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La vie en Jaune ist das vermutlich grösste Outdoor-Projekt der Schweiz

Pascal Bourquin La vie en Jaune Hälfte des Projekts am 27. August 2026 Region Gurten Wabern Aare Muri
Pascal Bourquin (oranges Shirt) hat genau hier die Hälfte aller Schweizer Wanderwege abgewandert.Bild: Reto Fehr

Nach 13 Jahren und 33'000 Kilometern (!) ist die Hälfte dieses Monster-Projekts geschafft

Es ist das wohl unglaublichste Outdoor-Projekt der Schweiz, vielleicht sogar weltweit: Pascal Bourquin will jeden Wanderweg des Landes absolvieren. 28 Jahre hat er dafür geplant. Jetzt ist ein Meilenstein erreicht.
28.08.2026, 20:0228.08.2026, 20:57

«Wirst du weinen?», fragt seine Tochter, kurz bevor Pascal Bourquin die Hälfte seines Monster-Projekts erreicht. Die Hälfte, das sind 33'289 Kilometer. Es ist schwierig, diese Zahl fassbar zu machen. Die Erde hat einen Umfang von 40'000 Kilometern. Aber das kann sich ja auch niemand richtig vorstellen.

33'000 entspricht gemäss Google Maps ungefähr dem kürzesten Weg von Bern nach Peking und zurück. Oder 125-mal auf dem schnellsten Weg mit dem Auto von Schaffhausen nach Lugano.

La vie en Jaune Hälfte ist geschafft
Die Hälfte der Wanderwege hat Pascal Bourquin jetzt zurückgelegt (rot = absolviert).Bild: lavieenjaune.ch

Aber das Auto, das nutzt Bourquin höchstens, wenn er zu einem Ausgangspunkt fährt. Denn sein Projekt «La vie en jaune» ist unmotorisiert: Er will jeden Wanderweg der Schweiz ablaufen. 66'578 Kilometer sind dies nach seinen Berechnungen – eineinhalbmal um die Welt.

Pascal Bourquin La vie en Jaune Hälfte des Projekts am 27. August 2026 Region Gurten Wabern Aare Muri
Pascal Bourquin auf dem Turm des Gurtens.Bild: Reto Fehr

Vor 12 Jahren und 9 Monaten begann er das Unterfangen. Warum er startete und was er damit erreichen will, verriet er uns kürzlich auch im Rauszeit-Podcast. Jetzt wandert er auf seiner 1305. Etappe mit einer Gruppe von rund 30 Mitwandernden durch Wabern zur Aare. In wenigen 100 Metern ist die Hälfte des Giga-Projekts erreicht. Mit dabei ist auch seine Tochter und die wartet auf seine Antwort. Ob er weinen wird? Bourquin zögert kurz: «Nein. Ich weine dann am Ende.»

Wenig später ist die Stelle erreicht. Ein schöner Weg durch den Wald direkt an der Aare. Die Sonne scheint auf einen kleinen Fleck neben einem Baumstrunk. «Hier sind wir», sagt Bourquin, «Kilometer 33'289 meines Projekts.» Dabei bewältigte er unglaubliche 1'682'000 Höhenmeter. Der Vielwanderer hat einen Vorsprung auf den Zeitplan von rund einem Jahr. Er weint nicht. Aber man spürt, dass ihm der Moment einiges bedeutet. Die Mitwanderer aus der ganzen Schweiz (einige kennen ihn schon lange, andere verfolgen sein Projekt auf den sozialen Medien) applaudieren.

Pascal Bourquin La vie en Jaune Hälfte des Projekts am 27. August 2026 Region Gurten Wabern Aare Muri
Bourquin zeigt's an: Genau hier sind 33'289 Kilometer erreicht.Bild: Reto Fehr

«Es ist, als ob ich gestern erst startete. Ans Ende konnte ich damals noch nicht denken. Viele sagten, das sei unmöglich. Auch die Hälfte des Projekts lag so unendlich weit weg. Und jetzt ist es plötzlich da», sagt 60-Jährige.

Pascal Bourquin La vie en Jaune Hälfte des Projekts am 27. August 2026 Region Gurten Wabern Aare Muri
Wer hätte gedacht, dass genau dieser Ort an der Aare zur Hälfte des Monster-Projekts wird?Bild: Reto Fehr

Pro Woche investiert er rund zwei Tage in sein Wanderprojekt. Die Hälfte davon ist das Wandern. Denn pro Wanderstunde braucht es auch noch eine Stunde Vorbereitung und Planung. «‹La vie en jaune› ist nicht nur ein Wanderprojekt. Es gibt sehr viel Organisatorisches», hält Bourquin fest. Es seien so viele Faktoren, die er nicht beeinflussen kann. Darum plant er fortlaufend und passt sich an.

Anpassen, das müssen wir uns auch kurz darauf. Der Weg führt bei Elfenau über die Aare. Es hat da eine kleine Fähre, die man mit einer Klingel «bestellt». Das Boot quert den Fluss ohne Motor, sondern mit dem gezielten Ausnutzen der Strömung und befestigt an einem Seil, das über den Fluss gespannt ist. Faszinierend. Aber das ist hier nicht das Thema.

Pascal Bourquin La vie en Jaune Hälfte des Projekts am 27. August 2026 Region Gurten Wabern Aare Muri
Die Fähre steuert nur mit der Strömungskraft und am langen Seil über die Aare, während ein Gummiboot sich vorbeitreiben lässt.Bild: Reto Fehr

Wir warten also auf das Boot. Erlebt Bourquin viele solche Überraschungen? «Ja, sehr viele. Heute haben wir Glück, dass die Fähre in Betrieb ist. Ich stand auch schon an solchen Stellen ausserhalb der Betriebszeiten.»

Falls du die Schweiz lieber motorisiert entdecken willst:

Und was waren die bisher grössten Überraschungen unterwegs? «Als mir Gämsen in Solothurn begegneten. Und auf der Via Alta Verzasca – einem schwierigen weiss-blau-weissen Abschnitt – kam ich durch die Felsen um eine Kurve und da ging einfach ein alter Mann mit Wanderstab. Keine Ahnung, wie er dahin kam.»

Pascal Bourquin La vie en Jaune Hälfte des Projekts am 27. August 2026 Region Gurten Wabern Aare Muri
Auf der Karte war – wenn man den Weg einzeichnet – nicht sofort ersichtlich, dass hier keine Brücke, sondern eine Fähre für die Flussüberquerung sorgt.Bild: Reto Fehr

Später wird Bourquin während einer kleinen Präsentation zeigen, was ihm in den bisher rund 13 Jahren sonst noch auffiel. Das sei schwierig gewesen. «Denn eigentlich ist viel zu viel passiert. Aber andererseits wandere ich ja nur», sagt er. Zu den Erkenntnissen gehören:

  • Die Zeit rennt
  • Viele Schwierigkeiten/Unannehmlichkeiten (Verletzungen, Hundebiss, Wegsperrungen, geschlossene Restaurants)
  • Mittelmässiges Essen und unbequeme Übernachtungen
  • Sehr viel Arbeit neben dem Wandern (rund 1 Stunde Arbeit für eine Stunde Wandern)
  • Die grosse Freude, in der Natur zu sein
  • Sehr, sehr viele Momente des Glücks
Pascal Bourquin La vie en Jaune Hälfte des Projekts am 27. August 2026 Region Gurten Wabern Aare Muri
Fast wie bei «Forrest Gump»: Rund 30 Personen – rund die Hälfte davon sah er nie zuvor – begleiteten Pascal Bourquin auf seiner Jubiläumsetappe.Bild: Reto Fehr

Diese Momente des Glücks werden ihn auch durch die zweite Hälfte des Projekts begleiten. Die Motivation hat sich aber etwas geändert. Beim Start vor bald 13 Jahren war es noch eher auch «etwas Aussergewöhnliches machen».

Jetzt freut er sich über die Verbindung zur Natur, dass er Orte entdeckt, die er sonst nie besucht hätte, dass er unbekannte Leute kennenlernt, dass Wandern wie Meditieren ist und vor allem: «Ich möchte gut altern. Gesundheit ist wichtig. Dieses Projekt hilft mir, gut zu altern. Und umgekehrt läuft das Projekt gut, wenn ich gut altere.»

Pascal Bourquin La vie en Jaune Hälfte des Projekts am 27. August 2026 Region Gurten Wabern Aare Muri
Jede der bisher 1305 Etappen hält der Jurassier bildlich fest. Hier wird Bern vom Gurten-Turm aus geknipst.Bild: Reto Fehr

Fit war Bourquin schon immer. Zu Beginn des Projektes schon und jetzt auch noch. Natürlich wird auch er nicht jünger. Aber bisher läuft alles gut. Für die zweite Hälfte hofft der 60-Jährige, dass er auch mal «bisschen mehr Zeit» hat, mal zwei bis drei Tage an einem Ort bleiben kann und von dort auch kürzere Etappen wandern kann (aktuell macht er rund 45 Kilometer pro Woche).

Pascal Bourquin La vie en Jaune Hälfte des Projekts am 27. August 2026 Region Gurten Wabern Aare Muri
Spontane «Kultur-Minute» beim Steinbruch Gurten. Bourquin entdeckte auf seinen Wanderungen auch schon den sehr eindrücklichen Steinbruch Krauchthal.Bild: Reto Fehr

Ob das auch alles so eintrifft? Wer weiss das schon? Gelernt hat Bourquin auf den ersten rund 33'000 Kilometern eines: «Ich kann nicht alles beeinflussen. Ich kann viel vorbereiten, die (neuen) Apps sind grosse Hilfen. Aber am Ende entscheidet der Weg, wie es läuft. Es gibt immer Unsicherheiten.»

Geplant ist das Ende des Projekts am 1. August 2041 auf dem Bundesplatz. Ob Bourquin dann weinen wird? Angekündigt hat er es zumindest.

La vie en jaune
Der Jurassier Pascal Bourquin startete im Dezember 2013 sein Projekt «La vie en jaune» (das Leben in Gelb). Er will bis am 1. August 2041 (750-Jahre-Feier der Schweiz) alle Wanderwege der Schweiz ablaufen. Die Hälfte ist geschafft. Die Wanderwege sind gemäss seinen Berechnungen 66'578 Kilometer lang. Das sind schon knapp 1000 Kilometer mehr als beim Start. Die Berechnungen sind darum etwas kompliziert. Hat er Kantone abgeschlossen, geht er nicht mehr dorthin zurück. Kantone, in welchen er unterwegs ist, passt er die Strecke an, wenn er im Gebiet noch nicht war. Darum kann es sein, dass beim Projektende die Gesamtkilometer noch etwas variieren. Du kannst sein Projekt auf Instagram oder Facebook verfolgen.
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