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epa08249348 Two passers-by wear a protective face mask as they walk in Milan, Italy, 26 February 2020. Civil Protection Chief Angelo Borrelli said that the number of people which have died due to the COVID19 coronavirus in Italy has climbed to 12 while 374 have contracted the virus.  EPA/MATTEO CORNER

Wer auch nur die geringsten Symptome hat, ziehe eine Maske an, fordert Beda Stadler. Bild: EPA

Interview

Beda Stadler: «Ich kann dieses Verbot absolut nachvollziehen»

Der streitbare Immunologe Beda Stadler bescheinigt dem Bund eine gute Arbeit im Umgang mit dem Coronavirus. Die Schweiz sei besser für eine Epidemie gerüstet als die USA. In erster Linie seien wir gefordert, unser Verhalten anzupassen.



Sie haben dem Bund in der «Weltwoche» dafür gedankt, dass er im Umgang mit dem Coronavirus nicht auf Panik macht. Jetzt verbietet er Grossveranstaltungen. Was sagen Sie dazu?
Beda Stadler:
Ich bin froh, dass ich diesen Entscheid nicht treffen musste. Der Druck auf den Bund war so gross, dass er einen Schritt weiter gehen musste, darum kritisiere ich den Entscheid nicht. Man hätte die Massnahme differenzieren können, aber das wäre schwer zu kommunizieren gewesen.

>>> Diese Grossevents wurden abgesagt

Ist sie nicht übertrieben?
Ich kann dieses Verbot absolut nachvollziehen. Stellen Sie sich vor, eine Grossmutter besucht eine solche Veranstaltung und stirbt an der Krankheit. Das würde man dem Bund anlasten, auch wenn es sich schwer beweisen lässt, dass sie sich dort infiziert hat.

Strassenaufnahme von Beda Stadler am Dienstag, 17. November 2015, in Bern. Der Schweizer Biologe Beda Martin Stadler ist emeritierter Professor und ehemaliger Direktor des Instituts fuer Immunologie der Universitaet Bern. Beda M. Stadler wurde in der Oeffentlichkeit durch seine provokativen Kolumnen zu Gesundheits- und Geselschaftspolitischenthemen bekannt. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Beda Stadler (69) ist emeritierter Professor und ehemaliger Direktor des Instituts für Immunologie an der Uni Bern. Bild: KEYSTONE

Es ist also mehr als nur eine Beruhigungspille?
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat bisher gut kommuniziert. Die von ihm eingeleiteten Schritte machen Sinn. Ich war verärgert, dass die Schweine- und die Vogelgrippe damals zu einer Pandemie stilisiert wurden. Jetzt konzentriert man sich auf die konkreten Verdachtsfälle. Ich finde, der Bund macht seine Sache gut.

Was ist mit dem öffentlichen Verkehr? Dort stehen die Menschen in der Rush Hour dicht nebeneinander. Müsste man ihn einstellen?
Die Leute müssen eines begreifen: Wer auch nur die geringsten Symptome hat, ziehe eine Maske an! Wir müssten verstehen, dass diese Masken nur dafür da sind, etwas vor dem Mund zu haben, damit die Tröpfchen nicht weit fliegen. Wenn man einer solchen Person begegnet, dann muss man im Zug oder Tram nicht in ihrer Nähe stehen. Natürlich wird es Fälle geben, in denen gesunde Leute eine Maske tragen, um einen Sitzplatz zu ergattern (lacht). Das muss man in Kauf nehmen.

Sie appellieren an die Vernunft der Menschen?
Bis dieses Gestürm vorbei ist, müssen wir darauf verzichten, einander die Hand zu geben. Oder halb fremde Menschen zu küssen. Das bleibt den engsten Angehörigen vorbehalten. Wir müssen temporär ein neues soziales Grusssystem entwickeln. Und eine konsequente Hauthygiene praktizieren. Wer nach Hause kommt, wäscht sich als Erstes die Hände!

Der Bund hat bisher 15 Fälle festgestellt. Handelt es sich schon um eine Epidemie?
15 Fälle sind keine Epidemie. Wichtig ist, dass das BAG neue Infektionen rechtzeitig identifiziert. Wir haben in der Schweiz zehn Labors für Tests auf das neue Coronavirus. Damit sind wir besser als die USA. Dort gibt es nur sieben Testzentren, und dort gelten erst noch falsche Vorschriften, weshalb ein Fall in Kalifornien nicht rechtzeitig entdeckt wurde.

Wir sind also gut gerüstet?
Das BAG muss dafür sorgen, dass genügend Tests vorhanden sind. Andere Länder werden ihre Anstrengungen intensivieren, darum muss die Schweiz die Produktion im eigenen Land fördern. Man kann die Tests auch privaten Firmen übertragen. Die haben wir.

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