DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Gut ausgebildete Migranten finden keinen Job in der Schweiz, obwohl es an Fachkräften mangelt    

07.09.2016, 12:0907.09.2016, 12:14

Das Hilfswerk der evangelischen Kirche HEKS hat im Internet eine Stellenvermittlung lanciert: Gut ausgebildete Migrantinnen und Migranten – beispielsweise aus dem Thurgau – werden dort mit Foto und Begleittext präsentiert. Eine richtige Stellenbörse will das HEKS aber nicht anbieten.

Beispielsweise Eyader Addis, Herkunft Äthiopien, Wohnkanton Thurgau. Er hat in Ägypten ein Bachelor-Studium in englischer und amharischer Literatur abgeschlossen und verfügt über eine journalistische Ausbildung. Eyader Addis war als Journalist, Reporter, Redaktionsleiter und Nachrichtensprecher für Radio und TV tätig. Seine bisherigen Jobs in der Schweiz? Diverse freiwillige Tätigkeiten in Alterszentren.

Eyader Addis würde zwar gerne wieder als Journalist oder Fotograf arbeiten, wie es zu seinem Porträt heisst Er ist allerdings auch auf der Suche nach Alternativen und hat einen Pflegekurs absolviert. «Ich könnte mir auch eine Tätigkeit im Pflegebereich vorstellen», formuliert er seinen Berufswunsch. 

IT-Technikerin, Physiker, Bauingenieur

Die Angaben über Eyader Addis sind auf der vom HEKS lancierten Internetseite www.sie-sind-die-antwort.ch aufgeschaltet. Dort lassen sich rund 60 Porträts von Migrantinnen und Migranten abrufen. Sie alle fanden in der Schweiz bisher keine Stellen, die ihren Qualifikationen entsprechen.

Das Angebot an Migrantinnen und Migranten mit guten Qualifikationen wäre gross, dies illustriert die Aktion des HEKS. Auf der Website aufgeführt ist etwa die System- und Softwaretechnikerin Rand Khalif, der Physiker Muhammad Sana Ullah, der Polymechaniker Rahmattollah Shafaii, der Bauingenieur Kelvin Valoy oder der Motorenmechaniker Semere Tekle.

Asylsuchende zeigen, was sie an der Schweiz besonders schätzen

1 / 12
Asylsuchende zeigen, was sie an der Schweiz besonders schätzen
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Keine Konkurrenz zu Job-Portalen

Das Angebot des HEKS will aber weder eine umfassende Auflistung anbieten, noch zu einer Konkurrenz zu bestehenden Job-Portalen werden. Aufgeschaltet seien Beispiele, die zur Sensibilisierung beitragen sollen, erklärt HEKS-Sprecher Dieter Wüthrich gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Die Stichworte zur Kampagne sind Fachkräftemangel und Integration in den Arbeitsmarkt.

Die vorgestellten Porträts seien alle echt, stellt er klar. Auf der Website wird jeweils eine Kurzbiografie mit den wichtigsten Angaben veröffentlicht, etwa den Deutschkenntnissen. Interessierte Unternehmen können über ein Online-Formular einen vollständigen Lebenslauf anfordern.

Berufsdiplome einordnen

Die Diskrepanz zwischen dem ungenutzten Potenzial gut ausgebildeter Migrantinnen und und Migranten einerseits und den Firmen, die sich über den Fachkräftemangel beklagen, beschäftigt die Politik schon länger. Das zeigen diverse Vorstösse aus kantonalen Parlamenten oder aus dem National- und Ständerat.

Die geplanten Massnahmen konzentrieren sich aber bisher vor allem auf die Berufsbildung. So sollen etwa Einarbeitszeiten mit tieferen Löhnen als vorgesehen oder verkürzte Lehren ermöglicht werden. Was ist aber mit Migrantinnen und Migranten, die in ihren Herkunftsländern bereits eine gute Ausbildungen genossen haben?

Politische Vorstösse

Das HEKS unterstütze einen politischen Vorstoss, der sich für die Schaffung eines Kompetenzzentrums einsetze, das den Stellenwert von ausländischen Berufsdiplomen einordne, erklärte Wüthrich. Unternehmen sollen sich dort informieren können, was beispielsweise eine Ingenieurausbildung im Irak im Vergleich zu ihrem Schweizer Pendant wert ist. (sda/whr)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

5 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
ElenderKuschelwuschel
07.09.2016 15:12registriert Juni 2016
Die Berufe, die oben genannt werden, sind nicht unbedingt diejenigen, bei denen Fachkräftemangel herrscht. Journalisten werden bei uns z.B. durch diverse Studien und Schulen en masse auf den Markt gespült.
Für englische und amhadische Literatur gibt es auch nicht gerade viele Jobs in der freien Wirtschaft.
Der Physiker ist ungefähr der Einzige, der tatsächlich ein gefragtes Studium mitbringt, wobei aber zu klären wäre, auf welchem Niveau sein Studienabschluss im Vergleich zu EU-Abschlüssen ist.
Dann: Diese fähigen Leute würden in ihren Heimatländern gebraucht, wenn nicht heute so morgen.
283
Melden
Zum Kommentar
avatar
Kookaburra
07.09.2016 13:04registriert November 2015
Scheinbar ist der "Fachkräftemangel" eine Lüge. Genauso wie "Immigranten machen ja nur die Jobs, die Schweizer nicht wollen".
Und die Erfahrung und Referenzen "gut in Ägypten oder Äthiopien ausgebildeter Mensch", werden kaum prüfbar sein, während die Standarts von z.B. Architektur und Ingenieurswesen in der Schweiz, viel höher sind, wie in Afrika oder Indien. Desweiteren sind auch "sehr gute" Deutschkenntnisse aus solchen Verhältnissen bei uns nur höchst selten überdurchschnittlich und kaum geeignet für anspruchsvollere Jobs.
Und auf jeden solchen Job bewerben sich auch etwa 50-100 Deutsche.
284
Melden
Zum Kommentar
avatar
Hirnwinde
07.09.2016 13:40registriert September 2016
Fachkräfte mit einem nicht anerkannten Abschluss in englischer und amharischer Literatur sind wohl nicht sonderlich gefragt in der Wirtschaft. Pech gehabt!
2010
Melden
Zum Kommentar
5
36 Jahre Paul Rechsteiner – nun tritt der St. Galler Ständerat zurück
Der Abschied kommt kurz und schmerzlos: Paul Rechsteiner hört noch vor Ende Jahr auf. Der Ständerat hat im Interview mit dem «St. Galler Tagblatt» über seinen Rücktritt, seine Nachfolge und seine Zukunft gesprochen.

Dass er nicht mehr antrete, sei wohl keine grosse Überraschung. Überraschender sei eher, dass der Rücktritt bereits per Ende der Wintersession erfolgt, sagt Rechsteiner. Als Grund für den kurzfristigen Abgang gibt der St. Galler unter anderem an, dass dieser zu einer Einer-Vakanz führt. Dadurch gäbe es vor den eidgenössischen Wahlen im Herbst eine separate Ersatz-Wahl, die weniger parteipolitisch geprägt sei.

Zur Story