Versicherungen schlagen Alarm: «Das bisher mit Abstand schwerste Hagelunwetter des Jahres»
Zerschlagene Autoscheiben in Winterthur, ein verwüstetes Gartenbad im Raum Basel, umgeknickte Betonmasten mit Hochspannungsleitungen im Aargau und eine durch einen umgestürzten Baum schwer verletzte Frau im Kanton Solothurn – diese Meldungen mussten die Kantonspolizeien am Freitag in der ganzen Schweiz verschicken. Der Grund: Von Westen zieht eine Kaltfront über die Schweiz und bringt voraussichtlich noch bis Mitternacht Unwetter, Gewitter und vor allem Schäden mit sich.
Auf Nachfrage von watson heisst es von der Versicherung Allianz Suisse: «Es handelt sich um ein Grossereignis.» Und die Mobiliar schreibt: «Das Hagelunwetter vom 28. August war das bisher mit Abstand schwerste in diesem Jahr.»
Schäden in Millionenhöhe
Allein bis zum Mittag hat die Mobiliar-Versicherung über 1000 Meldungen über Fahrzeugschäden und hunderte Meldungen wegen überschwemmter Keller und Umgebungsschäden erhalten. «Diese Zahlen dürften noch deutlich steigen», schreibt die Mobiliar.
Die Allianz Suisse geht nach ersten Hochrechnungen von 10'000 Schadenfällen aus. Starkregen, lokale Überschwemmungen und tennisballgrosse Hagelkörner hätten zu Millionenschäden geführt. Vor allem Motorfahrzeuge und Gebäude seien beschädigt worden. Am stärksten vom Unwetter getroffen worden seien die Regionen Aargau, Solothurn und Zürich.
Auch die Axa Versicherung spricht davon, dass vor allem das Mittelland und somit dicht besiedeltes Gebiet vom Unwetter getroffen worden ist. Für eine abschliessende Einschätzung zum Schadensbild und -ausmass sei es jedoch noch zu früh. «Gemäss erster Einschätzung hat das Unwetter am Morgen zu vielfältigen Schäden geführt, insbesondere zu Hagelschäden an Fahrzeugen, beschädigten Fassaden und Gebäudehüllen sowie abgedeckten Dächern», schreibt die Axa in ihrer Antwort an watson.
Zunehmende Extremereignisse
Bereits Anfang Jahr prognostizierte der Rückversicherer Swiss Re, dass für 2026 höhere Schäden durch Naturkatastrophen verursacht würden. Dies, weil Extremereignisse wie Waldbrände, Überschwemmungen und schwere Gewitter zugenommen haben und weiterhin zunehmen werden.
Matthias Röthlisberger, Co-Leiter Geoanalyse und Naturgefahren bei der Mobiliar, unterstreicht diese Prognose in einer Medienmitteilung: «Aufgrund des Klimawandels ist in Zukunft mit mehr solchen Extremereignissen zu rechnen.» Zum Freitagsunwetter sagt Röthlisberg: «Die räumliche Ausbreitung und die Heftigkeit sind aussergewöhnlich.» Zerstörte Front-, Heck- und sogar Seitenscheiben an Fahrzeugen zeugten von der massiven Naturgewalt.
Hagel-Drive-Ins für Versicherte
Die Axa verweist darauf, dass für Gebäudeschäden in den meisten Kantonen die Gebäudeversicherungen zuständig sind. Man solle Schäden deshalb zuerst bei den Gebäudeversicherungen melden. Schäden am Hausrat müssten der Hausratsversicherung gemeldet werden.
Ihren Kundinnen und Kunden, die ihr Auto bei der Axa versichert haben, rät die Versicherung, sicherheitsrelevante Schäden schnellstmöglich zu melden, damit eine Partnergarage die Schäden möglichst rasch beheben könne. Per SMS und Email habe man die Kundschaft bereits darüber informiert. Ausserdem will die Axa voraussichtlich Hagel-Drive-Ins einrichten.
Solche Drive-Ins, in denen Expertinnen und Experten die Fahrzeugschäden eruieren, hat die Allianz Suisse bereits eingerichtet, wie sie in einer Medienmitteilung schreibt. Vom 14. bis 18. September werde in Bachenbülach und in Winterthur ein Drive-In stehen, vom 21. bis 25. September in Aarau. (aye)
