Sinner und Djokovic in Wimbledon mit grösser Mühe – Bencic ohne Probleme in die 2. Runde
Bencic mit dem perfekten Auftakt
Die Vorbereitung war durch eine Verletzung im unteren Bereich der rechten Wade beeinträchtigt, so dass Belinda Bencic vor dem Auftakt feststellte, sie fühle sich noch nicht ganz parat. Tatsächlich geriet die als Nummer 11 gesetzte Ostschweizerin gegen die erst 17-jährige Engländerin nach einem Break zum Auftakt gleich 0:2 in Rückstand.
«Man kann sich ja auch ein bisschen ins Turnier hineinspielen», hatte Bencic gehofft - und genau das tat sie dann ziemlich zügig. Nach dem 0:2 gewann die letztjährige Halbfinalistin elf Games in Folge. Die Wildcard-Empfängerin Stojsavljevic, die druckvoll begonnen hatte, konnte Bencic nicht mehr viel entgegensetzen und wirkte auf dieser grossen Bühne etwas überfordert. Die zwölf Jahre ältere Ostschweizerin fand ihren Rhythmus hingegen schon sehr gut. Nach nur 65 Minuten war sie die erste Spielerin im diesjährigen Turnier, die die 2. Runde erreichte.
Hätte sie gerne noch ein wenig länger gespielt, um mehr Matchpraxis zu bekommen? «Oh nein», meint Bencic lachend. «Ich bevorzuge es definitiv, ohne Nerven in die 2. Runde zu kommen.» Sie habe ja jetzt eineinhalb Tage, um sich auf die nächste Partie vorzubereiten. «Dann kann ich immer noch gut trainieren.»
Für Bencic, die bei ihrer zehnten Wimbledon-Teilnahme zum achten Mal in der 2. Runde steht, war es der ideale Auftakt. Die Auslosung erscheint generell vorteilhaft. Auch gegen die nächste Gegnerin Wang Xinyu (WTA 39) wird sie als Favoritin ins Spiel gehen.
Auf die Chinesin trifft Bencic erstmals in ihrer Karriere, mit bösen Überraschungen rechnet sie aber nicht. «Ich kenne sie gut», sagt Bencic. «Sie hat vielleicht ein wenig Ups und Downs, aber sie ist sicher jemand, der auf einem sehr guten Niveau spielen kann.» Wie gut, wird man am Mittwoch sehen.
Sinner mit zwiespältigem Start
In seinem ersten Einsatz seit dem völlig überraschenden Hitzekollaps bei den French Open hinterliess Jannik Sinner einen zwiespältigen Eindruck. Als Weltranglistenerster eröffnete er am Montag traditionell das Turnier in Wimbledon auf dem Centre Court - und verlor gleich den ersten Satz gegen den Serben Miomir Kecmanovic (ATP 50). Am Ende rettete sich der Italiener auch dank 31 Assen in fünf Sätzen mit 4:6, 6:3, 6:7 (6:8), 6:2, 6:3, doch er schien sich auf dem Platz nie so richtig wohlzufühlen und ging auch mehrere Male nach Ausrutschern zu Boden. Er wird sich in der 2. Runde gegen den Portugiesen Nuno Borges (ATP 48) - und erst recht danach - steigern müssen. Immerhin vermied er es, als erst zweiter Spieler nach Lleyton Hewitt (2003 gegen Ivo Karlovic) in der Profiära als Titelverteidiger in der 1. Runde auszuscheiden.
ESPN commentators are speculating on whether or not this is blood coming from inside of Jannik Sinner's shoe at Wimbledon pic.twitter.com/5JUBBF4HrW
— The Tennis Letter (@TheTennisLetter) June 29, 2026
Auch Djokovic mit Mühe
Auch Novak Djokovic – neben Sinner der einzige Wimbledonsieger im Feld – bekundete grosse Mühe. Der Grand-Slam-Rekordsieger schien im vierten Satz körperlich zu leiden, stretchte immer wieder sein Bein und drehte die Hüfte. Am Ende gewann er aber seinen ersten Ernstkampf seit dem Drittrunden-Aus am French Open in gut dreieinviertel Stunden gegen die Weltnummer 102 Wu Yibing aus China 6:4, 5:7, 6:4, 6:4. Bei 21 Wimbledonstarts hat Djokovic nie in der 1. Runde verloren. Eine Option auf den achten Titel im Südwesten Londons war der Auftritt aber nicht.
Drama um French-Open-Finalistin Chwalinska
Am French Open hatte Maja Chwalinska alle verblüfft und als Qualifikantin den Final erreicht, in Wimbledon erlebte sie nun ein Drama. Die 24-jährige Polin führte in der 1. Runde gegen die thailändische Qualifikantin Mananchaya Sawangkaew (WTA 164) 6:2, 5:2, als sie beim Matchball ausrutschte und sich den Knöchel verdrehte. Am Ende verlor sie 6:2, 5:7, 2:6. Chwalinska ist mittlerweile die Nummer 21 der Welt, dennoch war sie auf eine Wildcard angewiesen, da sie zum entscheidenden Datum für die Teilnahme noch ausserhalb der Top 100 klassiert war. (car/riz/sda)
- «Torhüter finden das richtige Timing nicht»: Das Problem mit WM-Ball «Trionda»
- Werro kommt dem Weltrekord immer näher – und deutet an, was sie dafür braucht
- «Respektloses Angebot»: Das ist der aktuelle Stand der Xhaka-Verhandlungen
- Belinda Bencic: «Wahrscheinlich hätte ich lieber Eishockey spielen sollen»
