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Krisenstimmung bei Solskjaer, Matic, Fred und Martial.
Krisenstimmung bei Solskjaer, Matic, Fred und Martial.
bild: watson
Analyse

6 Gründe, weshalb Manchester United in einer tiefen Krise steckt

Manchester United ist am Abgrund. Seit Jahren stagniert der englische Rekordmeister – Besserung ist nicht in Sicht. Die Red Devils haben (mindestens) sechs grosse Probleme. Eine Analyse.
23.01.2020, 18:3724.01.2020, 10:50

Manchester United liegt auf Rang 5 in der Premier League. Das klingt besser, als es tatsächlich ist. Die Bilanz von 9 Siegen, 7 Remis und 8 Niederlagen ist eines Rekordmeisters unwürdig. Zudem ist das Mittelfeld der Liga extrem eng zusammen. Newcastle United auf Rang 14 liegt bloss vier Punkte hinter den «Red Devils». Der Rückstand auf Leader Liverpool beträgt hingegen bereits 30 Punkte – und dies, obwohl das Team von Jürgen Klopp zwei Spiele weniger absolviert hat.

Gestern gab es für Manchester United den nächsten Rückschlag, eine peinliche 0:2-Heimniederlage gegen den FC Burnley.

Wenn's dir nicht läuft, erzielt der Gegner solche Tore.
Video: streamja

Manchester United hat bereits die letzte Saison als schwächstes der «grossen» Teams auf dem enttäuschenden 6. Rang abgeschlossen. Es gibt wenig Grund zur Annahme, dass es in diesem Jahr besser wird. Die «Red Devils» haben (mindestens) sechs grosse Probleme.

Wenn du 87 Millionen für einen Maguire bezahlst ...

Im Sommer hat Manchester United die schwache Defensive gestärkt. Für 87 Millionen Euro kam Harry Maguire von Leicester United, für Rechtsverteidiger Aaron Wan-Bissaka waren 55 Millionen fällig.

Das Problem ist bloss, dass 142 Millionen Euro für zwei Verteidiger nichts bringen, wenn diese ihr Geld nicht wert sind. Vor allem Maguire ist bei weitem kein Top-Verteidiger. Er ist eine robuste Kante für hinten drin, ein zweikampf- und kopfballstarker Allerweltsverteidiger. Aber der englische Nationalspieler ist hüftsteif, langsam und hat keinen guten Spielaufbau.

Die 10 teuersten Innenverteidiger der Geschichte
1. Harry Maguire, 87 Millionen
2019 von Leicester City zu Manchester United
2. Matthijs de Ligt, 85,5 Millionen
2019 von Ajax Amsterdam zu Juventus Turin
3. Virgil van Dijk, 84,65 Millionen
2018 von Southampton zum FC Liverpool
4. Lucas Hernandez, 80 Millionen
2019 von Atlético Madrid zu Bayern München
5. Aymeric Laporte, 65 Millionen
2017 von Athletic Bilbao zu Manchester City
6. John Stones, 55,6 Millionen
2016 vom FC Everton zu Manchester City
7. Eder Militao, 50 Millionen
2019 vom FC Porto zu Real Madrid
8. David Luiz, 49,5 Millionen
2014 vom FC Chelsea zu Paris Saint-Germain
9. Rio Ferdinand, 46 Millionen
2002 von Leeds United zu Manchester United
10. Eliaquim Mangala 45 Millionen
2014 vom FC Porto zu Manchester City

... aber deinen Sturmtank abgibst

Im Sommer hat Manchester United nicht bloss Spieler geholt, sondern auch welche abgegeben. Prominentester Abgang ist Romelu Lukaku. Der technisch limitierte Belgier wurde bei ManUnited oft als Sündenbock dargestellt – trotz 42 Toren in 96 Spielen.

Diese Tore hat Manchester United verkauft – ohne einen echten Ersatz zu holen. Neben den Treffern von Lukaku fehlt auch seine Präsenz. Der bullige Stürmer (1,90 m, 93 kg) hat ein komplett anderes Profil als die übrigen United-Stürmer Marcus Rashford (1,85 m, 70 kg), Anthony Martial (1,83 m, 76 kg), Mason Greenwood (1,81 m, 70 kg), Daniel James (1,70 m, 76 kg) und Jesse Lingaard (1,74 m, 65 kg). Letzterer ist übrigens seit 25 Premier-League-Spielen ohne Tor oder Assist.

Manchester United fehlt die Wucht eines Romelu Lukaku.
Manchester United fehlt die Wucht eines Romelu Lukaku.
Bild: AP

Mit all diesen ähnlichen Spielertypen ist es schwer, die Taktik umzustellen. Es fehlt die Wucht im Strafraum. Manchmal braucht es die Brechstange, ManUnited hat sie nicht (mehr) im Angebot.

Ach ja: Sündenbock Lukaku läuft es bei Inter wie am Schnürchen. In 26 Spielen hat er 18 Tore erzielt und ist mitverantwortlich dafür, dass die Mailänder wieder ein ernsthafter Herausforderer von Juventus Turin sind.

Eine überforderte Klublegende

Die einfachste Analyse ist es immer, dem Trainer die Schuld für schwache Leistungen zuzuschieben. In diesem Fall kommt man aber nicht darum herum, Trainer Ole Gunnar Solskjaer für die Talfahrt mitverantwortlich zu machen.

Der Gedanke ist wunderbar, eine Klub-Legende als Trainer anzustellen, wie es Real Madrid erfolgreich mit Zinédine Zidane oder Juventus Turin mit Antonio Conte getan haben. Es braucht jedoch auch Einsicht, wenn die Aufgabe für einen unerfahrenen Trainer einfach zu gross ist.

Solskjaer wirkt ratlos.
Solskjaer wirkt ratlos.
Bild: EPA

Seit dem Rücktritt von Sir Alex Ferguson haben sich folgende Trainer erfolglos bei Manchester United versucht:

  • David Moyes, 51 Spiele, 1,73 Punkte/Spiel
  • Ryan Giggs, 4 Spiele, 1,75 Punkte/Spiel
  • Louis van Gaal, 103 Spiele, 1,81 Punkte/Spiel
  • José Mourinho, 144 Spiele, 1,97 Punkte/Spiel

Mit Solskjaer schien Manchesters Trainer-Misere endlich zu Ende. Als Interimstrainer holte der Norweger zu Beginn acht Siege in Serie und in 19 Spielen 2,32 Punkte pro Partie. Seit Solskjaer Ende März 2019 definitiv als Trainer bestätigt wurde, ist allerdings der Wurm drin. 45 Partien mit durchschnittlich 1,51 Punkten pro Spiel, lautet die schwache Bilanz.

«Wenn du bei ManUnited bist, wird es immer Kritik geben und wir nehmen diese an.»
Solskjaer nach der Niederlage gegen Burnley.

Auch spielerisch ist während Solskjaers Amtszeit kein Fortschritt zu sehen. United spielt schwach und holt dementsprechend wenig Punkte.

Zu wenig Köpfchen

36:29 Tore in 24 Spielen lautet das Torverhältnis von Manchester United. Das ist in Ordnung, besorgniserregend ist jedoch der Blick auf die Standard-Statistik des Klubs.

Fünf Tore haben die «Mancunians» nach Standards erzielt, das ist im Liga-Vergleich bloss der 14.-beste Wert. Schlechter sind bloss die zwei Aufsteiger Norwich City und Sheffield United sowie der FC Watford.

Noch vernichtender ist die Statistik bei den Gegentoren nach stehenden Bällen. Da sind es bereits zehn Stück, in dieser Sparte ist in der Premier League bloss Everton mit elf Gegentoren nach Standards noch schwächer.

Neben Paul ist auch Marcus Rashford

Der schwierigen Situation nicht gerade förderlich ist das Verletzungspech. Weltmeister Paul Pogba konnte wegen anhaltenden Sprunggelenksproblemen in dieser Saison erst sieben Spiele absolvieren. Der Franzose scheint aber sowieso nicht richtig motiviert, weiterhin bei United zu spielen. Es gibt immer wieder Gerüchte um einen möglichen Abgang des Superstars. Mit Scott McTominay fällt ein weiterer Stammspieler im zentralen Mittelfeld wegen einer Knieverletzung vorerst aus.

Der Beste fällt mit Rückenproblemen aus.
Der Beste fällt mit Rückenproblemen aus.
Bild: EPA

Als hätte das nicht gereicht, hat sich der deutlich konstanteste und beste Stürmer Marcus Rashford ebenfalls verletzt. Der Engländer hat in 31 Spielen in dieser Saison 19 Tore auf dem Konto und fällt nun wegen einer Rückenverletzung aus.

Fan-Ärger mit den Eigentümern

Der Unmut der Anhänger bezieht sich nicht in erster Linie auf die Mannschaft oder den Trainer, sondern viel eher auf die Inhaber und die Geschäftsführung.

Eigentümer von Manchester United ist die amerikanische Unternehmer-Familie Glazer, der auch das Football-Team Tampa Bay Buccaneers gehört. Der 2014 verstorbene Malcolm Glazer kaufte die Aktien von Manchester United auf und machte den Klub zu seinem Privateigentum. Er installierte seine Söhne Joel, Avram und Bryan im Vorstand. Joel ist heute Klub-Präsident.

Solskjaer mit den Brüdern Joel (mitte) und Avram Glazer.
Solskjaer mit den Brüdern Joel (mitte) und Avram Glazer.
Bild: AP/AP

Doch seit der Glazer-Übernahme läuft es dem Klub sportlich überhaupt nicht mehr. Dafür sind die wirtschaftlichen Zahlen hervorragend, Manchester United ist noch immer einer der wertvollsten Vereine der Welt. Und genau das ist auch der Vorwurf der Fans: Der sportliche Erfolg wird dem wirtschaftlichen untergeordnet, eine klare Struktur fehlt.

Die Glazers sind aber nicht selbst aktiv, sie haben hierzu Ed Woodward als Geschäftsführer engagiert. Dieser ist bei den Fans ebenfalls unbeliebt, das Tischtuch zwischen Fans und Klub-Führung längst zerschnitten.

Die Anhänger tun ihrem Unmut regelmässig auch im Stadion kund. So sangen sie in der Schlussphase des Spiels gegen Burnley einmal mehr: «Steh auf, wenn du die Glazers hasst» oder «We want United back.»

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Sie waren «Golden Boys»: Zum besten Talent der Welt gekürt

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Sie waren «Golden Boys»: Zum besten Talent der Welt gekürt
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Er war ganz nah dabei, als ManUnited 1999 die Champions League gewann:

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