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Diese Grafiken zeigen, wo der Wolf in der Schweiz und in Europa lebt

Der Wolf ist in Europa wieder häufiger anzutreffen.
Der Wolf ist in Europa wieder häufiger anzutreffen.Bild: Shutterstock

Diese Grafiken zeigen, wo der Wolf in der Schweiz und in Europa lebt

Der Bundesrat hat am 1. November 2023 eine neue Verordnung für die Regulierung von Wölfen in der Schweiz genehmigt. Was das genau für die Tiere bedeutet, ist für Laien schwer nachvollziehbar. Hier bekommst du einen Überblick, wie die Wolfspopulation in der Schweiz und in Europa aussieht.
07.01.2024, 13:5508.01.2024, 08:40
Julia Neukomm
Julia Neukomm
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Im letzten Jahr sorgte ein Tier in der Schweiz für besonders viel Diskussionsstoff – der Wolf. Durch die zunehmende Wolfspopulation kam es immer wieder zu Konflikten mit der Landwirtschaft und auch zwischen Wölfen und Menschen nahm die Zahl an heiklen Begegnungen zu.

Die Politik entschied sich, aufgrund der vielen Beschwerden zu handeln: Seit dem 1. Dezember 2023 ist nun unter klar definierten Bedingungen die präventive Regulierung von Wolfsrudeln zur Verhütung zukünftiger Schäden erlaubt. Diese Anpassung der Jagdverordnung kam nicht bei allen gut an. Besonders Tierschützer wollten den präventiven Abschuss von Wölfen verhindern.

Der Wolf sorgt aber nicht erst seit den aktuellsten Ereignissen für Aufmerksamkeit. Wohl jeder kennt den bösen Wolf aus Märchen und Sagen. Wie kein anderes Tier wurde «Isegrim» zum Symbol des Schreckens in verschiedenen Kulturen. Für die Gebrüder Grimm (1887) war er sogar «das böseste aller Tiere».

Doch was wissen wir eigentlich wirklich über den Wolf? Hier bekommst du einen Überblick, wie und wo der Wolf lebt.

Die Lebensweise des Wolfes

Wölfe sind extrem anpassungsfähige Tiere. Weltweit können sie in der Arktischen Tundra, Wäldern, Steppen, Wüsten und sogar stark zersiedelten Gebieten leben. Bezogen auf die Schweiz kommen Wölfe vor allem in den bewaldeten Gebieten der Alpen, Voralpen und im Jura vor. In Europa umfasst die durchschnittliche Rudelgrösse ungefähr fünf Tiere.

Der Wolf ist ein «Fleischmoudi»: Wann immer sich eine günstige Gelegenheit bietet, reisst er eine Beute. Das passiert deshalb, weil der Jagderfolg oft ausbleibt und die Tiere hungern müssen. Somit kann sich der Wolf keine Chance entgehen lassen und dieses Verhalten führt auch dazu, dass er in einer Schafweide mehr Tiere tötet, als er fressen kann.

Quelle: lcie.org
Quelle: lcie.org

Der Wolf in der Schweiz

Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Wolf in der Schweiz und in weiten Teilen von Europa fast komplett ausgerottet. Die Tiere wurden aufgrund der Konflikte zwischen Mensch und Wolf systematisch erschossen, gefangen und vergiftet. 1971 wurden die Tiere in Italien unter Schutz gestellt und tauchten dann auch vereinzelt wieder in der Schweiz auf. Hierzulande gilt der Wolf seit 1985 als geschützt, 1995 kehrte er erstmals wieder in die Schweiz zurück. Bis sich das erste Schweizer Rudel bildete, dauerte es aber bis 2012.

Die Population hat sich durch den Schutz und die gleichzeitige Zunahme wilder Beutetiere wieder erholt und 2022 konnten erstmals 240 Wölfe in der Schweiz nachgewiesen werden. Das Bundesamt für Umwelt schreibt in einer Medienmitteilung von 2023, dass aktuell sogar rund 300 Wölfe, also 36 Rudel, in der Schweiz leben.

Durch die ansteigende Population nahmen die Konflikte zwischen Mensch und Wolf wieder zu und die Politik erliess im Dezember 2023 eine Anpassung der Jagdverordnung. 446 Nutztiere hat der Wolf 2019 getötet, 2022 ist die Zahl auf 1480 gestiegen. Insbesondere Schafe reisst der Wolf (in 94 Prozent der Fälle) von allen Nutztieren am häufigsten. Die neue Verordnung ermöglicht den Kantonen, befristet (von Dezember 2023 bis Januar 2024) präventive Rudel-Regulierungen vorzunehmen.

Die präventive Regulierung (auch proaktive Regulierung genannt) bedeutet, dass die Kantone Wölfe erlegen können, um zukünftigen Schaden zu verhindern. Die reaktive Regulierung geschieht erst dann, nachdem Schaden entstanden ist. Der Bundesrat schreibt in einer Medienmitteilung:

«Die rasche Teilinkraftsetzung ist aufgrund des exponentiellen Wachstums der Wolfsbestände dringend notwendig.»
Quelle: kora.ch
Quelle: kora.ch

Der Wolf in Europa

Die Large Carnivore Initiative for Europe (LCIE) hat 2022 für den Europarat eine Beurteilung über den Wolf in Europa durchgeführt. Gesamthaft werden rund 21'500 Wölfe in Europa geschätzt. Die Wölfe werden in zehn ortsspezifische Gruppen unterteilt (Skandinavien, Karelien, Baltikum, Zentraleuropa, Karpaten, Dinardien-Balkan, Alpen, italienische Halbinsel, Nordwest-Iberien, Sierra Morena), wobei der Wolf in einer dieser Gruppen bereits ausgestorben ist. Im Gebiet Dinariden-Balkan werden am meisten Wölfe geschätzt, bis zu 6500. Im Gebirge von Spanien, Sierra Morena, gibt es heute keine Wölfe mehr.

Quelle: Kora
Quelle: Kora

Auch in unseren Nachbarländern hat sich die Wolfspopulation seit der Ausrottung im 19. Jahrhundert wieder erholt. In Italien lebten 2023 laut WWF rund 3300 Wölfe, in Deutschland sind es schätzungsweise 1339, in Österreich ungefähr 80 und in Frankreich rund 1100. Die folgende Grafik zeigt auf, in welchen Ländern es wie viele Wölfe gibt.

Da sich Wölfe oft nicht nur in einem Land bewegen, sondern ihre Territorien auch grenzüberschreitend sind, sind die obigen Zahlen mit Vorsicht zu lesen. Eine wissenschaftlichere Sichtweise zeigt die Grafik der Large Carnivore Initiative for Europe (LCIE), welche die Verbreitung des Wolfes grenzüberschreitend aufzeigt.

Verbreitung:

Quelle: lcie.org/2012–2016
Quelle: lcie.org/2012–2016
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Zärtliche Wölfe
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Keine Pro-Wolf-Propaganda, sondern Fakt: Frei lebende Wölfe haben ein verspieltes und fürsorgliches Familienleben.
quelle: videostill/stefano polliotto
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Neues Jagdgesetz schiesst laut den Gegnern weit übers Ziel hinaus
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61 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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miip
07.01.2024 15:12registriert Oktober 2019
Nachhilfe für den Bundesrat: Biologische Systeme haben nie ein exponentielles Wachstums, sondern folgen einer logistischen Funktion. Die beiden Funktionen sehen sich nur in der Anfangsphase ähnlich.

Wer von falschen Vorstellungen ausgeht, trifft halt auch falsche Entscheidungen.
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Latvietis1101
07.01.2024 15:19registriert Oktober 2023
Europa hat gelernt, mit dem Wolf zu leben, ihn als natürlichen Bestandteil eines gesunden Ökosystems wahrzunehmen. Nur die Schweiz tut sich derart schwer mit dem Wolf. Aber böse Zungen behaupten auch, unser Land gehöre gar nicht dazu, zu Europa.
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Simplicissimus
07.01.2024 14:16registriert Januar 2015
Zum Vergleich. Der Homo Sapiens hat in der Schweiz 2022 über 83,6 Millionen Nutztiere "gerissen". Der Wolf nimmt in dieser Statistik gerade mal 0.001% der getöteten Tiere ein.
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