1,5 Meter zu wenig: Der Bodenseepegel sinkt auf nächsten historischen Tiefstand
Die anhaltende Trockenheit zeigt sich am Bodensee besonders deutlich. So liegen etwa im Hafen in Mannenbach-Salenstein TG die Boote seit Wochen auf Grund.
Seit Monaten regnete es zu wenig, besonders der April war sehr trocken, sagte Heinz Ehmann, Leiter der Thurgauer Abteilung Gewässerqualität und -nutzung, bereits im Juni gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Dadurch konnte sich auch in den Bergen zu wenig Schnee ansammeln, um den Pegel des Sees mit der Schmelze entscheidend anzuheben. Abgesehen von einzelnen lokalen Gewittern blieb Starkregen während Wochen aus.
Der Bodensee reagiert auf solche Trockenperioden empfindlich. Durch die fehlende Regulierung wirken sich Hoch- und Tiefwasser jeweils besonders stark aus. Derzeit liegt der Pegel in Berlingen TG gemäss hydrologischen Daten des Bundes rund 1,5 Meter unter dem langjährigen Durchschnitt im Juli. Auch in Romanshorn TG hatte der See im Juli noch nie so wenig Wasser.
Besonders stark hängt der Pegel des Bodensees vom Rhein ab. Zwar verzeichnet das internationale Gewässer rund 200 Zuflüsse. Mit einem Anteil von etwa 62 Prozent ist der Rhein jedoch der mit Abstand bedeutendste Wasserlieferant.
Fachstab Trockenheit wird häufig einberufen
Laut Ehmann dürften solche tiefen Seepegel künftig öfters auftreten. «Mit dem fortschreitenden Klimawandel werden künftig die Temperaturen weiter steigen und gleichzeitig die Verdunstung zunehmen.»
Seit Anfang Juni beurteilt im Kanton Thurgau ein Fachstab Trockenheit die Situation wöchentlich. Immer häufiger muss dieser einberufen werden. Trockenphasen, die eine Einberufung des Gremiums nötig machten, erlebte der Thurgau laut Webseite des Kantons bereits in den Jahren 2003, 2011, 2015, 2018, 2022, 2023 und 2025.
Noch vor zwei Jahren herrschte Hochwasser
Derzeit liegt der Wasserstand in Berlingen 26 Zentimeter über dem tiefsten je gemessenen Pegel im Januar 1949. Doch er sinkt weiter und dürfte nach den nun angekündigten Hitzetagen auch den historischen Tiefststand des Monats August knacken.
Ganz anders präsentierte sich die Lage am Untersee vor zwei Jahren. Nach tagelangen Niederschlägen herrschte im Juni 2024 rund um den Bodensee bezüglich Hochwasser die höchste Gefahrenstufe. In verschiedenen Gemeinden am Untersee standen Uferpromenaden, Parkplätze und Gartenrestaurants unter Wasser. Mit mobilen Deichsystemen – mit Wasser gefüllten Schläuchen – wurde versucht, das Wasser des Sees zurückzuhalten. (sda)
