kartoffelproduzenten zudem auf widerstandsfähigere Sorten. Gemäss einer Zielvereinbarung mit dem Bund sollen bis ins Jahr 2040 80 Prozent der Schweizer Kartoffelproduktion mit robusten Sorten erfolgen, deren Anteil aktuell erst bei 20 Prozent liegt. Weil die klassische Züchtung von neuen Sorten bis zu fünfzehn Jahre dauert, kommt die konventionelle Zucht der raschen Entwicklung des Klimawandels laut Forschern des Instituts Agroscope schlichtweg nicht mehr hinterher.
Verbotene Gen-Schere als Hoffnung
Die Branche fordert deshalb den Zugang zu neuen Züchtungstechnologien wie der Genom-Editierung, die auch als Gen-Schere bekannt ist. Mit dieser Methode liessen sich Kartoffeln gezielt verändern, damit sie resistent gegen Krankheiten und tolerant gegenüber Trockenheit werden. In der Schweiz fällt der Einsatz der Gen-Schere jedoch unter das geltende Gentech-Moratorium, welches bis 2030 verlängert wurde.
Urs Reinhard, Präsident von Swisspatat, warnte vor strengeren Regeln in der Schweiz gegenüber der Europäischen Union. Schweizer Produzenten dürften nicht ins Hintertreffen geraten. «Wollen wir auch in Zukunft eine hohe Versorgungszuverlässigkeit mit Schweizer Kartoffeln garantieren, müssen wir in Sachen neue Züchtungstechnologien mit der EU Schritt halten können», sagte Christian Bucher, Geschäftsführer von Swisspatat. Landwirte bräuchten zeitnah Lösungen, weshalb in dieser Angelegenheit nun der Bund gefordert sei. (sda)
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(sda/con)
