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Interview

Belinda Bencic im Interview über ihr Leben als Tennisspielerin und Mami

Belinda zu Besuch bei Nestlé als Markenbotschafterin von Purina PRO PLAN in der Schweiz.
Belinda Bencic war bei Nestlé zu Besuch – sie ist die neue Markenbotschafterin von Purina Pro Plan in der Schweiz.Bild: Nestlé
Interview

Belinda Bencic: «Wahrscheinlich hätte ich lieber Eishockey spielen sollen»

Belinda Bencic trainiert weniger, bereitet sich kürzer auf Spiele vor und liefert trotzdem ab. Seit der Geburt ihrer Tochter Bella hat sich für die Olympiasiegerin nicht nur das Privatleben verändert, sondern auch der Blick auf den Sport.
27.05.2026, 08:1627.05.2026, 09:32
Claudia Carvalho

Belinda Bencic steht derzeit am French Open im Einsatz. Am heutigen Mittwoch (11 Uhr) bestreitet die Weltnummer 11 ihr Zweitrundenmatch gegen Caty McNally. Mit watson hat die Schweizer Tennisspielerin darüber gesprochen, warum sie als Mutter weniger trainiert und trotzdem produktiver spielt, wie sie sich in der Preisgeld-Debatte positioniert und wie sie mit dem Titel-Druck umgeht.

Mit dem Projekt bei Purina Pro Plan wird auch Ihre Liebe zu Tieren ersichtlich, besonders zu Hunden. Woher kommt diese?
Belinda Bencic: Ich glaube, die war schon immer da. Mein Bruder und ich wollten schon immer Haustiere haben. Wir sind mit einer Katze aufgewachsen, die 19 Jahre lang gelebt hat. Sie ist erst letztes Jahr verstorben. Meine Grosseltern hatten Hunde und allgemein viele Tiere. Ich habe da auch eine grosse Liebe zu Tieren entwickelt und selbst immer davon geträumt, eines Tages Tiere zu haben. Als ich dann ungefähr 19 Jahre alt war, haben mein Bruder und ich meinen Eltern als Überraschung einen Hund geschenkt. Während Corona habe ich dann mit meinem Mann zusammen unsere Hündin Paula adoptiert.

Belinda Bencic als Botschafterin
Seit März ist Belinda Bencic Botschafterin von Purina Pro Plan Schweiz. Dank der Initiative «Aces for Pets» werden für jedes Ass der Olympiasiegerin 1000 Mahlzeiten an bedürftige Tiere gespendet. Mittlerweile sind es bereits 37 Asse.

Ich nehme an, Ihre Tochter Bella ist auch schon eine Hundeliebhaberin? Ist sie da eher noch zurückhaltend oder hat sie genauso eine Liebe für Tiere wie Sie?
Sie ist genauso wie ich. Wenn man mit Tieren aufwächst, ist das natürlich und normal, dass Tiere um uns herum sind. Sie geniesst das genauso sehr wie wir. Jedes Mal, wenn sie einen Hund sieht, ist sie begeistert.

Belinda Bencic zu Besuch bei Nestlé.
Belinda Bencic liebt Tiere und setzt sich mit Purina Pro Plan aktiv für das Tierwohl ein.Bild: Nestlé

Hätte Bella gerne schon mehr Hunde in der Familie?
Das kann sie noch nicht so genau sagen. Ich würde sicher noch mehr Hunde haben wollen, wenn dann meine Karriere fertig ist und ich ständig zu Hause sein kann. Ab dann sehe ich mich definitiv mit mehr Tieren zu Hause.

Wie haben sich Ihr Leben und Ihre Karriere verändert, seit Sie Mutter wurden?
Es ist natürlich eine grosse Umstellung. Ich glaube, es ist ein Lebensabschnitt, bei dem ich mir nicht mehr vorstellen kann, wie es vorher war. Meinem Tennis hat es sehr gutgetan. Ich hätte nicht erwartet, dass das Comeback so gut wird und ich schon so schnell wieder auf so einem hohen Niveau spielen kann. Auf der anderen Seite ist es mit dem Reisen schon anstrengender und komplizierter geworden – aber nichts, was nicht geht. Wir sind da spontan genug unterwegs, dass wir das logistisch alles hinbekommen.

«Ich konnte auch mit der Vorstellung leben, dass ich hätte aufhören müssen.»

Konnte sich Bella gut an den Touralltag adaptieren mit dem ganzen Herumreisen? Wie hat sich Bella an den Touralltag mit den vielen Reisen angepasst?
Ich muss sagen, im ersten Jahr war es einfacher, als sie noch kleiner war. Ich denke, alle Eltern wissen, wovon ich rede. Mit ganz kleinen Kindern ist es halt einfacher zu reisen. Jetzt wird es ein wenig schwerer im Alter von zwei bis vier Jahren. Aber für sie ist Fliegen und Reisen das Gleiche wie Zugfahren. Sie hat sich schon so daran gewöhnt und es ist schon so derart normal. Wenn wir Koffer packen und zum Flughafen gehen, ist das für sie nichts Besonderes mehr.

Sie haben vorhin schon das Wort Comeback erwähnt. Haben Sie immer an ein Comeback geglaubt?
Ja, auf jeden Fall! Sonst hätte ich es auch nicht geschafft. Ich habe mich mehr auf den Prozess konzentriert als auf das Resultat. Zudem wollte ich mir zeitlich keinen Druck machen. Zwar wurde ich oft gefragt, wann mein Comeback wäre, aber ich wollte kein Datum nennen. Man weiss einfach nie, wie der Körper nach einer Schwangerschaft reagiert, wann man zurückkommt und wie die familiären Umstände sind. Vielleicht wäre es gar nicht möglich gewesen, mit dem Baby zu reisen. Ich konnte auch mit der Vorstellung leben, dass ich hätte aufhören müssen. Aber natürlich wollte ich mein Bestes geben, damit es mit meinem Comeback klappt, und ich bin sehr froh, dass es vom Level her auch reicht.

epa11882914 Belinda Bencic (C) of Switzerland poses with her husband (L) and coach (R) after winning her final match against Ashlyn Krueger of the USA at the WTA Abu Dhabi Open tennis tournament in Ab ...
Februar 2025: Belinda Bencic gewinnt in Abu Dhabi ihr erstes Turnier nach der Mutterschaftspause.Bild: keystone
«Früher wollte ich viel zu sehr und das war fast schon kontraproduktiv.»

Hat sich Ihr Blick auf den Sport verändert?
Ja, mein Blick hat sich auf jeden Fall verändert. Ich nehme alles ein bisschen «easier». Ich habe weniger Stress. Wenn ich auf dem Platz bin und spiele, mache ich mir automatisch weniger Druck, weil ich weiss, es gibt Wichtigeres im Leben als Tennis. Ich glaube, ich kann nun viel besser mein privates Leben und das Tennisleben unterteilen.

Wie hat sich Ihr Touralltag konkret verändert? Nehmen Sie auch diesen Alltag «easier»?
Ich trainiere sicher weniger, als ich früher trainiert habe, aber dafür viel produktiver. Manchmal fühle ich mich, als wäre ich weniger professionell als vorher, auch wenn das nicht der Fall ist. Ich mache weniger Physio, habe vielleicht kürzere Trainings und bereite mich auch weniger lang auf ein Spiel vor. Das hilft mir mehr, weil ich es vorher zu fest wollte, mich zu fest vorbereitet und auch zu fest ans Spiel gedacht habe. Ich wollte einfach viel zu sehr und das war fast schon kontraproduktiv.

May 24, 2026, Paris, France, France: Belinda BENCIC of Swiss celebrates his point during the first day of the Roland-Garros 2026, French Open 2026, Grand Slam tennis tournament at Roland-Garros Stadiu ...
Belinda Bencic feiert ihren ersten Sieg am diesjährigen French Open gegen Ajla Tomljanović aus Australien.Bild: www.imago-images.de
«Sobald ich aber vom Platz komme, bin ich nicht mehr Tennisspielerin, dann bin ich einfach Mami.»

Und wie bringen Sie den Tour-Alltag und Tochter Bella unter einen Hut?
Wenn wir an den Turnieren sind, ist mein Mann immer dabei und schaut rund um die Uhr auf Bella. Manchmal schaut auch meine Mama oder gelegentlich meine Schwägerin – unsere ganze Familie hilft sehr mit. Sobald ich aber vom Platz komme, bin ich nicht mehr Tennisspielerin, dann bin ich einfach Mami und das passt für mich auch sehr gut so. Es ist sehr natürlich.

Es spricht auch für Ihre mentale Stärke. Sie sagen, Sie trainieren weniger, Sie schaffen es dann aber trotzdem, abzuliefern auf dem Feld. Haben Sie in die mentale Arbeit Zeit investieren müssen, um auf dem Platz so bereit sein zu können?
Ja sicher, die mentale Umstellung war da. Ich musste mich darauf einstellen, dass es jetzt einfach anders ist und dass ich andere Bedingungen habe. Bei mir war auch klar, dass für uns, meinem Mann und mich, unsere Tochter absolute Priorität hat. Früher war es halt immer nur Tennis und ich habe alles fürs Tennis gemacht. Jetzt ist das nicht mehr so und ich bin völlig zufrieden damit. Resultate sind nicht nebensächlich, aber sicher nicht mehr die oberste Priorität.

Wie gross ist denn Bellas eigenes Interesse am Tennis? Spielt sie auch schon auf ihre eigene Art und Weise?
Ich glaube, sie ist noch zu jung, um das definieren zu können, aber sie imitiert schon, was ich mache, und fühlt sich wohl auf dem Tennisplatz. Wir nehmen sie fast überall mit, ins Fitness, ins Konditionstraining und auch, wenn ich Lauftrainings habe. Sie ist immer mit dabei. Was man mit den Kindern macht und ihnen zeigt, wird auch zur Normalität für sie. Sie spielt manchmal schon, aber es ist noch zu früh, um zu sagen, ob sie das auch wirklich will.

«Sport ist eine gute Lebensschule – man lernt sehr viel für das ganze Leben.»

... es wäre aber natürlich schon schön, wenn sie auch Tennis spielen würde, oder?
Also für mich ist das nicht so wichtig. Natürlich wäre es super schön, wenn sie Tennis spielen könnte. Auf welchem Niveau sehen wir dann später. Für mich wäre es vor allem sehr wichtig, dass sie Sport macht, egal was für eine Sportart. Meiner Meinung nach ist Sport eine gute Lebensschule – man lernt sehr viel für das ganze Leben.

Kommen wir zum Sportlichen: Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer bisherigen Sandplatzsaison?
Ich würde sagen: neutral. Ich habe nicht meine grössten Erwartungen an die Sandsaison. Aber ich bin eigentlich zufrieden, wie ich in Madrid gespielt habe. In Rom konnte ich zum ersten Mal seit langer Zeit sogar die dritte Runde erreichen, obwohl ich nur ein Spiel gewonnen habe. Rom ist nicht so mein Turnier, was die Konditionen angeht. Grundsätzlich habe ich das Gefühl, es läuft gut und ich merke auch im Training, dass ich mich besser fühle, besser spiele und mich besser bewege als normalerweise. Deshalb hoffe ich, dass ich in Paris ein gutes Resultat erzielen kann. Letztes Jahr habe ich nicht gespielt und muss darum keine Punkte verteidigen, was sicher gut ist. Ich freue mich aber natürlich schon sehr auf die Rasen- und Hartplatzsaison.

Überhaupt fehlt in dieser Saison bislang noch ein grosser Exploit wie ein Titelgewinn.
Wenn ich jetzt zum Beispiel ein 60'000er- oder 100'000er- oder 125'000er-Turnier (Turnier der tieferen WTA-Kategorie, Anm. der Red.) spielen würde, dann würden die Titel kommen, aber das ist nicht, was zählt. Ich konzentriere mich auf das Ranking, ich will in die Top 10 der Welt und konstant sein. Darum konzentriere ich mich mehr bei Turnieren darauf, dass ich gute Punkte machen kann. Ich möchte sicher auch nicht zu viel spielen, sondern die Saison gut planen. Nur weil ich letztes Jahr zwei Titel gewonnen habe, ist das jetzt ein Standard geworden. Im Tennis ist es aber schwer, so etwas zu planen. Jetzt möchte ich mich auf das Ranking konzentrieren und darauf, dass ich da unter die Top 10 oder sogar Top 8 komme.

Tokyo 2020 Olympics, Olympic Tennis Event Belinda Bencic SUI with her 2 Olympic Medals Photo: Sportfoto Zimmer/Daniel Kopatsch Tokyo 2020 Olympics *** Tokyo 2020 Olympics, Olympic Tennis Event Belinda ...
Belinda Bencic gewinnt Olympiagold im Tennis.Bild: www.imago-images.de
«Wir wollen nicht mehr Geld, wir wollen einfach ein grösseres Stück des ganzen Kuchens.»

Spüren Sie den Druck oder die Erwartungen, die von aussen kommen, dass Sie wieder einen Titel erreichen müssen?
Nein, nur wenn mich Journalisten fragen (lacht). Nein, wie gesagt, es sind Erwartungen, welche ich nicht an mich selbst habe. Wir arbeiten bereits an der neuen Saison. Aber ja, klar, wenn ich im Internet schaue und gewisse Sachen lese, dann spürt man den Druck. Ich probiere, da professionell zu bleiben und mich nicht davon beeinflussen zu lassen.

Rund um Roland Garros gab es zuletzt grosse Diskussionen rund um die Preisgelder. Die Spielerinnen und Spieler fordern einen grösseren Teil des Kuchens und sprachen sogar von möglichen Streiks. Wie stehen Sie dazu?
Das Momentum ist sicher auf unserer Seite. Spielerinnen und Spieler fangen an, mehr dafür aufzustehen. Das Thema ist nichts Neues, es ist schon lange ein Dorn im Auge. Tennisprofis werden oftmals falsch verstanden. Es heisst immer, wir verdienen gut und zu viel. Aber es geht ja gar nicht um die, die zu viel verdienen, sondern es geht um die, welche zu den Top 150 der Welt gehören und sich keinen Trainer leisten können, geschweige denn einen Physiotherapeuten. Ich denke, das ist das Thema. Bei den Grand Slams sind es nur 17 Prozent von den gesamten Einnahmen, die den Spielern als Preisgeld gegeben werden. Wir wollen nicht mehr Geld, wir wollen einfach ein grösseres Stück des ganzen Kuchens, damit auch mehr an die schlechter platzierten Spieler verteilt werden kann. Wir wollen auch nicht 50 Prozent wie bei anderen Sportarten, sondern nur 22 Prozent.

«Wahrscheinlich hätte ich gar nicht Tennis spielen sollen, sondern Fussball oder Eishockey.»

Und es geht nicht nur um höhere Preisgelder.
Wir finden, wir müssten grundsätzlich eine wichtigere Rolle haben. Es geht auch um Welfare-Programme wie Mutterschaftsurlaub oder eine Spieler-Pension, bei denen Grand Slams auch dabei helfen können. Wir wollen auch als Athletinnen und Athleten mehr beteiligt sein bei Regeländerungen oder wenn Spiele verschoben werden. Denke, es ist einfach wichtig, dass wir auch eingeweiht werden und es nicht einfach nur von den Medien hören.

Sie sind Olympiasiegerin und haben mit dem Schweizer Team den Billie Jean King Cup gewonnen. Wenn Sie mit dem Schweizerkreuz auf dem Trikot spielen, löst das irgendetwas in Ihnen aus. Haben Sie eine Erklärung?
Vielleicht schon. Ich glaube, ich hatte schon als Kind sehr gerne Team-Events. Vielleicht bin ich tief in mir einfach eine Teamplayerin. Wahrscheinlich hätte ich gar nicht Tennis spielen sollen, sondern Fussball oder Eishockey. Ich habe es halt sehr gerne, als Team zu spielen, und fühle mich dann nicht so alleine auf dem Platz. Für die anderen zu kämpfen und zu spielen mag ich auch sehr. Es kommt ein ganz anderer und grösserer Kampfgeist in mir heraus. Ich wünsche mir, es gäbe mehr Team-Wettkämpfe. Oder dass, auch wenn ich alleine spiele, meine Teammitglieder auf der Bank sitzen, die mich unterstützen. Es ist ein grosses Privileg, dass ich die Schweiz in meinem Sport repräsentieren kann. Ich habe schon immer gerne die Olympischen Spiele, Fed Cup oder Davis Cup geschaut und hatte auch immer Hühnerhaut bei der Hymne und bei der Vorstellung, das eigene Land zu repräsentieren.

«Ich werde bis zum Ende meiner Karriere vom Grand-Slam-Titel träumen.»
Switzerland's players Jil Teichmann, Viktorija Golubic, Belinda Bencic and Simona Waltert, from left, celebrates after defeating Australia to win the Billie Jean King Cup tennis finals, at the Em ...
Die Schweizerinnen Jil Teichmann, Viktorija Golubic, Belinda Bencic und Simona Waltert (v. l. n. r.) feiern ihren Sieg beim Billie Jean King Cup.Bild: keystone

Was Ihnen noch fehlt, ist der Grand-Slam-Titel. Wie gross ist Ihre Zuversicht, dass es irgendwann damit noch klappt? Oder könnten Sie Ihre Karriere auch akzeptieren, wenn Sie dieses grosse Ziel nie erreichen?
Beides. Ich werde sicher bis zum Ende meiner Karriere träumen und daran glauben, dass ich den Grand-Slam-Titel holen kann. Auch wenn ich es nicht schaffe, verändert das nichts an meiner Karriere und ich habe genau gleich viel erreicht und mich hingegeben. Es würde mich jetzt nicht definieren, aber es wäre sicherlich ein Traum. Jede Tennisspielerin und jeder Tennisspieler würde diesen Titel gerne gewinnen. Man muss bis zum Schluss alles geben und dann sieht man, wo man hinkommt.

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Die Emotionen von Belinda Bencic im Olympia-Final
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Die Emotionen von Belinda Bencic im Olympia-Final
Belinda Bencic startet entschlossen in die Partie, startet mit Break und holt sich den ersten Satz.
quelle: keystone / laurent gillieron
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Video: watson
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