Zunahme der Einbrüche in Schweizer Waffengeschäfte hat System
Zuletzt haben sich Einbrüche in Waffengeschäfte in der Schweiz gehäuft. Meist sind internationale Banden am Werk. Die von zumeist jungen Tätern begangenen Straftaten sind Teil eines grösseren Phänomens im Bereich der organisierten, internationalen Kriminalität. Dieses hat unterdessen auch die Schweiz erreicht, wie aktuelle Zahlen des Bundesamts für Polizei zeigen.
Die Logistiker stellen in der Folge sicher, dass die für die Tat notwendige Logistik, wie zum Beispiel Fahrzeuge, Werkzeuge, Kontakte oder finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Die Tatausführung erfolgt dann durch die rekrutierten Soldaten.
Für die Fahndung wurden laut der Polizei Drohnen, Hundestaffeln und ein Super-Puma-Helikopter der Schweizer Armee mit Nachtsicht- und Wärmebildsystem eingesetzt. Beteiligt waren mehrere Kantonspolizeien sowie das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG). Am Ende der Flucht wurden sieben mutmassliche Täter aus Frankreich im Alter von 16 bis 31 Jahren festgenommen.
Fedpol verzeichnet Zunahme der Fälle
Das Ereignis im Wallis ist kein Einzelfall: Einbrüche in Waffengeschäfte gab es dieses Jahr auch im Tessin, im Kanton Schwyz und am vergangenen Mittwoch zum wiederholten Male im Kanton Zürich. In Pfungen brachen drei Männer in ein Waffengeschäft ein. Darauf folgte eine halsbrecherische Fluchtfahrt, auf welcher die Einbrecher diverse Verkehrsteilnehmende und Passanten gefährdeten.
Auch in Sitten gab es 2026 schon zwei solche Einbrüche, die bekannt wurden – bereits Mitte Juni verschafften sich Täter mit Sprengstoff Zugang zu einem Waffengeschäft.
Insgesamt 23 Fälle von Einbrüchen oder Einbruchsversuchen in Waffengeschäfte verzeichnete das Bundesamt für Polizei (Fedpol) alleine seit Januar 2026, wie es auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA heisst.
Eine Zunahme der Fälle verzeichnet das Fedpol bereits seit dem Vorjahr. Im vergangenen Jahr waren mehrere Fälle aus dem Kanton St.Gallen, etwa in Gossau, in Altstätten und in Wittenbach, sowie aus dem Kanton Zürich und dem Aargau bekannt geworden.
Auffällig dabei: In fast allen Fällen handelt es sich laut der Mitteilungen der Polizeien um Diebesbanden aus anderen Ländern, insbesondere aus Frankreich, welche die Einbrüche durchführen und in der Folge die Flucht antreten.
Bei Gang-Rivalitäten eingesetzt
Das Fedpol hat Hinweise darauf, dass die in der Schweiz entwendeten Waffen nach Frankreich überführt werden. Die Waffen würden dann innert kurzer Zeit bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Gruppierungen eingesetzt.
Erkenntnisse aus laufenden Ermittlungen deuteten darauf hin, dass diese französischen Gruppierungen in den vergangenen Jahren an Schlagkraft gewonnen haben. Gleichzeitig agierten sie «zunehmend gewaltbereiter, risikofreudiger und professioneller».
Parallel zu den Waffendiebstählen häufen sich seit 2025 laut dem Fedpol auch Diebstähle von Luxusfahrzeugen aus Garagenbetrieben. Zudem kam es, vor allem in der Region Genf, vermehrt zu versuchten und vollendeten «Homejackings».
Homejacking bedeutet, dass Kriminelle Menschen in ihrem Zuhause überfallen, um an Geld, Schmuck oder Autos zu gelangen. Im Unterschied zum gewöhnlichen Einbruch sind die Bewohnerinnen und Bewohner dabei zu Hause und werden direkt mit den Tätern konfrontiert. Diese Straftaten würden mehrheitlich kriminellen Gruppierungen aus Frankreich zugerechnet, so das Fedpol.
Verschiedene Straftaten mit gleichem Muster
Die verschiedenen Straftaten sind laut Fedpol dem Phänomen «Crime-as-a-Service» (CAAS) zuzuschreiben. Eine Methode, auf welche insbesondere französische Gruppierungen vermehrt als Modus Operandi zurückgreifen.
Dabei gibt es die Auftraggebenden, welche die Straftaten in Auftrag geben und diese auch finanzieren. Dann gibt es laut Fedpol die Rekrutierer, welche potenzielle «Soldatinnen» und «Soldaten» über die sozialen Medien anwerben und weitere Details oft über verschlüsselte Messaging-Dienste austauschen. Die Rekrutierung erfolgt bei den Fällen mit Schweiz-Bezug meist über Snapchat. Werbevideos finden sich auch auf TikTok und Telegram.
Die Logistiker stellen in der Folge sicher, dass die für die Tat notwendige Logistik, wie zum Beispiel Fahrzeuge, Werkzeuge, Kontakte oder finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Die Tatausführung erfolgt dann durch die rekrutierten Soldaten.
Seit Januar 2026 können laut dem Fedpol «rund 300 bis 350 Fälle in der Schweiz» dem Phänomen CAAS zugeschrieben werden, wie es auf Anfrage heisst. Die Mehrheit der Fälle betrifft Einbrüche und Einbruchsversuche in Garagenbetriebe und damit verbundene Fahrzeugdiebstähle. Darüber hinaus könnten einzelne Einbrüche in Bijouterien oder Raubüberfälle ebenfalls CAAS zugeschrieben werden.
Junge Menschen werden zu Täterinnen und Tätern
Bei den Soldaten handelt es sich laut Fedpol um «meist unerfahrene Minderjährige oder junge Erwachsene, ohne direkte Verbindung zu einer kriminellen Organisation». In der Schweiz würden fast ausschliesslich Männer eingesetzt. Vereinzelt gebe es auch Fälle mit weiblicher Tatbeteiligung.
Die unerfahrenen Jugendlichen würden in der Regel dazu verpflichtet, sich bei der Tatausführung zu filmen. Das Material diene dann einerseits als Propagandamaterial für weitere Rekrutierungen, andererseits könne es zur Erpressung und zur Erzwingung weiterer Straftaten eingesetzt werden. Könnten die Jugendlichen den Auftrag nicht erfolgreich ausführen, drohten ihnen Repressalien durch die Rekrutierenden.
Die Straftaten würden gezielt ausgelagert, indem Minderjährige und junge Erwachsene über soziale Medien wie Snapchat oder TikTok für deren Begehung rekrutiert würden. Die Rekrutierer nutzten gezielt Jugendsprache, Emojis und Memes. Im Austausch gegen Geldbeträge von 500 bis weit über 10'000 Euro würden die jungen Menschen dann in kriminelle Straftaten eingebunden, die häufig über Landesgrenzen hinweg organisiert und ausgeführt werden.
Aktuell steigen laut dem Fedpol die auf den sozialen Medien angebotenen Geldsummen laufend an. Damit nehme auch das Risiko zu, dass schwerere Straftaten mit Bezug zur Schweiz in Auftrag gegeben würden. Laut dem Fedpol sind unterdessen auch Schweizer Jugendliche von solchen Rekrutierungsversuchen betroffen – unter anderem im Kanton St.Gallen und in Zürich seien Fälle bekannt geworden.
Nationale Taskforce eingerichtet
Für Straftaten in der Schweiz wurden gemäss den Zahlen des Fedpol seit 2025 bis Ende Juni des laufenden Jahres mindestens 360 rekrutierte «Soldaten» identifiziert, darunter zehn Schweizer Jugendliche. Das Durchschnittsalter bei den über 360 rekrutierten Soldaten beträgt 21 Jahre – der jüngste bekannte Täter war 14 Jahre alt.
Wie reagieren die Behörden darauf? Die kriminellen Aktivitäten der französischen Gruppierungen und das damit verbundene Vorgehen «Crime-as-a-Service» sollen langfristig bekämpft werden, teilte das Fedpol auf Anfrage mit. Dafür haben Bund und Kantone im Rahmen der Vereinigung der Schweizerischen Kriminalpolizeichefinnen und -chefs (VSKC) eine nationale operative Taskforce eingerichtet.
Gesamtleitung und operative Führung liegen offiziell seit Anfang Mai bei Fedpol und der Kantonspolizei Zürich. Im Fokus stünden insbesondere die Identifikation, Aufklärung und Zerschlagung der dahinterstehenden Täterstrukturen. Neben der Kantonspolizei Zürich beteiligen sich derzeit das BAZG, die Kantonspolizei St.Gallen, die Neuenburger Polizei, die Kantonspolizei Aargau sowie die Kantonspolizei Bern an der Taskforce. (sda)
