Hitze bringt Infrastruktur an Grenzen
Hitze setzt Bahnverkehr zu
Die Hitze hat Auswirkungen auf den Bahnverkehr. In den letzten Tagen gab es einige Störungen an der Bahninfrastruktur, welche zu Verspätungen oder Ausfällen von Zügen führten.
Besonders die Schienen reagieren empfindlich auf hohe Temperaturen: Bei anhaltender Hitze können sie sich auf bis zu 60 Grad erwärmen und sich dadurch ausdehnen. Dass dies keine theoretische Gefahr ist, zeigte sich letzte Woche im Zürcher Hauptbahnhof: Dort musste eine Weiche neu eingestellt werden, weil sich das Material durch die Sonneneinstrahlung zu stark ausgedehnt hatte. Einige Züge verkehrten in der Folge mit geringen Verspätungen.
Bei grosser Hitze entstehen in den Schienen starke Spannungen. Werden diese Kräfte zu gross, kann es in seltenen Fällen zu einer plötzlichen Verformung des Gleises kommen – einer sogenannten Gleisverwerfung. Das kommt gemäss den SBB jährlich zwischen drei- und siebenmal vor, vor allem bei älteren Gleisen oder nach Arbeiten an der Fahrbahn, wenn das Gleis noch nicht eingefahren und konsolidiert ist. Das moderne Gleis hält hingegen auch längeren Hitzeperioden stand, wie die SBB auf Anfrage mitteilen.
Diesen Sommer wurden bereits mehrere hitzebedingte Gleisverformungen festgestellt – unter anderem in Baar, Olten und Sissach. Bei solchen Vorfällen setzen die SBB einen Spezialzug ein, der die überhitzten Schienen mit Wasser kühlt. In Baar konnte das beschädigte Gleis noch in derselben Nacht neu verschweisst werden.
Doch nicht nur der Infrastruktur macht die Hitze zu schaffen: Auch bei einzelnen Zügen kam es zu Störungen, weil sich die Fahrmotoren zu stark erhitzten. Der Bahnverkehr sei aber insgesamt stabil. Mit weiteren vereinzelten Einschränkungen müsse jedoch gerechnet werden.
Auch im Inneren der Züge kann die Hitze zum Problem werden: In einzelnen Wagen fielen Klimageräte aus. «Wenn die Klimageräte wie aktuell unter Volllast laufen, kommt es eher zu Störungen oder Ausfällen», teilen die SBB auf Anfrage mit.
Hitze sprengt Asphalt
Auch ältere Autobahnen sind anfällig für Hitzeschäden. Auf der A13 bei Buchs SG in Fahrtrichtung St.Gallen wölbte sich vergangene Woche der Asphalt auf und brach stellenweise auf. An dieser Stelle befinden sich alte Betonplatten, die sich bei hohen Temperaturen ausdehnen können und dadurch Risse oder Brüche verursachen können, wie uns das Bundesamt für Strassen (ASTRA) mitteilt.
Nur wenige Schweizer Strassen seien noch so gebaut. Grundsätzlich seien die Nationalstrassen mit modernen Belägen ausgestattet, die auch mit hohen Temperaturen gut zurechtkommen, teilt das Bundesamt mit. Der betroffene Abschnitt werde regelmässig überwacht und ab 2027 umfassend saniert. Auch auf der A3 beim Walensee kam es zu einem kleineren Belagsschaden auf einem Abschnitt mit einer älteren Betonfahrbahn. Auch dieser Abschnitt werde in den kommenden Jahren saniert.
Hitze bremst Atomkraftwerk
An besonders heissen Tagen kann es vorkommen, dass ein Kernkraftwerk seine Leistung drosseln muss. So darf etwa das Kernkraftwerk Beznau aus Gewässerschutzgründen nicht mit voller Leistung betrieben werden, wenn die Aare wärmer als 25 Grad ist.
Der Grund dafür ist das Kühlwasser. Bei der Stromerzeugung entsteht viel überschüssige Wärme, die abgeführt werden muss. Manche Anlagen nutzen dafür Kühltürme, andere Flusswasser. Ist ein Fluss schon sehr warm, darf er nicht zusätzlich stark erwärmt werden. Somit werden Fische und andere Wasserlebewesen geschützt. Das Kernkraftwerk muss in solchen Fällen seine Leistung reduzieren.
Sicherheitstechnisch sind Hitzetage laut des Bundes für die Schweizer Kernkraftwerke kein Problem. Die Anlagen werden regelmässig überprüft und müssen nachweisen, dass sie auch bei Lufttemperaturen von über 40 Grad sicher betrieben werden können.
Hitzewelle legt Kühlregale lahm
In einzelnen Supermärkten gerieten die Kühlanlagen an ihre Grenzen. Bei Coop stiessen die zentralen Kälteanlagen, welche die Kühlregale in den Filialen versorgen, an ihre Leistungsgrenze. In einzelnen Verkaufsstellen kühlten deshalb einige Regale und Truhen zeitweise nicht mehr ausreichend. Nach Angaben des Unternehmens konnten in den meisten Fällen geeignete Lösungen ohne Lebensmittelverluste umgesetzt werden.
Auch die Migros kämpfte mit dem Problem – allerdings nur in wenigen Filialen. Nach Unternehmensangaben kam es lediglich an fünf der insgesamt 659 Standorte zu Einschränkungen bei den Kühlprodukten. Die Waren seien rechtzeitig umgelagert worden, sodass keine Lebensmittel entsorgt werden mussten.
Hitze belastet Landwirtschaft
Die Hitze fordert auch die Landwirtschaft. Steigen die Temperaturen über längere Zeit, reduzieren Pflanzen ihr Wachstum oder stellen es ganz ein. Die Folge: Die Qualität der Ernte leidet. «Wenn es längere Zeit über 35 Grad wird, dann geht die Pflanze eigentlich ein, weil sie sich gar nicht mehr kühlen kann», sagt David Brugger vom Schweizer Bauernverband gegenüber SRF.
Wie gross die tatsächlichen Ernteausfälle ausfallen werden, ist derzeit noch unklar. Michael Feitknecht, Chef des Agrarunternehmens Fenaco, sagt zu SRF: «Die Ertragssicherheit in der Schweiz nimmt extrem ab. Wir sind mittlerweile bei einer Versorgungssicherheit von nur noch rund 42 Prozent, in den letzten Jahren war sie noch über 50 Prozent.»
(mit Material der sda)
